St. Gallen, 22. November 2002. Der Gestaltungsplan für den Bau des Kongresshauses beim Hotel Einstein am Rand der südlichen Altstadt ist im Oktober öffentlich aufgelegt worden. Ein Blick auf die Pläne macht eines deutlich: Mit Kongresshaus hat das Bauvorhaben eher am Rand zu tun, vielmehr geht es bei der vorliegenden Planung um den Bau einer grossen Parkgarage mit gegen 300 Plätzen.
Die Tiefgarage füllt 60 Prozent der Nutzflächen, während der Kongressteil gerade mal 20 Prozent des Neubaus ausmacht. Ein ziemlich mickriger Wohnanteil mit fünf Wohnungen macht noch fünf Prozent der Nutzfläche aus. Entgegen den Versprechungen im Abstimmungskampf erfolgt die Erschliessung über die Wassergasse und nicht direkt über die Gartenstrasse - mit empfindlichen Folgen für das Umfeld.
Versprechungen aus dem Abstimmungskampf nicht gehalten
Die Verkehrserschliessung des neuen Parkhauses ist an dieser Lage sehr problematisch: Die geplanten 285 Plätzen führen auch bei einer vorsichtigen Schätzung täglich zu ca. tausend bis dreitausend Fahrten. Besonders auf der Wassergasse und dem oberen Graben entsteht ein erheblicher Mehrverkehr. Wie heikel diese Zu- und Wegfahrt ist, zeigt die nahe gelegene kleinere Parkgarage am oberen Graben, wo der Verkehr insbesondere bei grossem Fussgängerverkehr am Übergang Multergasse / Vadianstrasse kaum abfliessen kann. Ohne viel Fantasie ist absehbar, dass die Fahrzeuglenker sich Alternativen suchen werden, etwa über den Gallusplatz und die Altstadt oder via Felsenstrasse durch das darüber liegende Wohnquartier.
Im Abstimmungskampf zum Verkauf der Liegenschaften an der Wassergasse wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Erschliessung der neuen Tiefgarage über die Gartenstrasse erfolgen werde und damit die Altstadt und die Wohnquartiere geschont werden könnten - leere Versprechungen, wie sich jetzt zeigt.
Bestehende Parkplätze in der Altstadt ersetzen
Ob und wie viele der angebotenen Parkplätze öffentlich genutzt werden können, wird im Gestaltungsplan nicht geregelt und hängt allein von der Bauherrschaft ab. Gemäss Beschluss der "Altstadtrunde weitere Verkehrsberuhigung südliche Altstadt" sollen in der südlichen Altstadt die oberirdischen Parkplätze auf öffentlichem Grund aufgehoben werden, soweit sie unter anderem im Einstein-Parkhaus ersetzt werden können. Diese breit abgestimmte Forderung kann rechtlich nicht verbindlich festgelegt werden, wenn im Einstein-Parkhaus die entsprechende notwendige Anzahl öffentlicher Parkplätze (ca. 30 Parkplätze) nicht dauerhaft zur Verfügung stehen. Die fehlende rechtliche Verknüpfung der Forderung aus der Altstadtrunde und der nun von der Stadt aufgelegten Planung ist ein schwerwiegender Mangel, welcher die angestrebte Aufwertung des Klosterbezirkes gefährdet.
Andreas Bernhardsgrütter
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