St. Gallen (SG) Bleicheli-Quartier
       

Übersicht Strassenraumgestaltung

zurück

weiter


Die im Grundriss Nierenförmige Fläche greift in die angrenzenden Strassenräume über und klammert das Bankenviertel zusammen. Der rote Belag soll in einem Gummigranolat ausgefertigt werden, wie wir ihn als "Tartan-Belag" von der 400 m - Bahn kennen. Ob dieser Belag auch den Verkehrsbelastungen und dem Winterdienst aushalten kann, wird derzeitig im Werkhof Waldau der Stadt getestet. Die Fahrbahn selber wird in einem roten Asphalt ausgeführt.

Im Zusammenhang mit der Erschliessung des geplanten Einstein-Kongresszentrums wird die Gartenstrasse mit zusätzlichem Verkehr belastet. Künftig soll die Strasse im Gegenverkehr befahren werden können. Dies bedingt ein Umbau auch der Kreuzung Gartenstrasse / Kornhausstrasse, wo im verkehrstechnischen Gutachten ein Kreisel vorgeschlagen wurde.

Ob dereinst die flächige Gestaltung des Bleicheli als Begegnungszone betrieben und mit der nahe gelegenen Begegnungszone in der südlichen Altstadt und vor dem Einstein grossflächig verbunden wird, wird im Jurybericht nicht beantwortet - wäre aber zweifellos sinnvoll. Dies gäbe eine Begegnungszone, welvche bisher in dieser Grösse wohl noch nirgendwo in der Schweiz geschaffen worden ist.


Ausgangslage

Das Bleicheli-Quartier wurde im Verlauf der letzten Jahre als Verwaltungszentrum des Verbandes der Raiffeisenbanken ausgebaut und hat mit der Realisation zahlreicher Verwaltungsbauten sein Gesicht verändert. Die vormals kleinräumige gemischte Struktur wurde durch grossvolumige Baukörper neu definiert und bildet heute - obschon zwischen Altstadt und Migros Neumarkt gelegen - ein etwas abseits gelegener Ort. Wohl sind den einzelnen Bauten architektonische Qualitäten nicht abzusprechen, aber durch die monofunktionale Büronutzung "tötelets" im neuen Bankenviertel.

In einem Studienauftrag suchte die Raiffeisenbank eine Lösung, wie diese Ödnis aufgepeppt und der angerichtete Schaden kaschiert werden könnte - und wurde im Entwurf der Künstlerin Pipilotti Rist fündig.

"Der Entwurf 'Stadt Lounge' ", so die Jury, "stellt einen hochkreativen und innovativen Beitrag dar, welcher mit seiner Radikalität eine neue Identität mit hoher Aufenthaltsqualität schafft". Zudem besitze der Vorschlag das Potential, dem Ort und somit der Raiffeisenkasse ein Image zu geben, "welches einen hohen Grad an Ausstrahlung zu erzielen vermag" - was dem PR der Bank entgegen kommen dürfte. Die Jury spricht von einem "Wurf mit der Qualität einer städtebaulichen Ikone". Ob 'der Servelat für die Bratwurststadt' (Hochparterre) tatsächlich auch nach dem ersten Jahr nicht nur sauglatt war, sondern auch zeitlos elegant, bleibe mal dahin gestellt.

Aber: ein mutiges Experiment ist es Wert und zu verlieren gibt es hier nicht mehr viel. 'Die leicht ironische und fröhliche Athmosphäre' (Beurteilungsbericht) täte nicht nur den Bankangestellten gut, sondern auch der Stadt insgesamt.


Gestaltungskonzept

Die 'Stadtlounge' wird wie ein Teppich über die Freiräume des Quartiers gelegt. Sie weist eine klare Gliederung in verschiedenen Raumthemen auf, die im Sinne einer Wohnung mit verschiedenen Zimmern mit entsprechendem Mobiliar und Beleuchtung wohnlich eingerichtet werden soll.

Das Mobiliar mit überzogenen Bänke, Liegen, Tischen, Pflanzgefässe und Autos wird durch die Verkehrsbeschilderung ergänzt, "welche als vergrösserte Spielzeuge oder Verkehrsgartenschilder die leichte Ironie unterstützen"

Die amorphen Leuchtkörper mit zeitlich unterschiedlicher Lichtwirkung sind als skurale schwebende Elemente ausgerichtet.

Technisch umgesetzt wird der "Teppich" in einer weich geformten Oberfläche von rot eingefärbtem Gummigranolat im Bereich der Fussgänger und rot eingefärbtem Asphalt in den Fahrbereichen.


Daten:

DTV:
Verkehrsregime
Heute: Einbahn, Tempo 50
Geplant: Gegenverkehr, Begegnungszone

Gestaltung:
Pipilotti Rist & Carlos Martinez Architekten, Widnau

Lichttechnik:
Vogt + Partner, Winterthur

Realisierungsstand:
Im Bau Sommer 2005

Quellen und Bilder:

SVRB: Studienauftrag Freiraumgestaltung Raiffeisenzentrum St. Gallen, Beurteilungsbericht, 30. 4. 2004

Impressum:

VCS St. Gallen / Appenzell
Andreas Bernhardsgrütter
16. Nov. 2004 / Juli 2005

ausgeführt