30 Jahre VCS Sektion St. Gallen / Appenzell

Geschichte: VCS Sektion St. Gallen / Appenzell

Am 31. Mai 1980 wurde im Hotel Hecht St. Gallen die VCS Sektion St. Gallen / Appenzell gegründet. Seit über 25 Jahren bestimmt der VCS die Verkehrspolitik in unserer Region aktiv mit.

Ziele sind weiterhin Aktuell

Bereits ein Jahr nach der Gründung des Verkehrsclub der Schweiz im Frühling 1979 sollten die 500 VCS-Mitglieder in den Kantonen St. Gallen und beider Appenzell in einer Sektion zusammengefasst werden. Damit wurden regionale Strukturen aufgebaut, welche es erlauben, auch in lokale und regionale verkehrspolitische Fragen einzugreifen und die Ziele und Grundsätze des VCS in der Fläche umzusetzen. Diese Zielsetzungen sind auch nach 25 Jahre noch aktuell: So hiess es in der ersten Pressemitteilung, "dass sich die VCS Sektion für eine umweltgerechte Verkehrspolitik einsetzt und eine Harmonie zwischen dem Verkehr und der von ihr betroffenen Umwelt. Insbesondere geht es um eine Demokratisierung des Verkehrs: Alle Verkehrsteilnehmer, also auch Fussgänger und Velofahrer, sollen als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden. Darüber hinaus wendet sich der VCS gegen die Zerstörung der Umwelt durch überrissenen Strassenausbau."

Bescheidene Anfänge

Die von Tagespräsident Res Lerch, Goldach geleitete Gründungsversammlung musste noch mit bescheidenen Mitteln haushalten. Das Budget für das erste Vereinsjahr betrug Fr. 2'500.-. Die Mitgliederwerbung, sowie die Gründung von Arbeitsgruppen und Regionalgruppen bildeten die Hauptaktivitäten im ersten Jahr. Die erste Regionalgruppe wurde bereits im Herbst 1980 in St. Gallen gegründet, welche gleich in den Abstimmungskampf zur Südumfahrung einstieg. Der Aufbau von halb-professionellen Strukturen mit der Betreuung einer eigenen Geschäftsstelle dauerte eine ganze Weile. So wurde erstmals 1984 die damalige Präsidentin Marianne Schluchter mit zwei Stunden pro Woche und einer Entschädigung von 10.- Fr./ Stunde angestellt. Dank einer Schenkung konnte 1986 eine Geschäftsstelle eingerichtet werden, welche mit dem Einzug in die Waisenhausstrasse 1 über dem Claro eigene Räumlichkeiten erhielt.

Ausbau der Geschäftsstelle

Die VCS Sektion St. Gallen / Appenzell verzeichnete insbesondere in den ersten zehn Jahren einen steilen Mitgliederzuwachs von 500 Mitgliedern (1980) auf 6'650 Mitglieder (1990). Das Budget konnte von 2'500.- Fr. (1980) auf Fr. 54'400.- (1990) erhöht werden, was einen Ausbau des Sekretariats erlaubte, was eine Professionalisierung mit sich brachte. Im Frühling 2001 konnte die Geschäftstelle an der Marktgasse 14 etwas freundlichere Büroräume mitten in der Altstadt St. Gallen beziehen. Die Führung einer eigenen Geschäftsstelle wird im Wesentlichen durch die freiwilligen Mitgliederbeiträge gedeckt.

Seit 1991 führt Markus Hartmann Verkehrsplaner in Herisau ein Mandat für die Führung der Verkehrsberatungsstelle. Diese dient als Ansprechpartner für Gemeinden, Elternvereine oder Anwohnergruppen bei Verkehrsproblemen. Aber auch der Vorstand kann sich so Fachwissen und vertiefte Abklärungen zu einer Fragestellung einholen.

Vielfälltige Tätigkeiten

Die Tätigkeiten der VCS-Sektion sind breit. Schwerpunkte werden vorgegeben durch die aktuelle Tagespolitik, überrissene Strassenprojekte oder den Ausbau des Flugverkehrs. Die Unterstützung von nationalen Abstimmungskämpfen (Kleeblatt-Initiative, Bahn 2000, Alpeninitiative, NEAT, Finöv, Anti Avanti-Initiative u. A.) gehört ebenso zum Aktionsfeld, wie Interventionen für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. In den späten achtzigern und frühen neunziger-Jahren bildete der Kampf gegen Umfahrungen im Toggenburg und im Linthgebiet ein Schwerpunkt. Dank dem damals neuen Strassenbaugesetz konnte 1991 zum ersten Mal gegen die Umfahrung T8/A8 Jona-Schmerikon ein kantonales Referendum ergriffen werden. Es wurden 10'000 Unterschriften gesammelt und ein intensiver Abstimmungskampf geführt – die Abstimmung ging dann aber 45 % – 55 % verloren. Einen Erfolg verbuchte dann der VCS vor Bundesgericht. An den anschliessenden Verhandlungen mit dem Kanton konnte immerhin ein Verzicht auf das Aatal-Viadukt Neuhaus und die Planung von flankierenden Massnahmen erreicht werden.

Ein wichtiger Punkt der Sektionstätigkeit bildet mehr und mehr das Rechtsverfahren. In Einsprachen zum Säntis-Park Abtwil (vor Verwaltungsgericht gutgeheissen), dem "West-Center", Winkel oder dem Jumbo Markt St. Gallen oder Waro Rickenbach und bei etlichen weiteren Projekten wie etwa beim Stadion Winkeln konnten durch Vereinbarungen Verbesserungen erreicht, oder das Vorhaben verhindert werden. Heute ist es für Promotoren von solchen verkehrsintensiven Verhandlungen üblich, bereits in einem frühen Planungsphase mit dem VCS das Gespräch und einvernehmliche Lösungen zu suchen.

Eigene Lösungsstrategien

In den letzten Jahren versucht die VCS Sektion vermehrt auch eigene Lösungsstrategien in den Vordergrund zu rücken, etwa mit der Durchführung von Exkursionen zu vorbildlichen Strassenraumgestaltungen oder Vorschlägen für eine stadtverträgliche Bewältigung des Agglomerationsverkehrs.

Nicht alles kann getan werden

Die VCS Sektion St.Gallen / Appenzell hat in den letzten Jahren dank der ehrenamtlicher Arbeit vieler Aktivisten und Vorstandsmitglieder und der Unterstützung durch die rund 8'000 Mitglieder einiges erreicht. Der Trend zu immer mehr (unnötigem) Verkehr, welche unsere Dörfer und Städte belasten, konnten aber auch wir nicht stoppen. Wegen den begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen können nicht alle wünschbaren Aktivitäten umgesetzt werden. Immerhin gelingt es uns, unsere Themen auf die politische Traktandenliste zu setzen und wo nötig ein starkes Gegengewicht zu bilden. Wenn hier eine Tempo 30 Zone eingerichtet wird, dort ein Veloweg gebaut wurde und da ein akzeptables öV-Angebot besteht und in der Stadt in einer Fussgängerzone eingekauft werden kann oder inzwischen auch laut über eine Umgestaltung der Hauptstrassen nachgedacht wird, geht dies vielfach auf das Konto des VCS: In diesem Sinn wird sich die VCS Sektion St. Gallen / Appenzell auch künftig für mehr Lebensqualität in unserem Wohnumfeld einsetzen und dem Schutz der Natur und Umwelt eine Lanze brechen.

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PräsidentInnen der VCS – Sektion St. Gallen / Appenzell:

Bruno Hug

1980 – 1881

Res Lerch

1981 – 1982 1985 – 1986

Marianne Schluchter

1982 – 1985

Phillip Schuchter

1986 – 1989

Peter Hüberli

1989 – 1992

Silvano Möckli

1993 – 1995

Pius Schürmann

1996 - 1999

Doris Königer

2000-2006

Ruedi Blumer und Martin Stamm

seit 2007


GeschäftsleiterInnen

Marianne Schluchter

1984 – 1988

Tina Maeder

1988 – 1992

Peter Jans

1992 – 1999

Margot Benz

1999 – 2004

Thomas Schwager

2004 - 2008

Carola Hillmann

2008 - 2009

Robert Furrer

seit 2010


Aktive Regionalgruppen

Seit Beginn der Sektion leisten die Regionalgruppen eine wichtige Arbeit. Schon 1981 lancierte die Ortsgruppe St. Gallen eine Petition mit 1'200 Unterschriften für Tempo 40 auf der Flurhofstrasse. Der nachfolgende Rekurs des TCS wurde ein Jahr später abgewiesen. Weniger erfolgreich waren Eingaben und Abstimmungskämpfe gegen den Strassenausbau etwa der Ausbau der Leonhardsstrasse auf vier Spuren, den Ausbau der Rehtobelstrasse, Davidstrasse u. A. Der Abstimmungskampf zur Südumfahrung und Umfahrung Heiligkreuz 1992 ging der VCS als Sieger hervor. Weitere Regionalgruppen wurden in anderen Regionen gegründet: Sarganserland 1982, Wil 1984, Appenzell Vorderland 1984, Werdenberg 1985, See / Gaster 1986, Gossau / Unertoggenburg 1986, Appenzell Mittelland 1987, Rorschach 1988. Nicht alle Regionalgruppen sind heute noch aktiv. Das Engagement der lokalen Gruppierungen hängt vielfach von einzelnen Personen oder auch aktuellen regionalen Themen ab. Die Orts- und Regionalgruppen sind es aber, welche mit der Organisation von Velobörsen, Unterschriftensammlungen oder dem Einsatz für lokale Verkehrsprobleme wie etwa der Einführung von Tempo 30 Zonen dem VCS gegen Aussen lokal vertreten und beste Werbung für den Verband machen.

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