VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
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Bahnhofplatz Winterthur

Mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes erhielt der stattliche Bahnhof Winterthur einen optisch ansprechenden Vorbereich. Doch der Platz ist noch nicht zu Ende gebaut.

Der Bahnhofplatz ist das städtebauliche Scharnier zwischen dem Bahnhof und der Altstadt, aber auch viel begangener Umsteigeknoten zwischen Stadtbus, Regionalbussen, der Bahn und dem Fussverkehr. Es ist die Grosszügigkeit, welche den neu gestalteten Bahnhofplatz auszeichnet und dem historischen Bahnhofsgebäude und dem neuen Stadttor erst den gebührenden Rahmen bietet. Der vom Architekten Ueli Zbinden gestaltete Platz weist eine einfache Geometrie und Organisation auf. Dank der Verlagerung der Kurzzeitparkplätze vor dem Bahnhof verkehren auf dem Platz nur Busse, Taxis, Velos und Fussgängerinnen und Fussgänger.

Der Platz selber ist in dunkel eingefärbtem Beton ausgeführt, die Seitenbereiche vor dem Bahnhof in edlem Naturstein.

Bushof Untertorplatz

Der Untertorplatz: Von der grosszügigen Gestaltung des Bahnhofplatzes ist am Untertorplatz (noch?) nichts zu sehen.

Während der Bahnhofplatz selber weltstädtisches Ambiente ausstrahlt, besteht im Bereich des ursprünglichen Bushofes noch die frühere Enge. Es besteht ein Bruch zur übrigen Gestaltung: Der wichtige Zugang zum Untertor und zur Marktgasse ist verstellt, die Grosszügigkeit durch Perrons, Imbissstand und bogenförmige Vordächer beeinträchtigt. Tatsächlich bestand die Absicht, die Gestaltung des Bahnhofplatzes auf den Untertorplatz auszudehnen. Diese Pläne sind aber aufgrund der Ansprüche der Winterthurer Verkehrsbetriebe (vorläufig?) ausgesetzt. Die Umsetzung der ursprünglichen Gestaltungsidee bedingt den Verzicht auf fest zugeteilte Haltekanten einzelner Buslinien und die Umstellung auf einen «Flussbetrieb». Die Busse dürften am Bushof nicht mehr das Rendezvous abwarten, sondern würden an den Endhaltestellen warten; mit Vorteil für die direkten Fahrbeziehungen der Durchmesserlinien, aber ebensolchem Nachteil für alle Umsteigepassagiere zwischen den einzelnen Buslinien.

Verkehrsregime - Miteinander im Verkehr

Das Miteinander im Verkehr funktioniert auf dem Bahnhofplatz in der Regel gut. Eine Klärung der Verhältnisse könnte mit einer Begegnungszone geschaffen werden.

Auf dem Bahnhofplatz gibt es keine Fussgängerstreifen mehr. Es ist möglich, den Platz in der ganzen Fläche zu überqueren, was allerdings insbesondere für ältere Personen und behinderte Menschen nicht einfach ist. Die Buschauffeure müssen ihr Gefährt zwischen dem lebhaften Treiben des Fuss- und Radverkehrs durchführen und langsam fahren.

Es besteht Mischverkehr unter dem Regime «Fahrverbot für Motorfahrzeuge mit Ausnahmen für Zubringerdienst». Dieses Regime funktioniert in der Regel gut, obwohl offiziell Tempo 50 gilt.

Das Regime der Begegnungszone wurde für Mischverkehr mit einem hohen Anteil an Fussverkehr geschaffen und ist in der Schweiz seit bald vier Jahren zugelassen. In einer Begegnungszone besteht Fussgängervortritt und Tempo 20. Dass sich Begegnungszonen insbesondere auch für Bahnhofplätze eignen, zeigen die Bahnhofplätze von Baar, Baden, Genf oder Romanshorn und viele weitere Beispiele.

Übergang am Archplatz: Unbeliebte Unterführung. Mit dem Neubau auf dem arch-Areal besteht ein erhöhter Handlungsbedarf für eine attraktivere Gestaltung des Überganges zwischen Bahnhof/Altstadt und der neuen Überbauung.

Der Zugang von und zum Bahnhof ist noch nicht ideal gelöst.

Während auf dem Bahnhofplatz und in der Altstadt für den Fuss- und Radverkehr gute Verhältnisse bestehen, ist die Situation im Bereich des Archplatzes und der Gleisunterquerung schwierig. Die Verhältnisse sind unübersichtlich, und der Fuss- und Radverkehr steht im Konflikt mit den Flächenansprüchen des motorisierten Verkehrs. Immerhin: Eine ebenerdige Querung über einen Fussgängerstreifen ist möglich. Doch verstärken der Neubau auf dem Archareal und der stete Ausbau des Sulzer-Areals den Handlungsbedarf für eine Verbesserung der Situation. Die Stadt hat denn auch im Jahr 2005 einen Wettbewerb zur Verbesserung der Gleisquerung durchgeführt. Die Umsetzung dieser Pläne mit den notwendigen planerischen und politischen Verfahren dürfte allerdings noch einige Jahre benötigen.

Daten

Konzept Ueli Zbinden, Zürich
Realisation 2003
Verkehrsregime Fahrverbot ausgenommen Busse, teilweise auch Velos
Text / Fotos / Illustration Andreas Bernhardsgrütter
Quelle Info Fussverkehr 05/04