VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Eigene Hausaufgaben machen!

Von der Mitgliederversammlung einstimmig verabschiedet:

 

Die Ostschweizer Kantone fordern mit gutem Recht vom Bund ein stärkeres Engagement bei der zweiten Etappe von Bahn 2000 und dem Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Tatsächlich profitiert die Ostschweiz kaum vom nun vorgesehenen Mehrangebot des öffentlichen Verkehrs mit dem Fahrplan 05, mit welchem Bahn 2000 umgesetzt wird. Es genügt aber nicht, beim Bund zu jammern, gefordert sind auch die Ostschweizer Kantone, Regionen und die Gemeinden, ihre Hausaufgaben in ihrem Zuständigkeitsbereich zu leisten: im öffentlichen Lokal- und Regionalverkehr:

 

Die Ostschweiz verfügt im schweizerischen Vergleich über den tiefsten Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr. Bei der Anzahl der gefahrenen Kilometer mit dem Auto pro Person und Tag halten die Ostschweizer aber die Spitzenposition. Dies verursacht insbesondere in den Agglomerationen grosse Verkehrsprobleme. Ein Blick auf das Rating von Umverkehr Schweiz zu den 44 Agglomerationen beim öffentlichen Personennahverkehr zeigt, dass die Angebote in der Nordostschweiz schlecht abschneiden: die Stadt St. Gallen fungiert zwar unter den 44 Angeboten auf dem 17 Rang im Mittelfeld, belegt aber verglichen mit den 7 grössten Schweizer Städten den letzten Platz. Die weiteren rangierten Angebote von Rapperswil/Jona (37. Rang), Rheintal (39 Rang) und Gossau-Herisau (40 Rang) finden sich am Schluss der Liste.

 

- Es besteht also Aufholbedarf in der Ostschweiz. Der VCS fordert deshalb die Ostschweizer Kantone, Regionen und Gemeinden auf, das Angebot des öffentlichen Verkehrs in den Agglomerationen markant auszubauen. Dazu ist etwa:

 

- Ein integraler Tarifverbund rasch einzuführen

 

- die Vorbereitungen für einen Verkehrsverbund einzuleiten, welche eine gemeinsame Planung des Angebotes im Regional- und Agglomerationsverkehr vornehmen kann.

 

- Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Transportunternehmen zu fördern – im Sinne von Zusammenlegungen und Kooperationen.

 

- Die St. Galler S-Bahn nicht nur so anzuschreiben, sondern tatsächlich als entsprechendes System einzuführen (mind. Halbstundentakt auf dem gesamten Netz, einheitlicher Auftritt, zusätzliche Haltestellen)

 

- Das St. Galler Stadtbussystem über die Gemeindegrenzen auszudehnen

 

- Die Verknüpfung der St. Galler S-Bahnstationen mit dem Stadtbussystem zu gewährleisten (Anbindung Bahnhöfe Winkeln, Haggen, St. Fiden)

 

- In der Agglomeration Rorschach/ Goldach/ Rorschacherberg ein Ortsbussystem einzuführen

 

- Die Agglomeration Rheintal als grenzüberschreitende und zusammenhängende Grossagglomeration zu begreifen und den öffentlichen Personennahverkehr auf diese Tatsache auszurichten.

 

- Das Angebot für die Nahverteilung in der Region Rapperswil/Jona sowie Herisau-Gossau stark auszubauen.

 

- Das Ortsbussystem in Wil einerseits besser auf die Anschlüsse in Richtung St. Gallen auszurichten und das Randstundenangebot im Zentrum auszubauen.

 

Die künftigen Verkehrsprobleme unserer Agglomerationen lassen sich nicht mit noch mehr Strassen und damit noch mehr Verkehr, Lärm, Gestank und Beeinträchtigung der Kernstädte lösen. Notwendig sind Investitionen in den öffentlichen Verkehr. Kantone, Städte, Regionen und Gemeinden sind gefordert, ihren Beitrag für einen markanten Angebotsausbau zu leisten.