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Velostation St. Gallen

Keine Einsprache des VCS zur Fachhochschule

 

Bahnhof Nord: Grosse Chancen und hohe Risiken für das Zentrum St. Gallens


Die Entwicklung des Gebietes Bahnhofes Nord bietet für den Bahnhof insgesamt grosse Chancen – der Bau von mehreren Parkgaragen an diesem Standort ist aber auch problematisch. Der VCS verfolgt diese Entwicklung intensiv und hat auch schon erfolgreiche Vorschläge eingebracht, so wurde auf Anregung des VCS eine bewachte Velostation aufgenommen.

Im Norden des Bahnhofes St. Gallen tut sich was: Das Geschäftshaus an der Leonardsbrücke ist derzeitig im Bau, der Kanton St. Gallen möchte unmittelbar bei der westlichen Bahnhofsunterführung eine Fachhochschule bauen und hat dazu einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Entwicklung dieses zentralen und mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossen Standortes ist grundsätzlich positiv und tut unserer Stadt gut. Der Bau einer Fachhochschule an diesem Standort vermittelt einen wichtigen städtebaulichen Impuls für ein bis anhin vernachlässigtes Quartier. Zudem kann der Bau einer Hochschule mitten in der Stadt – und nicht distanziert erhöht gelegen – auch das städtische Leben bereichern.

Verflechtung Parkgarage / Fachhochschule ist problematisch

Weniger glücklich ist der VCS, dass der Bau der Fachhochschule mit dem Bau einer öffentlichen Parkgarage verflochten wird. So ist gemäss Wettbewerbsprogramm geplant, insgesamt 280 Parkplätze zu erstellen, welche von der Parkgarage AG realisiert werden sollen. Das kantonale Hochbauamt hat mit dem VCS frühzeitig das Gespräch gesucht, um sich vor einer allfälligen Einsprache abzusichern. In diesen Gesprächen hat man sich zunächst auf 250 Parkplätze geeinigt, jetzt sind es wieder etwas mehr. Die Differenz von dreissig Parkplätzen ist an sich nicht entscheidend, wichtig ist uns, dass mit der Realisation der Parkgarage die Situation auf der südlichen Seite des Bahnhofes geklärt werden kann und die dortige Zufahrt für den Privatverkehr gänzlich unterbunden wird. Die entsprechenden Verfahren sind miteinander abzustimmen. Erst dadurch kann die sehr unbefriedigende Situation auf dem Bahnhofsplatz entschärft und akzeptable Verhältnisse für den Bus- und Postautoterminal geschaffen werden. Die heutigen Zustände auf dem Bahnhofplatz sind – gelinde gesagt – äusserst unbefriedigend und werden der Funktion als Tor zur ostschweizer Metropole nicht gerecht. Die entsprechenden Vorarbeiten sollten parallel mit dem Wettbewerb Fachhochschule Nord angegangen werden. Ideal wäre ein interdisziplinärer Ideenwettbewerb unter Verkehrsplaner, Landschaftsarchitekten und Architekten wie dies beispielsweise in Liestal, Bern, Solothurn, Horgen oder Wil praktiziert wurde.

Attraktiver nördlicher Bahnhofsbereich

Auch der nördliche Bahnhofsbereich soll als städtischer Platz aufgewertet werden. Beim Ausgang der Unterführung ist ein verkehrsfreier Platz vorgesehen. Die Bahnhofszufahrt findet im ersten Untergeschoss mit direkter Anbindung zur westlichen Bahnhofsunterführung statt. Auf Druck des VCS wurde im Wettbewerbsprogramm Räumlichkeiten für eine bewachte Velostation aufgenommen. Attraktive und sichere Veloabstellplätze am Bahnhof sind ein wichtiges Element für ein kombinierter Verkehr. Hier herrscht im Umfeld des Bahnhofes St. Gallen ein grosser Nachholbedarf.

Ebenso wurde ein Ladenlokal in das Wettbewerbsprogramm integriert. Der VCS erhofft sich durch einen Laden mit Lebensmitteln eine bessere Versorgung der Bahnkunden und der Studenten und insgesamt eine Belebung des Bahnhofes auch auf der nördlichen Seite.

Insgesamt 800 bis 1‘000 Parkplätze im Areal Bahnhof Nord

Die 250 bis 280 Parkplätze der Parkgarage alleine wären für das städtische Verkehrsnetz verkraftbar, zumal ein grösserer Teil dieser Parkplätze ersetzt wird. Problematisch ist aber die Summe der im Dreieck Bahnhof, Leonhardsbrücke und Rosengartenstrasse vorgesehenen Parkplätze. Bei einem Vollausbau des Gebietes dürften in diesem Gebiet insgesamt zwischen 800 bis 1'000 Parkplätze entstehen, also eine ähnliche Zahl, wie sie beim Einkaufszentrum Stadion West vorgesehen sind. Die Mehrbelastung des städtischen Verkehrsnetzes im Zentrum sind in der Summe beträchtlich und damit auch die entsprechenden Konflikte und Stausituationen. Je nach Nutzung und Witmung der Parkplätze werden daraus ca. 8'000 bis 12'000 Fahrten verursacht – dies hat auf der ohnehin stark belasteten Rosenbergstrasse Folgen: Das Nadelöhr Kreuzung Blumenbergplatz – bereits heute an der Kapazitätsgrenze – wird längere Staus zu verkraften haben, ebenso werden Rückstaus anderer neuralgischer Punkte wie auf der Leonhardsbrücke und der Autobahnausfahrt Kreuzbleiche stark zunehmen.

Andreas Bernhardsgrütter
15. Juni 2002.

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Fehlende Gesamtsicht

Im Bereich des Bahnhofes Nord fehlt eine Gesamtsicht. Ein Projekt reiht sich ans andere, und alle wollen möglichst viele Parkplätze. Nötig wäre ein Fahrtenmodell für das gesamte Gebiet gewesen, mit welchem im Überbauungsplan gleich die Anzahl der zulässigen Fahrten definiert und unter den Grundeigentümern verteilt werden können. Solche Modelle werden in Bern und Zürich (z. B. Gebiet ABB-Areal Oerlikon) angewendet. Der VCS hat mit einer Einsprache zum Überbauungsplan versucht, mit dem Erlass des Planes auch die Parkplatzsituation für das gesamte Areal zu klären. Die entsprechende Einsprache wurde vom Stadtrat abgewiesen und dann vom VCS zurückgezogen.

Nun versucht der VCS in einzelnen Verhandlungen, im Rahmen von Feuerwehrübungen schlimmeres zu verhindern. Für uns ist klar: Die Erschliessungsqualität der Stadt auch für den PW-Verkehr kann nur gehalten werden, wenn die Mehrbelastung des Verkehrsnetzes in Grenzen gehalten wird. Der Trend und auch die Verkehrspolitik der Stadt (1'000 neue Parkplätze im Zentrum) läuft aber in die andere Richtung. Niemand kann aber ein Interesse an einem Verkehrszusammenbruch haben – auch nicht autofreundliche Kreise und zuallerletzt das Gewerbe in der Innenstadt.

Gerade im Umfeld des Bahnhofes ist dank der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr und der zentralen Lage ein zurückhaltender Ausbau des Parkplatzangebotes angezeigt. Hier soll bewusst darauf gesetzt werden, dass der grösste Teil der Bewohner, Beschäftigten, Kunden, Besucher und Studierenden zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr anreist – wenn nicht beim Bahnhof St. Gallen, wo dann?

Andreas Bernhardsgrütter