Von unserem Korrespondenten in Südkorea:

Verkehrsplanung in Seoul

7. August 2003: Unser ehemaliges Vorstandsmitglied Jules Gut, welcher heute in Seoul lebt, erlaubt einen Einblick in die Verkehrsplanung von Südkorea:

Einige Eindrücke aus der 6 Millionen Stadt, bzw. der 22 mio. (!) Agglomeration von Seoul: Die Hälfte der Einwohner der Republik Korea leben somit im Grossraum Seoul, welcher sich auf ca. 100 x 100 Km erstreckt und mit acht U-bahnlinien erschlossen ist. Der Grossraum Seoul ist eine der weltgrössten Stadt-Agglomerationen und verfügt über das grösste zusammenhängende U-Bahnnetz der Welt, und dies alles zum Einheitstarif von umgerechnet 90 Rappen pro Fahrt.

Das alles hat jedoch auch seinen Preis: Man ist hier sicher nie alleine. auch Nachts um 3 Uhr sind die Strassen belebt, etwa so wie bei uns nach Ladenschluss am Samstag um 17.00 uhr.

Dazu kommt natürlich die luftverschmutzung, aber verglichen mit Früher ist es heute schon wieder um einiges besser. Jedenfalls brennen die Augen nicht. Der Stadtfluss, der Han-river, stinkt auch nicht mehr, obwohl er immer noch als eine grosser braune Brühe daherkommt.

Übrigens: obwohl jede noch so kleine freie Fläche von den Auto zuparkiert ist (Trottoir eingeschlossen!), ist der ÖV-Anteil der Agglo seoul einsame Weltspitze: Mit dem Privatverkehr werden nur rund 15 prozent der Fahrten abgewickelt. Doch auch hier beträgt die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit eines PW's keine 30 Km/h.

Die Autobahnen sind hier meistens 8-spurig (in eine Richtung wohlverstanden!) und trotz Busspur auf der rechten Seite, kommt der Bus im Durchschnitt nicht schneller vorwärts als die Autos.

Jules Gut

Links:

http://www.julesgut.ch


Eine typische Aussicht von einem Quartier in Seoul. Hier geht es hinauf und hinunter, fast wie in San Francisco und rundherum ist die Stadt mit Hügeln gesäumt. (allerdings geht die Agglo hinter jedem Hügel nochmals weiter; schliesslich müssen ja die 22 Mio. Menschen irgendwo leben)


Das Stadtsystem funktioniert grösstenteils nach dem Achsen-Kammern-Prinzip: grosse bis zu zwölfspurige, rechtwinklige HVS und hinterliegend kleinräumige Erschliessungsstrasse mit Aufenthaltscharakter (in der Theorie, hier meistens von autos ver-parkiert)


Auch hier gibt es unterdessen erste Ansätze von Verkehrsberuhigungen, bzw. horizontalen Versätzen. Übrigens nicht nur im Quartier, sondern durchaus auch auf den Hauptverkersachsen!

Auch Anwohnerparkierung, bzw. Parkplatzgebühren sind ein Thema in den Wohnquartieren der Stadt Seoul, doch mit der Durchsetzbarkeit happert es noch ein bisschen, jedenfalls wird um unsere Wohnung herum alles zuparkiert was irgendwie nach Parkplatz aussieht.