Die teuerste Variante, Verkehrsprobleme nicht zu lösen

Strassenbau statt Lösungen?

St. Gallen, 3. Oktober 2007. Jeder Strassenbau kostet nicht nur viel Geld, sondern bringt zusätzlichen Verkehr. Das Perpetuum Mobile für die Bauwirtschaft. Das zeigt nicht nur die St.Galler Stadtautobahn, sondern ein Blick auf die Erfahrungen aus Nah und Fern. Braucht die kleine Ostschweizer Metropole mit 70'000 Einwohner wirklich sieben oder acht Autobahnanschlüsse, und damit mehr als die Stadt Zürich?

Die Südumfahrung wurde 1993 vom St.Galler Stimmvolk deutlich verworfen. Nun steigt sie wieder aus der Mottenkiste unter der neuen Bezeichnung «Südspange». Vorerst handelt es sich dabei nur um ein Konzept, um ein paar Striche auf dem Stadtplan. Die genaue Linienführung ist ebenso offen wie die Finanzierung. Oder wohin die verschiedenen Abluftkamine zu stehen kommen. Sicher ist nur, dass die je nach gewählter Variante rund fünf bis acht Kilometer lange neue Autobahn zum Grossteil in Tunnel geführt werden. Und damit die teuerste Variante zur Diskussion steht, um Verkehrsprobleme nicht zu lösen.

Wir haben im Folgenden einige Fakten zum Thema zusammengestellt.

Fakten:

Geschichte Stadtautobahn

Mehrverkehr

Finanzierung

Kosten von Tunnelstrassenbauten

Kosteneffizienz öV-Strasse

Luftqualität


Geschichte der St.Galler Stadtautobahn

verkehrsentwicklung

Die Eröffnung der Stadtautobahn führte innert Jahresfrist zu einem Verkehrswachstum auf dem Querschnitt um rund einen Drittel erhöht. Seit Eröffnung der Stadtautobahn hat sich die Verkehrsbelastung in der Stadt St. Gallen verdoppelt. Das Verkehrswachstum hat sich aber zu einem grösseren Teil auf der Stadtautobahn abgespielt.

Link Tiefbauamt SG

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Artikel:

VCS zur Südspange

VCS zum Ausbau der Stadtautobahn

Dossier öV-Offensive St.Gallen

Road-Pricing finanziert Südumfahrung
1. April 2005

VCS zur Idee Südumfahrung
Sept. 2004

Südumfahrung TBA Kt. SG

Wir können unsere Verkehrsprobleme mit neuen Strassen nicht lösen, wir verschärfen sie. Und wir können den Wettlauf zwischen den Staus und dem Versuch, diese mit teuren Ausbauten zu verhindern nicht gewinnen. Unsere Verkehrspolitik erinnert an den Doktor, welcher einen Alkoholiker mit einer neuen Flasche Schnapps kurieren möchte. Vielleicht wird er dank der neuen Flasche eine Weile nicht mehr zittern, aber seine Probleme sind dadurch nicht gelöst.


Höhere Kapazitäten im Strassenverkehr bringen mehr Verkehr

Nach der Fertigstellung des Baregg-Tunnels ergab sich innerhalb eines Jahres ein zusätzliches Verkehrsvolumen von 20%.

Link Artikel Tagesanzeiger

Wohin der Strassenbau im Extremfall führen kann zeigt die US Grossstadt Phoenix/Arizona. Hier soll die Interstate 10 ab dem Jahr 2011 auf einer Länge von drei Kilometern von heute 14 auf 24 Spuren ausgebaut werden. (Quelle: Focus 10/2007)

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Weitere Links zu diesem Thema

Link ktipp

Link Umverkehr


Wer soll das bezahlen?

90 bis 100 Milliarden Franken kosten alle Strassenbauprojekte in den nächsten 20 Jahren. Der Agglomerationsfonds kann nur einen Drittel davon finanzieren. Der Fuss- und Veloverkehr sowie der öffentliche Verkehr könnte den projektierten Mehrverkehr weit kostengünstiger bewältigen. Mehr dazu unter

Link Umverkehr

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Die knappen Bundesfinanzen zwingen den Bundesrat zur Prioritätensetzung:

Link Astra


Kosten von Tunnelstrassenbauten

  • Ausbau des Baregg-Tunnels mit 5. und 6. Spur mit dritter Tunnelröhre: 386,4 Mio. Franken pro Kilometer

  • Projekt Seetunnel Rapperswil mit niveaufreien Knoten: 250 Mio. Franken pro Kilometer (zweispurig)

  • Galgenbucktunnel Schaffhausen, zweispurig, 1,1 km lang: projektiert 132 Mio. Franken

  • Autobahnumfahrung Biel (Ostast): vierspurig 4,5 km, davon 4 km Tunnelstrecke: projektiert 504 Mio. Franken

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Kosteneffizienz öV - Strasse

Eine grobe Abschätzung des Finanzierungsbedarfs verschiedener Verkehrsinfrastrukturprojekte für die Stadt St.Gallen ergibt folgendes Bild:

Neubau einer Südumfahrung auf einer Länge von 5 - 8 Kilometern

Total: 1 bis 2 Mia. Franken
Kapazität: 3'000 bis 5'000 Personen / Std.

Tram zwischen Gossau und Wittenbach Rund 20 Kilometern, inklusive Anpassungen am Strassennetz. Total 300 bis 600 Mio. Franken
Kapazität: 5'000 Personen / Std.

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Kosten Tram

Die VBZ Zürich rechnet je nach
Strassenverhältnissen mit 14 bis 28 Mio. Franken pro Kilometer.

Beim Neubau des Trams in Mühlhausen kostete ein Tramkilometer 26.5 Mio. Franken.

Fazit:

Investitionen in das Tramnetz pro Kilometer sind bei höherer Personenkapazität um den Faktor 10 günstiger.


Luftqualität nimmt ab

Zur Entwicklung der NO2-Belastung seit 1994 sagt eine Auswertung der entsprechenden Passivsammler im Ostluft-Bericht vom Oktober 2005 (Seite 16) Folgendes aus: «Bei den verkehrsbelasteten Standorten (S1-S3) sind nach den Abnahmen anfangs der 90er die NO2-Belastungen in den Jahren 2003 und 2004 wieder auf vergleichbares Niveau wie zu Beginn der 11jährigen Betrachtungsperiode zurückgefallen.»

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Link Ostluft