VCS Verkehrs-Club der Schweiz

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Schweizer Autoverkäufer drücken 250'000 dreckige Diesler in den Markt

Auspuff

Die Schweizer Behörden sitzen den Dieselskandal weiter aus. Das ermöglicht den Autoimporteuren in der Schweiz, in den nächsten zwei Jahren rund 250‘000 fabrikneue Diesler zu verkaufen, die die Stickoxid-Grenzwerte um ein Vielfaches überschreiten. So wollen die Schweizer Autoverkäufer auf Kosten der Gesundheit und unserer Umwelt ihre Profite maximieren.

Die Ignoranz der Autobranche gegenüber den gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung kommentiert Emissions-Experte Andreas Mayer mit drastischen Worten. In der Automobil-Revue Nr. 4/2017 geisselt er die Ausreden der Autobauer als ganz billig und angesichts der gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung als empörend schamlos. «Billig», weil damit auf einfache Weise Entwicklungs- und Produktkosten gespart werden – «schamlos», weil es die menschenverachtende Arroganz zeigt.

Die deutschen und französischen Behörden gehen nun gegen ihre Autobauer vor. Nach diversen Hausdurchsuchungen in Deutschland nimmt auch die französische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Peugeot und Citroën auf.

In der Schweiz ist der Handlungsbedarf mindestens so gross, endlich den Import dreckiger Diesler zu stoppen. Die Autohersteller und -importeure wollen weiter auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit sparen und ihre Dieselmodelle mit manipulierten Abgasreinigungssystemen so lang wie möglich absetzen. Werden sie von den Schweizer Behörden nicht gestoppt, können dreckige Diesler noch bis 2019 verkauft werden. Falls der Anteil an Dieselautos an den Schweizer Neuimmatrikulationen unverändert knapp 40 Prozent beträgt, würden rund 250‘000 Diesler mit massiv überhöhten Abgaswerten in den Markt gedrückt und auf Jahre hinaus die Umwelt verschmutzen und die Gesundheit der Schweizerinnen und Schweizer gefährden.

Die Konsumenten sollen darüber weiter möglichst im Ungewissen gelassen werden. Eine soeben vom Konsumentenmagazin Saldo durchgeführte Umfrage bei den Schweizer Autoimporteuren zeigt: Die Autobranche versteckt sich nach wie vor hinter der Möglichkeit, die Abgasreinigungsanlage zum Schutz des Motors kurzeitig auszuschalten. Dies obwohl gemäss Gesetz die Autobauer sicherstellen müssten, dass die Abgasemissionen während der gesamten normalen Lebensdauer eines Fahrzeugs bei normalen Nutzungsbedingungen wirkungsvoll begrenzt werden. Motorenexperten wie Christian Bach von der Empa Dübendorf bewerten diese Abschaltstrategien als keinesfalls nötig für den Motorschutz.

Kontaktinformationen

Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS, 079 310 11 86
Martin Winder, Fachspezialist Klima und Verkehr VCS, 031 328 58 63