VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Bernstrasse Zollikofen

Beschrieb

Die Bernstrasse ist seit dem letzten Jahrhundert eine wichtige Verbindungsachse (Bern-Zürich), und sie wurde in mehreren Schritten ausgebaut. Der DTV beträgt rund 20'000 Fahrzeuge. Wegen der lichtsignalgesteuerten Kreuzungen und dem intensiven Abbiegeverkehr im Zentrum kam es täglich zu Staus. Lärm, Abgase, lange Wartezeiten, Unfälle und ein von der Strasse zerschnittenes, wenig attraktives Ortszentrum machten die Bernstrasse in Zollikofen zum Politikum. Der Grosse Gemeinderat liess sich nicht mehr länger durch die unsichere Option einer Umfahrungsstrasse vertrösten. 1986 wurde die "Kommission Bernstrasse" eingesetzt, der Kanton Bern löste die Neuplanung der Ortsdurchfahrt Zollikofen aus.

Der Mittelbereich erleichtert Linksabbiege-Manöver. Der nachfolgende Verkehr kann passieren ohne durch das abbiegende Fahrzeug behindert zu werden

In Zollikofen wurde erstmals im Kanton Bern das "Koexistenz"-Prinzip auf eine stark befahrene Hauptstrasse übertragen, d.h. die permanente Steuerung des Verkehrs durch Ampeln wurde durch die Selbstorganisation und Verständigung zwischen den VerkehrsteilnehmerInnen ersetzt. Elemente dieser neuen Verkehrsorganisation sind Kreisel an den Knoten und ein langer durchgehender Mittelstreifen (Fahrspur 4,2 m - Mittelzone 1,8 m - Fahrspur 3,5 m). Der Mittelstreifen ist gepflästert. Ausser an Stellen mit Fussgängerstreifen, die mit Inselpfosten gesichert sind, ist der Mittelstreifen überfahrbar.

Der Mehrzweckstreifen wurde in erster Linie für Autos und Velos entwickelt. Im Alltag zeigt sich, dass sich die FussgängerInnen den Mehrzweckstreifen ebenfalls aneignen: Lücken im Verkehr werden ausgenützt, dann einige Meter auf dem Mittelstreifen zurückgelegt und schliesslich die zweite Fahrspur überquert. Zusammen mit den Kreiseln trägt der Mehrzweckstreifen zur Reduktion der Störungen im Verkehrsfluss bei.

Ergebnisse

Bei den Fussgängerstreifen wurde der Mittelbereich mit einem Poller gesichert und mit Bäumen optisch akzentuiert.

Die Kreuzung Bären war früher ein Unfallschwerpunkt. Seit der Umgestaltung in einen Kreisel (Durchmesser 28 m) gab es keinen Unfall mehr, an dem Fussgänger- oder VelofahrerInnen beteiligt waren.

Die mittlere Wartezeit eines Autos pro Durchfahrt konnte von 22 s (LSA) auf 10 sec. verkürzt werden. Im Vergleich zur Lichtsignalanlage erzeugt ein Kreisel im Tagesmittel einen Drittel der Stops, jedoch rund doppelt so viele Verlangsamungen.

Durch Luftmessungen vor und nach der Realisierung wurde bei gleichbleibendem, Verkehr ein Rückgang der Stickoxydimmissionen um ca. 40% festgestellt.

Die Wartezeiten der FussgängerInnen bei den Knoten Bären und Kreuzplatz konnten von vorher ca. 70 Sekunden auf ca. 7 sec. gesenkt werden

Daten

Verkehrsmenge (DTV) ca. 20'000 Fzg/Tg
Kosten 15,3 Mio Fr. davon 8,1 Mio für Neubau und Umgestaltung. Rest für Erneuerung und Lärmschutz
Quellen Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis II: Koexistenz statt Dominanz im Strassenverkehr - Das Berner Modell in Planung und Praxis (weitere Informationen siehe dort)
Bilder s/w TBA Kt. Bern