Inhalt, VCS Lokal, Februar 10 / Nr. 89:

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VCS-Lokal

Das VCS-Lokal erreicht mit einer Auflage von rund 2'200 Exemplaren im Gebiet zwischen Rorschach und Gossau ein interessiertes ökologisch aufgeschlossenes Publikum.

Das VCS Lokal erscheint vier mal jährlich.

weitere Informationen und die Inserat-Tarife erfahren Sie von unserem Sekretariat.

Mail: info@vcs-sgap.ch


Unsere Inserenten

Malerei, Gipserei Reutegger
baubiologische Renovationen
9533 Kirchberg


Doris Königer, Architektin ETH
Dierauserstrasse 1, 9000 St.Gallen
www.frauenbauen.ch


Claro FAIR TRADE
Engelgasse 5, St.Gallen
www.claro.ch


Sankt St.Galler Stadtwerke
Leonard Strasse 15, 9001 St.Gallen
Erdgas fahren
www.erdgasfahren.ch


netwörk
büro ö
9000 St.Gallen
www.netwörk.ch


Velolegi
Rorschacher Strasse 221
9000 St.Gallen
www.velolegi.ch


Sauna und Hallenbad Blumenwies
Martinsbruggstrasse 25
9016 St.Gallen
www.blumenwies.ch


Büro von Moos
Haggenstrasse 10
9650 Nesslau


ökomarkt
Marktgasse St.Gallen
www.oekomarkt.ch


EKG-Gesundheitskasse
Agentur St.Gallen
Gallusstrasse 12
9000 St.Gallen
www.ekg.ch

 

 

Editorial:
Jetzt ein Zeichen setzen!


Städte-Initiative:
Nur ein städtisches Ja am 7. März legt die richtigen verkehrspolitischen Weichen!


Vortrag von Prof. Klaus Zweibrücken : Bausteine einer nachhaltigen Mobilität
Die Ziele der Städteinitiative sind realistisch


Die Stadt Zürich macht es vor
Autoverkehr plafonieren, Bahn, Tram und Bus ausbauen


Sicher im Sattel
Velokurse 2010


Veloabstellplätze Marktplatz / Bohl
Beim Planen rechtzeitig an die Wirkungen denken


Der Velofrühling kommt bestimmt
Velobörsen im Raum St. Gallen


Sufo 2010
Eine andere Welt ist möglich


Link

Leiter Tiefbauamt / Stadtingenieur im Ruhestand
Interview mit Hansjörg Roth


Link

Postulat
Veloverleihsystem für St. Gallen


Link

Standortattraktivität
Am Bahnhof Gossau besteht mehrfach Handlungsbedarf


Link

Schwierige Sammelbedingungen
Referenden der Grünen gegen Schnellstrassen im Toggenburg gescheitert


urbanität

Falsche verkehrspolitische Prioritäten
S-Bahn Vorlage hat wesentliche Mängel


 

Editorial

Jetzt ein Zeichen setzen!

Von Andreas Bernhardsgrütter

Liebe Leserinnen und Leser

Setzen Sie ein Zeichen für mehr Lebensqualität in der Stadt St.Gallen! Wer derzeitig durch die Strassen der Stadt geht, entdeckt die Plakate mit dieser augenzwinkernden Botschaft. Und tatsächlich: Wir haben es in der Hand, unsere Stadt auf eine nachhaltige Verkehrsentwicklung zu erpflichten. Die Beiträge in diesem Heft zeigen, dass das Ziel erreichbar ist, wenn wir denn wollen. Mit einer Zunahme von durchschnittlich 1,4 Prozent auf den Strassen im Kanton zeigt der Trend noch in eine andere Richtung. Auf der Stadtautobahn hat der Verkehr sogar um über 2 Prozent zugenommen. Es braucht also mehr als unverbindliche Vorgaben in Leitbildern, wenn wir auch längerfristig Staus auf der Autobahn und eine Rückverlagerung des Verkehrs auf das städtische Strassennetz verhindern möchten. Es braucht jetzt verbindliche Zielvorgaben, wie wir sie am 7. März für St.Gallen festsetzen können.

Mit diesem Heft wird das Layout in neue Hände gelegt. Es freut mich persönlich, dass sich für diese Aufgabe mit Stefan Marbach ein Nachfolger finden liess. Das VCS-Lokal bekommt mit ihm eine neue Gestaltung. Wir hoffen natürlich, dass sie bei unserer Leserschaft gut ankommt und freuen uns auf Ihre Reaktionen.

Wir freuen uns mit Ihnen auch auf den Frühling. Damit kommt die Zeit, die Velos aus den Kellern zu holen. Mit dem Veloflohmarkt und den Velofahrkursen werden auch dieses Jahr wieder diese beliebten Dienstleistungen im VCS-Lokal angeboten.

Und vergessen Sie bitte nicht: Setzen Sie am 7. März 2010 mit einem überzeugenden Ja zum Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung ein Zeichen für mehr Lebensqualität in der Stadt St.Gallen.

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Jetzt ein Zeichen setzen

Nur ein städtisches Ja am 7. März legt die richtigen verkehrspolitischen Weichen!

Von Monika Simmler

Als Mitinitiant der Städte-Initiatie, welche nun als „Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung“ zur Abstimmung gelangt, wird der VCS
auch weiterhin für die nachhaltige Verkehrsentwicklung einstehen.

Das „Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung“, welches am 7.März zur Abstimmung kommt, fordert, dass das zukünftige Verkehrswachstum in der Stadt St. Gallen mit dem ÖV, Fuss- und Veloverkehr aufgefangen wird. Ein städtisches Ja am 7. März ist ein klares Zeichen für eine nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung. Mit dem Reglement wird der Standort St. Gallen langfristig gestärkt und attraktiver. Richtig umgesetzt könnten die hohe Lebensqualität, die gemütlichen Einkaufsstrassen in der Innenstadt, der gesteigerte Komfort im ÖV und die sichereren Velo- und Fusswege St. Gallen dadurch neu als ideale Wohn- und Arbeitsstadt etablieren. Um das öV-Angebot noch attraktiver zu machen, können wir in St. Gallen doch einiges verbessern: Bessere Bedienung der Stadtbahnhöfe durch die Bahn zumindest alle Viertelstunde, Verlängerung der städtischen Linien zu den SBahnhöfen über die Stadtgrenzen hinaus, Lücken bei der Versorgung einzelner Stadtquartiere (z.B. südliche Altstadt, Wildegg) mit neuen Linien schliessen, die Eigentrassierung der Busse an neuralgischen Stellen ausbauen und damit den Busverkehr beschleunigen, die Ausstattung und Anordnung der Haltestellen verbessern und den Takt verdichten - auch an den Nebenverkehrszeiten, am Samstag und Sonntag. Die Ausdünnung des öV-Angebots mit dem Ferienfahrplan gehört abgeschafft.

Visionäre Projekte wie eine Tramlinie für St. Gallen erhielten neuen Schub und Investitionen in die effizienten Verkehrsalternativen würden zur Pflicht. Der ÖV braucht für die gleiche Transportmenge viel weniger Platz als der motorisierte Individualverkehr. Im Vergleich braucht der Trolleybus pro transportierten Fahrgast nur einen Bruchteil der Energie. Ein geringerer Energieverbrauch bedeutet auch weniger Luftverschmutzung und mehr Lebensqualität. Die umweltfreundlichen Verkehrsmittel bringen nur Vorteile und ihnen gehört darum die verkehrspolitische Zukunft der Stadt St. Gallen!

Das „Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung“ fordert genau das. Darum wird der VCS zusammen mit den anderen unterstützenden Organisationen und Parteien für ein städtisches Ja am 7. März 2010 kämpfen. Damit schon bald die richtigen Weichen gestellt werden können!


Stadt-Verkehr: Charta für eine nachhaltige städtische Mobilität

Bg/ Die Städte Basel, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam die «Charta für eine nachhaltige städtische Mobilität» formuliert und unterzeichnet. Sie zeigt auf, dass die Städte vor denselben Herausforderungen stehen und diesen vereint mit der Förderung von öffentlichem Verkehr sowie Fuss- und Veloverkehr wie auch einem hochwertigen öffentlichen Raum.

Damit reagieren die beteiligten Städte auf die Städteinitiativen, welche in diesen und weiteren Städten eingereicht worden sind. Die Charta geht in die richtige Richtung und nimmt viele Forderungen der Städteinitiative in ihrer Umsetzung auf. Allerdings fehlen in der Charta verbindliche Zielvorgaben fr eine Begrenzung der Zunahme des Auto- und Lastwagenverkehrs auf dem Strassennetz, wie sie die Städteinitiative möchte. So wird in der Charta die freie Fahrt des Durchgangsverkehrs durch die Städte propagiert. Dabei geht vergessen, dass der Durchgangsverkehr in den betroffenen Städten nur ein kleiner Teil des Verkehrs ausmacht. Selbst auf der Stadtautobahn dürfte der Anteil des Durchgangsverkehrs nicht mehr als 10 bis 15 Prozent betragen.

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Vortrag von Prof. Klaus Zweibrücken: Bausteine einer nachhaltigen Mobilität

Die Ziele der Städteinitiative sind realistisch

Von Susanne Schmid

Am 7. März stimmt die St. Galler Bevölkerung über ein neues Reglement ab, das eine nachhaltige Verkehrsentwicklung fordert. Dabei soll die Zunahme des Verkehrs mit dem öffentlichen Verkehr, mit Velo und zu Fuss bewältigt werden. Der VCS wollte von Fachpersonen wissen, ob dies überhaupt möglich sei und hat mit Prof. Klaus Zweibrücken und Andy Fellmann zwei Verkehrsexperten zu einem Vortragsabend eingeladen.

Es braucht entschlossenes Handeln

Für Klaus Zweibrücken ist die Forderung des St. Galler Reglementes ganz klar realistisch, ja er nennt sie sogar ein bisschen mutlos, wäre doch sogar eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in Zukunft möglich. Die Verkehrsprobleme werden sich aber nicht von selbst lösen, sondern es braucht unser entschlossenes Handeln.

Zweibrücken setzt dabei auf verschiedene Bausteine:

Leben in der Stadt schont Energie

Das grösste Einsparpotential liegt dabei beim Vermeiden. Unsere zukünftigen Siedlungsstrukturen sollen so gewählt werden, dass vermehrt mit dem Velo oder zu Fuss gegangen werden kann. Das heisst, kompakte und auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtete Siedlungsstrukturen. Ein Haushalt in der Stadt braucht zum Beispiel fünf mal weniger Mobilitätsenergie als ein vergleichbarer Haushalt auf dem Land. Ein städtischer Haushalt ohne Auto braucht rund 4 mal weniger Energie für Mobilität als eine vergleichbarer mit Auto. Das sind klare Hinweise.

Aber auch eine Verlagerung zu mehr öffentlichem und weniger privatem Verkehr ist Erfolg versprechend. Dazu braucht es einen attraktiven öffentlichen Verkehr, der nicht im Stau stecken bleibt. Um eine wirkungsvolle Verlagerung zu erreichen, braucht es aber nicht nur Verbesserungen beim ÖV und Langsamverkehr, sondern auch Einschränkungen für den MIV, gemäss der erfolgreichen Push- und Pull Strategie.

Beim letzten der drei V geht es um einen „besseren Verkehr“. Wir werden immer privaten Verkehr in unseren Städten haben und auch brauchen. Dieser Verkehr soll aber möglichst verträglich gemacht werden, indem er in Wohnquartieren nur mit Tempo 30 zugelassen ist oder indem Parkplätze wenn immer möglich unterirdisch angelegt werden, damit der Stadtraum für vielfältigere Nutzungen zur Verfügung steht..

Finanzielle Prioritäten am richtigen Ort setzen

Das wichtige Ziel der Nachhaltigkeit ist die 2000 Watt-Gesellschaft, das auch der Stadtrat von St.Gallen erreichen möchte. Heute verbrauchen wir durchschnittlich 6300 Watt pro Person, rechnet man die graue Energie dazu, sogar 8500 Watt. Rund 35 % entfallen dabei auf den Verkehr. Es lohnt sich also, innovative Ideen auch im Verkehr umzusetzten. So kriegen zum Beispiel Angestellte des Kantonsspitals Baden einen namhaften Beitrag ans ÖV-Abo, wenn sie nicht mit dem Auto zur Arbeit kommen. Dadurch konnte der Autoverkehr der PendlerInnen von 83 % auf 50 % reduziert werden. Beim Verkehr liegt deshalb ein bachtliches Sparpotential: Ein Drittel der gefahrenen Autokilometer sind Pendler- oder Geschäftsfahrten und ein Drittel dieser Fahrten sind kürzer als 5 km.

Die beschränkten finanziellen Mittel sollen dort eingesetzt werden, wo man eine Förderung möchte. Der Langsamverkehr soll an den Kreuzungen zulasten des MIV prioritär behandelt werden oder auch mal eine Busspur benützen können. Auch völlig neue Verkehrssysteme, die auf den ersten Blick abstrus wirken, können erfolgreich sein. So wird in Holland versuchsweise im Stadtverkehr dem Langsamverkehr eine eigene Grünphase gegeben, in der Velos und Fussgänger völlig frei über die ganze Kreuzung fahren können, die Autos aber alle stehen bleiben. Was auf den ersten Blick nach völligem Chaos aussieht, funktioniert bei näherem Betrachten ganz gut. FussgängerInnen und Velofahrende kommen sich kaum in die Quere und ein rasches und sicheres Überqueren der Kreuzungen wird möglich.

Und warum den Mieterinnen und Mietern mit der Wohnung nicht gleich ein Abo für den öffentlichen Nahverkehr abgeben? Auch dies wird in Zürich zum Teil bereits erfolgreich praktiziert. Es fehlt nicht an Ideen, sie müssen nur umgesetzt werden und wir können die Ziele des neuen Reglementes problemlos erreichen.


Klaus Zweibrücken

Dipl. Ing. Klaus Zweibrücken ist seit 1998 Professor an der Hochschule Rapperswil für Verkehrsplanung und selbstständiger Verkehrsplaner und –berater mit einem Büro in Zürich.

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Die Stadt Zürich macht es vor

Autoverkehr plafonieren,
Bahn, Tram und Bus ausbauen

Von Peter Jans-Matter

Die Stadt Zürich verfolgt seit langem eine kontinuierliche Politik der Förderung des öffentlichen Verkehrs. Spannende Einblicke gewährte der Leiter der städtischen Verkehrsplanung, Andy Fellmann, an einem Fachreferat in St.Gallen. Wir fassen einige der Erkenntnisse zusammen.

In Zürich ist der Platz ein knappes Gut. Autos, Busse, Trams, Velos und alle Leute, die zu Fuss gehen, sich im öffentlichen Raum aufhalten oder Kinder, die spielen wollen – alle beanspruchen Platz. Nicht zuletzt deshalb, aber auch um die negativen Auswirkungen zu beschränken, wurde schon 1974 beschlossen, den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu plafonieren. Stattdessen wurde der öffentliche Verkehr (öV) immer mehr ausgebaut. 1987 wurde das Ziel, den motorisierten Verkehr nur zu begrenzen, noch verstärkt: Der MIV sollte fortan reduziert werden. Die Massnahmen zeigen Wirkung: Die an der Stadtgrenze gemessenen Verkehrsmengen sind seit Jahren rückläufig. Was sind nun die verkehrspolitischen Hauptziele für Zürich? Leitlinien sind:

Ein Drittel der Autofahrten kann kompensiert werden

Im Jahr 2007 wurden in Zürich die Umsteigepotentiale ermittelt. Untersucht wurden die Gründe für die jeweilige Verkehrsmittelwahl, Sachzwänge und Gewohnheiten. Es ergab sich, dass rund 20% aller Autofahrten durch öffentlichen Verkehr ersetzbar sind, weitere 10% durch das Velo und 5% der Autofahrten– wohl die zahlreichen Kurzfahrten - gar durch Fussverkehr. Die Ausschöpfung dieses Umsteigepotentials könnte also zu einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um gut einen Drittel führen.

Das Umsteigen kommt aber selten von allein. Es muss darum bei verschiedenen Ebenen angesetzt werden. Investoren und Behörden sollten z.B. Nutzungen und Standorte mobilitätsbewusst wählen, die Parkplatzanzahl tief halten und eine attraktive Infrastruktur für den Fuss- und Veloverkehr bereitstellen. In diesem Planungsprozess erweist sich die Parkplatzpolitik, d.h. Anzahl der Parkplätze und die Kosten deren Benützung, als einer der wichtigsten Pfeiler der Verkehrspolitik.

Die Verbesserung der Umfeldqualität führt zu weniger Autoverkehr

Als weitere wichtige Massnahmenebene setzt Zürich auf Koexistenz statt Verkehrstrennung. Stichworte dazu: Verkehrskultur (gegenseitige Rücksichtnahme), Dominanzausgleich im Strassenraum (Umgestaltung), ruhiger Verkehrsfluss (als Betriebskonzept). Dazu gehören die möglichst flächendeckende Einführung von Tempo 30 und das Verbessern der Raum- und Aufenthaltsqualität. Gute Qualitäten im öffentlichen Raum und der leichte Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln führen erwiesenermassen zu nachhaltigeren und kürzeren Wegen. Wer sich vor der Haustüre wohl fühlt, muss auch nicht für alles ins Auto steigen. Ein grosses Potential liegt im ganz persönlichen Mobilitätsverhalten jedes Einzelnen.

Mein Fazit: Das Wachstum des motorisierten Verkehrs ist kein Naturgesetz. Es ist möglich, planend und steuernd einzugreifen, aber man muss es auch wollen. Wenn wir in St.Gallen auch nur einen Teil der Massnahmen aus Zürich umsetzen, werden wir den Autoverkehr stabilisieren können, dies bei gesteigerter Lebensqualität für alle.


Andy Fellmann

Dipl. Ing. ETH Andy Fellmann ist Verkehrsingenieurund Leiter der Abteilung Verkehrsplanung beim Tiefbauamt der Stadt Zürich.

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Sicher im Sattel

Velokurse 2010

Von Daniel Schöbi

Die Velofahrkurse der Pro VELO und des VCS sind in der Region St.Gallen ein Erfolg. Im vergangenen Jahr haben wiederum über 1100 Kinder und Erwachsene an Velofahrkursen in St.Gallen, Gossau, Goldach, Wil, Flawil, Herisau und Oberbüren teilgenommen. Aktiv sind wir auch an Angeboten mit Elternvereinen oder im St. Galler Ferienplausch, wo wir Kurse im Verkehrsgarten mit den Verkehrsinstruktoren der Polizei lancierten. Die Winterzeit wird für Leiterweiterbildungen und Gespräche mit Polizei und Gemeinden genutzt, danken möchte ich bereits heute dem TCS St. Gallen, der uns wiederum für die A-Kurse den Verkehrsgarten in der OLMA-Halle 1.0 zur Verfügung stellt. Einen grossen Einsatz leisten alle Kursleitenden und Helfenden an den über 30 Kursen!

Die Velofahrkurse „Sicher im Sattel“ sind auf den Verkehrsunterricht in den Schulen abgestimmt und ergänzen das Angebot der Polizei ideal; sie werden massgeblich durch den Fonds für Verkehrssicherheit unterstützt. An den Kursen wird Bekanntes aufgefrischt, Neues gelernt und spielerisch vertieft. Zielpublikum sind Kinder ab Kindergarten / Schuleintritt in Begleitung einer erwachsenen Person, geübt wird in den Grundkursen gruppenweise im Verkehrsgarten, auf abgesperrten Plätzen und Quartierstrassen. Wir hoffen mit diesem Angebot die Verkehrssicherheit einen Gang hochschalten zu können.

Kursflyer mit Anmeldetalon können ab März beim VCS Sekretariat SG (Tel. 071 222 26 32, E-mail: info@vcs-sgap.ch) bestellt oder auf unserer Homepage (www.vcs-sgap.ch) heruntergeladen werden.

Folgende Kurse sind für 2010 geplant:

Kurse A
Übungen im überdachten Verkehrsgartenin Zusammenarbeit mit der Polizei.Wir vermitteln die elementaren Grundkenntnisse, wichtige Verkehrsregelnbis zum selbstsicheren Kurven. Für Kinder ab 6 bis 9 in Begleitung einer erwachsenen Person.

Kurse B
Wir üben auf dem Schulhausplatz und auf Quartierstrassen. Im Mittelpunkt stehen die Verkehrsregeln und das korrekte Verhalten im Verkehr. Vom Abstandhalten
über das Zeichengeben bis zum richtigen Abbiegen. Für Kinder ab Schuleintritt und Erwachsene.

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Veloabstellplätze Marktplatz / Bohl

Beim Planen rechtzeitig an die Wirkungen denken

Von Thomas Brunner

Die aktuellen Planungsarbeiten zur Umgestaltung des Raumes Marktplatz-Bohl sind ein gutes Beispiel für die Komplexität von Planungen. Es zeigt sich, wie schnell wichtige Funktionalitäten bei primär an anderen Kriterien orientierten Prozessen unterzugehen drohen:

Schon seit Monaten hört man immer wieder Neues vom Marktplatz. Und unlängst war an einer NVS-Veranstaltung beiläufig zu vernehmen, die äusserst beliebten, gedeckten Veloabstellplätze in der Brühlgasse (Bild) sollten einem Warteraum für Taxis weichen.

Soweit ernst gemeint, ist zwar die Absicht grundsätzlich nachvollziehbar, Veloabstellplätze künftig vermehrt dezentral in unmittelbarer Nähe zu den jeweiligen Zielorten anzubieten. Daher sind VCS und Pro Velo nicht grundsätzlich gegen eine Verlegung von Veloabstellplätzen. Sie haben im Gespräch mit der Stadtverwaltung aber klar dargelegt, dass Verschlechterungen der besonders in wärmeren Jahreszeiten häufig prekären Park-Situation keinesfalls hinnehmbar sind. Konkret sind unter den neu zu schaffenden Angeboten mindestens ebenso viele velogerecht witterungsgeschützte und mit einer Anbindemöglichkeit versehene Veloabstellplätze wie bisher an zentraler Lage auszuweisen.

Die übergeordneten Planungsziele einer Energiestadt, deren Parlament u.a. auch dem Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung zugestimmt hat, sind erfüllbar. Aber nur, wenn bei konkreten Planungen den besonders effizienten und stadtgerechten Mobilitätsformen die nötige Priorität eingeräumt wird. Ein wesentlich attraktiveres und entsprechend nachhaltig und erfolgreich wirtschaftendes St. Gallen ist realisierbar. Sofern die Bereitschaft gezeigt wird, genügend attraktive Anreize zur stadtgerechten Bewältigung der stetig wachsenden Mobilitätsbedürfnisse zu schaffen. Die Ortsgruppe St. Gallen vertraut darauf und freut sich auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

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Der Velofrühling kommt bestimmt

Velobörsen im Raum St. Gallen

Die Velobörsen gehören zum Frühling, wie das Zwitschern der Vögel am frühen Morgen oder das Erwachen der Lebenssäfte mit dem Bedürfnis, die Stadt und ihre Umgebung mit dem Rad zu erkunden. Der 28. Veloflohmarkt St.Gallen findet am 24. April im Waaghaus statt. Auf der rechten Seite sind die Angaben dazu aufgeführt. Hier noch einige Hinweise: Es besteht die Möglichkeit, das Velo bereits am Freitagabend zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr zum Waaghaus zu bringen. VCS Mitglieder profitieren neben einem Gratis-Abholservice auch von einem früheren Einlass beim Verkauf. Wer davon profitieren möchte, nimmt die zweitletzte Seite dieses Heftes mit dem „Early-Bike“ Gutschein mit.

...und in der Umgebung
Nicht nur im Waaghaus finden Velobörsen statt, sondern auch in der Region. Hier eine Zusammenstellung aller Velobörsen in unserem Verbreitungsgebiet:

Weitere Velobörsen in der Ostschweiz auf der Homepage www.vcs-sgap.ch

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Sufo 2010

Eine andere Welt ist möglich

Von Marco Gähler

Zum bereits sechsten Mal findet am 6. bis 8. Mai 2010 in St.Gallen das Sozial- und Umweltforum Ostschweiz statt.

Nach dem grossen Zulauf, den das SUFO in den letzten Jahren hatte, wird auch diesen Frühsommer wieder ein attraktives und innovatives SUFO veranstaltet. Unter dem Slogan „eine andere Welt ist möglich“ wird ein umfangreiches Kulturprogramm geboten.

Auch dieses Jahr bilden die über 50 Workshops zu verschiedenen Themen aus Umwelt, Kultur und Sozialem den Kern des SUFO. Sei es ein Workshop von Amnesty International über die Menschenrechte auf der ganzen Welt oder die Diskussion über die Zukunftsperspektiven des Rumantsch, vom Interreligiösen Dialog bis hin zu „Religion ist Opium für das Volk“, von Debatten über Tierschutz als Erziehung zur Menschlichkeit bis hin zum Einführungskurs in Capoeira dem brasilianischen „Kampftanz“; das SUFO bietet für wirklich jeden Geschmack einen interessanten und innovativen Workshop. Dieses Jahr wird dasThema Hunger als Leitfaden die verschiedenen Veranstaltungen begleiten. Vor allem bei der diesjährigen SUFO-Podiumsdiskussion wird dieses sehr aktuelle Thema die Debatte «Hunger zur Vorspeise, Elend zum Nachtisch – Wer schreibt die Rezepte des täglichen Massakers?» bestimmen. Beim SUFO-Kino, welches dieses Jahr im KINOK stattfinden wird, werden Filme aus verschiedenen Kontinenten gezeigt. Musikalisch soll das Strassenfest mit den Bands Fraine, Dawn Driven und Stan or Itchy, sowie zum ersten Mal einem Benefizkonzert von Manuel Stahlberger und Thomaten & Beeren die Besucher begeistern. Doch damit nicht genug: Des Weiteren wird eine Kundgebung, ein Mittagsprogramm mit Tanz und Köstlichkeiten aus aller Welt und ein Parcours am Ökomarkt angeboten.

Falls sie Interesse an einer Teilnahme an Workshops des SUFOs haben, besuchen sie doch unsere Website www.sufo.ch, oder kommen sie spontan vorbei.


Subjektive Sicherheit im öffentlichen Raum

Auch die VCS Ortsgruppe bietet einen Workshop an. Der Workshop zum Thema Sicherheit im öffentlichen Raum wird von der Architektin und SP-Gemeinderätin Doris Königer geleitet. Öffentliche Räume sind für viele Menschen „Angsträume“. Personen, die sich hier unwohl fühlen, sind in ihrer Mobilität und der Teilnahme am öffentlichen Leben eingeschränkt. Neben funktionellen Bedürfnissen ist deshalb auch auf Aspekte der subjektiven Sicherheit zu achten. Während einem Rundgang werden an Hand von bestehenden Beispielen
Schwachstellen erörtert und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Anmeldung unter www.sufo.ch

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Leiter Tiefbauamt / Stadtingenieur im Ruhestand:

Interview mit Hansjörg Roth

Von Peter Jans-Matter

Der Leiter des Tiefbauamtes der Stadt St.Gallen, Stadtingenieur Hansjörg Roth, ist vor kurzem in den Ruhestand getreten. Wir Aktiven vom VCS St.Gallen hatten in diesen Jahren immer wieder Kontakt mit Hansjörg Roth, wobei alle Begegnungen immer im guten Ton und respektvoll verliefen.

Der VCS mischt sich seit 1980 immer wieder einmal in die städtische Verkehrsplanung und Verkehrspolitik ein. Bei welcher Gelegenheit haben Sie sich über den VCS am meisten geärgert?

Wir sind auf fachkundige Partner im Rahmen der öffentlichen Diskussion über die anstehenden Sach- und Politthemen, ganz besonders im Bereich des Verkehrs, angewiesen. Nach der anfängliche Sturm- und Drangperiode, als der VCS noch an seiner Profilierung arbeiten musste, ist eine gute und für beide Seiten nützliche Gesprächskultur entstanden. Geärgert habe ich mich über den VCS eigentlich nie wirklich, nur registrierte ich hin und wieder betroffen, dass uns Tiefbauämtlern seitens des VCS oft wenig Sachverstand und Erfahrung für das Velofahren und Zufussgehen zugebilligt wurde......

Gibt es auch positive Erinnerungen an den VCS?

Alle Verkehrsverbände vertreten eine oft einseitig denkende Kundschaft, welche sehr hohe Ansprüche an die Strassenanlagen, die Verkehrslenkung und generell an das Verkehrsangebot hat. In diesem Konzert der Forderungen und Ansprüche hat der VCS meistens Minderheiten- und Umweltanliegen und vor allem die Sache der „schwachen Verkehrsteilnehmer“ aufgenommen und unterstützt. Ich fand das stets gut und wichtig, schätze es aber auch, dass sich dabei im Laufe der Zeit eine gewisse Kompromissbereitschaft eingestellt hat.

Nach der Eröffnung der Stadtautobahn gab es den Realisierungsplan 1987/90; er enthielt zahlreiche Massnahmen, um den frei werdenden Platz dem öffentlichen Verkehr oder Velofahrenden zur Verfügung zustellen. Vieles davon wurde umgesetzt. Nicht aber im Bereich Strassenraumgestaltung. Wenn man den entsprechenden Plan ansieht, erkennt man, dass praktisch nichts davon gemacht wurde. Wie erklären Sie sich das?

Für die dafür notwendigen weiteren Projektstudien fehlte damals der politische Wille. Man getraute sich wohl nicht so richtig, sich auf die Dauerhaftigkeit der Entlastung des städtischen Strassennetzes durch die Autobahn zu verlassen und wollte einen allfälligen Autobahn-Havariefall weiterhin mit einer Verkehrsumleitung über das Stadtnetz lösbar behalten. Erst als man überall erkannte, dass die auf der A1 inzwischen stark angewachsene Verkehrsmenge niemals mehr über das Stadtnetz abgewickelt werden kann, ist die Bereitschaft für die Umgestaltung der stark belasteten Hauptverkehrsachsen gewachsen. Der Fall Zürcher Strasse, dessen Ablehnung durch das Volk ich noch heute sehr bedaure und nicht verdaut habe, zeigt, dass Strassenraumgestaltungen noch immer Mühe haben, Mehrheiten zu fi nden. Viele müssen bei solchen Vorhaben auf ein wenig Verkehrskomfort verzichten, um wenigen direkt betroffenen Anwohnenden viel Lebensqualität zu geben......

Später (1985 – 90) gab es dann den Bericht zur Förderung des regionalen öffentlichen Verkehrs. Dort wurde das Ziel gesetzt, den zukünftigen Verkehrszuwachs mit dem öffentlichen Verkehr aufzufangen. Statt 60 / 40 sollte das Verhältnis motorisierter Individualverkehr zu öffentlichem Verkehr 40 / 60 sein. Dieses Ziel hat die Politik deutlich verpasst. Wie beurteilen Sie diese Zielsetzung in der heutigen Zeit?

Diese Zielsetzung ist in der zurzeit laufenden städtischen Richtplanung voll aufgenommen worden und ist im Verkehrsbereich das zentrale Element. Das öffentliche Verkehrsangebot muss massgeblich ausgebaut werden bis andie Schmerzgrenze der finanziellen Möglichkeiten, wenn wir die Verkehrsqualität und Erreichbarkeit unserer Stadt auf einem hohen Niveau halten wollen. Stichworte dafür sind ein modernes Buskonzept, Eigentrassierung, ein neuer Bahnhofplatz, die Klärung der Tramfrage usw.

Ist das Verkehrswachstum in der Stadt St.Gallen, durchschnittlich jedes Jahr etwa ein halbes Prozent mehr Fahrzeuge an den Messstellen, sozusagen ein Naturgesetz? Oder kann Verkehrsplanung auch das Ziel haben, mit dem heute bestehenden Volumen an motorisiertem Verkehr auszukommen?

Das Verkehrswachstum hängt natürlich auch von äusseren Umständen ab, die wir leider nicht oder wenig beeinflussen können. Im Rahmen der Raumplanung muss versucht werden, für das weitere motorisierte Verkehrswachstum wenigstens planerisch schlechte Voraussetzungen zu schaffen, um es einmal bewusst negativ zu sagen. Aus rein verkehrsplanerischer Sicht muss die Erreichbarkeit der Stadt und der Stadtquartiere aber auch für den motorisierten Individualverkehr (MIV) gewährleistet bleiben. Nur durch ein Verkehrssystem, welche auf alle drei Verkehrsarten, MIV,ÖV und Langsamverkehr, setzt und deren jeweilige Stärke gezielt fördert, gewährleistet eine optimale städtische Verkehrsgunst und Schonung der Umwelt.

Was machen Sie mit der nach der Pensionierung in Hülle und Fülle zur Verfügung stehenden Zeit?

Ich habe zwei 1-PS‘ler bei mir zu Hause und habe mit der aufwendigen Stallarbeit und Tierpflege eine gute zeitliche Grundauslastung. Auf jeden Fall werde ich aber die Entwicklung des Verkehrswesens in unserer Stadt weiterhin aufmerksam verfolgen und auch das künftig immer besser werdende öV-Angebot reichlich nutzen.

Herr Roth, lieber Hansjörg, wir wünschen Dir für die Zukunft gute Gesundheit und viel Freude mit Deinen Pferden und am Entdecken von dem, was während der Berufstätigkeit möglicherweise zu kurz gekommen ist.

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Postulat

Veloverleihsystem für St. Gallen

Von Doris Königer

Die Stadt St.Gallen prüft den Aufbau eines dezentralen Veloverleihsystems, wie es in anderen Städten bereits mit Erfolg eingeführt wurde. Ein entsprechendes Postulat wurde im Gemeindeparlament von einer Mehrheit an den Stadtrat überwiesen.

Am 27. Oktober 2009 haben Thomas Brunner (glp); Stefan Rosenblum (CVP) und Doris Königer (SP) im Stadtparlament gemeinsam ein Postulat mit dem Titel „Ein Beitrag zur kombinierten Mobilität: ein zeitgemässes Veloverleihsystem für St. Gallen“ eingereicht. Mitte Januar wurde das Postulat mit Hilfe der Linken und Grünen Parteien sowie der CVP und EVP für erheblich erklärt. Erwartungsgemäss waren SVP und FDP dagegen.

Die Postulantin und Postulanten hatten sich Gedanken gemacht, wie in der Stadt St. Gallen die kombinierte Mobilität verbessert werden könnte. Andere Städte wie Barcelona, Paris, Wien, München oder Kopenhagen machen es uns vor, indem dort moderneeloverleihsysteme eingeführt wurden. Diese laufen mit grossem Erfolg und bringen urbanen Mobilitätsformen neuen Schwung. Über diese Art der Ausleihe hatten wir bereits anhand des Beispieles Paris im Lokal Nr. 84 berichtet.

Das Veloverleihsystem ist ideal für die Feinverteilung über mittlere und kürzere Distanzen, die für Auto und öV zu nahe, für Fussgängerinnen und Fussgänger zu weit sind. Oder aber auch als Lösung am Wochenende oder in den Rand- und Nachtstunden, wenn die VBSG weniger bis keine Busse fahren lässt.

Unterdessen wird dieses Thema in mehreren Schweizer Städten diskutiert. ErsteStationen gibt es bereits in Luzern und Lausanne, in Zürich, Basel, Bern undBiel sind sie in Vorbereitung.

Warum dann nicht auch in St. Gallen? Die Gegnerschaft der Vorlage brachte immer wieder unsere Topografie ins Spiel. Dieses Problem ist nicht zu vernachlässigen, aber vielleicht ist genau das auch eine Chance. Eine Veloverleihstation in der Sonne Rotmonten ermöglicht etwa eine rasche Verbindung bis zum Tierpark „Peter und Paul“. Bis dorthin nimmt man den Bus. Für St. Gallen stehen kombinierte Mobilitätsformen im Vordergrund. Sinnvoll dürften Synergien mit touristischen Angeboten, dem öffentlichen Verkehr,grösseren Parkhäusern und Arbeitsbeschaffungsprogrammen sein. Nötig für ein optimales Funktionieren ist ein sicheres und attraktives Velonetz. Ein solches niederschwelliges Ausleihsystem gibt stadt- und umweltgerechten Mobilitätsformen wie dem kombinierten Verkehr zusätzlich Schwung und ist aus Sicht des Stadtmarketings ausgesprochen sinnvoll. Diese Strategie verfolgt auch die Kampagne CleverMobil der Stadt.

Es unterstützt auch das Anliegen des „Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung“, welches am 7. März zur Abstimmung kommt. Es ist eine Möglichkeit, den Mehrverkehr durch Alternativen aufzufangen.

In den nächsten Monaten wird die Stadtverwaltung nun prüfen, ob und welches Veloverleihmodell für St. Gallen sinnvoll ist. Dabei stehen verschiedene Fragen im Vordergrund:

Eine Mehrheit im Parlament ist überzeugt, dass es für St. Gallen ein Plus wäre und wartet nun auf die stadträtliche Antwort.

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Standortattraktivität

Am Bahnhof Gossau besteht mehrfach Handlungsbedarf

Von Ruedi Blumer

Der Bahnhof Gossau ist einer der wenigen Bahnhöfen im Kanton mit ICHalt. Der Bahnhof muss also Visitenkarte und ein würdiges Empfangstor für Reisende, Gäste und Pendler sein.

Mit der grossen Überbauung „Perron3“ und der dazugehörenden Begegnungszone wird das Gebiet am Bahnhof städtebaulich eindeutig aufgewertet. Das isterfreulich. Auf dem Bahnhofareal selbst müssen jedoch mindestens vier Sachen verbessert werden, um diese berechtigten Erwartungen an einen attraktiven Stadtbahnhof zu erfüllen:

1. Gestaltung des Bahnhofplatzes

Der ankommende Gast findet keinerlei Information über das Busangebot. Es gibt keine klar erkenntlichen Bushaltestellen. Man weiss weder wo, wohin noch wann Busse verkehren. Die blaue Fahrplantafel an der Busperronkante ist seit Monaten leer. Eine Zumutung nicht nur für ortsunkundige Reisende. Dabei verkehren beispielsweise die Busse der Linie 151 Gossau – St.Gallen HB erfreulicherweise im 10min-Takt.

2. Unterführung für Velos öffnen

Die einzige Bahnhofunterführung ist zwar gut ausgeleuchtet und verfügt auf beiden Seiten über gedeckte Rampen und Treppen, trotzdem wirkt sie lieblos. Vor allem ist sie aber viel zu schmal. Diese Unterführung wird nicht nur als Perronzugang benutzt, sondern auch als Verbindung zu Fussballplatz, Sporthalle Buchenwald, Freibad, öffentlichem Spielplatz, pädagogischer Hochschule, didaktischem Zentrum und Wohnquartier. Sie wird also sehr rege benutzt. Anfangs Februar ist auch noch das neue Oberstufenzentrum mit über 200 Schülerinnen und Schülern eröffnet worden. Die meisten kommen mit dem Velo zur Schule. In der Unterführung herrscht aber ein Velofahrverbot. Selbst wenn das Verbot immer befolgt würde, käme es immer wieder zu Ärger, Engpässen und Staus. Die Unterführung muss darum dringend und wesentlich verbreitert werden, damit sich der Fuss- und Veloverkehr nicht mehr in die Quere kommen und Velofahren im Schritttempo erlaubt
werden kann.

3. Behindertengerechtes Perron 1

Bahn und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, die Perrons behindertengerecht auszubauen. Bei Gleis 3 und 4 ist das der Fall; bei Gleis 1 sowie Gleis 11 und 12 der Appenzellerbahnen hingegen nicht. Die improvisierte Treppenstufe am Gleis 1 ist für Fahrgäste, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind unüberwindbar und selbst für nicht behinderte Fahrgäste eine tückische Stelle, die verschiedentlich Leute zum Stolpern bringt.

4. Bahnhof auch am Sonntag offen halten

Seit dem 1. November 2009 bleiben Schalter und Reisebüro an Sonn- und Feiertagen geschlossen. Für eine prosperierende Stadt mit 17‘000 Einwohnern, die zudem ein wichtiger öV-Knotenpunkt mit einer grossen Park and Ride Anlage ist, ist das sehr bedenklich und wohl einmalig in der Schweiz.

Grosse Investitionen in die Bahnhofanlagen in Gossau sind dringend nötig. Sie werden sich bestimmt ökonomisch und ökologisch lohnen. Nachdem der Rechnungsabschluss 2009 über 3 Mio Franken besser ausfällt als budgetiert, bietet sich das Investieren in die Standortattraktivität geradezu an.

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Schwierige Sammelbedingungen

Referenden der Grünen gegen Schnellstrassen im Toggenburg gescheitert

Von Ruedi Blumer

Leider ist es dem Referendumskommitee nicht gelungen, innert den gesetzlich festgelegten 40 Tagen 4’000 gültige Unterschriften gegen die Umfahrungsstrassen von Bütschwil und Wattwil zu sammeln. In Anbetracht der äusserst schwierigen Bedingungen (Weihnachts- und Neujahrstage, altes und nasses Wetter, wenig Personal) und der kurzen Sammelfrist von 40 Tagen ist das erzielte Ergebnis dennoch beachtlich. Es wurden für beide Referenden mehr als 2’300 Unterschriften gesammelt, über 700 davon in St. Gallen, fast 100 in Gossau. Die Post liess sich für den Versand an alle VCS-Mitglieder im Kanton volle acht Tage Zeit. Der Rücklauf der Unterschriftenbogen war den Umständen entsprechend erfreulich: 10 % Rücklauf gelten als guter Wert. Besten Dank.

Wir werden also nie erfahren, ob die St.Galler Stimmberechtigten für die Umfahrung von zwei Dörfern 320 Millionen Franken ausgeben wollen. Aus Sicht des VCS ist es unverständlich, dass der Kanton St. Gallen für Strassenbauprojekte kein obligatorisches Referendum kennt. Hochbauten oder öV-Vorlagen, die mehr als 15 Millionen kosten, unterstehen obligatorisch einer Volksabstimmung. In den Gemeinden ist das anders: Da gelten für Strassen die gleichen Grenzen wie für alle andern Vorlagen.

Der VCS hat sich bereits vor dem Referendum der Grünen für einen anderen Weg entschieden: Zentral ist eine Verknüpfung der beiden Umfahrungen mit den flankierenden Massnahmen auf den heutigen Durchfahrtsstrassen in Bütschwil und Wattwil. Er wird sich auf rechtlichem Weg dafür einsetzen, dass die beiden Strassen nur dann gebaut werden dürfen, wenn die notwendigen flankierenden Massnahmen rechtlich und finanziell gesichert sind. Erst dadurch kann der Innerorts-Verkehr dauerhaft reduziert werden. Hier stehen die Gemeinden, aber auch der Kanton in der Pflicht.

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Falsche verkehrspolitische Prioritäten

S-Bahn Vorlage hat wesentliche Mängel

Von Ruedi Blumer

Für zwei Dorfumfahrungen im Toggenburg will der Kanton über 320 Millionen Franken ausgeben. Beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs für den ganzen Kanton beschränkt er sich auf bescheidene 50 Millionen. Das Kantonsparlament muss hier dringend nachbessern und klare Ziel- und Zeitvorgaben festschreiben.

Die S-Bahn 2013 bringt zwar insgesamt eine Angebotssteigerung von 30 %. Zudem werden die Anschlüsse zwischen Zug und Bus verbessert und zwischen allen öV-Knoten ein Halbstundetakt eingeführt. Trotzdem erfüllt die S-Bahn 2013 die Erwartungen nicht.

Ziel der S-Bahn St. Gallen war ein flächendeckender Halbstundentakt im Kanton und ein Viertelstundentakt im Kerngebiet der Agglomeration St. Gallen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Viele Ortschaften erhalten keinen Ausbau, einigen droht sogar Abbau: In Algetshausen-Henau und Schwarzenbach sowie vier weiteren Stationen sollen keine Züge mehr halten.

In der Agglomeration St.Gallen betrifft der Abbau die Haltestellen Bruggen, Winkeln und Arnegg. Die S1 hält in Bruggen nicht mehr. Damit wird Bruggen nur noch stündlich durch die S5 St. Gallen - Weinfelden bedient. Die Verstärkungszüge der S5 am Morgen und am Abend fahren in Bruggen, Winkeln, Arnegg und Bischofszell-Nord einfach durch. Der Voralpenexpress hält in Degersheim nicht mehr und wendet bereits in St. Gallen.

Der REX wird bis Wil verlängert und beschleunigt. Er schafft die Verbindung zwischen St. Gallen und Sargans endlich knapp unter einer Stunde. Der REX hält folglich in St. Fiden, Rheineck und Maienfeld nicht mehr.

Nachbesserung ist nötig

Der VCS hofft auf den Kantonsrat, damit die Vorlage nachgebessert werden kann. Dazu sind zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur nötig. Die Regierung muss endlich einsehen, dass Investitionen in den öV nachhaltiger, ökonomischer und ökologischer sind als der Ausbau der Strassen. Die über 300 Mio für die Umfahrungen im Toggenburg müssten darum sinnvollerweise in die öVInfrastruktur investiert werden. Davon würde der ganze Kanton und nicht nur zwei Dörfer profitieren.

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