Wer zu Fuss unterwegs ist, darf noch Mensch sein. Fussgängerinnen und Fussgänger bewegen sich in einer Geschwindigkeit, mit der eine Kommunikation am Wegrand möglich ist, die Welt noch in seiner ganzen Fülle betrachtet und aufgenommen werden kann, wo eigene Unaufmerksamkeit keine Gefahr für die Anderen wird.
Wer zu Fuss unterwegs ist, ist schnell: in zehn Minuten ist ein Kilometer zurückgelegt, in einer halben Sunde zwei bis drei. Der Fussverkehr kann oder könnte einen grossen Teil des Verkehrs übernehmen, sind doch über 40 Prozent der im Gesamtverkehr zurückgelegten Wegetappen unter einem Kilometer und rund zwei Drittel unter drei Kilometer (1). Der Fussverkehr ist insbesondere im innerörtlichem Verkehr wichtig und bildet das wichtigste Glied in der Nahversorgung zur "letzten Meile".
"Der Fussverkehr ist nicht nur quantitativ, sondern auch wegen seiner Nachhaltigkeit von grosser Bedeutung: Keine andere Mobilitätsform ist so ökologisch, so sozial und so kostengünstig wie das Gehen. Die Fortbewegung zu Fuss ist zudem eine elementare Erscheinungsform des Menschseins und geniesst als Grundrecht einen besonderen Schutz." (2)
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wer ist zu Fuss unterwegs?
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Fussgänger als Kunden
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Wirtschaftliche Bedeutung
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Gesundheit
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Das FWG
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Urbanität
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Soziales
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Wer ist zu Fuss unterwegs?

Schweizerinnen und Schweizer sind im Durchschnitt rund eine halbe Stunde zu Fuss unterwegs. Gleich viel Zeit verbrauchen Durchschnittsschweizer im Verkehr nur noch im Auto. Dabei gibt es je nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Verkehrszweck beträchtliche Unterschiede: Kinder, Frauen und Personen über 65 Jahre sind länger und öfter zu Fuss unterwegs, als Erwerbstätige und Männer. Während der Anteil des Fussverkehrs im Bereich Ausbildung 55 Prozent und beim Einkaufsverkehr 45 Prozent der Wegetappen entspricht, erreicht der Fussverkehr im Arbeitsverkehr keine 30 Prozent.
Der überwiegende Anteil des Fussverkehrs bildet kurze Wege. Rund zwei Drittel aller Fusswegetappen bleiben unter 500 m, 85 Prozent unter einem Kilometer. Fussgänger bewegen sich im Nahbereich zwischen den verschiedenen Zielen und sind auf kurze Distanzen vom Wohnort zur nächsten Bushaltestelle, zum Arbeitsplatz, zum Laden, zur Schule oder zur Post angewiesen.
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Besondere Anforderungen an die Planung:
Das Fusswegnetz ist für alle sicher und attraktiv zu gestalten. Dabei ist das Wegnetz auf die schwächeren Verkehrsteilnehmenden auzurichten. Auch Kinder, behinderte Personen, Pensionäre und Eltern mit Kinderwagen sollen sich frei bewegen können. Eine Mittelinsel am richtigen Ort, ein Handlauf an einer steilen Treppe oder genügend lange Grünphasen an der Ampel erleichtern nicht nur für diese Benutzergruppen das zu Fuss gehen.
Neben einem dichten und direkten Wegnetz sind insbesondere die Querungen von stark belasteten Strassen genauer anzuschauen: hier ereignen sich die meisten Unfälle mit Beteiligung von Fussgängern.
Bei all dem ist aber nicht zu vergessen: die wichtigsten Entscheide fallen bei der Standortwahl: Wenn Arbeitsplätze weit ab vom Siedlungsgebiet an der Autobahnausfahrt angeordnet werden, ein Kindergarten nur auf der anderen Seite der Hauptstrasse besteht oder ein Dorfladen verschwindet, werden für den Fussverkehr ungünstige Strukturen geschaffen. Fussgängerinnen und Fussgänger sind auf kurze Wege angewiesen.
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Fussgängerinnen und Fussgänger sind gute Kunden
Fussgängerinnen und Fussgänger sind gute Kunden: Über 40 Prozent der Wegetappen im Einkaufsverkehr werden zu Fuss zurückgelegt. Fussgängerinnen kaufen zwar pro Besuch weniger als Autofarende ein, kommen dafür in der Regel mehrmals wöchentlich. Der Anteil des Fussverkehrs am Umsatz schwankt stark, je nach Lage des Geschäftes: Der typische Quartierladen lebt zu rund zwei Drittel von Fussgänger, ein Laden im Ortszentrum einer mittelgrossen Stadt verzeichnet etwa die Hälfte der Kunden als Fussgänger.
In grösseren Städten kommen wohl rund 60 Prozent der Besucher mit dem ÖV, 17 Prozent mit Auto und "nur" 10 Prozent zu Fuss. In der Innenstadt legen dann aber sämtliche Kunden teilweise beträchtliche Distanzen zu Fuss zurück.
Bei Einkaufszentren auf der "grünen Wiese", die an Autobahnausfahrten platziert wurden, erreicht der Fussverkehr für den Weg zum Einkaufszentrum meist kaum fünf Prozent. Der interne Verkehr im Zentrum läuft dann aber zu Fuss. In Einkaufszentren werden die Fussgängerzonen der Städte "nachgebaut" um auf diese künstliche Weise so etwas wie Urbanität zu sugerieren.
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Der Laden um die Ecke ist der beste Umweltschutz

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Volkswirtschaftliche Bedeutung
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Fussverkehrs ist eminent:
- Fussgänger als Kunden
Rund die Hälfte sämtlicher Wege im Einkaufsverkehr sind Fusswege. Die Fussgängerdichte ist ein untrügliches Zeichen der Urbanität und Attraktivität eines Zentrums. Sie ist Ausdruck seiner wirtschaftlichen Kraft.
- Gehen spart Flächen und Kosten:
Der Fussverkehr braucht von allen Verkehrsarten am wenigsten Platz: Ein Fussgänger benötigt 2 m2, ein Radfahrer 10 m2, ein Busfahrer 15 m2 und ein Autofahrer 120 m2 in einer Stadt (3). Der Bau von Gehwegflächen ist weit günstiger, als der Bau von Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr mit entsprechend höheren Gewichtsbelastungen.
- Gehen hilft Gesundheitskosten einsparen
Regelmässige Bewegung ist die besste Gesundheitsvorsorge und hilft Kosten im Gesundheitswesen und Arbeitsausfälle einsparen.
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Die Fussgängerdichte ist Ausdruck der wirtschaftlichen Kraft eines Zentrums
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Gesundheit
Im Gegensatz zum motorisierten Verkehr hat die Fortbewegung "aus eigener Kraft" (zu Fuss, per Fahrrad) positive Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Sie vermindert das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Altersdiabetes, gewisse Krebserkrankungen und für Knochenschwund. (4)
Warum ins Fitnesstudio, wenn im Alltag die notwendige Bewegung praktisch "en passent" geholt werden kann? Täglich eine halbe Stunde Bewegung in Form von Alltagsaktivitäten oder Sport mit mindestens mittlerer Intensität wird von Ärzten empfohlen.
- "Mittlere" Intensität weist jede körperliche Aktivität auf, bei der man zumindest etwas ausser Atem, aber nicht unbedingt ins Schwitzen kommt.
- Es ist nicht unbedingt notwendig, die halbe Stunde Bewegung am Stück zu absolvieren. Jede Bewegung, die mindestens 10 Minuten dauert, kann über den Tag zusammen gezählt werden.
- Diese Basisempfehlungen entsprechen einem zusätzlichen Energieverbrauch von mindestens 1000 Kilokalorien pro Woche durch Aktivitäten mit mindestens "mittlerer" Intensität.
Alltagsaktivitäten wie "zügiges Gehen, Velofahren, Schnee-Schaufeln, Gartenarbeiten" haben den Vorteil, dass sie sich leicht in den Tagesablauf integrieren lassen. Ideale Bewegungsarten sind jene, die wenig Material- und Übungsaufwand verlangen, ein tiefes Unfallrisiko haben und sich lebenslang betreiben lassen: Wandern, Walking, Velofahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Skilanglauf, Schneeschuhlaufen etc. Es ist möglich und sinnvoll, verschiedene körperliche Aktivitäten zu kombinieren und auch abzuwechseln.
Quelle: Bundesamt für Gesundheit
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Links
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Bundesamt für Gesundheit
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Bundesamt für Sport
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Aktionsplan Umwelt und Gesundheit
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Empfehlungen (pdf)
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Empfehlungen Einstieg für Ausdauersport
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Das Fuss und Wanderweggesetz (FWG)
In der Schweiz existiert eine verfassungsmässige und gesetzliche Grundlage für die Fussweg-Netzplanung. Das Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege (FWG) vom 4. Okt. 1985 verpflichtet die Kantone, für die Planung, Anlage und Erhaltung von Fusswegnetzen zu sorgen. Es wurde 1987 in Kraft gesetzt.
Mit der Umsetzung bei den Kantonen und Gemeinden happert es aber beträchtlich: So verfügt etwa die Stadt St. Gallen über keine Planung nach FWG und ist dabei leider kein Einzelfall.
Fusswege sind Wege innerhalb des Siedlungsgebietes. Sie dienen vornehmlich dem Alltagsverkehr im Nahbereich der Ziele wie Wohn- und Arbeitsplatzgebiete, Schulen, Läden, Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Wichtig sind direkte Wege und ein feinmaschiges Netz, aber auch eine attraktive Gestaltung und Ausstattung und insbesondere sichere Übergänge bei belasteten Strassen.
Wanderwege sind Wege vornehmlich ausserhalb des Siedlungsgebietes und dienen dem Freizeitverkehr. Wichtig ist eine attraktive Linienführung, unversiegelte Beläge, ununterbrochene Wege und eine gute Signalisation.
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Links
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das FWG
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Fussverkehr; Dossier FWG
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Urbanität
Fussgängerinnen und Fussgänger beleben die Stadt, durch Fussgänger belebte Quartiere und Strassenzüge sind sicher und schaffen die Voraussetzungen für ein vielfälltiges Nebeneinander von Wohnen, Einkaufen, Schule und Arbeiten: Fussgängerfreundliche Quartiere sind das, was eine Stadt ausmacht. Gleichzeitig sind Fussgängerinnen und Fussgänger darauf angewiesen, dass sie in Ihrer Nahe nicht nur reine Wohngebiete finden, sondern auch Versorgungseinrichtungen und Erholungsgebiete: etwa die Promenade in der Altstadt oder entlang einem Flussufer. Neben grosszügigen Freiräumen sind dazu auch dichte Siedlungsformen notwendig, welche erst eine Stadt der kurzen Wege ermöglichen.
Eine engmaschige Vernetzung der Siedlungsgebiete durch Fusswege ist ein wesentlicher Hebel für einen ausgeglichenen Standart der Lebensqualität in den Quartieren und kommt allen Bevölkerungsgruppen zu Gute
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Soziale Sicherheit und Kommunikation
Sicherheit im öffentlichen Raum beruht auf der potentiellen Selbstkontrolle der Passanten, Geschäftstreibenden und Bewohner. Das Sicherheitsgefühl steigt, je mehr Fussgänger die Strasse bevölkern. Menschen zu Fuss erhöhen damit das Sicherheitsempfinden und damit auch auch das Wohlbefinden aller Menschen.
Voraussetzung für ein sicheres Umfeld ist auch eine entsprechende Gestaltung der Aussenräume mit ausreichender Beleuchtung, gute Übersichtlichkeit und Einsehbarkeit. Unorte wie Unterführungen und eine dichte Bepflanzung mit Büschen sind zu vermeiden.
Gehen schafft soziale Kontakte. Dies ist bereits in jüngsten Jahren wichtig: Ein Kind, welches seine Umgebung ohne Begleitung zu Fuss erkunden kann, erhält Gelegenheit, eigenständige soziale Kontakte herzustellen und erlangt bessere Fortschritte seiner motorischen Fähigkeiten. Wir alle erinnern uns an angenehme und unangenehme Schulwegerlebnisse. Sie gehören gemäss Erkenntnissen aus der Psychologie zu den am tiefsten verankerten Erfahrungen des Menschen. Der Schulweg ist ein wichtiges Stück Lebensweg.(5)
Nicht nur für Kinder sind soziale Kontakte zu Fuss lebenswichtig: auch für Erwachsene sind zufällige Begegnungen ein Stück Lebensqualität, ein kurzer Gruss über den Gartenhag, ein Gespräch in der Gasse mit einem Kollegen, den man länger nicht mehr gesehen hat. Solche Begegnungen sind im Auto - abgekapselt von der Aussenwelt - nicht möglich.
Ältere Menschen möchten weitgehend unabhängig ihr Leben gestalten und ihren Lebensbedarf zu Fuss erreichen können. Der tägliche Weg für Besorgungen oder zum nahregelegenen Park bietet die Möglichkeit, sich körperlich und geistig fit zu halten. (3)
Das Gehen ist ein existentielles Recht des Menschen.
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Redaktion:
VCS St.Gallen / Appenzell
Andreas Bernhardsgrütter, August 2005
Quellen:
1) bfs: Mikrozensums Verkehr 2000
2) Expertenbericht Fussverkehr
3) Fuss e.V.: Gehen bewegt die Stadt, Berlin 2005
4) Bundesamt für Gesundheit
5) D. Sauter: "...weil die Autos so flitzen", Zürich 1997
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