Inhalt, VCS Lokal, Juni 05 /Nr. 70:

Ganzes Heft als pdf herunter laden


Editorial
St. Gallen vor dem Verkehrskollaps?


Fast schon ein Tram für die Stadt St. Gallen
Stadtbahn St.Gallen Südast


Neuigkeiten zum öffentlichen Verkehr
Neue Haltestelle Birnbäumen


Gründung IG Velo Region St. Gallen


am 28. August 2005:
SlowUp am Bodensee


Interpellation Velostation St.Gallen
Der nächste Frühling kommt bestimmt


Postulat ”Bequem und schnell von Ost nach West”
Zukunft dank Tram


fragwürdiger Ausbau von St. Gallen Altenrhein
Luft(preis)krieg über St.Gallen


inoffizieller Halt der VBSG
Lokal-ECHO


Die Alpenrhein-Bahn am SUFO


VCS-Einsprache zum OBI-Fachmarkt an der Gaiserwaldstrasse St.Gallen
Einsprache des VCS vom Stadtrat teilweise gutgeheissen


VCS sucht Freiwillige


Editorial

Von Susanne Schmid

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Stadt St.Gallen steuert langsam aber stetig auf einen Verkehrskollaps hin. Das Strassennetz in und rund um die Stadt gelangt an die Kapazitätsgrenze. Die mit grossem Aufwand erstellte und 1986 eingeweihte Stadtautobahn hat die erhoffte Entlastung auf dem innenstädtischen Strassennetz gebracht, allerdings nur für ca. 20 Jahre. Seither nimmt der Verkehr auch auf den städtischen Transitachsen wie z.B. der Zürcherstrasse wieder ständig zu, die Entlastungswirkung der Stadtautobahn geht ihrem Ende entgegen. Neue Strasse führen zu Mehrverkehr – diese alte Weisheit hat sich auch im Fall von St.Gallen bewahrheitet.

Vor diesem Hintergrund sind dringend Massnahmen nötig, um dem drohenden Kollaps zu entgehen. Investitionen in den öffentlichen Verkehr und in den Langsamverkehr (= Velo und FussgängerInnen), daneben Beschränkungen oder Verteuerung des privaten Autoverkehrs, wären eine Möglichkeit für eine nachhaltigere Zukunft. Einige Beispiele dazu finden Sie in diesem Heft.

Die neue Haltestelle Birnbäumen der Trogenerbahn ist wirklich nur ein winzig kleiner Schritt in die richtige Richtung. Bedeutender wird das Zusammenhängen der beiden Stadtbahnen (Appenzellerbahn und Trogenerbahn) sein. Dadurch entsteht für die vielen PendlerInnen aus Riethüsli, Teufen, Bühler und Gais ein umsteigefreier Zubringer zum Marktplatz. Das neue Stadtentwicklungsgebiet Güterbahnhof wird durch den besseren ÖV aufgewertet.

Im Gebiet Winkeln können wir die Verkehrsprobleme nur noch mit einschneidenden Massnahmen lösen. Vollständige Parkplatzbewirtschaftung, reduziertes Angebot an Parkplätzen, ev. Nutzungsbeschränkungen für publikumsintensive Anlagen und Fahrplanverdichtungen sind die einzigen Mitteln, die uns dort im Moment zur Verfügung stehen. Längerfristig braucht es für dieses städtische Quartier aber innovative Ideen, wie z.B. eine Stadtbahn und eine Quartiergestaltung mittels besserer Durchmischung.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer mit vielen vergnüglichen Stunden im Naherholungsgebiet, Schwimmbad, mit dem ÖV, auf dem Velo oder beim Spazieren und Wandern.

Für die VCS-Ortsgruppe
Susanne Schmid

zur Übersicht


Fast schon ein Tram für die Stadt St. Gallen

Stadtbahn St.Gallen Südast

Von Andreas Bernhardsgrütter

Die Appenzeller Bahn und die Trogenerbahn sollen beim Appenzeller Bahnhof in St.Gallen zusammengeführt werden. Dies zumindest sieht die Vorlage für den Dringlichkeitsfonds für Vorhaben im Agglomerationsprojekte beim Bund vor, welcher für dieses Projekt 30 Millionen reserviert hat. Dadurch entsteht auf Stadtgebiet eine durchgehende Verbindung zwischen dem Riethüsli und der Speicherstrasse.

Vielfälltiger Nutzen für das Appenzellische, aber auch für die Stadt St.Gallen

Die neue Verbindung bringt für den öffentlichen Verkehr in der Region St.Gallen verschiedene Vorteile, verbessert aber auch innerappenzellische Verbindungen mit einer direkten Linie von Teufen zur Kantonsschule und den Gerichten in Trogen. Der Hauptvorteil besteht mit den direkten und umsteigefreien Verkehrsbeziehungen von Appenzell - Gais - Teufen direkt ins Zentrum der Stadt St.Gallen, welche auch für den innerstädtischen Verkehr interessant sind. Durch die Aufwertung der Linie kann mit der Haltestelle Spisertor auch ein Teil der nördlichen Altstadt besser mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen werden.

Mit einer neuen direkten Bahnhaltestelle wird das Güterbahnhof-Areal optimal angebunden. Dieses wichtige innerstädtische Entwicklungsgebiet kann nur dann in einer hohen Dichte überbaut werden, wenn ein erheblicher Teil des anfallenden Verkehrs mit öffentlichen Verkehrsmittel, zu Fuss oder mit dem Velo abgenommen werden kann. Eine neue Haltestelle schafft dazu eine notwendige Voraussetzung.
Durch den Abbau der Zahnradstrecke wird die Fahrt beschleunigt. Im Betrieb sind Einsparungen gegenüber dem kostenintensiven Zahnradbetrieb zu erwarten.

Zahnradbetrieb muss verschwinden

Kernpunkt der Vorlage ist die Elimination des Zahnradbetriebes Ruckhalde. Das in den Neunzigerjahren erstellte Projekt mit einem «Basistunnel» im Riethüsli ist wohl aus finanziellen Gründen nicht mehr aktuell, im Vordergrund steht eine oberirdische Linienführung. Geprüft wird aber ein kürzerer Scheiteltunnel, mit welchem auch die oberirdischen Bahnübergänge saniert werden könnten. Kein Thema ist eine Verlegung der Linie als Tram auf die Teufenerstrasse; die Neigung ist dort zu stark. Wie die vom Bundesamt geforderte maximale Steigung von 7 Prozent am Hang eingehalten werden kann, ist noch nicht klar. Absehbar ist eine Verlegung der Bahnlinie zur Erschliessung des Entwicklungsgebietes am Güterbahnhof und eine grössere Kurve am Hang. Noch besteht aber kein konkretes Projekt. Und so sind denn die eingesetzten 80 Millionen Franken erst eine grobe Kostenschätzung. Von diesen Gesamtkosten würden 30 Millionen durch den Fonds gedeckt. Zahlreiche bauliche Anpassungen notwendig

Die betriebliche Zusammenführung der beiden Bahnen bedingt aber nach Angaben des Amtes für Öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen noch weitere Massnahmen:

Für einen längerfristig denkbaren oder anzustrebenden Viertelstundentakt sowie zur Betriebsstabilität sind einige der folgenden Massnahmen notwendig:

Weitere neue Haltestellen auf Stadtgebiet

Geplant ist im Zusammenhang mit der geplanten Überbauung Birnbäumen eine neue Haltestelle an der Speicherstrasse. Diese wird unabhängig von der Zusammenführung der Bahnen realisiert.
Ein erster Schritt zur Stadtbahn?

Das eingegebene Projekt heisst offiziell «Stadtbahn St.Gallen Südast». Nun, das gibt für vielfältige Hoffnungen Anlass. Wo ein Ast spriesst, muss ein Baum und die anderen Äste nicht weit sein. Wir freuen uns also darauf, dass diese Verbindung den Auftakt gibt für die vom VCS vorgeschlagene Stadtbahn- oder Tramideen, insbesondere in der Ost- West-Richtung zwischen den Einkaufszentren in Winkeln, dem Zentrum und Neudorf.
abg


Einziges Projekt in der Ostschweiz

Die nun (vorläufig) aufgenommene Bahnverbindung zwischen der Trogener- und der Appenzeller-Bahn - die sogenannte «Stadtbahn Südast» ist das einzige derartige Vorhaben in der Ostschweiz im Dringlichkeitsfonds. Der Dringlichkeitsfonds ist als kurzfristige Übergangslösung für dringende und schwer finanzierbare Verkehrsinfrastrukturen gedacht. Der Fond wird durch einen Abbau von 2,2 Milliarden Franken aus den bestehenden Rückstellungen der Spezialfinanzierung Strassenverkehr alimentiert. Die vorgesehenen Beiträge des Bundes an das St. Galler Projekt betragen 30 Millionen. Von den insgesamt 2,2 Milliarden sollen damit gerade knapp 1,5 Prozent der Gesamtsumme in die Ostschweiz fliessen. Selbst dieser Betrag ist noch alles andere als gesichert. Voraussetzung für die Beiträge ist, dass ein baureifes Projekt vorgelegt wird, welches im Zeitraum von 2007 bis 2011 auch finanzwirksam ist - also gebaut und abgerechnet wird. Die Stadtbahn Südast ist derzeitig erst auf dem Stand von mehr oder weniger vagen Projektideen. Bis ein baureifes Projekt vorliegt, müssen noch etliche Arbeiten geleistet werden.

Für einmal ist diese geringe Beteiligung der Ostschweiz nicht dem Bund anzulasten. Vielmehr liegt es daran, dass in der Ostschweiz schlicht keine ausgearbeiteten Projekte für einen Ausbau des öffentlichen Agglomerationsverkehr gibt! Nicht, dass solche Projekte nicht nötig wären. Die Ostschweizer Agglomerationen verfügen im schweizweiten Vergleich über einen tiefen Anteil des öffentlichen Nahverkehrs, es besteht Nachholbedarf.

In den letzten Jahrzehnten gingen die -Milliarden einseitig in den Ausbau des Strassen-netzes (Stadtautobahn St.Gallen, A53 Jona - Schmerikon), und sie sollen dies auch künftig tun (Stadttunnel Rapperswil / Umfahrung Herisau / Anschluss Winkeln / Anschluss Witen Goldach / Südspange Gossau / Wil West usw.). Während von Seiten der Tiefbauämter die entsprechenden Projekte auf Vorrat und mit Nachdruck vorangetrieben werden, fehlt es an entsprechenden ausgearbeiteten Projekten beim öffentlichen Verkehr. Dies ganz im Gegensatz zu den anderen Landesgegenden, wo entsprechende Tram- und Stadtbahn-Projekte nur noch aus den Schubladen geholt werden mussten.

zur Übersicht


Neuigkeiten zum öffentlichen Verkehr

Neue Haltestelle Birnbäumen

Von Susanne Schmid
Neue Haltestelle Birnbäumen

Die Trogenerbahn ist nicht nur innovativ mit ihrem neuen Design, nein, sie geht die Zukunft auch offensiv an: An der Speicherstrasse auf der Höhe der Jugendherberge soll eine neue Haltestelle entstehen.

Oberhalb der Birnbäumenstrasse besitzt die Ortsbürgergemeinde St. Gallen eine beachtliche Baulandreserve, die nun überbaut werden soll. Die Erschliessung erfolgt von der Speicherstrasse her. Es sollen dort rund 200 neue Wohnungen unterschiedlicher Grösse und Ausstattung entstehen. Damit die zukünftigen BewohnerInnen gleich von Beginn weg auf das Auto für den Arbeitsweg verzichten können, eröffnet die Trogenerbahn eine neue Haltestelle. Diese Haltestelle dient aber nicht nur den neuen BewohnerInnen, sondern kann auch fürs Umsteigen auf den Bäderbus Dreilinden oder als Zubringer für die Jugendherberge genutzt werden. Deshalb ist die Stadt auch bereit, -einen Drittel an die Erstellungskosten dieser Station zu bezahlen. Ein weiteres Drittel übernimmt der Kanton und das letzte Drittel muss die Trogenerbahn selbst finanzieren. Damit der 30-Min- bzw. 15-Min-Taktfahrplan nicht gefährdet wird durch die zusätzliche Verlängerung der Fahrtzeit, werden bei der Haltestelle Notkersegg die Geleise begradigt und dadurch der Zeitverlust wieder wett gemacht.

Die VCS-Ortsgruppe ist froh, dass bei der Erschliessung dieses neuen Baugebietes auch an die Anbindung an den öffentlichen Verkehr gedacht wurde. Für einmal ist der ÖV gleichzeitig mit den Bauten bereit und nicht mit 10-jähriger Verspätung, wie z.B. bei der Siedlung Wolfganghof. Positiv ist ferner, dass die Erschliessungsstrasse als Mischfläche (früher Wohnstrasse genannt) konzipiert wird und sie dadurch von den Kindern auch als Spielfläche benutzt werden kann. Die Breite von 6m für eine reine Quartierstrasse mit Tempo 20 scheint aber leicht übertrieben. Auch die Fusswege sind relativ spärlich. Immerhin sind einige neuen Wege geplant, so eine direkte Verbindung zum Grossackerschulhaus.

zur Übersicht


Gründung

IG Velo Region St.Gallen

Von Daniel De Stefani

Es ist geschafft! Auch für die Region St.Gallen gibt es jetzt eine IG Velo. Mitte Mai konnten wir mit knapp 50 Interessierten in der Projektwerkstatt die Sektion gründen. Erwartet wird einiges. Dies entnehmen wir den vielen Ideen, welche an der Gründungsversammlung in einem Workshop zusammengetragen wurden.

Sei es nun die velofahrende Familie, der Mountainbiker im Gelände, die Rennvelofahrerinnnen oder die Alltagsradler im Stadtgebiet – wir sind voller Tatendrang und werden uns um die Anliegen aller Velofahrenden kümmern.

Ein attraktives Velowegnetz, Sicherheitskurse für Gross und Klein, eine bewachte Velostation am Bahnhof. Dies sind einige der Themen, mit welchen wir uns in naher Zukunft beschäftigen werden. Damit wir möglichst bald sagen können: In St. Gallen gibt es nur zufriedene Velofahrer und Velofahrerinnen.

Bist Du an unserer Arbeit interessiert, hast Du Anregungen oder möchtest Mitglied werden?

Kontakt unter: info@igvelo.info, weitere Informationen unter: www.igvelo.info

Daniel De Stefani
Präsident IG Velo Region St.Gallen


Herzliche Gratulation

Die VCS-Ortgruppe begrüsst es, dass sie nicht mehr allein die Veloanliegen vertreten muss, sondern in Zukunft tatkräftig von der wieder belebten IG-Velo unterstützt wird. Wir freuen uns auf eine fruchtbare Zusammenarbeit, damit die Anliegen der Velofahrer-Innen noch vermehrt umgesetzt werden. Zu zweit können wir hoffentlich mehr erreichen als alleine. Wir wünschen der IG-Velo einen guten Start mit einem langen Schnauf und gratulieren herzlich.

zur Übersicht


am 28. August 2005:

SlowUp am Bodensee

Der slowUp Euregio Bodensee ist Garant für einen friedvollen Tag zum Geniessen mit Familie und Freunden. Bestimmen Sie Ihr Tempo selbst, lassen Sie den Alltag hinter sich und verbringen Sie einen Tag unter freiem Himmel. Eine Strecke von knapp 40 km wird an diesem Tag für den motorisierten Verkehr gesperrt. Der Rundkurs führt über meist flache breite Strassen und Wege und kann von allen in etwa drei Stunden gemütlich gemeistert werden. Sie haben genügend Zeit für Kulinarisches und Kulturelles an den verschiedenen Festplätzen entlang der Strecke. Die neun slowUp Gemeinden, insbesondere die Villages Romanshorn und Arbon, sorgen für Kurzweil, Spiel und Spass!

Also Datum in der Agenda vormerken:

slowUp Euregio Bodensee: Sonntag, 28. August 2005

zur Übersicht


Interpellation von Andreas Frank (SP) und Doris Königer (SP):
Velostation St.Gallen

Der nächste Frühling kommt bestimmt

Von Doris Königer

Erfreuliche Nachrichten – St.Gallen erhält auch vor dem Bau der Fachhochschule eine Velostation auf der Nordseite. Über die genaue Grösse und die Betreibungsform ist sich der Stadtrat noch nicht schlüssig. Leider ist auch hinter den Kulissen im Moment Funkstille – das heisst, dass es sicher nicht mehr in diesem Sommer realisiert wird.

Der Vorschlag in der Tiefgarage "Rathaus" eine kleine Velostation einzurichten wurde abgewiesen, da auf die 6 Parkplätze nicht verzichtet werden kann. Als Velofahrerin bzw. Velofahrer fühlt man sich da ein wenig als Bürgerin/Bürger zweiter Klasse. Schade!

Also freuen wir uns auf den nächsten Frühling – denn auch dieser kommt bestimmt!

.... Es gibt auch Positives zu berichten:

Wegen der Renovation am Rathaus mussten Veloparkplätze aufgehoben werden. Diese sind nun an der Bahnhofstrasse und ersetzten ganze drei Autoparkplätze. Entgegen meiner Erwartungen gab es keinen Aufschrei bei der Autolobby.

zur Übersicht


Postulat ”Bequem und schnell von Ost nach West” von Veronika Hälg-Büchi (CVP) und Doris Königer (SP)

Zukunft dank Tram

Von Doris Königer

Auch dieses Geschäft wurde weder in der März- noch in der Mai-Sitzung behandelt. Es ist aber bekannt, dass der Stadtrat bereit ist das Postulat entgegenzunehmen. Wir wurden unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht, dass das Parlament keine Studie in Auftrag geben kann. Uns Postulantinnen ist aber wichtig, dass ein separater Postulats-bericht das Thema "Tram" umfassend behandelt und unsere Fragen nicht einfach im Rahmen des Richtplanes in einem Nebenkapitel unter dem Motto "zu teuer" abgehandelt wird.

Kosten sind relativ. Wollen wir nämlich eine Stadt mit einem innovativen zukunftsgerichteten ÖV, einer Verbindung von Ost nach West – modern, bequem, attraktiv und schüttelfrei, behindertengerecht und für Kinderwagen geeignet, mit hoher Kapa-zität–dann kommt uns eventuell eine Tramlösung günstiger als eine andere ÖV-Variante – sicher-lich aber billiger als ein teures Strassenprojekt.

Wir hoffen auf eine gute Parlamentsdebatte, in der unser Anliegen unterstützt wird.

zur Übersicht


fragwürdiger Ausbau von St. Gallen Altenrhein

Luft(preis)krieg über St.Gallen

Von Thomas Schwager

Seit April spürt vor allem die Region Wil, aber auch die Stadt St.Gallen und die ganze Ostschweiz, wie klein die Welt geworden ist. Denn seit April ist das vorläufige Betriebsreglement des Flughafen Zürich-Kloten mit neuen An- und Abflugrouten in Kraft, was zu deutlich mehr Fluglärm führt. Der VCS St.Gallen/Appenzell hat mit anderen VCS-Sektionen Beschwerde eingelegt. Und ist damit in guter Gesellschaft, denn auch die St.Galler Regierung hat sich diesem Vorgehen angeschlossen. Sie tat dies aus der Überzeugung heraus, dass «angesichts des enormen Lärmpotentials des Flugverkehrs auch in den Bereichen, die von den Grenzwerten der Lärmschutz-Verordnung nicht mehr erfasst werden, die Grundsätze des Umweltrechts (insbesondere das Vorsorgeprinzip) sowie die Grundsätze des Raumplanungsrechts Anwendung finden müssen, den Fluglärm also soweit möglich zu minimieren ist».

Der VCS freut sich über diese Haltung der St.Galler Regierung, die sich damit unmissverständlich für den Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm ausgesprochen hat. Der VCS hatte auch Grund zur Freude über den Einsatz unserer Regierung für den Anschluss der Ostschweiz an das europäische Eisenbahnnetz. Dank dem HGV-Netz kann die Eisenbahn schnellere innereuropäische Verbindungen anbieten und der Konkurrenz aus der Luft Paroli bieten. Aber der Preiskrieg in der Luftfahrt geht immer weiter und soll mit neuen, günstigeren Regionalflughäfen noch verschärft werden.

Anlässlich der Hauptversammlung vom 26. Mai verabschiedeten die VCS-Mitglieder eine Resolution, in der die St.Galler Regierung dazu aufgerufen wurde, den Schutz der Bevölkerung vor zusätzlichem Fluglärm auch im Zusammenhang mit dem geplanten Konzessionierung des Flugfelds Altenrhein einzufordern. Eine Konzessionierung würde die Voraussetzung für den Ausbau des Linien-flugbetriebs bilden und die Betriebsdauer um einen Drittel ausweiten. Das bisherige Mittagsflugverbot würde ganz entfallen. Auch wäre das Mitspracherecht der betroffenen Bevölkerung mit einer Konzessionierung eingeschränkt, und das bestehende Lärmkorsett würde aufgeweicht. Zudem sieht das Bundesgesetz über die Luftfahrt ein Enteignungsrecht für den Besitzer eines Flughafens vor.

In Ergänzung zum nahen und gut erreichbaren Flughafen Zürich-Kloten gibt es keinen Bedarf für einen neuen Regionalflughafen, zumal im benachbarten Friedrichshafen ein bereits heute gut eingeführtes Linienflugangebot besteht. Ein Ausbau des Flugbetriebs würde den Anstrengungen für den verbesserten Anschluss der Ostschweiz an das HGV-Netz zuwiderlaufen. Die VCS-Resolution fordert die Regierung darum dazu auf, sich konsequent für den Schutz der St. Galler Bevölkerung vor vermeidbarem Fluglärm einzusetzen, sowohl in der Region Wil wie auch in der Region Rorschach. Nur ein Einsatz gegen die Konzessionierung des Flugfeldes Altenrheins entspricht einer konsequenten Haltung der Regierung.

Ein Dossier zum Flugfeld Altenrhein ist zu finden auf der Homepage der Sektion unter www.vcs-sgap.ch > Archiv > Positionspapier > Ausbau Flughafen Altenrhein

myclimate Ticket

Es soll VCS-Mitglieder geben, die mehr oder weniger regelmässig für die schönsten Wochen des Jahres einen Flieger besteigen und dabei von Gewissensbissen geplagt werden. Wer vom Fliegen nicht lassen mag, dem steht nun zumindest ein Mittel gegen das schlechte Gewissen zur Verfügung. Unter www.myclimate.org kann ein Zusatzticket gelöst werden, das den Klimaeffekt eines Flugs kompensieren soll. So schlägt ein Städteflug nach Edinburgh mit Fr. 28.- zu buche. Bei diesem Flug fallen pro Person 742kg CO2 an. Zur Kompensation muss dafür ein Solarkollektor in Eritrea während 9 Monaten betrieben werden. Klimaneutral fliegen, oder eher eine moderne Form des Ablasshandels? Zumindest eine Möglichkeit, sich die Klimawirkung des Luftverkehrs drastisch vor Augen zu führen.
www.myclimate.org
ths

zur Übersicht


inoffizieller Halt der VBSG

Lokal-ECHO

Unsere städtischen Verkehrsbetriebe haben nicht immer die beste Presse. Heute dürfen wir aber Positives berichten: Als Echo auf den Leserbrief «VBSG top» in der letzten Ausgabe bemängelte ein VCS-Mitglied, dass die Nachtbusse beim Kantonsspital keinen Halt einlegen – zumindest keinen offiziellen. Als Mitarbeitende am Kantonsspital war sie so bis anhin auf den Goodwill der FahrerInnen angewiesen. Nach einer Intervention durch den VCS halten nun die Nachtbusse stadtauswärts auf deutliche Handzeichen. Sozusagen ein offizieller "inoffizieller" Halt auf Verlangen. Auf den nächsten Fahrplanwechsel hin soll dies voraussichtlich definitiv so eingeführt werden. Bravo, VBSG!

zur Übersicht


Die Alpenrhein-Bahn am SUFO

Von Thomas Schwager

Vom 27. bis 28. Mai fand in St.Gallen das 1. Sozial- und Umweltforum – SUFO statt. Das Forum bot unter dem Titel "Eine andere Welt ist möglich" eine Plattform, um über gesellschaftliche, ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Themen zu debattieren. Vertreten war auch der VCS mit einer Ausstellung zur Alpenrhein-Bahn. Dieses Projekt unter der Federführung des VCS-Graubünden propagiert eine durchgehende Zugverbindung zwischen Chur und der Bodenseeregion als Alternative zu einer neuen Strassentransitroute: Ein S-Bahn-Netz im Raum Ostschweiz/Bodenseegebiet/Oberes Rheintal und eine umsteigefreie Eurocity-Verbindung zu den Agglomerationen in Süddeutschland.

Mit einem attraktiven, regionalen Bahn- und Busangebot kann einerseits der Pendelverkehr reduziert werden. Andererseits erübrigen sich die geplanten Strassenbauprojekte zwischen Bodensee und Liechtenstein. Der San Bernardino würde so nicht zu einem attraktiven LKW-Transitkorridor.

zur Übersicht


VCS-Einsprache zum OBI-Fachmarkt an der Gaiserwaldstrasse St.Gallen

Einsprache des VCS vom Stadtrat teilweise gutgeheissen

Von Andreas Bernhardsgrütter

Der Stadtrat hat die Einsprache des VCS zum geplanten Fachmarkt des OBI beim Säntispark in gewichtigen Teilen gutgeheissen. Gleichwohl bleiben grundsätzliche Bedenken des VCS offen, da der Stadtrat weder die Parkplatzzahl reduzieren will, noch eine Gesamtschau mit dem Säntispark als notwendig erachtet.

Teilerfolg

Der Stadtrat hat die Einsprache des VCS zum Fachmarkt des OBI beim Säntispark in gewichtigen Teilen geschützt. So soll gemäss Botschaft an den Gemeinderat eine Parkplatzbewirtschaftung vorgeschrieben, die zulässige Fahrtenzahl beschränkt und die Informationen zum ÖV-Angebot verbessert werden. Dies sind durchaus wichtige Teilerfolge, dürften aber an der grundsätzlichen Haltung des VCS zu diesem Vorhaben nichts ändern.

Die geplante Verkaufsfläche von 11‘500 m2 ist deutlich grösser als das Westcenter und in etwa gleich gross wie die Gesamtfläche des bestehenden Säntisparkes. Es handelt sich also um ein grosses Vorhaben mit erheblichem Verkehrspotential in einem bereits heute stark belasteten Gebiet.

Gesamtschau notwendig

Der OBI steht betrieblich und auch örtlich in einem engen Zusammenhang mit dem Säntispark. So sollen mit dem Bau des mit rund 11‘500 m2 grossen Fachmarktes heute im Säntispark enthaltenen Teile des Migros in den OBI verlagert werden. Dadurch werden dort Flächen für einen Ausbau frei, welche durch grundversorgungs- und zentrums-relevante Nutzungen belegt werden dürften, was einen erheblichen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen hat. Flächen mit Lebensmitteln werden von deutlich mehr Kunden aufgesucht als Fachmärkte.

Zudem soll der bestehende Parkplatz des Säntisparks auch von OBI-Kunden mitgenutzt werden. Damit besteht die Möglichkeit einer stärkeren Belegung des heutigen Parkplatzes mit den entsprechenden Verkehrsauswirkungen. Aus der Sicht des VCS besteht deshalb ein enger örtlicher und betrieblicher Zusammenhang zwischen dem geplanten OBI und dem bestehenden Säntis-park. Diesen Zusammenhang gilt es auch im Rahmen einer Gesamtschau mit einem entsprechenden Umweltverträglichkeitsbericht zu berücksichtigen. Die Erweiterung einer bestehenden Anlage führt gemäss Umweltschutzgesetz dazu, dass die gesamte Anlage den heute gültigen gesetzlichen und planerischen Anforderungen entsprechen muss. Diese Sichtweise wurde immer wieder vom Bundesgericht bestätigt, zuletzt im Fall eines geplanten Neubaus der Migros neben dem bestehenden Seedammzenter in Pfäffikon (SZ). Doch der Stadtrat ignoriert die durch die Rechtssetzung gesetzten Standards und hat in diesem Punkt die VCS-Einsprache abgewiesen. Es ist zu vermuten, dass der Stadtrat im Rahmen der Migros-Einsprache gegen das Stadion Winkeln der Migros entsprechende Zusagen gemacht hat, welche damals zum Rückzug der Einsprache führte. So setzte sich der Stadtrat selber unter Zugzwang.

Der VCS ist zuversichtlich, dass er im Verlauf der weiteren rechtlichen Auseinandersetzung in diesem wichtigen Punkt Recht behält und nimmt den bisherigen Teilerfolg mit Genugtuung zur Kenntnis.

Zwischenspiel im Gemeinderat

Bevor der Beschluss des Stadtrates an eine nächste Instanz gezogen werden kann, ist der Gemeinderat mit der Beratung des Überbauungsplanes an der Reihe. Der VCS geht davon aus, dass sich der Gemeinderat mit einem rechtswidrigen Vorhaben befasst und seine Beratungen in diesem Sinne reine Zeitverschwendung darstellen, da das Vorhaben ohnehin einem allfälligen Instanzenweg kaum standhalten dürfte.

zur Übersicht


VCS sucht Freiwillige

Der VCS – insbesondere die VCS-Ortsgruppe der Stadt – veranstaltet jedes Jahr einige Anlässe, die ohne tatkräftige, ehrenamtliche Mitarbeit nicht gelingen könnten. Unser Paradepferd ist dabei sicher der jährliche Veloflohmarkt, bei dem wir jeweils auf Dutzende von helfenden Händen angewiesen sind. Aber auch am Oekomarkt im Mai sind wir froh, wenn wir auf informierte und engagierte VCS-Mitglieder zurückgreifen dürfen. Immer mal wieder gilt es auch Abstimmungskampagnen zu führen oder Unterschriften zu sammeln. Oder auf dem Sekretariat einen Grossversand zu bewältigen, oder ...

Wir suchen darum weitere, engagierte VCS-Mitglieder, die wir in unsere Freiwilligenliste aufnehmen dürfen. Die Aufnahme erfolgt völlig unverbindlich. Einmal jährlich laden wir alle aktiven Freiwilligen zu einem geselligen Anlass ein. So fahren wir dieses Jahr am 28. August gemeinsam an den Slowup am Bodensee.

zur Übersicht


s ein gutes Zeichen!