VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion St. Gallen / Appenzell
VCS / ATE / ATA

Medienkonferenz Regionalkomitee

Das Regionalkomitee St. Gallen-Appenzell „Nein zur 2. Röhre“ stellte heute vor den Medien ihre Argumente vor. Neben der Sicherheit und den in den Agglomerationen fehlenden Finanzen sprechen für das Komitee auch die baldige Eröffnung der NEAT sowie der Alpenschutzartikel in der Verfassung gegen den Bau der zweiten Strassenröhre.

Judith Pfister eröffnete als Vertreterin der Umweltfreisinnigen die Medienorientierung und legte dar, dass ein Bau der 2. Röhre gegen die Verfassung verstösst. Sie fasste dies in einem Satz zusammen: „Grundsätzlich führt eine neue Röhre mit 2 Spuren zu einer Kapazitätserweiterung.“ Dazu komme, dass die Formulierung der Abstimmungsfrage irreführend und suggestiv sei. „Wir stimmen nicht über eine Sanierung, sondern über eine zweite Röhre ab“. Wenn diese einmal gebaut und bezahlt sei, werde der Druck gross sein, auch aus der EU, sie voll zu nutzen, so Pfister.

Aus Sicht der Agglomerationen betrachtet der grüne Kantonsrat Thomas Schwager diese Vorlage. In allen Schweizer Agglomerationen sei die Situation vergleichbar. „Die grossen Verkehrs- und auch Sicherheitsprobleme haben wir nicht am Gotthard, sondern in unseren Städten und Dörfern. Und dies nicht nur an einzelnen Stautagen in der Sommerzeit, sondern tagtäglich.“ Der Verkehr am Blumenbergplatz in St. Gallen betrage mit 25‘000 Fahrzeugen pro Tag rund die Hälfte mehr als am Gotthard, den täglich 17‘000 Fahrzeuge durchfahren. Schwager äusserte die Angst, dass wegen des Baus der zweiten Röhre das Geld für Agglomerationsprojekte wie das St. Galler Tram nicht mehr reichen würden.

„Die NEAT, das Jahrhundertprojekt, das kurz vor seiner erfolgreichen Vollendung steht, darf nicht torpediert werden!“ Mit diesen Worten fasste Felix Birchler, Regionalsekretär des SEV seinen Standpunkt zusammen. Warum habe das Stimmvolk damals Ja gesagt zu einem solch gigantischen Bau- und Verkehrsprojekt wie der NEAT? Aus dem klaren Willen heraus, den alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Der Slogan „Für Güter die Bahn“ habe sich ihm eingeprägt und auch die Bekundungen aller politischen Exponenten, dass es eigentlich schon besser wäre, wenn die Güter mit der Bahn transportiert würden statt auf Lastwagen.

Eine zweite Röhre zu bauen sei nicht nur in der Erstellung sehr teuer, sie verursache auch den doppelten Unterhalts- und Betriebsaufwand. Daniel Rüttimann, Geschäftsleiter des VCS St. Gallen/Appenzell und grünliberaler Stadtparlamentarier, stellte die Frage, warum die Schweiz eine Luxussanierung für 4.4 Milliarden Fragen durchführen wolle, wo Österreich gleichzeitig den ähnlich langen und noch älteren Arlbergtunnel für gerade mal 170 Millionen Euro saniere? „Was im Rahmen dieses sogenannten Sanierungsprojektes geplant ist, ist keine Sanierung, sondern de facto ein Neubau des Tunnels in der bestehenden Röhre.“ Die Kosten und auch die Sperrzeit seien nur deshalb so hoch, weil man die Tunneldecke freiwillig anhebe, was die Normen gar nicht vorschrieben. Am Arlberg werde dies auch nicht gemacht.

Abgeschlossen wurde die Medienorientierung durch Ruedi Blumer, SP-Kantonsrat und Co-Präsident der VCS Sektion St. Gallen/Appenzell. Er nutzte das Wort scheinheilig in Zusammenhang mit der Sicherheit mehrmals. „Fast die Hälfte der Befürworter einer 2. Röhre hat 2012 gegen Via Sicura und somit gegen mehr Sicherheit auf der Strasse gestimmt.“ Die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Neat bringe einen wesentlichen Sicherheitsgewinn für den Gotthardstrassentunnel, eine zweite Röhre hingegen Mehrverkehr – insbesondere beim Schwerverkehr. Blumer betonte auch noch, dass die grossen Sicherheitsprobleme beispielsweise auf den Fussgängerstreifen lägen und nicht am Gotthard. Zudem gebe es technische Massnahmen, um die Sicherheit am Gotthard zu verbessern.