VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Vorwärts Richtung autofreie Altstadt

St. Gallen, 12. September 2005: In einer autofreien St. Galler Altstadt flanieren... Was der Gemeinderat im Jahr 2000 eigentlich bereits beschlossen hat, ist bisher leider Zukunftsmusik geblieben. Jetzt aber ist es an der Zeit, die Planung für eine Fussgängerzone in der nördlichen Altstadt an die Hand zu nehmen: Mit dem Bau von über 800 Parkplätzen beim Brühltor, Einstein, der Webersbleiche und der St. Galler Kantonalbank werden die 165 Parkplätze in der Altstadt mehr als ersetzt.

Vision Marktplatz: Und plötzlich dieser Platz: wo vorher eine vierspurige Strasse war (ist) kann durch eine grosszügige Platzgestaltung die nördliche Altstadt an den Marktplatz angebunden werden.

Bereits 1974 fiel mit dem «Projekt 74» der positive Fussgängerzonen-Grundsatzentscheid durch das Stadtparlament. Es folgte ein schrittweiser Ausbau der autofreien Gebiete von der Multergasse auf die benachbarten Gassen. Im Jahr 2000 bekräftigte der Gemeinderat zum zweiten Mal grundsätzlich ein Motorfahrzeugfahrverbot in der Altstadt. Doch es kam anders: In der südlichen Altstadt entstand eine Begegnungszone, in der nördlichen Altstadt tat sich seither nichts. Die VCS-Ortsgruppe St. Gallen hat nun im Rahmen des Aktionstages «ohne mein Auto in die Stadt» die zügige Einführung einer Fussgängerzone gefordert. Die nördliche Altstadt ist heute durch eine vierspurige Strasse vom Marktplatz abgetrennt. Die schönen, aber engen Gassen sind durch parkierte Fahrzeuge regelrecht verstellt. Die Schaufenster sind verdeckt, den Geschäften und Wirtschaften bleibt kein Platz für Auslagen bzw. «Freiluft-Tische». Fussgängerinnen und Fussgänger sehen sich auf ein schmales Trottoirband abgedrängt. Mit einer Verlagerung der Parkplätze in die Parkgaragen eröffnen sich neue Nutzungsmöglichkeiten für Gassen und Plätze: So kann in der gesamten nördlichen Altstadt eine Fussgängerzone realisiert und Raum für eine Neugestaltung gewonnen werden.

Gut für den Standort Innenstadt

Vision Goliathgasse: Die Goliathgasse steht für viele andere Gassen, die heute von Autos überstellt sind, wo aber ein grosses Potential für eine Aufwertung besteht.

Damit die Innenstadt-Geschäfte im Konkurrenzkampf mit den neuen Einkaufszentren an der Peripherie bestehen können, muss die Innenstadt ihre Standortvorteile stärken: Diese bestehen im urbanen Umfeld mit vielfältigen Nutzungen, der historischen Stadtanlage, einer hervorragenden ÖV-Anbindung, in Aufenthaltsqualität in den Gassen und guter Erreichbarkeit dank dem bestehenden Parkplatzangebot im Umkreis der Altstadt. Bereits heute kommen gemäss einer Studie des Detailhandels rund 80 Prozent der Kundschaft nicht mit dem Auto in die Innenstadt, und 60 Prozent des Umsatzes des Innenstadtgewerbes wird von Kundinnen und Kunden generiert, die zu Fuss, mit dem Velo oder dem Bus anreisen. Und: Auch jene, die mit dem Auto anreisen, sind bei einem Einkaufsbummel schnell mal einige Kilometer zu Fuss unterwegs und betreten den Laden als Fussgänger/in.

Andreas Bernhardsgrütter