VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Umweltschützer und Konsumentenschützer gehen gemeinsam mit Ärzten gegen Drecks-Diesler vor

Diesel Lead 2017

Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz, die Fédération romande des Consommateurs (frc) und die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu) fordern die Politik auf, den Dieselbetrug endlich zu stoppen. Die Organisationen rufen die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz auf, beim Bundesrat zu intervenieren. In der Sommersession lancieren die Präsidentin des VCS, Evi Allemann, sowie die Vize-Präsidentin des VCS, Lisa Mazzone, verschiedene Vorstösse.

Die drei Organisationen stellen den Einwohnerinnen und Einwohnern einen Muster-Brief zur Verfügung, der im Sinne einer Petition möglichst zahlreich an die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard geschickt werden soll. Der Brief kann hier online unterschrieben werden: www.verkehrsclub.ch/diesel oder www.aefu.ch/diesel.

Noch immer werden täglich tausende fabrikneue Diesel-PKW importiert, die mit massiv überhöhten Abgaswerten unterwegs sind. Obwohl fabrikneu, stossen Dieselautos auf der Strasse ein Mehrfaches an hochgiftigen Stickoxiden aus als gemäss Euro 6-Grenzwert erlaubt wäre. Einzelne Modelle überschreiten den Grenzwert um das 10- oder gar 18 fache. Diese Betrügerei auf Kosten der Gesundheit und der Umwelt muss beendet werden. Die Dimensionen der Grenzwertüberschreitungen zeigen die Organisationen heute in einer Roadshow mit Ballonen.

Empa misst die real ausgestossenen Emissionen

Die Eidgenössische Materialprüfstelle Empa bestätigt den Befund: «Mittlerweile ist klar: Die Zulassungsvorschriften für Personenwagen (PW) in der EU und in der Schweiz haben mit den realen Abgasemissionen der Autos im Strassenverkehr wenig zu tun. Die „echten“ Abgasemissionen werden daher von der Empa in gesonderten Studien ermittelt», erklärt Thomas Bütler, Leiter der Forschungsgruppe Fahrzeugsysteme bei der Empa.

«Importverbot durchsetzen! Bund und Bundesbetriebe sollen keine Diesler mehr beschaffen»

VCS-Präsidentin Evi Allemann sieht angesichts dieser deutlichen Resultate raschen Handlungsbedarf: «Der Befund der staatlichen Prüfstelle Empa ist eindeutig: Deshalb ist der Bund gefordert, sofort zu reagieren und den Import von dreckigen Neuwagen endlich zu stoppen. Auch in der Beschaffung sind staatliche Stellen wie Bund, Kantone, Gemeinden und Bundesbetriebe wie SBB, Post und Swisscom in der Verantwortung, auf die Neuanschaffung von Dieselfahrzeugen zu verzichten.»

Stickoxide (NOx): ein gravierendes Problem für Gesundheit und Natur

Der medizinische Fachverband Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) erinnert daran, dass die Drecksdiesler enormen gesundheitlichen Schaden anrichten. AefU-Präsident Dr. med. Peter Kälin betont, dass «Stickoxide sowohl Menschen als auch unserer Umwelt massiv schaden. Eine übermässige Stickoxidbelastung kann zu Asthma, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie zu Reizung von Haut und Augen führen. Davon betroffen sind weltweit rund 38'000 Menschen, die aufgrund der Betrügereien frühzeitig sterben. Zudem: Hohe Stickoxidkonzentrationen schädigen Pflanzen und führen zu Überdüngung und Versauerung von Böden. Als Vorläuferstoff von Ozon und krebserregendem Feinstaub haben Stickoxide weitere negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit».

Bruno Storni, zweiter Vizepräsident des VCS, betont, dass das Tessin in besonders hohem Masse von Abgasen betroffen ist: «Die Ozonspitzenwerte sind gerade in den letzten Wochen auf ein alarmierend hohes Mass gestiegen. Dazu leisten die überhöhten NOx-Werte einen grossen Beitrag. Dagegen muss die Politik aktiv werden.»

Konsumentinnen und Konsumenten werden getäuscht

Florence Bettschart, Verantwortliche Politik & Recht der Fédération romande des Consommateurs, erwartet, dass die Konsumentinnen und Konsumenten besser geschützt werden: «Die Kundinnen und Kunden werden von der Autoindustrie getäuscht. Unser juristisches System setzt für Konsumentinnen und Konsumenten hohe Hürden, um sich gegen grosse Konzerne wie beispielsweise VW zu wehren. Das ist nicht fair. Deshalb muss die Schweiz für die Konsumenten dafür sorgen, dass diese Autos per sofort nicht mehr importiert werden.»

Drei Vorstösse in der laufenden Parlamentssession

VCS-Präsidentin Evi Allemann lanciert in der laufenden Sommersession einen parlamentarischen Vorstoss, der verlangt, dass «Real Emission-Tests», die den realen Schadstoffausstoss bei Alltagsbedingungen auf der Strasse ermitteln, nicht erst in zwei Jahren, sondern per sofort eingeführt werden. Andernfalls werden in der Schweiz in den nächsten zwei Jahren weitere 250'000 Drecksdiesler verkauft, die noch jahrelang die Umwelt und die Gesundheit belasten. Das ist überhaupt nicht in Ordnung und gleicht einer Mittäterschaft im laufenden Diesel-Skandal.

In einem weiteren Vorstoss fordert Allemann, dass die Kantone die Möglichkeit erhalten, für interessierte Gemeinden eine Umweltvignette einzuführen.

VCS-Vizepräsidentin Lisa Mazzone lanciert ebenfalls in der laufenden Session ein Postulat, das vom Bundesrat fordert, die gesundheitlichen Auswirkungen des Dieselskandals in der Schweiz genau abzuklären. Darüber hinaus soll der Bundesrat prüfen, welche positiven gesundheitlichen Effekte ein Innenstadtfahrverbot dreckiger Diesler hätte. «Wir müssen die Fakten sehr genau anschauen, denn klar ist: In Folge der Diesel-Schummeleien sterben in der Schweiz jedes Jahr viele Menschen vorzeitig.»

Kontaktinformationen

Evi Allemann, Präsidentin VCS, 079 560 72 94, evi.allemann@parl.ch
Dr. med. Peter Kälin, Präsident Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), Hausarzt, 079 636 51 15, info@aefu.ch
Florence Bettschart, Responsable Politique & Droit, La Fédération Romande des Consommateurs, 076 347 08 87, f.bettschart@frc.ch
Thomas Bütler, Empa, Leiter Forschungsgruppe Fahrzeugsysteme, 058 765 48 69, Thomas.Buetler@empa.ch
Lisa Mazzone, Vize-Präsidentin VCS, 077 404 16 08, lisa.mazzone@parl.ch
Bruno Storni, zweiter Vize-Präsident VCS, 076 399 57 72, storni@bluewin.ch
Matthias Müller, Leiter Kommunikation und Public Affairs, 079 757 00 91, matthias.mueller@verkehrsclub.ch