Die Chancen zur Realisierung einer autofreien Siedlung in der Stadt St. Gallen sind sehr gut, da mehr als ein Drittel der Haushalte in der Stadt St. Gallen kein Auto besitzen. Und: Es gibt geeignete Standorte für autofreie Wohnsiedlung in St. Gallen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Diplomarbeit von Sabine Amsler an der Hochschule Rapperswil, zum Thema "Autofreies Wohnen in der Stadt St. Gallen".
Die Verfügbarkeit eines eigenen Fahrzeuges ist das entscheidende Kriterium bei der Wahl des Verkehrsmittels. Wer ein Auto besitzt, überlegt sich in der Regel nicht mehr lange, ob es auch Alternativen dazu gäbe. Zu diesem Schluss kommt der Mikrozensus Verkehr 2000 der Bundesämter für Raumentwicklung und für Statistik. Um unnötiger Verkehr zu verhindern oder auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu lenken ist es deshalb effizient, über Förderungsformen von autofreien Lebensformen nachzudenken. Die Realisierung von autofreien Wohnsiedlungen ist ein mögliches Instrument, alternative Lebensformen anzuwenden. Gerade die Stadt verfügt über gute Alternativen zum Besitz eines eigenen Personenwagens: nahe Versorgungseinrichtungen, kurze Wege und gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. 36 Prozent der Haushalte in der Stadt St. Gallen besitzen kein eigenes Auto und vermissen nichts. Ideal wäre es, alle autofreien Haushalte in einem Quartier beispielsweise im Zentrum zusammenzufassen. Es entstände eine weitgehend vom motorisierten Verkehr verschonter Stadtteil in der Grösse eines Drittels der Stadt St. Gallen. Wer jemals in Venedig war, lernt es schätzen, unbehelligt vom Autoverkehr durch die Gassen zu schlendern. Noch sind wir aber nicht so weit. Es geht zunächst darum, autofreies Leben zu diskutieren und den Boden für autofreie Wohnquertiere zu öffnen. In der letzten Ausgabe des VCS-Lokal wurde die Idee von autofreien Wohnen grundsätzlich vorgestellt in diesem Artikel soll diese Idee anhand der Arbeit der Raumplanerin Sabine Amsler weitergesponnen werden.
Umfangreiche Untersuchungen
Sabine Amsler hat anhand des Zonenplanes 31 grössere Baulandreserven in der Stadt St. Gallen evaluiert und diese im Gespräch mit dem städtischen Planungsamt auf zehn grundsätzlich geeignete Gebiete reduziert. Die verbliebenen Gebiete wurden anhand einer Nutzwertanalyse näher untersucht. Ein autofreies Wohngebiet ist attraktiv, wenn es genügend gross ist, keine extremen Steigungen aufweist und über eine gute Anbindung an das Fuss- und Radwegnetz sowie den öffentlichen Verkehr verfügt. Zudem soll es über nahe Infrastruktureinrichtungen wie Schulen und Einkaufsmöglichen verfügen, nahe Erholungsräume wie grössere Grünräume aufweisen und wenig Lärm und weiteren Umweltbelastungen ausgesetzt sein. Ein autofreies Wohngebiet soll in seiner Siedlungsstruktur an das übrige Siedlungsgebiet eingebunden werden können.
Empfehlung: Autofreies Wohnen im Stephanshorn oder im Lerchenfeld
Anhand dieser Kriterien erreichten vier der zehn untersuchten Gebiete eine hohe Punktzahl von über 800 von 1'000 möglichen Punkten. Am besten schnitten die beiden Gebiete "Stephanshorn" an der Stephanshornerstrasse beim botanischen Garten sowie das Gebiet "Auwald" hinter dem Waro Lerchenfeld ab. Für diese beiden Gebiete erarbeitete Sabine Amsler noch auf einer konzeptionellen Ebene ein Bebauungskonzept und entwickelte Planungsinstrumente, mit denen ein solches Konzept umgesetzt werden kann. So könnte im Gebiet "Stephanshorn" auf einer Fläche von 21'100 m2 134 Wohneinheiten erstellt werden. Hier könnten ca. 250 Menschen wohnen. Im Gebiet Auwald könnten auf einer Fläche von 34'000 m2 sogar 500 bis 600 Bewohnerinnen und Bewohner einziehen.
Autofrei Wohnen: im Trend
Die Idee von autofreien Wohnsiedlungen liegt besonders in Holland und Deutschland im Trend, wo in den letzten Jahren verschiedene grössere Siedlungen umgesetzt wurden. Nun wird dieses Thema auch von der Verkehrs- und Raumplanung in der Schweiz entdeckt. Dies zeigen nicht zuletzt die Diplomarbeiten der Hochschule Rapperswil, Abteilung Raumplanung, wo im letzten Jahrgang gleich drei entsprechende Diplomarbeiten zu diesem Thema durchgeführt wurden. Inzwischen gibt es auch eine umfangreiche Literatur und zahlreiche Homepage-Seiten, welche Im Herbst dieses Jahres führt die Hochschule Rapperswil zudem eine Tagung durch, an welcher dieses Wohnmodell näher vorgestellt wird.
VCS St. Gallen: Wir bleiben drann
Ein erster Aufruf im letzten "VCS Lokal" hat erst ein verhaltenes Interesse an einer Mitarbeit an einem solchen Projekt ergeben. Die VCS Ortsgruppe St. Gallen möchte aber diese Idee weiter arbeiten und entsprechende Vorarbeiten an die Hand nehmen. Die Diplomarbeit von Sabine Amsler bildet dazu eine umfassende Grundlage. Wer sich eine Mitarbeit an diesem Projekt vorstellen kann, ist herzlich eingeladen, daran teilzunehmen (Kontaktformular).
Andreas Bernhardsgrütter
22. Juni 2002
Kontakt:
Andreas Bernhardsgrütter, Pelikanstrasse 15, 9008 St. Gallen: Tel: 071 246 36 66, mail: andreas.bg@bluewin.ch oder auf dem VCS Sekretariat.
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Warum autofrei wohnen?
Es gibt viele Gründe, hier die wichtigsten:
- Ruhig wohnen:
ungestört von Autolärm wohnen und leben.
- Mehr Spielraum und Sicherheit für Kinder:
Kinder sind auf ein sicheres Umfeld für die ersten eigenständigen Kontakte angewiesen
- Mehr Platz zum Leben:
Der Verzicht auf grosse Parkplätze schafft Raum für anderes
- Weniger Miete ...
Als Mieter subventioniere ich nicht mehr die Tiefgarage des Nachbarn mit.
- Zufahrt gewährleistet
Auch das Feuerwehrauto findet seinen Weg
Literatur:
- Sabine Amsler: "Autofreies Wohnen in der Stadt St. Gallen", Diplomarbeit Herbst 2001, Fachhochschule Rapperswil, Abt. Raumplanung; Examinator: Prof.Klaus Zweibrücken. Rapperswil, 2001
- Christian Harb (Hrsg): Autofreies Wohnen als neue Perspektive für Stadt und Verkehrsplanung,
Zürich 2001
Bezug: UmverkehR, Postfach, 8036 Zürich
- Müller Hannes: Autofreie Haushalte ihre Mobilitätsformen und die Folgen für Verkehrsplanung und Umweltpolitik; NFP 41-Bericht A2, Bern 1999
Interessiert?
Der VCS St. Gallen sucht Menschen, welche sich in der Stadt St. Gallen vorstellen könnte, in einer autofreien Siedlung zu leben. Ziel müsste es sein, eine Trägerschaft für ein entsprechendes Projekt auf die Beine zu stellen. Mit genügenden Interessenten könnten entsprechende Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, mit potentiellen Wohnbaugenossenschafter, interessierten Grundeigentümern oder Generalunternehmern gesucht werden. Allfällige Interessenten können sich beim Sekretariat melden
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