VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
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S-Bahn St.Gallen 2013 ist nur ein erster Schritt

Ohne Perspektiven

St. Gallen, 25. Januar 2010. S-Bahn-Ausbau ohne Zukunftsperspektiven.

Für einen punktuellen Strassenausbau im Toggenburg will der Kanton über 300 Millionen Franken ausgeben. Beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs für den ganzen Kanton beschränkt er sich auf 50 Millionen Investitionen. Es ist nur der erste Schritt. Der S-Bahn-Ausbau ist in seinen Grundzügen angedacht aber es fehlen Zukunftsprojekte mit klaren Zeitvorgaben. Das Kantonsparlament hat den Auftrag hier noch nachzuhaken, zu verbessern und klare Aussagen einzufordern.

Endlich präsentiert der Kanton St.Gallen seine Vorlage für den Ausbau der S-Bahn. Und alle bereits im Vorfeld bemängelten Lücken und Schwächen bewahrheiten sich.

Erfreulich ist, dass das Zugsangebot bis Ende 2013 um rund 30 Prozent erhöht wird. Weil jahrzehntelang zuwenig in die Infrastruktur investiert wurde, ist das Schienennetz nicht in der Lage, den ursprünglich angestrebten Ausbau (Halbstundentakt für alle) aufzunehmen. Die Folge ist, dass die Verbesserungen für einige, vor allem grösseren Orte, mit einem schmerzhaften Abbau in der Fläche bezahlt werden müssen.

Statt entschlossen in einen substanziellen Ausbau der Infrastruktur zu investieren, versteckt sich die Regierung hinter Ausreden. Die Kapazität ausserhalb des Kantons ist Schuld, die „nicht sachgerechte“ Finanzierung lässt Investitionen nicht zu, einseitige „Kosten-Nutzen-Überlegungen“ haben die Planung festgelegt.

An verschiedenen Stellen wird auf Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und die erzielte Effizienzsteigerung hingewiesen. Das ist grundsätzlich sehr erfreulich. Nur was nützen die neuen S-Bahn-Züge, wenn sie an vielen Stationen einfach durchfahren (keine Halte mehr in Algetshausen-Henau, Schwarzenbach, Weesen, Räfis-Burgerau, Weite, Trübbach; weniger Halte in Bruggen, Winkeln, Arnegg; in Schänis und Benken hält die Ringbahn S4 nicht)? Wird die S-Bahn für die Kundinnen und Kunden gemacht oder für die Betreiber?

Hier wird mit unterschiedlichen Massstäben gemessen. In den beiden Vorlagen für die Umfahrungen Bütschwil und Wattwil etwa, wird die Wirtschaftlichkeit mit keinem Wort erwähnt. Dabei kosten sie mit 323.7 Millionen gut sechsmal mehr, als die Regierung mit der S-Bahn-Vorlage für den ganzen Kanton investieren will!

Die Aussagen, bis wann die Mängel des Konzeptes behoben werden sollen, sind äusserst wage. Man „strebt an“, „prüft für einen späteren Zeitpunkt“ und „lässt offen“. Ob dese Lücken 2015 behoben werden, oder 2018, oder erst mit „Bahn 2030“, die Regierung will sich nicht verpflichten und setzt sich keine klaren Ziele.

Dort wo künftig Busse statt Bahnen verkehren sollen (zwischen Wil und Uzwil, Buchs und Sargans, Uznach und Ziegelbrücke) bringt man nicht mehr als unverbindliche Versprechungen zustande. Niemand weiss heute, wann, wie oft und wie schnell diese Ersatzangebote verkehren werden. Es ist vorauszusehen, dass sie von den Gemeinden finanziert werden müssen, denen man den Bahnhof zugemacht hat.

Für den VCS sind die Forderungen klar:

  • Halbstundentakt für alle Haltestellen (zumindest nirgends einen Abbau gegenüber heute)
  • Wenn schon keine neuen Haltestellen, so zumindest keine Aufhebungen (Algetshausen-Henau, Schwarzenbach, Weesen, Räfis-Burgerau, Weite, Trübbach)
  • Doppelspurausbau Buchs-Räfis-Sevelen
  • Ausbau Kreuzungsstellen Wattwil - Nesslau
  • Infrastrukturausbau Wil - St.Gallen, damit S1 weiterhin auch in Bruggen, Algetshausen-Henau und Schwarzenbach halten kann.
  • Dort wo es für eine Übergangsfrist nicht vermeidbar ist, müssen klare und verbindliche Buskonzepte vorgelegt und deren Finanzierung durch den Kanton sichergestellt werden (Wil-Uzwil, Sargans-Buchs, Uznach-Ziegelbrücke).

Es liegt jetzt am Kantonsrat, hier klare Aufträge zu erteilen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Regionen sind aufgefordert, die Regierung auf verbindliche Ziele zu verpflichten. Sonst hören wir in fünf und zehn Jahren die gleichen Begründungen.

Das Angebot der S-Bahn 2013 auf den einzelnen Strecken im Kurzüberblick

Wil - St.Gallen

Der zusätzliche Zug (verlängerter REX) hält zwischen Wil und St.Gallen nur in Uzwil, Flawil und Gossau.

  • Schwarzenbach wird geschlossen.
  • Algetshausen-Henau. wird geschlossen.
  • Bruggen wird weitgehend geschlossen und erhält gerade noch einen Halt der S5 pro Stunde. Umsteigefreie Fahrten in Richtung Wil gibt es nicht mehr.
  • Winkeln (AfG-Arena, Westcenter etc.) verliert die Halte der Verstärkungszüge auf der S5.

St.Gallen - Rorschach - Altstätten - Buchs

Hier gibt es einen klaren Ausbau. Bis Buchs fährt ein Zug pro Stunde zusätzlich.

St.Fiden und Rheineck können wegen der wegfallenden Schnellzugshalte aber vom Mehrangebot nicht profitieren. Ebenfalls gleich bleibt das Angebot in Au und Heerbrugg (heute bereits 2/3 Züge pro Stunde).

In Oberriet, Rüthi und Salez-Sennwald gibt es wieder einen Halt pro Stunde.

Buchs - Sargans

Kein Ausbau, es verkehren weiterhin zwei Züge pro Stunde.

  • Räfis-Burgerau wird geschlossen.
  • Weite wird geschlossen.
  • Trübbach wird geschlossen.

Sargans - Ziegelbrücke und Ziegelbrücke - Uznach

Der zusätzliche Zug pro Stunde hält nur in Uznach, Ziegelbrücke, Walenstadt, Flums und Sargans. Die übrigen Orte profitieren nicht vom Ausbau.

  • Weesen wird geschlossen.

St.Gallen - Weinfelden

Das Grundangebot bleibt gleich. Die Zusatzzüge halten allerdings nicht mehr in Bruggen, Winkeln, Arnegg und Bischofszell Nord.

St.Gallen - Romanshorn

Die Anzahl Verbindungen bleibt gleich, weil hier bereits ein Halbstundentakt besteht.

Ein klarer Ausbau ergibt sich für Wittenbach dank der Zusatzzüge in den Spitzenzeiten.

Da der Voralpenexpress neu nur noch bis/ab St.Gallen fährt entfällt die umsteigefreie Verbindung Richtung Herisau - Wattwil - Rapperswil.

St.Gallen - Wattwil - Uznach - Rapperswil

Zwischen St.Gallen und Wattwil wird eine zusätzliche Verbindung angeboten.

Wegen der Streichung des Voralpenexpress-Halts ergibt sich für Degersheim keine Verbesserung, zudem entfällt hier die Anbindung an den Fernverkehr.

Zwischen Wattwil und Rapperswil gibt es keine Verbesserungen.

Wil - Wattwil - Nesslau

Die Anzahl Verbindungen bleibt gleich, weil hier bereits ein Halbstundentakt besteht.

Der Streckenast Wattwil - Nesslau wird mit der Linie nach St.Gallen verknüpft, das Angebot bleibt beim Stundentakt.

Rapperswil - Uznach - Ziegelbrücke (- Linthal)

Der zusätzliche Zug zwischen Uznach und Ziegelbrücke hält nicht in Benken und Schänis.

Weinfelden - Romanshorn - Rorschach

Das Angebot bleibt gleich (Weinfelden - Romanshorn Stundentakt, Romanshorn - Rorschach Halbstundentakt).