VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
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Neue Abgas-Tests für alle Autotypen beschlossen

Der Abgas-Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte hat heute die Generalversammlung des Autokonzerns Volkswagen in Frankfurt beschäftigt. Bei allen Negativ-Schlagzeilen um den VW-Konzern stellt der VCS Verkehrs-Club der Schweiz erfreut fest, dass infolge der Skandalaufarbeitung bald bei allen Autotypen ein besseres Messverfahren für Verbrauch und CO2-Ausstoss eingeführt wird.

Der neue sogenannte WLTP-Test (Worldwide harmonised Light Vehicle Test Procedure) wird ab 1. September 2017 den bisher gültigen NEFZ-Test (Neuer Europäischer Fahrzyklus) ablösen. Auf diesen Vorschlag der EU-Kommission für Motorfahrzeuge haben sich Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) erst vor wenigen Tagen geeinigt. Der Beschluss kam entgegen intensiven Lobbying-Bemühungen der Autoindustrie zustande, die den Zeitpunkt des neuen Messverfahrens WLTP auf das Jahr 2020 verschieben wollte. Nach den Stück für Stück ans Licht kommenden Schummeleien der Hersteller goutiert die EU die seit Jahren laufenden Verzögerungsbegehren der Industrie zum Glück nicht mehr.

«Autofahrende werden mit dem WLTP realistischere Angaben zum Spritverbrauch erhalten», kommentiert Greg Archer, Direktor der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) in Brüssel. Der VCS als Gründungsmitglied der T&E hat in der Schweiz seit Jahren auf die Diskrepanz zwischen offiziellen Messwerten und realen Emissionen im Fahrbetrieb hingewiesen und strengere Zulassungstests gefordert.

Tests auf der Strasse müssen zwingend folgen

«Die Einführung des WLTP ist ein Teilerfolg», freut sich VCS-Co-Geschäftsleiterin Caroline Beglinger. Die strengeren Testbedingungen kommen deutlich näher an die Realität heran als der veraltete NEFZ. «Doch auch der neue WLTP wird auf dem Prüfstand ermittelt, bei ausgeschalteter Klimaanlage, und entspricht somit noch nicht den realen Strassenbedingungen. Zusätzliche Tests auf der Strasse müssen zwingend folgen, die über den tatsächlichen Verbrauch und CO2-Ausstoss Auskunft geben», fordert Caroline Beglinger. Der VCS will nicht nur den verbesserten WLTP-Labortest, er verlangt Tests auf der Strasse für den Verbrauch und CO2-Ausstoss, damit die gesetzlichen Vorgaben in der Realität eingehalten werden.

Einen Test unter realen Strassenverkehrsbedingungen hat die EU im Februar verabschiedet, und zwar zur Ermittlung von gesundheitsgefährdenden Stickoxiden (NOx). Dieser sogenannten RDE-Test (Real Driving Emission) wird ebenfalls auf den 1. September 2017 eingeführt. Dieselfahrzeuge überschreiten die aktuellen NOx-Grenzwerte im Schnitt um das Siebenfache. Neben Autos von VW sind bisher Modelle von Audi, Porsche, Opel, Mercedes und BMW durch überhöhte NOx-Werte aufgefallen, ebenso Renault, Nissan und Ford. Der RDE-Test würde sich auch zur Messung von Verbrauch und CO2-eignen.

Kontaktinformationen

Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS, Tel.: 079 310 11 86