Tunnel löst Verkehrsproblem nicht
Rapperswil / Jona:
Verkehr ist hausgemacht
Der Verkehr in Rapperswil Jona ist hausgemacht. Nur 13 Prozent aller Fahrten ist Durchgangsverkehr. Der Anteil des Autoverkehrs ist verglichen mit gleich grossen Städten sehr hoch. Gleichwohl wollen die Behörden mit einem neuen Tunnel die Strassenkapazitäten erhöhen und so den motorisierten Verkehr weiter anheizen.
Von Andreas Bernhardsgrütter
Die erschreckenden Zahlen:
Die Zahlen des Ingenieurbüros Ernst Basler und Partner sind erschreckend, bestätigen aber, was man aus früheren Untersuchungen bereits wusste: Mit nur 13 Prozent Durchgangsverkehr ist das Verkehrsproblem von Rapperswil / Jona nicht von den Auswärtigen verursacht, sondern von der ortsansässigen Bevölkerung selber. Der Anteil des motorisierten Verkehrs ist mit 70 Prozent aller Wege sehr hoch: Viel höher, als in vergleichbaren Städten. Rund 110'000 Autofahrten werden in Rapperswil / Jona täglich zurückgelegt. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs mit 20'000 Fahrten und des Fuss- und Radverkehrs mit 30'000 Wegen ist vergleichsweise bescheiden. Dies, obwohl die Verhältnisse in Rapperswil / Jona sehr kleinräumig sind und die Anbindung des öffentlichen Verkehrs aus der Region recht gut ist.
Rapperswil und Jona wollen am Tunnel festhalten
Trotz diesen Zahlen wollen die Behörden an den Tunnelplänen festhalten, von denen sie eine Entlastung des Ortszentrums von Rapperswil erhoffen. Durch die Anordnung der Ein- und Ausfahrten mitten in der Stadt kann ein Teil des internen Ziel-, Quell- und Binnenverkehrs aufgenommen werden. Flankierende Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz sollen dazu führen, dass die entlasteten Strassen nicht einfach wieder aufgefüllt werden. Dies ist sicher eine Chance für das Zentrum Rapperswils - für den östlichen Teil Rapperswils und für Jona bringt aber die ganze Übung nichts: Die St. Gallerstrasse und neue Jonastrasse wird nicht entlastet - es steht vielmehr zu befürchten, dass diese beiden Strassen erheblichen Mehrverkehr zu Verkraften haben (Vergl. Kasten).
Defizit bei den Alternativen zum motorisierten Verkehr
Die Untersuchung zeigte klar, dass grosse Defizite beim öffentlichen Verkehr, wie auch beim Fuss- und Radverkehr bestehen. Der Vergleich mit ähnlichen Städten zeigt, dass ein höherer Anteil der Alternativen zum Auto möglich - ja sogar zwingend nötig ist, wenn die Verkehrsprobleme im Raum Rapperswil / Jona angegangen werden sollen. Dazu gehört für den VCS ein attraktives Ortsbusnetz, bessere Velo- und Fusswegverbindungen und Siedlungsstrukturen, welche es erlauben, ohne Auto auszukommen. Warum also beispielsweise nicht mal ein autofreies Wohnquartier planen? Immerhin: die Behörden wollen jetzt solche Vorschläge angehen. Dazu wurde eine Gesamtverkehrsplanung ins Rollen gebracht, welche nicht zuletzt auf Druck des VCS zustande kam.
Push and pull
Die Förderung von Alternativen genügt aber nicht. Dadurch kann wohl das Verkehrswachstum gebremst, aber nicht verhindert werden. Nötig sind deshalb Massnahmen, die zu einer Einschränkung des motorisierten Verkehrs führen. Noch immer werden neue Parkhäuser eröffnet, noch immer gibt es beispielsweise im Ortszentrum von Jona Gratis-Parkplätze und werden damit Autofahrer subventioniert.
Tunnel heizt Verkehrswachstum an
Aber es bleibt Faktum: durch den geplanten Tunnel wird der motorisierte Verkehr stark gefördert. Verkehrsuntersuchungen haben gezeigt, dass ein besseres Verkehrsangebot auch eine höhere Verkehrsnachfrage auslöst. Es ist nicht zu erwarten, dass durch einige Velowege oder zusätzliche Busse dieser Anreiz für mehr Autoverkehr annähernd ausgeglichen werden kann. In diesem Sinne sind die Tunnelpläne alles andere als nachhaltig: Das Ungleichgewicht auf Kosten des öffentlichen Verkehrs und des Fuss- und Radverkehrs wird vielmehr nochmals akzentuieren.
12. 7. 2002
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Dämme brechen?
Rapperswil / Jona hat ein grosses Verkehrsproblem, soweit sind sich alle Beteiligten einig. Über die Wege aus dieser Situation herauszufinden, gibt es aber erhebliche Differenzen. Die Behörden und ein grosser Teil der Bevölkerung hofft, mit einem Tunnel die Probleme lösen zu können. Dass dies nicht möglich ist, zeigt die Untersuchung der Verkehrsplaner aus Zürich. Zumindest auf der Achse St. Gallerstrasse / Neue Jonastrasse bringt der Tunnel keine Verkehrsentlastung - im Gegenteil: Es steht zu befürchten, dass die Kapazitätsausweitung der Ortsdurchfahrt zu einem starken Verkehrswachstum führen wird.
Heute begrenzte Kapazitäten
Seit zehn Jahren sind die Verkehrszahlen auf dem Seedamm stabil und schwanken zwischen 22'000 und 23'000 Fahrzeugen täglich. Auch am höchst belasteten Tag fahren mit 115 Prozent des Durchschnittsverkehrs wenig mehr Autos und Lastwagen als an gewöhnlichen Tagen über den Seedamm. Dies deutet darauf hin, dass die Verkehrskapazitäten ausgeschöpft sind und das Strassennetz schlicht nicht mehr Verkehr bewältigten kann. Das Bedürfnis nach Mehrverkehr wäre aber auf Grund der Lage Rapperswils, dem allgemeinen Verkehrswachstum und der starken baulichen Entwicklung in der Region da. Hätte der Seedamm eine Kapazität von 40'000 Fahrzeugen - dort würden heute auch 40'000 Fahrzeuge fahren. Es ist deshalb ein Glück für Rapperswil, dass die Strassen schlicht nicht mehr Verkehr tragen können, das Schlamassel in den Ortschaften wäre noch viel grösser.
Schleusen öffnen
Mit dem geplanten Bau des Tunnels in einem Autostrassenstandart und niveaufreien Anschlüssen, nimmt die Kapazität des Verkehrsnetzes stark zu. Es ist zu erwarten, dass diese zusätzlichen Kapazitäten umgehend aufgebraucht werden. Dies führt zu hohen Verkehrswachstum in der gesamten Agglomeration - insbesondere aber an den Zugangsachsen. Es steht daher zu befürchten, dass gerade die Neue Jonastrasse und St. Gallerstrasse Strasse vom Tunnel nicht nur nicht entlastet werden - wie von den Planern eingeräumt wird - sondern starke Verkehrszunahmen zu verkraften haben.
Damit gehört ein ortsbaulich empfindliches Gebiet zu den Verlierern im grossen Strassenpocker. Es ist nicht nur das Ortszentrum von Jona, sondern auch zahlreiche Wohnliegenschaften betroffen. Man fragt sich, ob wirklich 500 bis 600 Millionen Franken ausgegeben werden sollen, nur um feststellen zu müssen, dass damit die hausgemachten Verkehrsprobleme Rapperswil / Jonas nicht gelöst werden können.
Andreas Bernhardsgrütter
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