Inhalt, VCS Lokal, Dezember 01/Nr.56:

Die unendliche Geschichte geht weiter: Mehr Überführungen statt Unterführungen für FussgängerInnen
Lebhafte Mitarbeit: Zukunftswerkstatt: ein Pilotprojekt der Stadtverwaltung
Europäischer Aktionstag: ohne mein Auto in die Stadt
Verkehrsberuhigung in der südlichen Altstadt: der Stadtrat sucht Lösungen am runden Tisch
Parkieren in St.Gallen: das Angebot ist besser als man glaubt
Tarifverbund Ostwind: Interview mit Stadtrat Hagmann
Aus dem Naturschutzverein: Zum Tod von A. Stehrenberger
Zwängere am Bohl: Harte Debatte im Gemeinderat, Postulat verabschiedet
Weniger Transporte in der Altstadt Dank City Logistik: Thun macht es vor
Tempo 30: VCS-Anstrengungen haben sich gelohnt


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Hier nun das letzte «Lokal» im Jahre 2001. Trotz der Niederlage bei der Tempo 30-Initative war es für uns St.Gallerinnen und St.Galler ein doch sehr positives Jahr. Einige städtische ParlamentarierInnen reisten nach Köniz und bestaunten das «Berner Modell» mit seinen verkehrsberuhigenden Massnahmen an Hauptstrassen. Die Initiative «Strassen zum Leben» wurde zwar zurückgezogen, der Gemeinderat, die Baukommission und der Kantonsrat haben aber nun Motionen und Postulate eingereicht, die unsere Idee noch viel effektiver umsetzen werden. Erste Gespräche zwischen Stadt und Kanton haben nun bereits stattgefunden und Frau Elisabeth Beéry und Herr Willi Haag sind Anfangs November auch nach Köniz (BE) gereist, und haben sich das «Berner Modell» vorstellen lassen.

Es weht ein frischer neuer Wind in dieser Stadt. Im Lachen/Vonwil Quartier wurde eine Zukunftswerkstatt durchgeführt, an der die AnwohnerInnen über eine gemeinsame Zukunft nachdachten. Auch für die «Verkehrsberuhigung südliche Altstadt» ist ein runder Tisch geplant, an dem die verschiedenen Parteien ihre Bedenken, Wünsche und Vorstellungen mit Hilfe eines Mediators einbringen können.

Die Petition der Juso St.Gallen für einen «Nachtwind» wurde eingereicht, das Postulat der Juso-Vertreterin im St.Galler Grossen Gemeinderat zum gleichen Thema wurde überwiesen, sowie auch ein Postulat für einen oberirdischen Fussweg zwischen Museumsquartier und Bank Wegelin, als Ergänzung zur bestehenden Unterführung.

Der Aktionstag «Stadt ohne Auto» war leider verregnet. Der Zusammenhalt der VCS-ler war trotz des feuchten Wetters hervorragend. Vielen Dank für eure Mithilfe!

Der Kanton St.Gallen hat nun die Pläne für den Autobahnausbau im Westen der Stadt beim Bund eingereicht. Diese neue schnellere Erschliessung wird leider auch wieder mehr Verkehr generieren. Das nächste Nadelöhr wird bald gefunden sein. Anfangs 2002 wird das Einkaufszentrum St.Gallen / West als Überbauungsplan aufliegen. Zur Zeit laufen die Vorabklärungen.

Viel Spass bei der Lektüre!
Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Vorweihnachtszeit und einen erlebnisreichen Winter!

Doris Königer



Aufhebung von Fussgängerunterführungen:

Die «unendliche Geschichte» geht weiter

Von Susanne Schmid

Erinnern Sie sich noch ans Postulat von Irene Bernhardsgrütter oder an die Vorstössen von Peter Jans und Anita Dörler? Bereits anfangs der 90er Jahren haben wir immer wieder gefordert, dass die Unterführungen auf Stadtgebiet mit oberirdischen Überquerungsmöglichkeiten ergänzt werden. Es brauchte dann beim Kantonsspital einen tödlichen Unfall, bis endlich etwas Bewegung in die bisher verhärteten Fronten kam. Die Aussage der Verwaltung «Unterführungen sind sicherer, wir haben keine Möglichkeiten hier einen Fussgängerstreifen einzurichten, etc.» wurde etwas aufgeweicht. Mit dem Postulat «trügerische Sicherheit durch Unterführungen» wurde 1999 immerhin beim Kantonsspital ein Fussgängerstreifen versprochen. Der ist heute zum Glück auch realisiert. Bei der Musikschule, in Schönenwegen und an andern Unorten warten die FussgängerInnen aber weiter auf Verbesserungen. Es werden ihnen Umwege und Angst zugemutet, nur damit der Autoverkehr reibungslos funktionieren kann.

Nun hat der Grosse Gemeinderat in seiner Sitzung vom November ein Zeichen für die FussgängerInnen gesetzt. Gegen den Willen der Verwaltung und des Stadtrates wurde ein Postulat überwiesen, dass überprüfen soll, ob ein Fussgängerstreifen zwischen der Bank Wegelin und Linth Möbel möglich ist, sobald die Einfahrt Bohl für den Individualverkehr gesperrt ist.
An dieser Stelle fordern wir seit Jahren einen Fussgängerstreifen, denn dies ist die wichtigste Verbindung von der Altstadt ins Museumsquartier. Wir sind auch überzeugt, dass dort ein Fussgängerstreifen möglich ist, sofern man/frau dies wirklich will und die Prioritäten in der Verkehrsführung anders setzt.
Bei der Musikschule müssen wir offenbar weiterhin zuwarten, obwohl die dortige Unterführung heute schon kaum mehr benutzt wird und die meisten PassantInnen sich verbotenerweise über die Strasse getrauen. Bei den übrigen ca. 30 Unterführungen sind keine Verbesserungen in Sicht.

Das Signal im Grossen Gemeinderat macht uns Hoffnung. Vielleicht reift auch in der Verwaltung langsam die Einsicht, dass FussgängerInnen im Strassenverkehr gleichberechtigt sein sollen, denn schliesslich braucht man Unterführungen nicht, weil es zuviele FussgängerInnen hat, sondern weil der Autoverkehr zuviel Raum einnimmt.



Zukunftswerkstatt für die Quartiere St. Leonhard-Paradies-Vonwil und Lachen

«Zukunftswerkstatt Lachen: Lebhafte Mitarbeit»

Von Adrian Hostettler

Am 27. Oktober hat im Kirchgemeindehaus Lachen der erste Teil der «Zukunftswerkstatt», ein Pilotprojekt der Stadtplanung für die Quartiere Lachen, Vonwil und Paradies - St. Leonhard stattgefunden.
Die Art und Weise, wie das Thema Mitsprache bei der Stadtentwicklung stattfinden sollte, war ungewohnt und neu. Entsprechend gross waren im Vorfeld Skepsis und Bedenken verschiedener Exponenten. Diese entpuppten sich jedoch als völlig unbegründet. Lebhaft, engagiert, humorvoll, initiativ und fantasievoll beteiligten sich über 50 Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner unterschiedlichsten Alters an dem durch Niklaus Bayer souverän moderierten Workshop. An den beiden Folgeveranstaltungen waren sogar über 70 Mitwirkende dabei.

«Träume und Visionen»In einer ersten Phase wurde alles zusammengetragen, was im Quartier als störend oder fehlend empfunden wird. Das war eine ganze Menge. Neben fehlenden Begegnungsorten, ungenügender Ausländerintegration, Problemen um den Themenbereich Kindergarten/Schule und die Unzugänglichkeit des Burgweierareals wurden erwartungsgemäss die hohe Verkehrs- und Lärmbelastung (St.Leonhard- und Zürcherstrasse, Lernfahrer, usw.) beklagt.
In einer weiteren Phase waren Träume und Visionen gefragt. Dabei tauchte unter anderem die faszinierende Idee auf, das Zeughaus, sollte es dennzumal nicht mehr gebraucht werden, als «Marktplatz des Lebens» mit Läden, Begegnungsräumen, Kultur und Arbeitsstätten umzugestalten, den Burgweiher als Naturpark einzurichten, einen Elternrat für die Schulen zu gründen, mit mehr Sorgfalt, Sauberkeit, Begrünung und Verkehrsberuhigung die Wohnlichkeit im Quartier zu steigern, ein Integrationsbüro aufzubauen, einen Brunnen als Ort der Begegnung zu schaffen und die Zürcherstrasse umzugestalten.

Die «Wichtigkeits-Punkte» wurden dabei mit grosser Mehrheit den «Begegnungsräumen» und der «Verkehrsberuhigung» vergeben. Weiter folgte «Elternrat für die Schule» und «Wohnlichkeit im Quartier».

«Projekt Verkehrsberuhigung»
In der dritten Phase wurden nun aus den Visionen umsetzbare Projekte geschmiedet. Dabei wurden die Projekte «Begegnungsquelle», «Eltern in die Schule», «Begegnung im Zeughaus», «Image-Verbesserung», «zugängliches Naturschutzgebiet Burgweiher», «Information ist Integration» und «Neugestaltung Zürcher- und Quartierstrassen» weiterbearbeitet.
Stadtplaner Mark Besselaar, Stadtingenieur Claus Beiler, Gartenbauamtchef Thom Roelly und Harry Künzle vom Umweltschutzamt unterstützen die einzelnen Projektgruppen mit Informationen aus der Stadtverwaltung.

«Umbau Zürcherstrasse mitgestalten»
Das Projekt «Neugestaltung Zürcherstrasse» kommt dabei zu einem guten Zeitpunkt, sollte doch im nächsten Frühling, wenn die definitiven Vorgaben des Kantons feststehen, im städtischen Tiefbauamt mit der Testplanung für den Abschnitt Fürstenlandbrücke-Reithalle begonnen werden. Bestandteil davon ist die Kooperation mit AnwohnerInnen, dem Gewerbe und den Quartiervereinen.

Bereits haben sich nun auf Initiative der Projektgruppe VertreterInnen der Quartiervereine, der AnwohnerInnen, des Gewerbes, der Schulen und des VCS zu einer Arbeitsgruppe formiert, die deren Interessen und Vorstellungen in das Neugestaltungsprojekt einbringen soll. Zur Zeit wird ein Besuch in die Agglomeration Bern zu den Vorzeigeobjekten Wabern und Köniz vorbereitet.

«Tempo 30 flächendeckend?»
Die Projektgruppe «Tempo 30» war sich einig, dass, in Zusammenarbeit mit den Quartiervereinen und dem VCS, Tempo 30 in den Wohnquartieren, wo es noch nicht eingeführt ist, diskutiert werden soll. Dazu soll die erforderliche Befragung der Bevölkerung möglichst bald begonnen werden.

Alle Beteiligten waren mit der Arbeit und den Zwischenresultaten der «Zukunftswerkstatt» sehr zufrieden. Die nun begonnene Projektarbeit soll, darin waren sich alle einig, so elanvoll und initiativ weitergeführt und zur Realiserung gebracht werden.



Brot und Spiele

Europäischer Aktionstag «Ohne mein Auto in die Stadt»

Von Susanne Schmid

"Brot und Spiele" unter diesem Motto waren wir am 22. September auf dem Grüningerplatz. Zusammen mit der Ludothek hat die VCS-Ortsgruppe einen Spielplausch inkl. Sirup-Bar auf die Beine gestellt. Voller Vorfreude und überzeugt, ein attraktives Programm zusammengestellt zu haben, sahen wir dem Ereignis entgegen und dann ....... regnete es und regnete und regnete und hörte den ganzen Tag nie wirklich auf. So präsentierte sich das Wetter am 22. September und diverse geplante Aktivitäten fielen buchstäblich ins Wasser. Zum Glück hatte uns die Umweltfachstelle ein gutes und regensicheres Zeltdach zur Verfügung gestellt. So geschützt liessen wir uns die gute Laune nicht verderben und freuten uns über alle, die trotz des Wetters den Weg auf den Grüningerplatz gefunden haben. Auch unser Kuchenbuffet war reich bestückt, dank der Solidarität unserer Mitglieder.
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen für diese Unterstützung bedanken. Einmal mehr durften wir erfahren, dass unsere Mitglieder hinter uns stehen. Dank Ihrer Hilfe sind und werden solche Aktionen immer wieder möglich.

Die Stadt St.Gallen hat zum ersten mal diesen europäischen Aktionstag mitgetragen und ist hoffnungsvoll gestartet. Trotz des wirklich sehr schlechten Wetters sind wir mit diesem Versuch fürs erste zufrieden, wenn sich auch noch vieles verbessern lässt. Wie die Stadt den nächsten 22. September begehen will, steht noch in den Sternen. Wir werden uns aber dafür einsetzen, dass dieser Tag seinen festen Platz in der Agenda der Stadt erhält. Das Ziel, dass die BesucherInnen die Stadt ohne ihr eigenes Auto erreichen sollen (und zwar möglichst oft!), steht ja schon lange auf unserer Wunschliste und jeden Versuch, diesem näher zu kommen, wollen wir unterstützen.

Zum Schluss nochmals herzlichen Dank allen Helferinnen und Helfern, die unsere Teilnahme an diesem Aktionstag ermöglichten.



der Stadtrat sucht Lösungen am runden Tisch

Verkehrsberuhigung südliche Altstadt

Von Daniel Schöbi

Der St.Galler Stadtrat versucht Lösungen am runden Tisch unter Einbezug der Betroffenen zu erarbeiten. Seit dem hauchdünnen Entscheid im Grossen Gemeinderat zur weiteren Verkehrsberuhigung blockieren Einsprachen den ersten im Parlament weitgehend unbestrittenen Teil der Sperrung Durchfahrt Waaghaus für den motorisierten Verkehr.
Unter der Leitung zweier externer Moderatoren wird ab anfangs 2002 eine Altstadtrunde ins Leben gerufen mit dem Ziel bis August einen konsensfähigen Vorschlag für die südliche Altstadt dem Stadtrat zu unterbreiten. Die Resultate sind unter Einhaltung gewisser aufgestellter Rahmenbedingungen für den Stadtrat verbindlich.
Die weiteren Schritte sollen also nicht «von oben» verfügt, sondern partizipativ erarbeitet werden. Damit reagiert die Stadt mit einem andernorts erprobten Vorgehen auf die sich verändernden und ausgeweiteten Anforderungen und das Verständnis von Planungsprozessen.
Hoffen wir, dass mit diesem Vorgehen nicht einfach eine weitere Runde der Verkehrsdiskussion eingeläutet wird und St.Gallen bald schon eine attraktivere südliche Altstadt erhält, die ihr Hinterhofimage ablegt und das Potential des Stiftsbezirkes zu nutzen vermag.



das Angebot ist besser als man glaubt

Parkieren in St.Gallen

Von Doris Königer

Ist das Angebot wirklich so schlecht, wie uns das städtische Gewerbe weismachen will?

Der VCS St.Gallen hat diesen Herbst eine Parkplatzstatistik erstellt, die Aufschluss gibt, wie viele öffentlich zugängige Parkplätze in der Innenstadt zur Verfügung stehen. Entgegen aller Unkenrufe hat es fast 2'300 öffentlich zugängliche Parkplätze.
Multipliziert man/frau diese Zahl mit dem Faktor 5, wie FDP Gemeinderat Fredi Brunner anlässlich eines Podiums in St.Gallen vorgeschlagen hat, so entspricht diese Anzahl Parkplätze 11'500 Parkplätzen an der Peripherie!
Die Parkplatzsituation in der St.Galler Innenstadt ist ein strittiges Thema. Uns war es ein Anliegen, die genaue Anzahl von Parkplätzen und Parkierungsanlagen (speziell auch für Frauen und Behinderte) zu ermitteln und so die eigentliche Situation aufzeigen zu können. Auch der Preisvergleich und die Öffnungszeiten waren uns wichtig. Gefragt haben wir die Parkplatzbetreiber auch nach der Belegungsdichte.
Dem Druck zur Schaffung zusätzlicher Parkplätze in der Innenstadt mit dem Argument der Gleichbehandlung mit der Peripherie darf nicht nachgegeben werden. Wir haben in der Innen-stadt ein sehr dichtes Netz von Parkplätzen, ein gut funktionierendes Bus- und Bahnnetz und attraktive Fusswege. Diese heben die vermeintlichen Vorteile an der Peripherie bei weitem auf. Hier treffen sich die Wege vieler SchülerInnen, Berufstätigen und Hausfrauen und -männer. Man/frau kann zwar keine Grosseinkäufe mit dem Wagen machen, kann dafür aber viele verschiedene Geschäfte besuchen und das Geeignete einkaufen. Oft wird einem die Ware auch nach Hause gefahren. In der Innenstadt haben wir die Auswahl! Die Entscheidungsfindung in einer angenehmen Ambiance und eine grosse Zahl gemütlicher Altstadtbeizen wie auch trendiger Lokale machen uns das Einkaufen zum Erlebnis.

Nun zu der Auswertung der Parkplatzumfrage: Erschreckend wenig Behinderten-Parkplätze sind in den St.Galler Parkgaragen zu finden. Ausser in der Brühltor-Garage gibt es auch keine speziell gekennzeichneten Frauenparkplätze. Dies ist in anderen Schweizer Städten besser. Nur 6 Parkgaragen/Parkplätze haben während 24 Stunden geöffnet eine Chance für eine bessere Auslastung. Auch sind noch nicht alle dem städtischen Park-Leitsystem angeschlossen, entsprechend schlechter frequentiert und weniger bekannt. Besonders ärgerlich sind die nicht besetzten Parkplätze bei der Olma, da in nächster Nähe Konzert- und TheaterbesucherInnen ihre Runden drehen, anstatt direkt in die Olma-Garage zu fahren oder auf das Areal der ehemaligen Halle 7 mit seinen mehr als Hundert neuen Parkplätzen. Weiterhin klagt der Konzertverein und ruft nach Freigabe der Schulhofplätze, anstatt das bestehende Angebot bekannt zu machen.
Die Tarife in den verschiedenen Tiefgaragen und Parkplätzen sind sehr unterschiedlich. Hier wäre eine einheitliche Preispolitik ein Mittel, den Run auf die billigsten Plätze zu entschärfen.

Die Statistik ist spannend!
Selbstverständlich kann jedes interessierte VCS-Mitglied die ausführliche Auswertung von uns erhalten (Bestellung telefonisch, oder unter vcs.sg@bluewin.ch). Sie ist als Excel-Tabelle oder in Papierform erhältlich.



Interview mit Franz Hagmann

Tarifverbund Ostwind (OTV)

Auf Anfang des nächsten Jahres startet der Tarifverbund Ostwind (OTV). Über die Neuerungen gibt Stadtrat Franz Hagmann, Vorstand der Technischen Betriebe der Stadt St.Gallen, Auskunft.

Interviewt von Peter Jans

VCS-lokal: Am 1. Januar 2002 tritt der Tarifverbund Ostwind in Kraft. Was wird sich für die Benützerinnen und Benützer des öffentlichen Verkehrs ändern?

Franz Hagmann: Für die meisten Benützerinnen und Benützer des öffentlichen Verkehrs aus dem Gebiet des heutigen Tarifverbunds St.Gallen wird sich vorerst nicht viel ändern. (Die Preiserhöhung ist eine Folge der nationalen Preisanpassungen; sie hätte auch nachvollzogen werden müssen, wenn der OTV nicht gekommen wäre). Zusätzlich zum heutigen Angebot des Tarifverbundes St.Gallen können jedoch öV-Benützerinnen und &Mac246;Benützer vom Gesamtangebot des OTV profitieren, z.B. von Tageskarten über grosse Gebiete der Ostschweiz, von Abonnementen mit neuen Gebiets-Kombinationen.

VCS-lokal: Welches Gebiet umfasst der Tarifverbund? Welche Transportunternehmungen sind dabei?

Franz Hagmann: Der OTV umfasst das öV-Angebot in den Kantonen Appenzell A.Rh. und I.Rh., St.Gallen und Thurgau. Er wird der flächenmässig grösste Tarifverbund in der Schweiz sein (700&Mac226;000 Einwohnerinnen und Einwohner). Es profitieren von ihm die Pendler und Pendlerinnen im Raum St.Gallen, aber auch von und zu den kleineren Zentren. Auch über die Verbundgrenzen hinaus, nach Zürich oder Winterthur, zum Verkehrsverbund Vorarlberg, zum Verkehrsverbund Hegau (Konstanz) und ins Fürstentum Liechtenstein sowie in die Region Chur entstehen neue Angebote. Es sind praktisch alle öV-Unternehmungen im Raum eingebunden, insgesamt 38 Unternehmungen, von den kleinsten bis zu VBSG, Postauto und SBB.

VCS-lokal: Welchen Einfluss soll der Tarifverbund auf die Benutzung des öV haben? Ist ein Anstieg der Nachfrage zu erwarten?

Franz Hagmann: Gesamthaft wird der Zugang zum öV einfacher und komfortabler durch freie Wahl des Verkehrsmittels, der Fahrstrecke und des Umsteigeortes, durch das einheitliche Fahrausweissortiment, durch die durchgehende Gültigkeit eines Fahrausweises und durch die Preisharmonisierung. Die Spezialisten haben für den Finanzbedarf einen Anstieg der Nutzung um gesamthaft 5 % eingerechnet.

VCS-lokal: Wie sieht das Fahrausweissortiment der Zukunft aus? Weshalb gibt es keine Einzelbillete im Tarifverbund?

Franz Hagmann: Das Fahrausweissortiment umfasst Monats- und Jahresabonnemente (neu als Plastikkarten) für zwei oder mehrere Zonen, ermässigt für Jugendliche und Personen im AHV-Alter; «Interabos» für Leute, die z.B. nach Zürich pendeln und sowohl am Quell- wie am Zielort den lokalen öV benutzen; Tageskarten, ab März 2002 auch für die Euregio Bodensee. Die Familienermässigung gilt mit sämtlichen Fahrausweisen. Der Verzicht auf den Einbezug der Einzelbillete hat finanzielle Gründe, die Kantone machten die klare Vorgabe, dass für den Beitrag an Tarifausfälle nicht mehr als 5,4 Mio. Franken zur Verfügung stehen. Zudem ist Easyride in Entwicklung, ein umfassendes System, welches die Benützung des öffentlichen Verkehrs auch für heutige Billettreisende ab Mitte dieses Jahrzehnts in der ganzen Schweiz vereinfachen soll.

VCS-lokal: Der Gemeinderat wird nun auch den Rest der ihm verbliebenen Tarifkompetenz noch abgeben müssen. Wer legt in Zukunft die Preise des öV fest?

Franz Hagmann: Da die grossen nationalen öV-Unternehmungen in den Tarifverbund eingebunden sind, wird man ihre finanziellen Möglichkeiten mitberücksichtigen müssen. Einfluss haben aber auch die Kantone als Besteller. Auch der Stadtrat kann als Verantwortlicher für das Unternehmen VBSG seinen Einfluss geltend machen. Wichtig ist aber wie für alle Gemeinschaftswerke: alle Beteiligten müssen einen Teil ihrer Autonomie abgeben.

VCS-lokal: Warum wurde nicht ein Verkehrsverbund wie in Zürich aufgebaut?

Franz Hagmann: Ein Verkehrsverbund übernimmt eine aktive Bestellerfunktion mit erhöhtem Einfluss auf die Unternehmungen und auf die Auslegung des Angebotes. Das war in Zürich einfacher zu realisieren, weil vorerst nur ein Kanton beteiligt war. Ob es je einen Verkehrsverbund Ostschweiz geben wird, hängt von der Bereitschaft der Kantone als Besteller ab, Kompetenzen an eine solche Institution abzutreten. Verstärkte Koordinationsbemühungen laufen, allerdings organisatorisch sehr aufwendig. Der Strategieplan öffentlicher Verkehr des Kantons St.Gallen wird über diese Frage weiteres zu sagen haben.

VCS-lokal: Wie schätzen Sie persönlich den OTV ein?

Franz Hagmann: Persönlich bin ich stolz darauf, dass wir diesen Tarifverbund Ostwind erreicht haben. Die Stadt, insbesondere der Direktor der VBSG, Thomas Romer, als Geschäftsführer des Tarifverbundes St.Gallen, hat die treibende Rolle dafür gespielt und auch viele wegweisende Vorarbeiten geleistet. Wichtig war es auch, die VBSG leistungsfähiger zu machen. Das ist in den letzten Jahren gelungen und diente, wie das Beispiel OTV zeigt, der Weiterentwicklung des öV.

VCS-lokal: Herr Hagmann, vielen Dank für die interessanten Ausührungen.


Kommentar von Peter Jans:

38 Bahn- und Busbetriebe - ein Billet

Endlich bekommt die Region St.Gallen einen Tarifverbund. Allzu lange musste die Bevölkerung darauf warten, weil insbesondere der Kanton das Projekt jahrelang blockierte. Ein Tarifverbund führt zu gewissen Einnahmen- ausfällen. Trotz gesunder Kantonsfinanzen und häufigen Bekenntnissen zum öffentlichen Verkehr liess man sich zu lange Zeit, bis man endlich bereit war, die notwendigen Mittel freizugeben. Rita Roos sorgte dann dafür, dass das Signal auf Grün gestellt wurde.
Finanzielle Gründe sind es auch, dass Einzelbillette nicht im Tarifverbund erhältlich sein werden.
Trotzdem: der Tarifverbund bringt den Benützerinnen und Benützern von Bus, Bahn und Postauto eine Vereinfachung und Vereinheitlichung im Tarifbereich.
Damit der Tarifverbund zum Erfolg wird, braucht es eine grosszügige und gelungene Werbekampagne. Der Erfolg des Zürcher Verkehrsverbunds wird nicht zuletzt auf die breite Öffentlichkeitsarbeit zurückgeführt. Es ist zu hoffen, dass in diesem Bereich das Nötige vorgekehrt wurde und die angestrebte Zunahme der Fahrgäste um 5% bereits im Jahr 1 des Tarifverbunds Ostwind erreicht werden kann.



Engagiert für die Natur

Arthur Stehrenberger (9.4.1933 - 31.10.2001)

Am 31. Oktober 2001 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit Arthur Stehrenberger. Als Vize- und Co-Präsident des Naturschutzvereins St.Gallen und Umgebung (NVS) war er uns ein überaus geschätzter Kollege. Während vielen Jahren kam es in verschiedensten umwelt- und naturschutzrelevanten Fragen, bei denen der NVS und der VCS involviert waren, immer wieder zu einer guten und angenehmen Zusammenarbeit.
Wir lernten ihn als kompetenten Partner kennen. Arthurs Engagement für Natur und Umwelt dürfte uns allen ein Vorbild sein. Wer ihn kannte, weiss, dass Arthurs Tod ein Verlust für St.Gallen ist. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten!
Frösche und Kröten vor dem Strassentod retten

Helferinnen und Helfer gesucht

Ende Februar, Anfang März startet die Laichwanderung von Fröschen, Kröten und Molchen. Jeden Frühling finden dabei hunderte dieser Tiere auf den Strassen den Tod. Der Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS) sucht für die Amphibienrettung Freiwillige. Pro Abend sind pro Einsatzort im Schnitt zwei bis drei Helferinnen und Helfer vom Einnachten bis etwa 21 Uhr im Einsatz. Vorkenntnisse sind für die Arbeit keine erforderlich. Es ist durchaus möglich, sich nur für einzelne Einsätze eintragen zu lassen.

Rettungsaktionen finden am Wenigerweiher ob St.Georgen, im Tal der Demut im Riethüsli, am Bildweiher in Winkeln sowie an der Kesselhaldenstrasse (beim Ostfriedhof) statt. Für Personen, die an Einsätzen interessiert sind, finden im Januar und Februar Informationsveranstaltungen statt. Dabei stellen die verantwortlichen NVS-Arbeitsgruppenleiter die zu leistenden Arbeiten vor.
Interessierte können sich ab sofort bei diesen Verantwortlichen melden.


Die Kontaktpersonen für die verschiedenen Einsatzorte sind:
- Ostfriedhof/Kesselhaldenstrasse/Hüttenwies:
Elisabeth Widmer, Kesselhaldenstrasse 17A, 9016 St.Gallen (071 288 25 44)
- Bildweiher:
Urs Knöpfel, Koblerstrasse 15,
9015 St.Gallen (071 311 59 67)
- Wenigerweiher:
Margrit Fürer, St.Georgenstrasse 180,
9011 St.Gallen (071 222 71 06)
- Tal der Demut (Gewerbeschulhaus Riethüsli):
Reto Voneschen, Metallstrasse 8,
9000 St.Gallen (P 071 277 85 16,G 071 227 69 00)



Harte Debatte im Gemeinderat, Postulat verabschiedet

Zwängerei beim Bohl

Von Susanne Schmid

Am 16. Februar 2000 hat der Grosse Gemeinderat nach hitziger Diskussion den Bericht des Stadtrates zum Postulat «verkehrsarme Altstadt» mit einer Stimme Mehrheit zur Kenntnis genommen und das Postulat abgeschrieben. In der Diskussion ging es vor allem um das zukünftige Verkehrsregime der südlichen und nördlichen Altstadt und um die Frage, wann oberirdische Parkplätze aufgehoben werden dürfen. Diese Meinungsverschiedenheiten führten auch zur äusserst knappen Mehrheit.

Die Schliessung Bohl für den Individualverkehr war aber völlig unbestritten. Ausser der SVP und Karl Günzel (FDP) hatte sich niemand dagegen ausgesprochen. Alle Vertreter der Baukommission wollten diese Schliessung sogar prioritär verwirklicht sehen. Es erstaunt nun wirklich, dass heute, nur zwei Jahre nach diesem Entscheid, wieder darauf zurückgekommen werden soll. Die SVP möchte mit ihrer Interpellation eine nochmalige Diskussion dieser Schliessung erreichen. Sogar einige bürgerliche Vertreter, die vor zwei Jahren nicht das geringste dagegen einzuwenden hatten, unterstützen heute die Interpellation, so Christoph Baumgartner, Fredy Brunner, Thomas Eigenmann, Karl Gabler, Hannes Kundert, Markus Morant und Christoph Solenthaler.

Für uns ist nach wie vor klar, dass die Schliessung Bohl ein erster wichtiger und auch richtiger Schritt ist, um die Altstadt vom Individualverkehr zu entlasten. Auch macht es unserer Meinung nach wenig Sinn, nur zwei Jahre nach einem Entscheid wieder darauf zurückzukommen, denn es hat sich im Umfeld ja nichts geändert. Wir erwarten von den PolitikerInnen, dass sie eine zukunftsträchtige Politik machen, und sich nicht immerfort im Kreis drehen. Einmal gefasste Entscheide müssen umgesetzt werden, vor allem wenn sie so unbestritten waren wie dieser hier.
Wir hoffen, dass sich der Stadtrat nicht entmutigen lässt und jetzt zügig auch in der südlichen und nördlichen Altstadt Verbesserungen an die Hand nimmt.



Thun machts vor

Weniger Transporte in der Altstadt dank City Logistik

Von Andreas Bernhardsgrütter

Wer am Morgen in St.Gallen durch die Altstadtgassen geht, muss sich zwischen abgestellten Fahrzeuge und mächtigen Lastwagen hindurchzwängen. Attraktiv ist unsere Innenstadt als Einkaufsort dann nicht. Klar, die Geschäfte müssen beliefert werden, ist es aber nötig, dass vor jedem Geschäft ein Fahrzeug steht?

Lieferung durch SpediThun
Es geht auch auf eine andere Art. In Thun werden viele Geschäfte der Innenstadt durch ein einziges Fahrzeug beliefert. Die Zulieferer der Geschäfte bringen ihre Lieferungen zu einem Lagerhaus an der Autobahnausfahrt, welches als Warendrehscheibe dient. Von dort werden die Waren in einen für die engen Verhältnisse der Altstadt angepassten Lieferwagen umgeladen. Dieser Lieferwagen macht zwei mal täglich eine Fahrt durch die Innenstadt und beliefert dabei gleichzeitig mehrere Geschäfte.

SpediThun so heisst dieses Angebot wird von zwei lokalen Transportunternehmern mit Erfolg geführt. Das Angebot ist in der Zwischenzeit auch auf die umliegenden Gemeinden ausgebaut worden. Der Vorteil für die einzelnen Transportunternehmen ist es, dass sie sich den Umweg mit ihren grossen Fahrzeugen in die enge Altstadtgassen ersparen können und so Zeit gewinnen. Die Geschäfte in der Innenstadt müssen innert nützlicher Frist flexibel und kostengünstig beliefert werden.

Zielsetzung: eine attraktivere Innenstadt
SpediThun wurde vom Projekt Stadtmobilität Thun lanciert, das von der VCS Regionalgruppe Thun und der IG Velo getragen wird. Die Umweltfachstelle der Stadt hat das Projekt in der Anfangsphase unterstützt. Die Promotoren erhofften sich durch dieses Modell, dass durch die Bündelung des Lieferverkehrs keine Lastenzüge mehr durch die Altstadt fahren. Der Lastwagenverkehr in der Innenstadt konnte wie erhofft um ca. 20 Prozent reduziert werden, was in Thun immerhin rund 250 Fahrten pro Woche ausmacht. Dadurch wird die Innenstadt attraktiver. Zudem kann die Luft- und Lärmbelastung an den Zufahrtsstrecken herabgesetzt und durch leichtere Fahrzeuge Schäden des Natursteinbelages in den Gassen vermieden werden.

Intensive Gespräche mit dem Gewerbe
In der Anfangsphase wurden intensive Gespräche mit den ortsansässigen Gewerbekreisen geführt. Dank der Unterstützung der zwei City- und Gewerbevereine konnte eine Mehrzahl der Geschäfte zum Mitmachen motiviert werden. City Logistik ist aber nicht für alle Innenstadtgeschäfte geeignet. Die Lieferwagen beliefern denn auch vorwiegend Geschäfte für Haushaltsartikel, Unterhaltungselektronik, Sportartikel, Spielwaren, Bücher und Zeitungen. Nicht geeignete Güter für City Logistik sind Textilien, Frischwaren sowie Uhren und Schmuck.

City-Logistik auch in St.Gallen?
Das Modell City-Logistik besteht in dieser Art in der Schweiz erst in Thun, wo es sich jetzt im zweiten Jahr bewährt. Es ist durchaus denkbar, dass diese Idee auch in anderen Städten Fuss fasst. St.Gallen würde sich dafür durchaus eignen. Es wäre eine Idee, welche auf allen Seiten Gewinner hat. Voraussetzung dazu sind aber Gespräche über alle ideologischen Barrieren hinweg. Wer macht den ersten Schritt?



VCS-Anstrengungen haben sich gelohnt

Tempo 30

ab 1.Januar 2002 neu geregelt

Nun haben sich unsere Anstrengungen für Tempo 30 innerorts doch noch ausgezahlt:
Der Bundesrat hat sein Versprechen eingelöst, das er anlässlich der Abstimmung über die VCS-Initiative «Strassen für alle» abgegeben hat: Zum 1. Januar 2002 wird eine diesbezügliche Verordnung in Kraft gesetzt, welche die Einführung von Tempo 30-Zonen und sogenannte Begegnungszonen wesentlich erleichtert. Sie ersetzt die bis anhin gültigen, restriktiven Weisungen des Bundesamtes für Polizeiwesen aus dem Jahre 1989. Eine geltende Verordnung, sowie sie nun wirksam wird, hätte dem VCS wohl nie Anlass zur Auslösung einer Volksinitiative gegeben!

3x Hupen für den Bundesrat!



Die Verordnung verleiht den Städten und Gemeinden grösstmögliche Freiheit in der Anordnung von Verkehrsmassnahmen. Die Verordnung nähert sich somit dem an, was in anderen Ländern längst Usus ist. Bei besonderen Gegebenheiten können sogar Hauptstrassenabschnitte verkehrsberuhigt werden, z.B. in einem Ortszentrum.
Die neue Rechtslage wird den Handlungspielraum von positiv und fortschrittlich eingestellten Gemeindegremien und dazu gehört hoffentlich St.Gallen wesentlich erweitern. Andere, konservative Kräfte, aber können sich nicht mehr hinter den restriktiven Weisungen des Bundesamtes für Polizeiwesen verschanzen!
Die Verordnung hat bereits die Kritik der Automobilverbände herausgefordert! Das ist für uns ein gutes Zeichen!

s ein gutes Zeichen!