Eine Untersuchung der Swiss Retail Federation, des Verbandes des Detailhandels zum Einkaufsverhalten in der Innenstadt hat gezeigt, dass rund 70 Prozent der Kunden in Innenstädten mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Nur 17 Prozent der Kunden kommen mit dem Auto. Die Innenstadt wird nach wie vor als attraktives Einkaufsangebot geschätzt, hat aber wegen den stark gewachsenen Konkurrenz am Stadtrand, zwischen 2000 und 2004 13 Prozent der Kunden verloren. Der Umsatz pro Besucher ist je nach Hauptverkehrsmittel unterschiedlich: Besucher mit dem Auto weisen einen Umsatz von Fr. 155.- auf, Besucher mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss und mit dem Velo sind öftere und treuere Kunden, kaufen aber pro Besuch weniger, ihr Umsatz beträgt zwischen 73.- respektive 62.- Franken. Insgesamt machen die Geschäfte in der Innenstadt lediglich rund dreissig Prozent des Umsatzes mit Autokunden, 60 Prozent mit ÖV-Kunden und 10 Prozent mit Kunden, welche zu Fuss und mit dem Velo anreisen. Diese Untersuchung wurde in den Städten Zürich, Basel, Bern, Genf und Lugano durchgeführt, dürfte aber auch auf die Stadt St. Gallen übertragbar sein. In der Studie wurde aber lediglich das Einkaufsverhalten zwischen Donnerstag und Samstag untersucht; so wurde tendenziell der typische Wochenendeinkauf mit dem Auto stärker gewichtet.
Angesichts diesen Tatsache erstaunt es, dass die Gewerbler in den Innenstadt bei jeder Gelegenheit fantasielos lediglich mehr Parkplätze fordern, und sich nicht auch für bessere Verhältnisse für den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr einsetzen. Jeder Parkplatz, der die Gassen und Plätze in der Altstadt verstellt, ist heilig und wird verteidigt. Ich fühle mich als Fussgänger in der Innenstadt als Kunde nicht ernst genommen, wenn ich bis zum Mittag auch auf der Multergasse und dem Marktplatz um parkierte Fahrzeuge - vornehmlich der Gewerbler selber - schlängeln muss und in der Engelgasse oder Metzgergasse auf ein schmales Trottoir an den Rand abgedrängt werde. Die Trennung der oberen und unteren Altstadt am Marktplatz mit einer vierspurigen Strasse und zusätzlich seitlichen Parkierung ist für Fussgänger eine Zumutung und stellt die nördliche Altstadt räumlich ins Abseits. Ich denke, es täte unseren Gewerblern gut, wenn sie sich mal die neu gestalteten grosszügigen Fussgängerzonen in Luzern, Winterthur, Schaffhausen, Chur oder Biel anschauen täten, vielleicht kämen sie dann auch zur Ansicht, dass ein angenehmes attraktives Umfeld zum Flanieren einlädt und zur Standortgunst der Innenstadt gehört.
Immerhin zeigen Untersuchungen, dass je länger ein Kunde bleibt, desto höher auch der Umsatz ist. Um die Aufenthaltsdauer zu verlängern, müssen attraktive Aussenräume, Strassen-Cafes und eine Umgebung angeboten werden, in der sich Fussgänger ohne Gefahr bewegen können. In der Innenstadt St. Gallen besteht das Potential dazu. Es wäre schön, wenn von Seite der Gewerbeverbände entsprechende Vorschläge für eine grosszügige Fussgängerzone unterstützt würden. Immerhin sind auch Kunden, die mit dem Auto anreisen, bei einem Einkaufsbummel in der Innenstadt schnell mal mehrere Kilometer zu Fuss unterwegs und treten als Fussgänger in das Geschäft.
Andreas Bernhardsgrütter
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Weitere Info's:
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Link zum swiss-retail
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Faktenblatt Einkaufen in der Periphärie (pdf)
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Begegnungszone südliche Altstadt St. Gallen
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zum Beispiel: Innenstadt Biel
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