Verkehrsplanung Rapperswil/ Jona: mit kleinen Schritten mehr erreichen?

Die Tunnel-Skepsis ist nicht gewichen

Rapperswil, 12. Februar 2004: Die Verkehrsplanung Rapperswil / Jona hat in den letzten Jahren vermehrt auch den öffentlichen sowie den Fuss- und Radverkehr ins Zentrum gerückt. Das Schlüsselelement bleibt gleichwohl der projektierte Tunnel Rapperswil, mit dem das Strassennetz massiv mehr Verkehr aufnehmen könnte. Der VCS bleibt skeptisch, weil er dadurch eine starke Verkehrszunahme erwartet.

Seit rund 15 Jahren hat der Seedamm in Rapperswil gleich viel Verkehr zu verkraften. Befuhren ihn 1989 durchschnittlich 23'800 Fahrzeuge pro Tag, so waren es 2002 mit täglich 23'830 gleich viele Autos und Lastwagen. Die Kapazität der Strasse ist schlicht erschöpft, was auch seine guten Seiten hat: Das Verkehrswachstum in der Agglomeration wird begrenzt, wovon auch das übrige städtische Strassennetz profitiert.

Obwohl die Gesamtverkehrsoptimierung Rapperswil / Jona auf beide Optionen – mit und ohne Tunnel – ausgerichtet ist, ist eine klare Favorisierung der Tunnellösung erkennbar. Der VCS bleibt skeptisch und kritisch:

  • Mit Investitionen von über einer halben Milliarde Franken fliesst der grösste Teil der Mittel in den Strassenausbau. Dies wird die Verkehrskapazitäten auf der Route Seedamm–Rüti / Seedamm–Kempraten und Seedamm–Neue Jonastrasse markant erhöhen, da damit die heute niveaugleichen Knoten auf dem Rapperswiler Strassennetz eliminiert werden. Als Folge davon ist zu erwarten, dass der Seedamm und die Ortsdurchfahrt Rapperswil/Jona massiv an Attraktivität gewinnen. Entgegen den Zielsetzungen der Gesamtverkehrsoptimierung dürfte dies insbesondere im Ortszentrum von Jona zu starkem Verkehrswachstum führen.
  • Der hohe Anteil an hausgemachtem Verkehr ergibt für eine Umfahrung einen Zielkonflikt. Damit sich auch Binnen-, Ziel- und Quellverkehr auf die Umfahrung verlagern, müssen – städtebaulich sehr problematisch – rasch erreichbare Anschlüsse in Zentrumsnähe oder bei den Wohngebieten realisiert werden. Das aber fördert wiederum die Tendenz, mit dem Auto ins Zentrum zu fahren.

Bei aller Kritik an der Tunnellösung ist festzuhalten, dass auch klare Fortschritte erzielt wurden: ersichtlich am Einbezug der flankierenden Massnahmen, an der Ausdehnung der Planung auf die Gemeinde Jona und insbesondere an der Tatsache, dass nun die «flankierenden Massnahmen auf dem Transitkorridor Bestandteil des Genehmigungsprojektes für den Tunnel sind». Für den VCS ist dies die Voraussetzung, dass überhaupt über Umfahrungs- respektive Tunnelvarianten diskutiert werden kann.

So wie beim öffentlichen Verkehr Verbesserungen im gesamten betroffenen Siedlungsgebiet angestrebt werden, muss auch die Planung für den Fuss- und Radverkehr über den Transitkorridor hinausgreifen. Der VCS beantragt, die Massnahmen zu Gunsten von Fussgängern und Velofahrerinnen im Rahmen der kommunalen Verkehrsplanung stärker zu gewichten: Sie sind rasch umsetzbar, vergleichsweise kostengünstig und schneiden unter ökologischen Gesichtspunkten am besten ab. Die beauftragten Planer haben in früheren Berichten dargelegt, wie schlecht der Fuss- und Radverkehr in Rapperswil/Jona mit seinem Anteil von 21,5% – gegenüber 33% in Chur oder 32% in Frauenfeld – dasteht.

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Tunnel ist nicht finanzierbar

Wenig wahrscheinlich ist eine Realisierung des Tunnels aber allein schon aus finanziellen Gründen. Zwar ist das 600-Millionen-Projekt im Strassenbauprogramm des Kantons enthalten, doch ist heute schon klar, dass die notwendigen Bundesbeiträge nicht fliessen werden.

Die jahrzehntelange Tunnel-Planung darf nun nicht als Vorwand dafür dienen, die nötigen Massnahmen auf dem bestehenden Hauptstrassennetz auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Vielmehr sollten diese ab sofort planerisch vorbereitet werden. Wird auf einen Finanzierungsentscheid im Jahr 2006/2007 gewartet, geht wertvolle Zeit verloren, die sich für die Ausarbeitung von Gestaltungskonzepten und -projekten nutzen lässt.

Die Erfahrungen im Raum Bern sowie die inzwischen durchgeführten Studienarbeiten auf der Zürcherstrasse in St. Gallen (ca. 18'000 bis 20'000 DTV) zeigen, dass bedeutende Verbesserungen auf dem bestehenden Strassennetz auch ohne Umfahrung durchaus möglich sind.