Inhalt, VCS Lokal, September 09 / Nr. 87:

Ganzes Heft als pdf herunter laden


Inserieren im
VCS-Lokal

Das VCS-Lokal erreicht mit einer Auflage von rund 2'200 Exemplaren im Gebiet zwischen Rorschach und Gossau ein interessiertes ökologisch aufgeschlossenes Publikum.

Das VCS Lokal erscheint vier mal jährlich.

weitere Informationen und die Inserat-Tarife erfahren Sie von unserem Sekretariat.

Mail: info@vcs-sgap.ch

Editorial:
Vom Widerspruch zwischen schönen Worten und konkreten Taten


Aktuelle Strassenprojekte in St.Gallen
Splügenstrasse, Rorschacherstrase und Leonhardsbrücke


Infoabend: clevermobil mit Strom
Ist unsere Mobilitätszukunft elektrisch?


E-Scooter-Testtag bei der EMPA
Elektro-Mobilität selber erleben


Mobilitätsmarkt clevermobil vom 12. September 2009
Zahlreiche Attraktionen auf dem Marktplatz


Grundsätzlich einverstanden - trotzdem lehnte der Stadtrat die Initiative ab
Es braucht verbindliche Ziele


Angefragt: Nino Cozzio, Direktion Soziales und Sicherheit
„Ein attraktives Fuss- und Velowegnetz ist ein wichtiger Standortfaktor“


Fachexkursion von VCS und Fussverkehr St.Gallen/Appenzell
Attraktive Bahnhöfe und Bahnhofplätze


Aufwertung der St.Leonhard-Strasse
St.Gallens Prachtstrasse wieder präsentieren


urbanität

Ein wichtiges Zusatzangebot:
Zusätzliche Veloabstellplätze am Bahnhof Gossau


Editorial

Vom Widerspruch zwischen schönen Worten und konkreten Taten

Von Susanne Schmid

Wieder einmal geht es in diesem Heft um Verkehrspolitik: Einerseits sollen die Splügenstrasse und die Leonhardsbrücke für den motorisierten und öffentlichen Verkehr verbessert werden, anderseits geht es um die Chance, mit der Städteinitiative das ungebremste Verkehrsaufkommen in den Griff zu kriegen. Der Stadtrat empfiehlt die Städteinitiative zur Ablehnung, betont aber gleichzeitig, dass er die Ziele der Initiative begrüsst und die selben Ziele verfolgt.

Bei den Taten entpuppen sich die Worte des Stadtrates leider als leere Worthülsen. Auf der Leonhardsbrücke etwa entsteht neben einer sicher notwendigen und unbestrittenen zusätzlichen Busspur auch zusätzliche Kapazität für den Autoverkehr. Den Velofahrenden und Fussgängerinnen und Fussgängern wird hingegen eine Verschlechterung zugemutet. Dies ist nicht im Sinne der Städteinitiative. Wie sollen denn die Menschen in der Stadt aufs Velo umsteigen, wenn an den gefährlichen neuralgischen Punkten – die Leonhardbrücke zählt seit Jahren dazu – kein Geld für Verbesserungen vorhanden ist?

Der Stadtrat hat mit der Eröffnung der Autobahn in den 80er Jahren versprochen, die frei werdenden Kapazitäten auf den Strassen zugunsten des öV, Velo- und Fussverkehrs zurückzubauen. Von diesem Versprechen ist nicht mehr viel vorhanden. Im Gegenteil: Der heutige Stadtrat baut zusätzliche Kapazitäten für den motorisierten Individualverkehr (miV) und verkauft dies als Förderung des ÖV. Die Stadt hat nur eine Zukunft, wenn sie konsequent auf den ÖV setzt. Solange der Stadtrat aber mit jeder Massnahme für den öffentlichen Verkehr gleichzeitig auch Verbesserungen für den miV schafft, kann er seine Ziele nie erreichen. Deshalb braucht es die Städteinitiative: Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung und mehr als nur leere Worte.

zur Übersicht


Aktuelle Strassenprojekte in St.Gallen

Veloverkehr zwischen zu vielen Autos

Von Martin Stamm

In der Stadt St.Gallen sind zwei Strassenumbauten in Vorbereitung: Der Umbau der Splügenstrasse vom Autobahnanschluss St.Fiden bis zur Kreuzung mit der Rorschacher Strasse und der Ausbau der Leonhardsbrücke um eine zusätzliche Busspur.

Beide Abschnitte sind keine Vorzeigestücke moderner Strassengestaltung sondern Problemstellen, an denen sich (zu) viel motorisierter Individualverkehr mit den Bedürfnissen der Fussgänger, Velofahrerinnen und Busbenutzer beisst.

Der VCS hat sich die Projekte auf den Kantonsstrassen während der Auflagefrist genau angeschaut und mit dem Tiefbauamt des Kantons besprochen und sich für Verbesserungen eingesetzt.


Splügenstrasse:
Lichtsignal erleichtert Veloquerung

Die Splügenstrasse ist heute eine schnurgerade Rennbahn mit 13‘000 Fahrzeugen pro Tag. Sie ist ein gefährliches Hindernis auf der Veloroute entlang der Lindenstrasse.

Zur Lösung dieser Konflikte werden die Autobahnein- und Ausfahrt sowie die Kreuzung mit der Lindenstrasse neu Lichtsignale erhalten. Als Alternative zum Lichtsignal wurde bei der Kreuzung Lindenstrasse auch ein Kreisel untersucht, er ist aber aus Platzgründen ohne den Abriss von Häusern nicht zu realisieren. Mit dem Lichtsignal wird auch die Verkehrsführung zum Spital angepasst, um die Zahl der abzweigenden Fahrzeuge zu reduzieren.

Was uns gefällt:
Die Splügenstrasse wird sicherer. Die Velospur wird auf unsere Anregung hin farblich markiert und für die Automobilisten besser erkennbar. Ebenfalls sicherer wird das Überqueren der Splügenstrasse im Bereich der Veloroute Lindenstrasse.


Rorschacherstrasse:
Velospur fehlt

An der Kreuzung in St.Fiden gibt es regelmässig Behinderungen des Busverkehrs durch Fahrzeuge, die zur Autobahn abzweigen wollen.

Auf der Rorschacherstrasse wird die stadtauswärts führende Busspur in Richtung Spital verlängert. Eine zusätzliche Abzweigespur vor dem Rotlicht verhindert, dass abzweigende Autos den Bus blockieren.

Was uns gefällt:
Der Bus erhält im Knoten St.Fiden mehr Platz. Behinderungen durch den Individualverkehr werden reduziert.

Was uns nicht gefällt:
Auf der Zürcherstrasse stadtauswärts müssen Velos in der Steigung vor St.Fiden ausserhalb der Busspur und damit mitten in der Strasse fahren. Die Mitbenutzung von Busspuren bleibt in St.Gallen verboten. Im Alltag bedeutet das, entweder legal und gefährlich zu leben oder illegal auf die Busspur oder das Trottoir auszuweichen. Ein Thema, dass uns (und die Behörden!) auch in Zukunft beschäftigen wird. Der Fussweg vom Spital zum Bahnhof St.Fiden ist schlecht markiert und für Auswärtige kaum zu finden.


Ausbau der Leonhardsbrücke
Nachbesserungsbedarf für den Veloverkehr

Die Leonhardsbrücke ist ein heisses Eisen. Vor Jahren verhinderte der VCS mit seiner Einsprache den Bau einer fünfspurigen Brücke. Soll sie jetzt doch noch gebaut werden?

Nicht so wie damals geplant. Die neue fünfte Spur wird eine reine Busspur sein. Beide Busspuren werden in der Mitte der Brücke zusammengefasst und bilden so das erste kleine Teilstück der von der Stadt angestrebten Eigentrassierung. Ob hier die Keimzelle für eine zukünftige Tramstrecke entsteht? So utopisch das heute tönt: Bis 1957 überquerte das „alte“ Tram genau hier die SBB-Geleise. Damals allerdings noch nicht in Konkurrenz zu 30‘000 Autos pro Tag!

Vorerst bleibt es aber beim Bus. Stadteinwärts ermöglicht die Entflechtung mit den Autos einen flüssigeren Betrieb. Konflikte beim Abzweigen in die St.Leonhard-Strasse werden reduziert. Wer mit dem Velo vom Stadtzentrum her kommt, muss aber weiterhin mehrere Lichtsignale queren. Die von uns angeregte Möglichkeit, auch stadtauswärts auf der Westseite der Brücke fahren zu können, soll geprüft werden.

Was uns gefällt:
Für den motorisierten Individualverkehr wird es keine zusätzlichen Spuren geben. Die Busse können mit weniger Störungen verkehren.

Was uns nicht gefällt:
Die Führung des Velokorridors nördlich der Bahn von der Kreuzbleiche über den Lokremisenweg zur Fachhochsschule wird mit deren Eröffnung an Bedeutung gewinnen. Hier müssen wir uns im Rahmen des Bauprojektes für eine flüssigere Linienführung und bessere Markierung einsetzen.

zur Übersicht


Infoabend: clevermobil mit Strom

Ist unsere Mobilitätszukunft elektrisch?

Von Karin Hungerbühler,
Amt für Umwelt und Energie Stadt St.Gallen

Strombetriebene Fahrzeuge helfen nicht nur Schadstoffe zu reduzieren, sie sind auch energieeffizienter als mit Benzin betriebene.

Ist die Elektromobilität die Antwort auf unsere Herausforderungen im Bereich Energie und Verkehr? Wie produzieren wir den benötigten Strom und welche Fahrzeuge sind bereits auf dem Markt? Referate beleuchten diese Fragen und Luis Palmer berichtet von seiner spannenden Reise um die Welt mit dem Solartaxi.

Energiekonzept Mobilität – Wird St.Gallen elektromobil?
Fredy Brunner, Stadtrat, Technische Betriebe

Elektromobilität: Marktübersicht und Zukunftsperspektiven
Urs Schwegler, e’mobile – Schweizerischer Verband für elektrische und effiziente Strassenfahrzeuge

Wie sauber sind Elektrofahrzeuge?
Marcel Gauch, Projektleiter Ökobilanzen, EMPA St. Gallen

Mit dem Solartaxi um die Erde
Louis Palmer, Weltumrundung mit dem Solarmobil 2008

Infoabend „clevermobil mit Strom - ist unsere Mobilitätszukunft eletrisch?“
9. September 2009, 19 Uhr, Forum Pfalzkeller


Veranstaltungsreihe clevermobil

Ob mit Bus, Auto, Bahn oder zu Fuss – erreichen Sie Ihr Ziel bequem, umweltschonend und clever kombiniert. clevermobil sein heisst:

Wer clevermobil ist, spart nicht nur Zeit, sondern tut auch etwas für die Gesundheit und leistet einen Beitrag zu einer lebenswerten Stadt. Die Stadt St.Gallen organisert dazu im September verschiedene Veranstaltungen

zur Übersicht


E-Scooter-Testtag bei der EMPA

Elektro-Mobilität selber erleben

Von Karin Hungerbühler,
Amt für Umwelt und Energie Stadt St.Gallen

Elektro-Roller fahren ist nicht nur sauber und leise, sondern macht erst noch Spass. Während dem Testtag vom 23. September können verschiedene Modelle ausprobiert werden.

Im Vergleich mit herkömmlichen Motorrädern lassen sich mit E-Scootern nicht nur die Lärm- und Schadstoffbelastung reduzieren, sondern – dank eines geringen Verbrauchs von umgerechnet rund 0.5 Liter Benzin pro 100 km – auch der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen.

Testfahrten von 11 bis 20 Uhr
Erfahren Sie das faszinierende Gefühl des lautlosen und sauberen Elektroantriebs auf zwei Rädern! Folgende E-Scooters erwarten Sie: e-max, IO-Scooter, Vespino, Vectrix
….und auch die bekannten E-Bikes stehen für eine unverbindliche Probefahrt zur Verfügung!

Kurzvorträge zur vollen Stunde von 12 bis 16 Uhr
Informationen und Forschungsresultate zur Elektromobilität: Energieverbrauch, Batterien, Ökobilanz. Beginn letzter Vortrag um 15.45 Uhr. Dauer ca. 20 Minuten.

EMPA-Wissenschaftsapéro ab 16.30 Uhr
Drei Vorträge zu: „Mein Auto fährt mit Strom - Elektromobilität in der Schweiz“
ab ca. 18.15 Uhr wird ein Apéro offeriert.

E-Scooter-Testtag bei der EMPA
Mittwoch, 23. September 2009, 11 bis 20 Uhr

zur Übersicht


Mobilitätsmarkt clevermobil vom 12. September 2009

Zahlreiche Attraktionen auf dem Marktplatz

Von Karin Hungerbühler,
Amt für Umwelt und Energie Stadt St.Gallen

Zum zweiten Mal findet am 12. September der Mobiltätsarkt clevermobil mit zahlreichen Attraktionen statt. Dieser Markt soll die Bevölkerung anregen, über eine intelligente Benutzung verschiedener Verkehrsmittel nachzudenken.

Ein grosser, bunter Markt bietet Informationen zum clevermobilen Velo- und Autofahren, alles über die ÖV-Angebote der Region sowie verschiedene weitere Attraktionen. Besucherinnen und Besucher können eine Fahrt mit einer Draisine unternehmen, Elektro-Zweiräder testen, das Velo durchchecken lassen oder an einem Überschlagssimulator üben, wie man sich selber oder andere aus einem umgestürzten Fahrzeug befreit. Interessierte können ihre Geschicklichkeit auf einem Veloparcours prüfen, und auf das kleine Publikum wartet ein Laufrad-Rennen. Zudem sind am Mobilitätsmarkt aktuelle Informationen zur Durchmesserlinie Trogen-St.Gallen-Appenzell, zu den Bussen der VBSG, zum Fahren mit Erdgas oder Carsharing und ein Wettbewerb mit attraktiven Preisen zu finden.

Mobilitätsmarkt clevermobil
12. September 2009, 10 bis 17 Uhr, am Bohl und in der Marktgasse


Jahrmarktsathmosphäre am Mobilitätsmarkt

Die VCS-Ortsgruppe St.Gallen beteiligt sich selbstverständlich ebenfalls am Mobilitätsmarkt. Natürlich kann man sich dabei an einem Stand mit Informationen bedienen. Daneben haben wir aber auch die St.Galler Strassentheater-Gruppe Buffpapier engagiert. Diese wird auf ihre Weise ihren eigenen Stand mit einer Schaukel betreiben und Jahrmarktsathmosphäre herbeizaubern. Man darf auf ein Spektakel hoffen. Ein Besuch lohnt sich also bestimmt.

zur Übersicht


Grundsätzlich einverstanden - trotzdem lehnte der Stadtrat die Initiative ab

Es braucht verbindliche Ziele

Von Susanne Schmid

Voraussichtlich im März 2010 wird die „Volksinitiative zur Förderung des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs in der Stadt St. Gallen“, im Volksmund unter dem Namen „Städteinitiative“ bekannt, zur Abstimmung kommen. Der Stadtrat hat dem Parlament beantragt, die Initiative abzulehnen, obwohl er mit der Stossrichtung einverstanden ist. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?

Der Stadtrat argumentiert, dass er die Ziele der Initiative bereits aufgenommen hat und an deren Realisierung arbeitet. An sich findet es der Stadtrat richtig, dass ein möglichst grosser Anteil von öffentlichem Verkehr sowie Fuss- und Veloverkehr an der Gesamtmobilität angestrebt wird. Nur möchte er den Anteil mit „möglichst gross“ gerne als „Gummiparagraphen“ behalten. Die Initiative macht dagegen verbindlichere Vorgaben. Sie möchte das Angebot für den ÖV, sowie den Fuss- und Veloverkehr ausbauen und damit den Mehrverkehr konsequent mit dem umweltfreundlichen Verkehr aufnehmen. Dadurch könnte das heutige Verkehrsvolumen des Individualverkehrs stabil gehalten werden und ein Ausbau des Strassennetzes wie der Südspange würde überflüssig.

Die Initiative gibt dem Stadtrat noch etwas „Gummi“ in die Hand, verlangt sie doch nur, dass der Stadtrat „bestrebt ist“, dieses Ziel zu erreichen. Aber offenbar ist dies dem Stadtrat doch schon zu direkt, viel lieber versteckt er sich hinter dem Begriff „optimaler Modalsplit“. Eine gewisse Zunahme des Individualverkehrs ist für den Stadtrat unabdingbar, möchte die Stadt weiter wachsen. Er übersieht dabei, dass er damit seinen eigenen Leitsatz „Wir streben einen stadtgerechten Verkehr und keine verkehrsgerechte Stadt an“ strapaziert. Die Kapazitäten auf dem Strassennetz für den individuellen Verkehr sind weitgehend ausgelastet. Auch heute noch werden die Strassen in der Stadt nach dem Muster „verkehrsgerechte Stadt“ ausgebaut (z.B. 5 Millionen für die Leonhardbrücke). Die Massnahmen werden zwar als Verbesserungen für den ÖV verkauft, entpuppen sich aber bei genauem Hinsehen auch als Verbesserungen für den Individualverkehr. Einzig für Velo- und Fussgänger gibt es nichts, dies bleiben wieder einmal auf der Strecke. Der Grundsatz „stadtgerechter Verkehr“ entpuppt sich damit wieder einmal als leere Worthülse.

Überprüfbare Ziele

Die Initiative möchte die Wirkung der getroffenen Massnahmen auch jährlich überprüfen und einen kurzen Bericht dazu im Geschäftsbericht der Stadt. Auch dies wäre neu, der Stadtrat hat aber offenbar kein Interesse daran. Er weiss heute nicht einmal, was für einen Modalsplit die Stadt St. Gallen hat, spricht aber trotzdem vom „optimalen Modalsplit“ den er erreichen möchte – für uns ziemlich unglaubwürdig.

Südspange fördert Autoverkehr

Der Stadtrat möchte nach wie vor auch den Individualverkehr ausbauen, so setzt er sich auch für ein Südspange ein, die dann mehr als 1000 Millionen Franken kosten wird und ganz klar eine Massnahme hin zur verkehrsgerechten Stadt ist. Die Städteinitiative möchte keinen zusätzlichen Ausbau des Strassennetzes mehr, da wir überzeugt sind, dass wir mit dem heutigen Individualverkehr ein Mass erreicht haben, das gerade noch zu bewältigen ist, auch wenn die Luft und Lärmwerte bei Weitem nicht erfüllt sind. Aus gesundheitlichen Überlegungen müsste sogar eine Reduktion des IV ins Auge gefasst werden. Auch die Städteinitiative ist also nur ein kleiner Schritt, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung!

Im weiteren argumentiert der Stadtrat auch noch mit rechtlichen Aspekten. Er bemängelt, dass mit einem Reglement (das Initiativbegehren ist der Erlass eines Reglements) politische Ziele erreicht werden sollen. Auch behauptet er, dass mit der Annahme der Initiative der Umbau zu einem umweltfreundlichen Verkehrssystems zu prioritär zu behandeln sei. Er möchte die Prioritäten aber frei wählen können und jeweils dem Umfeld anpassen können.

Wir sind überzeugt, dass eine vernünftige, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel ausgerichtete Verkehrspolitik durchaus vorrangig behandelt werden sollte, haben wir in diesem Gebiet doch einen erheblichen Nachholbedarf.

Aus diesen Gründen haben sich die VCS-VertreterInnen im Stadtparlament für ein Ja zur Initiative erfolgreich eingesetzt, um damit dem Stadtrat etwas mehr Mut für seine eigenen Zielsetzungen zu geben.


Definition Modalsplit

Unter Modalsplit versteht man die prozentuale Aufteilung des Gesamtverkehrsvolumens auf die verschiedenen Verkehrsträger wie Fuss und Veloverkehr, öffentlicher Verkehr (ÖV) und motorisiertem Individualverkehr (miV).


Stadtparlament stimmt der Städteinitiative zu!

An der Sitzung vom 25. August 2009 hat das Stadtparlament mit 30 zu 26 stimmen überraschend der Städteinitiative zugestimmt. Das ist sehr erfreulich und ein schöner Zwischenerfolg für „unsere“ Initiative. Dies erhöht die Chancen bei der Abstimmung, welche voraussichtlich im März 2010 durchgeführt wird.

zur Übersicht


Angefragt: Nino Cozzio, Direktion Soziales und Sicherheit

„Ein attraktives Fuss- und Velowegnetz ist ein wichtiger Standortfaktor“

Schriftliches Interview von Doris Königer

Nino Cozio steht als Stadtrat der Direktion für Soziales und Sicherheit vor. In dieser Direktion fallen wichtige Entscheide für den Veloverkehr, ist doch die ihm unterstellte Polizei für Verkehrsanordnungen und Signalisationen zuständig. Der VCS hat Nino Cozzio einige Fragen zum Veloverkehr in der Stadt St.Gallen gestellt:

VCS: Fahren Sie selber Velo?

Nino Cozzio: Ja – allerdings nicht so oft, wie ich es mir wünschen und es meiner Fitness gut tun würde.

Benützen Sie ihr Velo vor allem als Sportartikel oder ist es für sie auch ein tägliches Fortbewegungsmittel?

Als tägliches Fortbewegungsmittel nicht, denn ich wohne fast zuoberst an der Solitüdenstrasse. Für die Nutzung des Velos ist das steile Gelände ein Nachteil, vorab wenn es zusammenfällt mit der häufigen Anzug-und-Kravatten-Tragpflicht, die mein Beruf mit sich bringt.

Wann sind Sie das letzte Mal Velo gefahren?

Während den Sommerferien.

Unterstützen Sie das Projekt „Bike to work“?

Ich finde die Idee aus verschiedenen Gründen sehr gut. Von der Stadtverwaltung radeln rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Arbeit. Um die Umweltbelastung zu reduzieren, macht es Sinn, wenn möglich mit dem Fahrrad, allenfalls kombiniert mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zur Arbeit zu gehen. In meiner Direktion ist Fitness ein wichtiger Punkt: Gerade Feuerwehrleute und die Mitarbeitenden der Stadtpolizei müssen für ihre täglichen Belastungen auch körperlich fit sein. Letztlich profitieren die Umwelt, die teilnehmenden Betriebe und die Mitarbeitenden.

Machen Sie selber mit?

Wie schon gesagt, dafür wohne ich am falschen Ort.

Wie beurteilen Sie die Veloverbindungen in der Stadt St. Gallen?

St.Gallen hat eine für Radfahrende anspruchsvolle Topographie. Der Velostadtplan vermittelt einen Überblick über das attraktive Angebot. Die Karte ist auch für Gäste, die unsere Stadt bislang nicht kannten ein sehr gutes Hilfsmittel, weil die verschiedenen Routen nach Belag und Schwierigkeitsgrad unterschieden werden. Zudem werden gefährliche Stellen ausgewiesen. Insgesamt beurteile ich die Stadt, insbesondere in der Talsohle, als attraktives Velopflaster. Ein wichtiger Aspekt bilden dabei die Tempo-30- und Begegnungszonen.

Nennen sie ein paar gute Beispiele, aber auch Schwachstellen.

St.Gallen hat zahlreiche, auch anspruchsvolle Routen. Schwachstellen sind die teilweise gefährlichen Knoten entlang der viel befahrenen Hauptverkehrsachsen.

Lassen Sie Ihren Sohn längere Strecken auf Stadtgebiet selber fahren? Wenn ja, was für Strecken sind es?

Zur Schule fährt mein Junge mit dem Bus. Bislang hatte er noch nie das Bedürfnis, mit dem Velo durch die Stadt zu fahren, aber wenn er es wollte, würde ich ihn – begleitet von einigen Ermahnungen – selbstverständlich fahren lassen.

Welche Route muss in der St. Galler Altstadt für VelofahrerInnen befahrbar bleiben?

Mit dem Fahrrad soll soweit möglich die gesamte Altstadt befahren werden können. Der Fuss- und der Veloverkehr kann weitgehend auf gemeinsamen Flächen stattfinden. Dass dies eine gewisse Rücksichtnahme und Toleranz erfordert, versteht sich von selbst. Berechtigte Ausnahmen bilden aufgrund des hohen Fussgängeraufkommens beispielsweise die Multergasse oder die Neugasse.

Welche Strassenzüge in südlicher/nördlicher Altstadt sollen nur für FussgängerInnen frei gehalten werden?

Unabhängig davon, ob es um Fussgänger-, Tempo-30- oder Begegnungszonen geht: meiner Meinung nach soll das rücksichtsvolle Velofahren überall möglich sein.

Könnten Sie sich vorstellen an einer jährlichen Sitzung zusammen mit der Direktion Bau und Planung teilzunehmen? An ihr werden verschiedene Problemfelder betreffend Fuss-, Velo- öffentlicher Verkehr wie auch andere VCS Themen besprochen.

Eine jährliche Sitzung kann ich mir durchaus vorstellen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Probleme im Zusammenhang mit Velofahreden, die es zu lösen gilt?

Der stetig zunehmende Verkehr zwingt dazu, der Strassenverkehrssicherheit noch vermehrt Gewicht zu geben. Gefährliche Stellen sollen sicher gemacht werden. Leider ist aber auch oft festzustellen, dass sich Velofahrerinnen und Velofahrer nicht an die Verkehrsregeln halten, insbesondere dass sie bei Rot über die Kreuzungen radeln.

Welchen Stellenwert soll das Velofahren aus Ihrer Sicht im Verkehrskonzept der Stadt einnehmen?

Meiner Meinung nach ist die Möglichkeit, sich sicher und komfortabel zu Fuss und mit dem Fahrrad in der Stadt zu bewegen, ein ganz wesentlicher Standortfaktor. Dass die Innen- und Altstadt von Einwohnerinnen und Einwohnerinnen gefahrlos und leicht mit dem Velo zu erreichen ist, liegt nicht nur aus Umweltschutzgründen im öffentlichen Interesse, sondern bedeutet eine massive verkehrliche Entlastung.

Wie stellen sie sich persönlich eine Fachstelle für Fuss- und Veloverkehr vor? Welche Aufgaben sollte eine solche Stelle haben?

Es liegt ein parlamentarischer Vorstoss zu dieser Thematik vor. Der Stadtrat hat bei der Erheblicherklärung des Postulats ausgeführt, dass Zweckmässigkeit und Aufgaben einer solchen Fachstelle nach Vorliegen der Ergebnisse aus der städtischen Richtplanung im Rahmen der Massnahmenrealisierung für den Langsamverkehr zu untersuchen sind.

Was wünschen sie sich vom VCS?

Seit 30 Jahren ist der VCS ein engagierter und kompetenter Partner bei der Gestaltung und Umsetzung der Verkehrspolitik. Dass die Meinungen nicht immer deckungsgleich sind, versteht sich von selbst. Ich wünsche mir, dass sich der VCS weiterhin für eine kluge Verkehrspolitik einsetzt.

nach oben zur Übersicht


Fachexkursion von VCS und Fussverkehr St.Gallen/Appenzell

Attraktive Bahnhöfe und Bahnhofplätze

Von Andreas Bernhardsgrütter

Der VCS und Fussverkehr St.Gallen/Appenzell organisierte am 21. August 2009 eine Fachexkursion zu neuen Bahnhofplätzen im Raum Zürichsee. Von den gezeigten Beispielen kann nicht nur St.Gallen lernen.

Nicht nur der Bahnhofplatz am HB St.Gallen soll in den nächsten Jahren umgebaut werden. Auch in Winkeln, St.Fiden, Rorschach, Rheineck, Gossau, Flawil und etlichen weiteren Ortschaften ist gemäss kantonaler Richtplanung die Umsteigesituation zwischen Bahn und Bus zu verbessern. VCS und Fussverkehr St.Gallen/Appenzell haben deshalb eine Exkursion an den Zürichsee organisiert. Rund dreissig Fachleute und Behördenmitglieder liessen sich in Uznach, Rüti ZH, Männedorf, Meilen und Horgen vorbildliche Lösungen zeigen.

Helle Unterführungen

Wichtiges Element eines attraktiven Bahnhofes ist eine gute Fuss- und Veloführung mit einer freundlichen Gestaltung der Personenunterführung. Vorbildlich wurde das in Rüti gelöst: Eine breite Unterführung bietet Platz für Fussgänger wie Velofahrende. Die Fahrspuren sind getrennt. Dies könnte durchaus auch in der Westunterführung beim Bahnhf St.Gallen so gelöst werden.

Begegnungszone Bahnhofplatz

Männedorf zeigt im Unterschied zu Uznach oder Meilen, dass eine Gestaltung des Bahnhofplatzes als Begegnungszone zu einer Verkehrsberuhigung führt und ein Miteinander im Verkehr auch auf dem Bahnhofplatz möglich ist. Diesen Weg wählte auch Horgen. Der neue extravagant gestaltete Bahnhofplatz ist nur ein Element einer umfassenden Neugestaltung im Ortszentrum.


Dokumentation Bahnhofplätze

Gleichzeitig mit der Exkursion erschien eine Dokumentation mit 15 Beispielen aus kleineren und grösseren Gemeinden aus den Kantonen St. Gallen und Zürich.
Erhältlich ist diese Dokumentation zum Preis von sFr. 30.00 beim VCS St. Gallen/Appenzell, Rorschacherstrasse 21, 9004 St. Gallen bzw. per Mail: info@vcs-sgap.ch. Mitglieder erhalten eine Preisreduktion.

zur Übersicht


Aufwertung der St.Leonhard-Strasse

St.Gallens Prachtstrasse wieder präsentieren

Von Andreas Bernhardsgrütter

Die St.Leonhard-Strasse wurde als Prachtstrasse gebaut. Heute ist sie aber vom motorisierten Verkehr dominiert und der Fussverkehr auf die Vadianstrasse abgedrängt. Mit der Neuorganisation der Zufahrten zum Bahnhofplatz eröffnen sich neue Möglichkeiten, die St.Leonhard-Strasse wieder als Boulevard für die Stadt zurückzugewinnen.

Die St.Leonhard-Strasse führt in gerader Achse von der Altstadt nach Westen, an ihrem Ende setzte der markante neo-gotische Eingangsturm der Leonhardskirche einen wichtigen städtebaulichen Akzent an der einst wichtigsten Strasse St.Gallens. An der St.Leonhard-Strasse befinden sich die schönsten Prachtbauten aus der Blütezeit St.Gallens. Eine Reihe von monumentalen Geschäftshäuser aus der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeugen vom Stolz St.Gallens und seiner Bedeutung als Handelszentrum. Der Leonhardspark wurde angelegt, um an diesem Boulevard wie in Paris flanieren zu können.

Vom Geist der autogerechten Stadt

Der Verfall der Leonhardskirche ist vielleicht ein Synonym für den Zustand dieser Strasse und dem Umgang der Stadt mit dem öffentlichen Aussenraum. Das städtische Leben hat sich aus diesem Strassenzug zurückgezogen. Der Charakter der St.Leonhard-Strasse wurde nicht nur durch den Abbruch des Helvetiagebäudes und dem Neubau der St.Galler Kantonalbank sowie der Abbruch des alten Rathauses in den siebziger Jahren empfindlich gestört. Auch der Strassenausbau forderte im selben Geist und dem Drang zur autogerechten Stadt seinen Tribut und schlug mit etlichen Verbreiterungen eine Bresche. Von den beidseitigen Vorgärten und Baumreihen blieb wenig übrig. Die Stadtführerinnen müssen nun mit lauter Stimme die auf dem schmalen Trottoir versammelten Touristen die schönsten Jugendstilfassaden St.Gallens - vielleicht sogar der Schweiz - erklären

Der Fussverkehr wurde auf die Vadianstrasse abgedrängt, die St.Leonhard-Strasse ist nur noch an wenigen Stellen für Fussgänger querbar. Der Broderbrunnen steht auf einer wenig inspirierend gestalteten Restfläche. Ebensowenig vermag die Neugestaltung an der Ecke zur Schützengasse zu überzeugen.

Gestaltungsmöglichkeiten dank Neuorganisation Bahnhofplatz

Mit der Neuorganisation des Bahnhofplatzes ändert sich die Voraussetzung für die Verkehrsorganisation auf der St.Leonhard-Strasse. Die Busse werden östlich des Gaiserbahnhofes nicht mehr über die St.Leonhard-Strasse zum Bahnhof geführt. Dadurch muss auch keine separate Busspur mehr freigehalten werden. Etliche Linksabbiegespuren sind nicht mehr nötig, weil die Zufahrt für den Autoverkehr zur Kornhausstrasse und zur Gutenbergstrasse nicht mehr möglich sein wird. Dadurch kann Fläche für den Fussverkehr gewonnen werden.

Querungsmöglichkeiten verbessern

Mit dem Neubau des Manors in der Webersbleiche wurde zwar das Einkaufsangebot in der Innenstadt erweitert, allerdings ist dieses mit der Altstadt wenig attraktiv verbunden. Die heute ungenügenden Querungsmöglichkeiten für den Fussverkehr sollten erleichtert werden. Dies betrifft neben der Querung beim Broderbrunnen zum Manor auch die fehlende Verbindung vor der Kantonalbank.

Es braucht mehr Platz

Es braucht aber vor allem mehr Platz vor den Gebäuden, so dass man sich wieder angemessen als Fussgänger entlang der Leonhardstrasse bewegen kann. Vielleicht gelingt es auch, den hier bestehenden Gaststätten etwas Platz für einige Tische zu reservieren. Dadurch könnte nicht nur die Geschäftslage aufgewertet werden. Die Stadt könnte so einen einst wichtigen Raum wieder für sich zurück gewinnen.

zur Übersicht


in wichtiges Zusatzangebot:

Zusätzliche Veloabstellplätze am Bahnhof Gossau

Von Ruedi Blumer

Im Park and Ride Bereich des Bahnhofes Gossau gibt es 50 neuen Veloabstellplätze, davon sind 18 abschliessbar.

Seit der Gesamterneuerung des Gossauer Bahnhofareals im Jahre 1993 gibt es rund um den Bahnhof etwas 900 gedeckte Veloabstellplätze, die rege benutzt werden. Seit 2002 sind abschliessbaren Abstellplätzen in zwei Gitterboxen verfügbar, die für je etwa 15 Velos Platz bieten. Die Jahresmiete für einen Veloabstellplatz in einer Box beträgt seit 2004 dank einer einfachen Anfrage von Roman Weibel faire 60 Franken. Im Wissen, dass am Bahnhof leider immer wieder Velos beschädigt oder entwendet werden, lohnen sich diese 60 Franken in vielen Fällen, machen sie doch nur einen Bruchteil des Selbstbehaltes eines allfälligen Versicherungsfalles aus. Es ist darum erfreulich, dass die Stadt kürzlich zwei zusätzliche Boxen für je 9 Velos im P+R Bereich zwischen den Geleisen der SBB und jenen der Appenzellerbahn erstellt hat. Im Laufe des Septembers dieses Jahres sollte es soweit sein, dass diese Boxenplätze gemietet werden können. Der VCS hofft, dass die Stadt weiterhin bereit ist, diese abschliessbaren Plätze zum attraktiven Tarif von 60 Franken pro Jahr abzugeben. Gleich neben den abschliessbaren Plätzen erstellte die Gemeinde 30 weitere Veloabstellplätze, die bereits benutzt werden können.

Velostation als weiterer Schritt?

Vielleicht wird in Gossau dereinst auch die Idee einer bedienten Velostation angedacht. Möglicherweise könnte das Bahnhofpersonal hier eine Zusatzaufgabe im Bereich Kundenorientierung wahrnehmen. Diese Dienstleistung hätte den Vorteil, dass das Velo auch nur für Tage oder Wochen sicher eingestellt werden könnte.

Coop gefährdet Veloabstellplätze

Während das Abstellangebot auf der Südseite verbessert worden ist, ist dasjenige auf der Nordsite gefährdet: Coop möchte nämlich vis à vis der neuen Überbauung Perron 3 an der Stadtbühlstrasse direkt neben den alten abschliessbaren Boxen einen Shop bauen. Damit würden über 200 attraktive Veloparkplätze zum Opfer fallen. Wir hoffen deshalb, dass dieses Vorhaben nicht bewilligt wird, zumal in der neuen Überbauung genügend Platz für Ladenflächen bestehen.

zur Übersicht