Inhalt, VCS Lokal, März 02 /Nr. 57:
Editorial
Von Susanne Schmid
Liebes VCS-Mitglied
Der Frühling steht vor der Türe, die Sonne lockt ins Freie und manch eineR nimmt jetzt gerne das Fahrrad aus der Garage und erweckt es zu neuem Leben. Wer kein Velo hat oder gerne ein anderes möchte, der kann sich eines auf dem diesjährigen Veloflohmarkt kaufen (Seite 1).
St.Gallen ist keine Velostadt das wissen wir. Die vielen Hügel machen das Velofahren anstrengend, und der dichte Verkehr ist vielen zu gefährlich. Sie steigen aus Angst und Bequemlichkeit nicht auf das umweltfreudlichste Verkehrsmittel um. Hier könnten E-Bikes weiterhelfen. Verschiedene Schweizer Städte unterstützen den Kauf eines E-Bikes mit namhaften Beiträgen (Seite 12). Mit dem E-Bike bewältigt man die St.Galler Hügel problemlos und ohne ausser Atem zu geraten. Jedes Auto, das nicht in die Stadt fährt, entlastet unser Strassennetz und belastet unsere Luft nicht mehr. Damit das Velo aber effizient eingesetzt werden kann, sind auch neue Siedlungsformen zu diskutieren.
Kompakte Wohnquartiere sollen über ein kleines Zentrum verfügen, das bequem zu Fuss oder mit dem Velo erreicht werden kann. Der tägliche Einkauf kann so einfach und umweltschonend getätigt werden, ohne dass dafür viel Zeit eingesetzt werden müsste. Dank guten Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr kann man/frau sogar ganz auf das Auto verzichten. Was liegt da näher, als sich sein persönliches Wohnumfeld ganz ohne Auto vorzustellen? Die Kinder hätten einen idealen Aussenraum für Spiele, und niemand wird mehr vom Autolärm gestört. Eine Utopie?
Leben in autofreier Umgebung, lesen Sie mehr darüber auf Seite 10.
Mutig neue oder alte umweltbewusste Ideen umzusetzen, dazu wollen wir Sie ermuntern: Der Frühling, die Zeit des Aufbruchs, ist dazu die ideale Jahreszeit.

VCS St.Gallen/ Appenzell auf dem Netz:
www.vcs-sgap.ch
Von Andreas Bernhardsgrütter
Seit 1. Februar 2002 ist der VCS St. Gallen/Appenzell mit einer eigenen Home-Page auf dem Netz. Unter www.vcs-sgap.ch ist ein Fenster in unsere vielfältigen Tätigkeiten offen.
Hier können einerseits aktuelle Stellungnahmen unserer Sektion eingesehen werden. Andererseits sind auch unsere Dienstleistungen, wie beispielsweise die Verkehrsberatung, VCS-Velobörsen oder der Verkauf von VCS-Tageskarten vorgestellt. Im Archiv finden sich die Artikel der Regionalausgabe des «Leonardo» und des «VCS-Lokal» der Ortsgruppe St.Gallen, wie auch verkehrspolitisch relevante Artikel aus der Tagespresse. Eine umfangreiche Liste mit interessanten Links vermittelt wichtige Informationen im Bereich der Verkehrspolitik und Verkehrsplanung.
Im Verlauf dieses Jahres wird die Home-Page mit Dossiers von einzelnen für uns wichtigen Themen ergänzt.
Die VCS Ortsgruppe hat ein eigenes Fenster unter der Rubrik Regionalgruppen, welche aktualitätsbezogene Informationen vermittelt. Unsere Site enthält zudem einen Kalender zu all unseren Veranstaltungen und vermittelt wichtige Kontaktadressen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch auf unserer Home-Page. Teilen sie uns doch ihre Meinung zu unserem virtuellen Auftritt mit.

Information aus der Verwaltung der Stadt St.Gallen
Fachstelle «Sicherheit im Stadtraum»
Von Doris Königer
Der VCS setzt sich immer wieder für Sicherheit auf unseren Strassen ein. Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger ist uns ein echtes Anliegen, da wir jede Art von Langsamverkehr fördern wollen. Viele Wege sind aber unübersichtlich und flössen den BenutzerInnen Furcht ein. Studien und Statistiken zeigen zwar, dass die meisten Taten nicht ein städtebauliches, sondern ein soziales Problem sind die Ursachenbekämpfung muss also im gesellschaftlichen Umfeld beginnen planerische und bauliche Massnahmen sind aber nicht sinnlos.
Übersichtlichkeit, Helligkeit, Transparenz wie auch Sauberkeit und soziale Bezugspunkte können den öffentlichen Raum und die Übergangszonen wie Hauseingänge und Tiefgaragen für die BesucherInnen sicherer erscheinen lassen. Das Gewährleisten von Sicherheit und Wohlbefinden gehört zur Grundausstattung einer attraktiven und lebendigen Stadt. Sich ohne Behinderung, Bedrohung und Angst vor Übergriffen physischer oder psychischer Natur im öffentlichen Raum bewegen zu können, erhöht die Lebensqualität enorm.
Die Fachstelle «Sicherheit im Stadtraum» besteht seit Februar 1999. Frau Brigitte Traber, Architektin HTL, führt diese Stelle, die mit 20 Stellenprozent dotiert ist. Diese ist in die Dienststelle «Stadtplanung» der städtischen Bauverwaltung integriert. Die Zusammenarbeit mit anderen Dienst- oder Amtstellen erfolgt themen- oder projektbezogen und ist nicht institutionalisiert. Das Bestreben läuft dahin, weder intern noch extern als Interventionsstelle zu fungieren, sondern alle Planenden für das Sicherheitsanliegen zu sensibilisieren. Verwaltungsintern läuft die Interventionsschiene über Stellungnahmen zu Baugesuchen; die Baupolizeikommission entscheidet, ob die Einwände in die Baubewilligung eingefügt werden und mit welchem Grad der Verbindlichkeit. Das geht vom Satz «Die Sicherheit muss gewährleistet werden» bis zur Verpflichtung, einzelne Punkte des Projektes mit der Fachstelle zu besprechen und Missstände zu beheben. Bei einer Kontaktaufnahme mit den Planenden, wenn möglich vor Ort, haben sich bereits bessere, befriedigendere Lösungen aushandeln lassen.
Verwaltungsintern wird die Fachstelle bereits früh in die Planung und in die Vernehmlassungsverfahren einbezogen. Bisher besteht zwar noch keine Grundlage für diese Intervention. Sie ist aber bereits im Entwurf zur neuen städtischen Bauordnung als Sicherheitsartikel vorgesehen, was der Fachstelle mehr Gewicht verleihen wird. Dies führt eventuell auch zu einer personellen Aufstockung.
Die Akzeptanz der Fachstelle ist gross. Die Mitarbeit bei der Neugestaltung der Brühltorunterführung ist momentan nebst dem fachstelleneigenen Projekt der Überprüfung «Sicherheit auf den Schulwegen» das grösste Projekt. Auch fand anfangs 2000 ein Variantenstudium zum Tunnelweg statt. 1999 wurden als Ergänzung zum Inventar des Gartenbauamtes die städtischen Spielplätze auf ihre Sicherheit überprüft, daraus wird als Nachfolgeprojekt die Gestaltung einiger Spielplätze überdacht. Des weiteren führt das mehrmalige Nachhaken bei verschiedenen Dienststellen im Sommer 2002 zur Beleuchtung eines Fuss- und Veloweges im Osten der Stadt.
Im Mai/Juni 2001 führte die Fachstelle eine SchülerInnenumfrage durch. Ihr Anliegen war, benutzerInnendefinierte Angaben zu erhalten, welche Orte in der Stadt St.Gallen den Kindern und Jugendlichen «nicht ganz geheuer» sind. Die über zweitausend Fragebogen (einbezogen wurden alle Zweit- und Fünftklässler der Primarschulhäuser sowie alle Jugendlichen der städtischen zweiten Oberstufe) sind unterdessen erfasst und eine Übersicht liegt vor. Wichtig ist den Kindern und Jugendlichen, dass sie in ihrer Freizeit und auf dem Schulweg ihre KameradInnen treffen. Dies erhöht einerseits die Sicherheit, andererseits wird dieses Antreffen von einzelnen Kindern benützt, die MitschülerInnen zu plagen. Bedenklich viele haben «Angst vor Kindern» und/oder «Angst vor Erwachsenen». Die Ursachen scheinen im Bereich des subjektiven Sicherheitsempfindens zu liegen. Angststrecken auf dem Schulweg haben vermehrt Kinder, die Talschulhäuser besuchen. Als häufige Angstursachen wurden die düsteren Unterführungen, unbekannte herumstehende Leute, der fehlende Fussgängerstreifen und der viele Verkehr genannt.
Was ist planerisch zu verbessern? Was können wir tun? Besonders zu beachten sind überschaubare, klare Wegführungen mit genügend Fluchtmöglichkeiten; einsehbare, übersichtliche und transparent gestaltete Eingangsbereiche und Treppenhäuser; Autoeinstellhallen mit Tageslicht und Aussenbezug, Frauenparkplätze in der Nähe der Ausgänge oder des Liftes und noch weitere einzuplanende, oft nur geringfügige Eingriffe, welche die Lage für die BenutzerInnen sicherer machen oder mindestens erscheinen lassen.
Die Fachstelle nimmt gerne Hinweise aus der Bevölkerung entgegen: Ist ein Weg zu dunkel, ein Spielplatz ungenügend, ein Veloweg zu unübersichtlich melden Sie es ihr.
Bauverwaltung: Fachstelle «Sicherheit im Stadtraum»
brigitte.traber@stadt.sg.ch
Telefon: 071/224 57 86
Telefax: 071/224 62 47

Ökomarkt 2002: bereits Tradition
Von Susanne Schmid
Der 16. Mai ist dieses Jahr der Tag für alle Ökologie-Interessierten der Stadt St.Gallen und Umgebung. Rund um den Vadian findet der diesjährige Publikumsmarkt mit über 60 Ständen mit umweltfreundlichen Konsumprodukten und Dienstleistungen statt.
Die IG-Ökomarkt organisiert auch dieses Jahr wieder diesen sehr beliebten Markt. Wie bereits letztes Jahr wird es wieder ein attraktives Rahmenprogramm geben mit Aktivitäten für Jung und Alt. Neben Musik wird ein Clown und eine Geschichtenerzählerin im Tipi-Zelt unterhalten und sich ein Künstler beim Arbeiten zuschauen lassen. Die genauen Zeiten entnehmen Sie bitte der Tagespresse. Auch der beliebte Wettbewerb wird wieder zum Streifzug durch den ganzen Markt animieren und mit vielen spannenden Fragen das Thema Ökologie vertiefen. Das diesjährige Schwerpunktthema lautet: «Essen und Geniessen», deshalb eignet er sich ganz besonders dazu, seine Mittagszeit dort zu verbringen und sich mit den vielen leckeren und gesunden Speisen den Hunger zu stillen. Daneben werden aber auch Produkte für den Haushalt, umweltverträgliches Bauen, Umwelttechnik, Gesundheit, umweltgerechter Verkehr und Transport, sparsame Energieanwendung, Ferien und Freizeitaktivitäten etc. angeboten.
Übrigens:
Wissen Sie wie man Feuer bohrt? Kommen Sie dieses Jahr am 16. Mai an den Ökomarkt und Sie werden sehen, spüren, riechen
Viel Spass!
Der Ökomarkt steht allen Interessierten mit umweltverträglichen Produkten und Dienstleistungen offen. Anmeldeformulare vermittelt die Umweltfachstelle (Tel. 071 224 56 90).
Link: www.oekomarkt.ch

Stadion West:
Die Problematik des Einkaufszentrums
Von Peter Jans
Ende des letzten Jahres wurde der VCS in der Presse heftig attackiert, nachdem er seit langem wieder einmal öffentlich zum geplanten Einkaufszentrum Stellung genommen hatte, das zusammen mit dem neuen Fussballstadion in St. Gallen-Winkeln entstehen soll. Der VCS wurde bereits für das baldige Lichterlöschen beim FC St.Gallenverantwortlich gemacht. In den Medien konnten wir die tatsächlichen Abläufe nur teilweise richtigstellen. Nachfolgend einige Fakten zur Information unserer Mitglieder.
Im November 1999 wurde in der Stadt St.Gallenüber eine Zonenplanänderung abgestimmt, welche in St. Gallen-Winkeln den Neubau eines Fussballstadions ermöglichen sollte. Dabei wurden auch die Grundlagen für ein grösseres Einkaufszentrum geschaffen, mit welchem die Finanzen für den Stadionbau aufgebracht werden sollen.
Der VCS sprach sich gegen diese Umzonung aus, nicht wegen des geplanten Stadions, sondern weil er befürchtete, es werde ein Einkaufszentrum in der dreifachen Grösse des benachbarten Westcenters mit dem entsprechenden Verkehrsaufkommen entstehen. Diese Befürchtungen wurden während dem Abstimmungskampf als übertrieben dargestellt. Die Stimmenden sprachen sich relativ deutlich für die beantragte Umzonung aus.
Auf Einladung der Bauherrschaft konnte der VCS Anfang 2001 Einsitz in einer Begleitgruppe nehmen, in welcher die Erschliessung des Geländes mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Erschliessung für den Langsamverkehr (Fussgänger, Velo) diskutiert wurde. Die Grösse des Einkaufszentrums sowie das erwartete Verkehrsaufkommen war zu diesem Zeitpunkt kein Diskussionsthema.
Im September 2001 reichte die Bauherrschaft ihre Unterlagen den städtischen und kantonalen Behörden zur Vorprüfung ein. Auch der VCS wurde mit den Unterlagen bedient. Zuhanden der Bauherrschaft und der Behörden nahmen wir am 19. November 2001 intern Stellung und gaben unsere Position bekannt (siehe Unten).
Am 4. Dezember 2001 traten Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Kanton an die Öffentlichkeit und gaben bekannt, dass das Projekt insbesondere wegen des grossen zu erwartenden Verkehrsaufkommens überarbeitet werden müsse. Damit war das Stadion mit Einkaufszentrum plötzlich wieder im Mittelpunkt des Medieninteresses.
Obwohl man sich vorerst mit öffentlichen Meinungsäusserungen zurückhalten wollte, wurde der VCS durch diese Situation in die Rolle versetzt, ebenfalls seine Position bekannt zu geben. Wir taten dies mit einer Medienmitteilung am 19. Dezember 2001 (Wortlaut unter Archiv Pressemitteilungen).
Wie die Hyänen fiel man darauf über den VCS her. Der FC SG-Präsident machte den VCS für das baldige Lichterlöschen verantwortlich, der Präsident der Stadion AG reagierte erzürnt, Jelmoli-Besitzer und Investor Fust meinte, der VCS wehre ja gegen jede Hundehütte und verschiedene Leserbriefschreiber hieben in die gleiche Kerbe.
Sodann wurde bekannt, dass eine Zürcher Werbeagentur jeder Person Fr. 50.- zahlen wollte, die sich via Leserbrief gegen den VCS aussprechen würde. In der Zwischenzeit hat sich das Gewitter wieder gelegt und es bleibt folgendes festzustellen:
- Die Behörden von Kanton und Stadt haben sich bereits vor dem VCS sehr kritisch zu den erwarteten Verkehrsbelastungen durch das geplante Einkaufszentrum geäussert. Kritisch ist dabei vor allem, dass die Belastungsgrenze der Stadtautobahn durch den Zusatzverkehr überschritten würde.
- Der VCS legte frühzeitig seine Position offen, um möglichst nicht erst in einem Einspracheverfahren auf umweltrechtliche Probleme hinweisen zu müssen.
- Es stellt sich die Frage, ob es nicht mehr erlaubt ist, ein Projekt für das grösste Einkaufszentrum der (Ost)-Schweiz kritisch anzuschauen, nur weil damit verbunden ein neues Fussballstadion gebaut werden soll. Der VCS wird sich jedenfalls auch durch Drohungen und Einschüchterungen nicht davon abhalten lassen, seine bei kleineren Projekten geäusserten Grundsätze auch auf dieses grösste aller Projekte anzuwenden.
Ausblick
Das Projekt befindet sich derzeit in der Überarbeitung. Gefordert ist in erster Linie, die erwartete Verkehrsbelastung deutlich zu verringern. Erst wenn das Ergebnis dieser Überarbeitung vorliegt, wird sich die Frage beantworten lassen, ob minimale Anforderungen an die Reduktion des Verkehrsaufkommens sowie die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfüllt sind.
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Der VCS gab Bauherrschaft und Behörden seinen Standpunkt bekannt. Die wesentlichen Punkte sind:
- Der VCS befürwortet ein neues Fussballstadion. Problematisch ist nur der Verkehr, der durch das mit dem Stadion verbundenen Einkaufszentrum verursacht wird.
- Der VCS respektiert die vom Volk gutgeheissene Umzonung und damit auch ein Einkaufs-zentrum in der Grösse wie es damals in etwa geplant war.
- Die inzwischen verdoppelte Verkaufsfläche des geplanten Einkaufszentrums führt jedoch zu einem Zusatzverkehr, der insbesondere von der Stadtautobahn nicht verkraftet werden kann. Ausweichverkehr auf die städtischen Strassen sowie Staus wären die Folge.
- Das Verkehrsaufkommen muss gegenüber dem jetzigen Planungsstand verkleinert werden. Weniger Verkehr gibt es nur, wenn die Verkaufsflächen reduziert werden.
- Es ist eine Parkplatzbewirtschaftung einzuführen, die in den Ansätzen denjenigen des Stadtzentrums von St.Gallen entspricht.
- Es muss sichergestellt werden, dass ein attraktives Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zu den umliegenden Gemeinden entsteht.
- Es sind konkrete Massnahmen zu planen, damit der Velo- und Fussverkehr vom und zum neuen Zentrum attraktiv wird.

Leben in autofreier Umgebung
Von Andreas Bernhardsgrütter
In der Stadt St.Gallen verfügt etwa ein Drittel aller Haushalte über kein Auto. In den meisten Fällen ist dies wie eine Untersuchung des Nationalfonds ergab ein gewollter Zustand und auch Ausdruck eines Lebensgefühles. In urbanen Räumen ist man dank kurzen Wegen und gutem ÖV-Angebot auch autofrei mobil. Zudem besteht mit «Mobility» eine attraktive Alternative zum eigenen PW. Diese Haushalte sind in der gesamten Stadt verteilt, an lärmigen Ausgangsachsen, in verkehrsberuhigten Wohnquartieren oder in der leider noch nicht verkehrsfreien Altstadt. Autolose St.Gallerinnen und St.Galler sind aber von den Auswirkungen des Autoverkehrs ebenso betroffen, wie alle anderen. Wären diese autofreien Haushalte in einem Quartier konzentriert, entstände eine vom Autoverkehr weitgehend unbelästigte Wohnsituation. Die Vorteile sind gross:
- Oasen im Stadtlärm
In der Stadt St.Gallen leben über 15'000 Menschen in lärmbelasteter Umgebung, an denen die gesetzlichen Grenzwerte für das Wohnen überschritten werden. Autofreie Wohnquartiere könnten ruhige Oasen in der sonst lauten Stadt bilden. Analog den Nichtraucherabteilen im Zug, könnten diejenigen profitieren, welche ihre Umwelt auch selber nicht beeinträchtigen.
- Mehr Spielraum und Sicherheit für Kinder
In unseren Städten gehört der nicht verbaute Raum heute vorwiegend dem Auto. In autofreien Wohngebieten können Kinder von klein auf im Freien spielen, ohne dass ihre Sicherheit durch den Verkehr gefährdet wird. Kinder sind für ihre Entwicklung auf sichere Räume angewiesen, in denen sie sich ohne dauernde Aufsicht frei bewegen und eigene Kontakte knüpfen können.
- Mehr Platz zum Leben
In einer herkömmlichen Siedlung mit 200 Wohnungen werden 5'600 m2 für Parkplätze und Zufahrten verbaut. In einer gleich grossen autofreien Siedlung mit 30 Parkplätzen für Besuch, Behinderte und Car-Sharing-Fahrzeuge genügt ein Siebtel davon. Mehr als die Fläche eines halben Fussballfeldes wird (auto)frei für bessere Nutzungen: Gemeinschaftsräume (Kinderkrippe, Jugendraum, Seniorentreff, Sauna usw.), Garten und Spielplätze. Das entspricht einem 25-m2-Bonuszimmer pro Wohnung!
- Weniger Miete ...
Im herkömmlichen Wohnungsbau werden auch Menschen, die sich umweltbewusst fortbewegen, für den Bau von Tiefgaragen und Zufahrtsstrassen zur Kasse gebeten. In autofreien Siedlungen lassen sich diese Mittel für andere, sinnvollere Investitionen einsetzen. Oder man spart sie ganz und ermöglicht damit tiefere Mietzinsen
- Zufahrt gewährleistet
Die Feuerwehr oder der Handwerker kommt natürlich nicht zu Fuss und auch Umzüge werden kaum noch mit Leiterwagen geleistet. Die Zufahrt für Notdienste, gelegentliche Transporte und Umzüge kann auch in autofreien Wohnquartieren gewährleistet werden.
Autofreie Wohnsiedlungen schon verwirklicht
In den letzten Jahren sind in verschiedenen vor allem deutschen Städten autofreie Wohnsiedlungen und Quartiere entstanden. In Freiburg sind beispielsweise in einem ehemaligen Kasernengelände von 38 Hektaren die ersten Bauabschnitte mit 280 Wohnungen realisiert worden. Weitere Bauabschnitte sind wegen der grossen Nachfrage im Bau. Im Quartier befindet sich auch ein Kindergarten und eine Grundschule. In Hamburg sind in der Siedlung Barmbek 70 der geplanten 210 Wohnungen erstellt, weitere sind im Bau. Die Siedlung liegt am Rand der Innenstadt und verfügt über gemeinschaftliche Einrichtungen. In München wurden bereits drei autofreie Siedlungen erstellt. Weitere realisierte Siedlungen für bis zu 3'000 EinwohnerInnen finden sich Nürnberg, Münster, Bremen und Wittenberg.
Auch in der Schweiz umgesetzt
Auch in der Schweiz gibt es Beispiele von autofreien oder autoarmen Wohnprojekten. Das ambitionierteste Projekt liegt in der Stadt Bern. Die IG autofreies Viererfeld hofft, auf einem Areal am Rand der Stadt eine grössere Siedlung erstellen zu können. Das entsprechende Areal war ursprünglich für die Universitätserweiterung reserviert. Diese soll aber andernorts realisiert werden. Entsprechende Vorarbeiten, politische Vorstösse und Verhandlungen mit den Grundeigentümern werden derzeit geführt.
Auch in St. Gallen?
Der VCS ist überzeugt, dass es auch in St.Gallen genügend Menschen gibt, welche in einem ruhigen autofreien Wohnumfeld leben möchten und auf ein eigenes Auto verzichten. Zu diesem Zweck führt er jetzt eine Umfrage durch über mögliche Interessenten. (Siehe Kasten). Sollten sich zahlreiche InteressentInnen melden, besteht die Möglichkeit, entsprechende Vorarbeiten auch hier an die Hand zu nehmen.
Weitere Informationen und Links:
Wer hat Interesse?
Der VCS St.Gallen sucht Menschen, welche sich in der Stadt St.Gallen vorstellen könnten, in einer autofreien Siedlung zu leben. Ziel müsste es sein, eine Trägerschaft für ein entsprechendes Projekt auf die Beine zu stellen. Mit genügenden InteressentInnen könnten entsprechende Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, mit potentiellen Wohnbaugenossenschaften, interessierten GrundeigentümerInnen oder Generalunternehmen gesucht werden. Allfällige InteressentInnen können sich auf der Homepage des VCS St.Gallen näher informieren und sich beim Sekretariat melden.
Elektro-Bikes: Zeit, diese zu fördern
Von Margot Benz
Wenn es um den Strassenbau geht, wird wie wild um Bundesgeld aus Bern gekämpft. Zur Förderung von Elektro-Bikes und Elektro-Rollers steht Bundesgeld zu Verfügung, von dem in St.Gallen niemand Gebrauch machen will.
Zürich sponsert KäuferInnen von E-Bikes
Eine kurze Notiz in einer grossen Tageszeitung macht aufmerksam: In der Stadt Zürich wird der Kauf eines Elektro-Bikes oder Elektro-Scooter mit bis zu Fr. 1000.- unterstützt. Dies wird möglich durch die Teilnahme am nationalen Programm NewRide von Energie Schweiz und einem Griff in den Stromsparfonds der Stadt Zürich. So richtig los gings am 23. März 2002. Einen ganzen Tag lang standen trendige E-Flitzer zur Probefahrt zur Verfügung. Die Hemmschwelle vor diesen doch noch eher unbekannten Fahrzeugen kann so abgebaut werden. Abgewandelt gilt hier das Sprichwort: was der Autofahrer nicht kennt, fährt er nicht. Indem sich die Stadt zusätzlich zu den Händlern für die Markteinführung einsetzt, fördert sie das Umsteigen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel.
St.Gallen hat keinen Fonds
Wir wollten wissen, ob die Stadt St.Gallen ähnliche Aktionen plant. Eine Nachfrage bei der Umweltfachstelle erbrachte ein ernüchterndes Ergebnis. Die rechtlichen Grundlagen für eine finanzielle Unterstützung fehlen. Auch eine Teilnahme in anderer Form an diesem Programm von Energie Schweiz ist nicht in Sicht.
Begonnen hat es im Kanton Bern
Der Kanton Bern ist schon aus geografischer Sicht so nahe an der Bundesverwaltung, dass es einmal mehr nicht erstaunt, dass NewRide von Energie Schweiz mit dem Kanton Bern zu-sammen entwickelt und in verschiedenen Berner Städten 2001 zuerst gestartet wurde. Zen-traler Inhalt ist das Fördern des Einsatzes von Elektro-Zweirädern als energieeffiziente Fahr-zeuge. Angestrebt wird das Umsteigen vom Auto oder von benzinbetriebenen Motorrädern und Mofas auf umweltfreundlichere Fahrzeuge. Das Potential der E-Bikes und E-Rollers auf dem Weg zu einem umweltverträglicheren Vekehr ist beträchtlich: CO2-Einsparung, Reduktion von Lärmemissionen und Luftschadstoffen im Siedlungsgebiet, Flächeneinsparung, Förderung einheimischer Firmen und Gesundheitsförderung. In Bern will man dem Elektrobike mit gezielter Information, dem Einrichten von Anlaufstellen, öffentlichen Probefahrten und dem Schaffen eines Netzwerkes der interessierten Akteure zum Durchbruch verhelfen. Auch sollen die Gemeindeverwaltungen selber vermehrt solche Fahrzeuge einsetzen.
Im Energiegesetz nicht vorgesehen
Vor noch nicht allzulanger Zeit ist im Kanton St.Gallen ein Energiegesetz verabschiedet worden. Dort ist viel von Energiesparen, von nachhaltiger Energiepolitik und vom besonderen Fördern von erneuerbarer Energie die Rede. Doch vergebens sucht frau die Möglichkeiten einer Förderung von energieeffizienten Fahrzeugen. Der Verkehr ist im Energiegesetz ganz ausgeklammert worden. Ein Versehen oder absichtliches Weglassen?
Der Bund zahlt mit
Fern von uns im Bundesamt für Energie gibt es das Büro Energie Schweiz und dort arbeiten die Leute, die federführend sind für das Programm NewRide.
Die Eckdaten:
- eingesetzte Mittel des Bundes:
Fr. 320'000.-
- mitmachende Kantone: Bern, Basel-Stadt, Stadt Zürich, Tessin; informelle Zusammenarbeit mit Liechtenstein
- Interessierte Kantone: Luzern und Genf
- Programminhalte: Unterstützung von Gemeinden für die Organisation von Anlässen und Information, Promotion von NewRide in Firmen, Testmiete bei Velohändlern, Evaluation durch Uni Bern.
Förderung von E-Bikes in St.Gallen
Damit auch St.Gallen von den Bundesmitteln profitieren kann, braucht es politische Vorstösse. Gerade die Stadt mit ihrer nicht allzu velofreundlichen Topografie könnte ein idealer Markt für E-Bikes und E-Rollers sein. Ein gehöriger Stupf seitens der Stadt ist aber nötig, denn noch einmal, was die Fahrerin nicht kennt, fährt sie nicht.
Weitere Informationen:
1000 neue Parkplätze
Von Andreas Bernhardsgrütter
1000 neue Parkplätze forderte die FDP zum Wohle unserer Stadt in der Innenstadt als Wahlkampfschlager. Eine Vision für eine attraktive Stadt? 1'000 neue Parkplätze entstehen in unserer Stadt Jahr für Jahr. Schleichend, dort fünf, hier zwei, da zwanzig und drüben dreissig. Schon ist die Parkierungsfläche pro St.Galler und St.Gallerin um ein vielfaches grösser, als der zur Verfügung gestellte Wohnraum.
Jeder Parkplatz wird unterschiedlich besetzt; im Durchschnitt etwa drei bis fünf mal im Tag, macht mit Hin- und Wegfahrt sechs bis zehn Fahrten pro Tag und Parkplatz. Und das mal 1000. Das ist also der Mehrverkehr, welcher sich scheinbar im Sinne eines Naturgesetzes auf unser Verkehrssystem wälzt. Zwei bis drei Prozent pro Jahr. Der Verkehrskollaps nähert sich bedrohlich: Wehe, wenn die Stadtautobahn überlastet wird und der Mehrverkehr sich auf dem städtischen Hauptstrassennetz gegenseitig blockiert.
1'000 neue Parkplätze braucht die Stadt St.Gallen, meint die FDP. Ehe diese Forderung überhaupt im Parlament diskutiert wurde, ist sie schon dreifach erfüllt. Immerhin, wir, der VCS, leisten uns noch Schattengefechte. Meinen, mit unserem Widerstand etwas Sand ins Getriebe streuen zu können und unserer Stadt etwas Bewegung abseits von bewegten Blechbüchsen gönnen zu dürfen. Fürwahr nobel und wohl auch ein wenig naiv.
Und doch: Unsere Vision ist nicht ein St. Gallen, deren Bewohnerinnen und Bewohner sich in Handys hinter ihren Windschutzscheiben verständigen. Unsere Vision ist eine Stadt die lebt, pulsiert und kommuniziert. Die Platz für Bewegung zu Fuss, mit dem Velo oder meinetwegen auch mit dem Kick-Bord auf verkehrsfreien Plätzen und einladenden Spielstrassen schafft Platz für Strassencafes, Tischtennistische im öffentlichen Raum, Bänke, Bocciabahnen oder Streetball. Sichere und ruhige Inseln ohne Lärm und Gestank sowie Angst vor Mord und Totschlag: Lebensqualität. Wirkliche Verständigung ist letztendlich nur unter Fusgängerinnen und Fussgänger in einer direkten Begegnung möglich, von Angesicht zu Angesicht. Begegnungen von Stosstange zu Stosstange sind eher ein Fall fürs Versicherungsgericht.

Gedankenanstoss:
degenerierte Verkehrsflut ?
Mit dem Autofahren ist wieder die bequeme Sitzposition unserer Vorfahren, bevor diese den aufrechten Gang erlernt haben, eingetreten.
(aus H. Knoflacher, 1996)
von Daniel Schöbi
Im Januar informierte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St.Gallen in einer Kurzmitteilung über Anpassungen und Fahrzeugbestand.
Aufgeschreckt über die Neuigkeit einer Zunahme von total 8'356 Fahrzeugen oder 2.8% vom 2000 aufs 2001 weitere Zahlenbeispiele und Rechnereien1)
Der PKW Bestand im Kanton St.Gallen hat sich von 1960 bis 2001 rund verzehnfacht! Allein im Kt. St.Gallen kommen täglich 15 Autos dazu! (nicht Ersatz)
Bilden wir eine theoretische Kolonne mit all den jährlich zusätzlich immatrikulierten PKWs ergeben sich folgende «Staulängen»2):
- Kt. St.Gallen: 24 km
- Schweiz: rund 300 km
- Volksrepublik China: rund 40 000 km
Erstaunen sie diese immensen Kolonnen an jährlich zusätzlichen Autos?
Dies sind einspurige PKW-Schlangen von St.Gallen bis kurz vor Wil respektive bis nach Lausanne oder eine chinesische Kolonne quasi rund um die Welt...
Verständlicherweise löst diese weltweit ungebrochene Zunahme an Personenwagen einen ungeheuren Druck auf die Umwelt und den Neubau von Parkplätzen und Strassen aus.
Beachten wir zudem, dass sich der Sicherheitsabstand zwischen Fahrzeugen, abhängig von der Geschwindigkeit, massiv erhöht, werden wir zukünftig im Stau nicht nur Stehen sondern gar Sitzen bleiben...
Wie geht die Evolution wohl nach der Autoschlange weiter?
1) aus Bundesamt für Statistik (Strassenfahrzeuge in der Schweiz)
2) Annahmen: Personenwagenlänge: 4m; Abstand: 0.5m

SlowUp: diesen Sommer auch in der Ostschweiz
Von Thomas Brunner
Die Grundidee für einen autofreien Erlebnistag ist ja einfach: Man reserviert auf einer attraktiven Strecke möglichst flache und breite Strassen ausnahmsweise für muskelbetriebene Ver-kehrsformen (im Fachchinesisch als «Langsamverkehr» oder «Human Powered Mobility» HPM charakterisiert, konkret also Velos, Skates, etc.) und macht das Ganze mit einem kulturell, kulinarisch und sportlich attraktivem Rahmenprogramm zum eigentlichen Volksfest.
Ebenso wie in Deutschland entspricht solches in der Schweiz offenbar einem weitverbreiteten Bedürfnis. Am Murtensee jedenfalls hat man gute Erfahrungen gemacht:
Schon vor zwei Jahren kamen trotz mässiger Witterung 30'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die SlowUp-Erstauflage, und im September letzten Jahres sollen es etwa das Doppelte gewesen sein. Weiter geht's am 9. Juni im Rahmen der Expo.
Auch ich habs mir letztes Jahr gegönnt, auf verkehrsfreien Strassen um den Murtensee zu rollen, mich an vielen guten Ideen und Festivitäten zu erfreuen, regionale Spezialitäten der unzähligen Schenken zu kosten und die wunderbar entspannte Atmosphäre zu geniessen. Mein Eindruck: Weniger ein leistungsorientierter Sportanlass als ein lustbetontes Erlebnis für Jung und Alt bestens geeignet auch für Familien mit Kindern.
Zum Glück für die umweltfreundliche Freizeit- und Alltagsmobiltät ist so ein Erfolgsmodell an-steckend: Auch in der Euregio Bodensee wurde erkannt, wie sympatisch eine Region mit einem SlowUp zu präsentieren ist. So ist für Sonntag den 25. August im Oberthurgau Analoges in Vorbereitung. Als Aktivitätszentren des Grossanlasses sind Romanshorn und Arbon vorgesehen. Etwas Wetterglück vorausgesetzt wird es sich bestimmt lohnen, dieses Datum in der Agenda vorzumerken und sich begeistern zu lassen von all den Attraktionen, die den Organisatoren (und Teilnehmenden) eingefallen sind.
Weiterführende Informationen auf dem Internet:
www.slowup.ch.

Visionäres St.Gallen:
Elektrische Strassenbahn St.Gallen - Arbon
Von Doris Königer
Kommentar zum Text von Théo Buff im St.Galler «Stadtspiegel», Ausgabe März 2002
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch die visionären Eisenbahn- und Trambahnprojekte. Vorortsgemeinden sollten so verstärkt mit dem wirtschaftlichen Zentrum St.Gallen verbunden und vorhandenes Arbeitskräftepotential besser erschlossen werden. Der Mobilitätsdrang stieg damals beachtlich an.
1913 wurde die Notwendigkeit einer Bahn, die nur für den Personenverkehr gedacht war und Arbon mit St.Gallen verbunden hätte, vom Ingenieur A. Sonderegger vorgestellt. Die damalige Fahrzeit mit der Bundesbahn für die 11Kilometer Luftlinie betrug ganze 70 Minuten, oft aber bis zu 2 Stunden mit Umsteigen in Rorschach und Rorschach Hafen. Mit dem geplanten Tram wäre die Fahrzeit stark verkürzt und ideale Einsteigeorte entlang der Strasse wären möglich gewesen. Bequem, benutzerfreundlich und schnell all das was wir auch heute von einer öffentlichen Verkehrsverbindung erwarten würden. Die Bahn hätte 1.55 Millionen gekostet und ein jährlichen Betriebs-gewinn von 65'000 Franken erzielt. Ihre Fahrzeit hätte ca. 28 Minuten betragen. Sie wäre als Fortsetzung der Tramlinie Heiligkreuz gebaut worden und hätte so eine direkte Verbindung zum Schmalspurbahnhof St.Gallen-Zentrum gehabt.
Leider war dem damaligen Regierungsrat 1914 die Staatstrasse wichtiger als die geplante Bahn, er wollte sie für den Individualverkehr freihalten. Auch die Gemeindebehörden von St.Gallen, Wittenbach und Berg hatten sich gegen eine Konzessionierung ausgesprochen. Während dem Krieg wurde das Projekt schubladisiert bis sich 1919 eine städtische Trambahnkommission wieder für den Bau einsetzte mit der Begründung: «denn jede Verkehrsader schafft neue Beziehungen und wirkt befruchtend auf Industrie, Handel und Gewerbe...». Stadtrat Balzer sagte damals schon voraus, dass die Verkehrsfrage eine der wichtigsten Fragen für St.Gallen sei!
Das Projekt scheiterte möglicherweise an der Uneinigkeit über die zu wählende Streckenführung. Auch liess die Entwicklung der Automobiltechnik viele Strassenbahnprojekte aus der schweizerischen Investitionsplanung verschwinden.
Strassenbahnen in St.Gallen, S-Bahnen wären in meinen Augen immer noch ein Plus für unsere Stadt. Sie hätten ein eigenes Trassee, Vorrang bei Kreuzungen, Haltestellen dort wo man/frau sie braucht, ausbaubar und immer noch zeitgemäss. Die Strecke Wittenbach - St.Gallen - Langgasse - Rosenbergstrasse - bis hinaus nach Winkeln, Gossau und Abtwil wäre aus meiner Sicht immer noch ein anzustrebendes Bahnprojekt, das der Stadt eine wesentliche Entlastung bringen würde. Wir brauchen vielleicht keine Stickereizeit mehr, um visionär zu denken und auch zu handeln. So könnten wir dann in 100 Jahren unsere heutigen Weitblick feiern und nicht wie heute der verpassten Chance Arbon - St.Gallen nachtrauern.
