VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Zentrum Grenchen

Die Eröffnung der A5 hat den Gestaltungsspielraum geschaffen, und die Stadt Grenchen hat diesen auch genutzt. Rund 15'000 Fahrzeuge haben auf der Solothurnstrasse die Stadt mitten im Zentrum gequert, heute sind es noch knapp 5'000. Die Solothurnstrasse konnte deshalb stark zurückgebaut und - wo sie die Hauptachse quert, optisch gar "aufgelöst" und in einer Begegnungszone geführt werden. Die wichtige Fussgänger-Achse vom Bahnhof-Süd zum zentralen Marktplatz ist gegenüber dem Fahrverkehr Fortrittsberechtigt. Diese Massnahme hat dazu beigetragen, dass der Verkehr auf die Autobahn verlagert werden konnte. Das Zentrum, der Stadtraum, ist den Anwohnern, dem Gewerbe und den Fussgängerinnen und Fussgängern zurückgegeben worden

Das Ortszentrum von Grenchen vor dem Umbau: Die vierspurige Solothurnstrasse liess wenig Platz vor den Geschäften, Fussgänger mussten in der Unterführung sprichwörtlich "unten durch" um die Strasse queren zu können.
In Grenchen fehlt auf Grund der Siedlungsentwicklung eine historische Altstadt. Die Bewohner besuch(t)en oft Solothurn oder Biel, um flanieren und lädelen zu können.

Solothurnstrasse

Plötzlich viel Platz für Fussgänger. Für anliegende Geschäfte konnten auf der früheren Fahrbahn einige Parkplätze geschaffen werden. Die Fahrbahn ist auf das Kreuzen zweier PW ausgelegt und konnte so mit 4,75 m schmal gehalten werden. Beim Kreuzen zweier LKW kann der seitliche Ausweichstreifen mitbenutzt werden, welcher auch als Aussteigehilfe bei den parkierten Autos dient.

Die Hauptstrasse vor der Umgestaltung:
Eine breite Schneise zerschneidet das Ortszentrum von Grenchen

Begegnungszone

Die Begegnungszone im Zentrum Grenchens (hellrot) hat eine beachtliche Grösse und bietet nun ein attraktives Umfeld - nicht zuletzt für anliegende Geschäfte.

Erfahrungen

Die Verkehrsmenge im Zentrum hat sich mit Eröffnung der A5 von durchschnittlich 14’200 Fahrzeugen am Tag auf rund einen Drittel reduziert. (4’850Fz/T, März 2003). Bei genügender Fussgängerfrequenz wird im Zentrum ein Tempo zwischen 20 und 30km/h eingehalten. Die neuen Regelungen haben die individuelle Sicherheit massiv erhöht. Und: Grenchens Zentrum ist zu einem attraktiven Treffpunkt geworden, die Lärmbelastung hat stark abgenommen, ein Schwatz an der Strasse ist wieder möglich. Die Besitzer von Ladengeschäften und Strassencafés nutzten bereits im ersten Sommer die neuen grosszügigen Vorbereiche für ihre Auslagen und zur Aussenbestuhlung. Verschiedene Geschäfte - z. B alter Coop - könnten noch genutzt werden und so zur Attraktivitätssteigerung des Zentrum beitragen.

1: Marktplatz, 2: , 3:Fussgänger-Achse vom Bahnhof-Süd zum zentralen Marktplatz, 4: Solothurnstrasse, 5: alter Coop 6: Neubau Coop, 7: Epa

Geschichte

  • 1998 / 99: Wettbewerb flankierende Masnahmen A5
  • Weiterbearbeitung des Projekts unter Einbezug der wichtigen städtischen Räume
  • Jan. 2002: Planauflage / Abstimmung
  • April 2002: Eröffnung A5, Beginn Rückbau der Solothurnstrasse
  • Nov. 2002: Einweihung des "Herzstückes" Solothurnstrasse / Coop / Epa
  • Ende 2003: Umgestaltung der Bettlachstrasse West Eröffnung der Begegnungszone Bettlachstrasse

Daten

Einwohnerzahl 16'000 Einwohner
Realisierungstand Ausführung 2002 - 2003
Projektverfasser Metron Verkehrsplanung Brugg
  Metron Landschaftsplanung Brugg
  Feddersen und Klostermann, Städtebau Zürich
  Bauzeit Architekten Biel, s
  Rothpletz, Lienhard Bauingenieure Olten
Verkehrsregime Begegnungszone. Querung der früheren Ortsdurchfahrt.

Quellen

  • Fotos: Monika Saxer, Metron
  • Artikel: VSS

Impressum

VCS SG/Appenzell Andreas Bernhardsgrütter September 2004