VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
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3. Belchen-Tunnel spricht gegen die 2. Gotthardröhre

Autobahn Lead

Mit dem Bau einer 3. Strassenröhre am Belchen wird die Kapazität auf der A2 ausgebaut. Damit steigt der Druck weiter, den Gotthardstrassentunnel im Falle der Zustimmung durch das Volk dereinst vierspurig zu betreiben. Wird die Kapazität sowohl auf dem Zubringer wie auch am Gotthard selber erweitert, ist die Lastwagenlawine durch die Schweiz kaum mehr aufzuhalten. Der Ausbau am Belchen ist deshalb ein weiterer Grund, den 2. Gotthardstrassentunnel abzulehnen.

Am Belchen wird eine 3. Strassenröhre gebaut, um nacheinander die beiden heute bestehenden Tunnel zu sanieren. Wie am Gotthard spricht der Bund auch hier beschönigend von einem blossen «Sanierungstunnel», der nicht gleichzeitig mit den zwei bestehenden Röhren betrieben würde. Tatsache ist auch hier: Was einmal gebaut wird, kann dereinst auch genutzt werden. Bei Staus wird der Bund dem Druck aus dem In- und Ausland, am Belchen alle sechs Spuren zu betreiben, kaum mehr standhalten können. Zumal längst nicht mehr jene im Amt sein werden, welche die Spurbeschränkung dazumal versprochen haben. Sechs Spuren am Belchen erhöhen wiederum den Druck auf die Öffnung aller vier Spuren am Gotthard, falls tatsächlich eine 2. Röhre gebaut würde. Und dies übrigens auch umgekehrt: Vier Fahrspuren am Gotthard erzwingen die Öffnung der 5. Und 6. Spur am Belchen.

Sanierung am Belchen ohne NEAT-Alternative

Aus offensichtlichen Gründen lässt sich die Sanierungssituation am Belchen nicht auf den Gotthard übertragen: Im Gegensatz zum Belchen entsteht am Gotthard mit der NEAT die leistungsfähigste Verladelösung der Schweiz. Mit dem Gotthard-Basistunnel erhält die Schweiz ab 1. Juni 2016 den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Während der Sanierung können die Lastwagen verladen werden. Für Personenwagen wird ein Autoverlad durch den Scheiteltunnel eingerichtet. Der Bundesrat selber hat die Machbarkeit der Verladelösung bestätigt und bis 2012 stets bevorzugt.

Am Belchen ist das Verkehrsaufkommen mit 55'000 Fahrten dreimal höher als am Gotthard (17'000 Fahrten pro Tag). Eine Sanierungslösung ohne 3. Tunnel (während Nacht- und Wochenendsperrungen) wäre auch hier möglich, wäre aber deutlich schwieriger. Zudem besteht am Belchen kein Verfassungsgebot, die Kapazität auf dem heutigen Niveau zu halten.

Unterschätzte Kosten beim Tunnelbau

Die 3. Belchenröhre liefert einen weiteren Beleg dafür, dass Tunnelkosten notorisch unterschätzt werden. Als der Bund den Bau beschloss, veranschlagte er die reinen Baukosten auf 270 Millionen Franken. Im Laufe der Planung stellte sich heraus, dass 500 Millionen Franken dafür nötig werden. Das bewegte den Bund, die Belchensanierung ohne 3. Röhre nochmals genauer zu prüfen. Dagegen aber wehrte sich der Kanton Basel-Landschaft, bezeichnenderweise verbunden mit der Forderung den 3. Tunnel bei Kapazitätsengpässen zu nutzen. Die Baudirektorin des Kantons Baselland ist denn auch eine der vehementesten Verfechterinnen einer 2. Gotthard-Röhre, obwohl diese auch in der Region Nordwestschweiz zu massivem Mehrverkehr führen würde.

Kontaktinformationen

Caroline Beglinger, Co-Geschäftsführerin Verkehrs-Club der Schweiz, Tel.: 079 310 11 86
Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin VCS Sektion beider Basel, Tel.: 076 584 11 77