Inhalt VCS Lokal, Dezember 00/Nr.52:
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
Der Spätsommer und auch der Herbst standen ganz im Zeichen der städtischen Wahlen. Wir freuen uns, dass Elisabeth Béery Siegwart den Sprung in den Stadtrat geschafft hat und wir eine Bauvorsteherin erhalten, die unsere Anliegen, was verkehrsberuhigende Massnahmen, mehr Lebensqualität in den Wohnquartieren, ein gut ausgebautes ÖV-Netz anbelangt, unterstützt. Auch sie wird nicht zaubern können aber ich bin sicher, dass wir mit unseren Forderungen bei ihr als nicht Autofahrende/-besitzende, als Stadtbenutzerin/bewohnerin, als Frau, immer auf ein offenes Ohr stossen werden.
Wir gratulieren auch allen unseren Mitgliedern, die für die Amtszeit 2001-2004 in den Grossen Gemeinderat gewählt wurden (nach Alphabet geordnet): Christoph Baumgartner, FDP; Martin Boesch, Unabhängiger; Christine Bölsterli-Wickart, parteilos; Walter Brunner, SP; Maurus Candrian, CVP; Jürg Diggelmann, SP; Peter Dörflinger, SP; Lisa Etter-Steinlin, SP; Christina Fehr Dietsche, SP; Andreas Frank, SP; Roland Gehrig, SP; Veronika Hälg-Büchi, CVP; Beatrice Heilig Kirtz, PFG; Felice Helfenstein, CVP; Doris Königer, SP; Ida Kraner-Bürge, SP; Max Lemmenmeier, SP; Walo Möri-Sommer, EVP; Beat Schäfli, SP; Brigit Steiner Hunziker, SP; Susanne Schmid-Keller, SP; René Strässle, Grüne; Beata Studer-Lenzlinger; CVP; Susi Tapernoux-Frey, EVP; Angela Tsering-Bruderer, Grüne.
Die beiden Unterschriftensammlungen «Strassen zum Leben» und «Wassergasse» wurden erfolgreich eingereicht. Dies nicht zuletzt mit eurer Unterstützung!
Am 4. März 2001 kommt die eidgenössische VCS-Initiative «Strassen für alle» zur Abstimmung.
Hier in der Stadt haben wir eine schon fast komfortable Lage: die meisten Wohnquartiere besitzen bereits eine verkehrsberuhigte Zone, oder eine solche steht in Aussicht. Das Verfahren ist zwar kompliziert und zeitraubend, aber in einigen Jahren werden wir eine beachtliche Fläche abgedeckt haben (sichere Ausnahme: Rotmonten!). Dies gilt aber nur für ausgesprochene Wohnzonen. Strassen wie die Sonnenstrasse mit den beiden Schulhäusern Hadwig und Spelterini, bzw. dem Kindergarten am Sonnenweg, werden weiterhin nicht verkehrsberuhigt, da sie als Kantonsstrasse eingeordnet ist. Bei einer Annahme der Initiative wäre dieses Strassenstück klar eine Tempo 30-Strecke und die Kindergärtler und Schüler hätten einen sichereren Schulweg, bzw. die AnwohnerInnen eine bessere Wohnlage mit viel weniger Immisionen.
Wir VCS-ler sind gefragt. Helft mit, die Initiative auf Stadtgebiet zu gewinnen!
Doris Königer
Abstimmungstermin 4. März 2001
«Strassen für alle - Tempo 30 schützt Leben»
Von Doris Königer
Eine Initiative lässt sich nur gewinnen, wenn jede/jeder ein klein wenig mithilft. Es ist wichtig, dass alle informiert sind, worum es bei dieser Initiative geht.
Wir wollen mehr Sicherheit auf unseren Strassen. Die Zahl der Opfer auf unserem Verkehrsnetz muss zurückgehen. 222 Todesopfer innerorts wie im Jahr 1998 sind 222 Opfer zuviel!
Die Initiative bringt ein ruhigeres Verkehrsklima des «Miteinander» und macht Quartiere wohnlicher: Kinder und ältere Menschen können sich in Siedlungen freier und sicherer bewegen. Die langsamere Geschwindigkeit reduziert zudem den Lärm und bewirkt einen flüssigeren Strassenverkehr. Davon profitiert auch der öffentliche Verkehr, denn die optimale Leistungsfähigkeit von Strassen in Ortskernen liegt in der Regel zwischen 20 und 30 km/h. Das heisst, dass bei dieser Geschwindigkeit am meisten Autos zirkulieren können.
Ausnahmen können auf Hauptstrassenabschnitten und in Industriegebieten von den Gemeinden (und nicht wie bis anhin vom Kanton!) bewilligt werden, sofern Sicherheit und Lärmschutz dies zulassen.
Für den VCS ist diese Abstimmung ein wichtiger Meilenstein in seiner Verkehrspolitik. Deshalb rufen wir euch alle dazu auf, mitzuhelfen. Lasst uns gemeinsam die Initiative in St.Gallen gewinnen!
Also meldet euch!
Projekt "Fachhochschule/Parkgarage Bahnhof Nord"
Von Margot Benz
Hinter den sieben Geleisen zwischen Rosenbergstrasse und westlicher Unterführung des Hauptbahnhofes soll dereinst die Fachhochschule St.Gallen zu stehen kommen. Der Kanton plant auf Hochtouren. Ein optimaler Standort für eine Schule, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr könnte nicht besser sein.
Kein Grund also an Parkplätze zu denken? Leider doch. Nicht um den zukünftigen Studierenden und Lehrenden einen Parkplatz unter der Schule anzubieten, sondern aus finanziellen Gründen. Die Fachhochschule und die Parkgarage AG planen zusammen; die Parkgarage für die unterirdisch gelegenen drei Stockwerke, die Schule für den oberirdischen Teil. Der Bau der Schule wird dadurch günstiger werden. Weil aus geologischen Gründen genügend tief gegraben werden muss, sollen drei Garage-Ebenen entstehen, deren erste direkt von der westlichen Bahnhofunterführung her erschlossen wird. Gegen 300 Parkplätze sind geplant. Langzeitparkplätze für BahnkundInnen, Kurzzeitparkplätze für Bring- und Abholdienste, Schulparkplätze und ein Taxistand sollen entstehen.
Unglückliche Allianz zwischen Fachhochschule und Pargarage AG
Der Überbauungsplan für das gesamte Gebiet zwischen Geleisen, Rosenbergstrasse und Leonhardbrücke ist inzwischen rechtskräftig. Unsere Einsprache haben wir zurückgezogen, nicht zuletzt um einen Standort für die Winterthur-Versicherung nicht zu gefährden. Diese hat sich dann aber für das ehemalige Empa-Gebäude entschieden. Beim Überbauungsplan wurde die zulässige Parkplatzzahl für das ganze Areal nicht festgelegt. Wird das Gebiet etappenweise überbaut, können bis zu 900 Parkplätze entstehen. Nicht alle werden allerdings neu sein. Schon heute beherbergt das Quartier viele Parkplätze. Als Folge der Einsprache wurden wir in die Planung der Fachhochschule einbezogen. Das Zusammengehen von Parkgarage AG und Fachhochschule ist an diesem Standort eine unglückliche Allianz. Die Parkplätze in dieser Anzahl sind weder für die Schule noch den Bahnhof nötig. Die Rosenbergstrasse soll ungehindert weiter belastet werden, bis es nicht mehr geht. Die Konsequenz einer solchen Politik wird sein, dass mehr und mehr wieder die Südumfahrung der Altstadt ins Gespräch kommen wird. Unsere Vorschläge beziehen sich aber nicht nur auf die Anzahl Parkplätze, sondern auch auf den neu entstehenden nördlichen Bahnhofplatz und die Verbindung zur Bahnhofunterführung. Denn mit der Realisierung der Schule eröffnen sich auch Möglichkeiten, den Zugang zum Bahnhof zu verbessern und dessen Attraktivität zu steigern.
Fachhochschule optimal mit Bahnhof verbinden
Die VCS Sektion St.Gallen / Appenzell brachte folgende Forderungen und Ideen ein, welche in der Planung dieses Areals berücksichtigt werden sollten:
- Einkaufsangebot im Bahnhofsbereich im 1. UG der Fachhochschule.
- Statt Parkplätze auf drei Ebenen, Nutzung des 1. Untergeschosses durch mehrere Läden oder einen Grossverteiler. Das lohnt sich finanziell und bietet mehr Sicherheit und Attraktivität.
- Eine bewachte Velostation nahe der Perronzugänge
Interessanter als abschliessbare Veloboxen, weil während der Einstellzeit kleinere Reparaturen ausgeführt werden können. Ausserdem wird die Sicherheit durch anwesendes Personal auch in den Randstunden erhöht.
- Treppenfreie Zugänge zur Unterführung
Ergänzend zur Velostation sollte die Unterführung endlich treppenfrei zugänglich gemacht werden, damit sie auch mit Velos, Kinderwagen und von Behinderten problemlos benützt werden kann.
- Restauration auf dem Bahnhofsplatz
Verpflegungsmöglichkeit im Erdgeschoss der neuen Fachhochschule. So wird der Platz belebt und dient der Begegnung.
- Begrenzung Parkplatzangebot
Nur ein massvoller Ausbau der bereits bestehenden Parkplätze mit der Bedingung, dass auf der Südseite des Bahnhofes Parkplätze aufgehoben werden.
- Verlegung der Bahnhofzufahrt für den motorisierten Individualverkehr
Entlastung des südlichen Bahnhofplatzes vom Individualverkehr. Mehr Platz für den öffentlichen Verkehr. (Stichworte: gedeckter Warteplatz für PostautokundInnen, Haltestelle für die Autobusbetriebe Gossau)
Auf dass die Vorschläge von den Verantwortlichen gehört werden und in den Architekturwettbewerb einfliessen!
Kinder und Verkehr
Von Georg Pankow, Journalist, Zürich
...Denk einmal darüber nach, was wohl die Voraussetzungen sind, dass nicht sämtliche Kinder im Lauf ihres Heranwachsens von Autofahrern verstümmelt oder getötet werden?
Was muss wohl ein Kind alles verinnerlichen? Wie gross muss der Erziehungsterror sein, dass ein gesundes Kind sich so verhält, dass es trotz seiner Auto fahrenden Eltern (-generation) überlebt?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten (und zu erwarten), deren erwachsene Mitglieder nur existieren, weil sie als Kinder ein für allemal kapiert haben, dass nur die jeweils Stärkeren Recht haben, dass (im Rahmen von Wirtschaft und Verkehr) Gefährden, Einschüchtern, Bedrohen, zur Seite stossen (eben: Beseitigen), Vergiften zugelassen sind - und dass es die vornehme Aufgabe der jeweils Schwächeren ist, dies zu dulden, sich auf eigene Kosten zu schützen, demütigende Vorkehren zu treffen, zu kuschen, zu weichen, sich erniedrigen lassen schlicht: für ein klägliches Überleben auf ihr Menschsein zu verzichten?
Und dies ist die Ethik der Gesellschaft, die jeden Menschen als Gottes Ebenbild und einzigartiges, unverwechselbares, einmaliges Geschöpf mit einer unsterblichen Seele definiert.
Kongresszentrum nicht verhindern, sondern verbessern
Von Peter Jans
Unmittelbar am Rand der Altstadt, an der Wassergasse 1 - 11, will Einstein-Hotelier Max Kriemler ein grosses Kongresszentrum errichten. Zu diesem Zweck möchte ihm die Stadt die Liegenschaften Wassergasse 7 - 11 verkaufen, welche zugunsten eines grossen Neubaus mit darunterliegender Tiefgarage abgerissen werden sollen. Eine grosse Minderheit des Gemeinderates stimmte dem Verkauf der Häuser nicht zu. Das gegen den Verkauf ergriffene Referendum kam im Oktober mit 1417 Unterschriften zustande.
Aus der Sicht des VCS interessieren vor allem die Auswirkungen des Grossprojekts auf die Verkehrsverhältnisse in der südlichen Altstadt, aber auch die Erhaltung des heute preisgünstigen Wohnraums kann als Argument gegen den Abriss der Häuser ins Feld geführt werden. Schliesslich hatte sich auch der Stadtrat noch vor einem Jahr aus städtebaulichen Gründen für die Erhaltung der Häuserzeile an der Wassergasse ausgesprochen.
Während bei anderen Grossprojekten häufig eine öffentliche Diskussion stattfinden kann, ist dies beim Kongresszentrum-Projekt von Max Kriemler nur über das Referendum gegen den Verkauf und Abriss der Häuser an der Wassergasse möglich. Dem Bauherrn geht es aufgrund seiner bisherigen Äusserungen zum einen darum, dem Hotel Einstein ein Saalangebot anzugliedern, welches für Kongresse, Bankette und andere Anlässe zur Verfügung stehen soll. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Max Kriemler im Bernegghang eine grössere Parkgarage verwirklichen möchte, welche nicht nur dem Hotelbetrieb dienen, sondern allgemein das Parkplatzangebot am Rand der südlichen Altstadt erweitern soll.
Gerade diese in der öffentlichen Planung nie zum Vorschein getretene Parkgarage macht aus verkehrspolitischer Sicht Bauchweh. Aufgrund eigener Schätzungen darf angenommen werden, dass die gegen 300 Parkplätze jeden Tag bis zu 2000 zusätzliche Fahrten in ein Gebiet bringen werden, das bereits heute vom Verkehr stark belastet ist. Mit verschiedenen verkehrslenkenden Massnahmen wurde in den letzten Jahren einiges zum Schutz des Klosterviertels getan, indem der Durchgangsverkehr, abgesehen von einem heute noch bestehenden erheblichen Schleichverkehr, auf das Hauptstrassennetz geleitet werden konnte. In verkehrsmässig stark belasteten Zeiten ist leicht festzustellen, dass das Strassennetz zwischen Neumarkt, Oberen Graben und Leonhardstrasse an seiner Kapazitätsgrenze angelangt ist. Ist es daher wirklich sinnvoll, in dieses Gebiet eine weitere Grossgarage hineinzugraben und damit den Verkehrsdruck auf die Innenstadt weiter zu erhöhen?
Die Alternative
Gegen die Schaffung eines gewissen Saalangebotes beim Hotel Einstein habe ich keineswegs etwas einzuwenden. Ich habe auch Verständnis dafür, dass ein gegenüber heute etwas erweitertes Parkplatzangebot der Hotelnutzung förderlich sein kann. Es stellt sich daher die Frage nach der Dimensionierung des Projekts. Die Alternative hat Herr Kriemler bereits vor zwei Jahren selber präsentiert. Damals kaufte er von der Stadt die Liegenschaften Wassergasse 1 und 5a sowie Kapellenstrasse 2, dies ebenfalls zum Zweck der Erstellung eines Kongresszentrums. Jenes Projekt erachte ich als dem Quartier angemessen, sowohl in städtebaulicher wie auch in verkehrspolitischer Hinsicht.
Leider ist der Bauherr in der Zwischenzeit auf den Geschmack gekommen und möchte ein um einige Nummern vergrössertes Projekt verwirklichen, welches aber aus den erwähnten Gründen nicht in das Quartier passt. Wenn ein Kongresszentrum dieser Grössenordnung gebaut werden soll, dann wäre wohl das Bahnhofareal der geeignetere Standort.
Bis zur Referendumsabstimmung am 4. März 2001 kann nun eine städtebauliche und verkehrspolitische Diskussion geführt werden mit dem Ziel, ein Projekt nicht generell abzuschiessen, sondern so zu verbessern, dass es unserer Stadt in allen Teilen angemessen ist.
VCS St.Gallen
SBB Angebote für Familien und Jugendliche
Zusammengestellt von Doris Königer
Es gibt bei der SBB immer wieder neue Angebote, Preise, Bestimmungen
Unser Ziel ist, dass unsere Mitglieder informiert sind und unsere öffentlichen Verkehrsmittel, sei es Bahn, Bus oder Schiff, so oft wie möglich benützen.
Kinder 6 bis 16 Jahre:
- Juniorkarte pro Kind: Fr. 20.
Mindestens ein Elternteil muss mitreisen
Die Juniorkarten sind ab dem 3. Kind gratis
Jugendliche ab 16
- 1-Jahres-Halbtax für 16-jährige: Fr. 84.
- Kombikarte Halbtax + Gleis 7 für 1 Jahr
für 16-jährige Fr. 183.
- Kombikarte Halbtax + Gleis 7 für 1 Jahr Jugendliche bis 25 Jahre Fr. 249.
- Kombikarte 2-Jahres-Halbtax und Gleis 7 für 1 Jahr Fr. 321.
Angebot Gleis 7
Jugendliche bis 25 (erhältlich bis 1 Tag vor dem 25. Geburtstag)
- reisen mit der «Gleis 7»-Karte tagsüber zur Hälfte und ab 19.00 Uhr bis Betriebsschluss gratis in der 2. Klasse quer durch die ganze Schweiz. Ausserdem:
- Gratis der Veloselbstverlad ab 19.00 Uhr
- Mobilbonus Magazin mit Exklusivangeboten
- Vergünstigung mit EURO<26 beim Shopping, bei Konzerten und Sportveranstaltungen
- Gratis Reiseversicherung der Mobiliar, gültig in der ganzen Welt
- Gutschein im Wert von Fr. 20. für InterRail-Tickets im Euro<26 Guide
- Kindertageskarte für Kinder bis zum 16. Lebensjahr
für Ausflüge mit einer erwachsenen Person im Besitz eines Halbtax oder GAs
Fr. 15. 2. Klasse
Fr. 30. 1. Klasse
Veloverlad
Für Kinder 6 bis 16 Jahre, GA oder Halbtax-BesitzerInnen
- Tageskarte Fr. 10.
- Multitageskarte Fr. 60.
- Kurzstreckenbillett 1/2 Preis 2.Klasse
- Velopass für 1 Jahr Fr. 195.
- Gratistransport der Kindervelos mit Juniorkarte und mitfahrendem/zahlendem Elternteil
Für VollzahlerInnen
- Tageskarte Fr. 15.
- Kurzstreckenbillett voller Preis
City-Ticket
Billett mit integrierter Tageskarte für freie Fahrt mit Tram, Bus oder S-Bahn für folgende Städte:
Baden, Basel, Bern, Biel/Bienne, Chur, Frauenfeld, Fribourg, Genève, La-Chaux-de-Fonds, Lausanne, Locarno, Lugano, Luzern, Neuchâtel, Schaffhausen, St.Gallen, Thun, Winterthur, Yverdon, Zug und Zürich.
Preis: Kleiner Zuschlag zum normalen Bahn-Fahrpreis
Seit Jahren sind die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung in der Stadt St.Gallen überschritten, zum Teil sogar massiv.
Schlechte Luft und Lärm die Spirale dreht sich weiter
Von Susanne Schmid
An schönen Sommertagen sind die Ozonwerte regelmässig viel zu hoch. Das spüren vor allem Kinder, ältere Personen und AllergikerInnen. Sie können an solchen Tagen schlechter atmen und ihre Augen brennen.
Für die Bildung von Ozon braucht es neben Sonnenlicht auch mit Stickoxiden verunreinigte Luft. Während wir uns über das Sonnenlicht an schönen Sommertagen freuen, schafft die verunreinigte Luft uns die Ozon-Probleme. 1998 wurde z.B. an 62 Tagen während insgesamt 536 Stunden der Grenzwert überschritten.
Die Stickoxide (sogenannte Vorläufersubstanzen) stammen in St.Gallen zu 39% aus dem Personenverkehr und zu 38% aus dem Schwerverkehr. Die Ozon-Problematik wird also zu einem wesentlichen Teil vom hausgemachten Individualverkehr verursacht. Das weiss man schon längere Zeit, nur hat man bis heute kaum etwas dagegen unternommen.
Am Beispiel der Parkplatzpolitik will ich dies noch etwas ausführen: Als wichtige Massnahme zur Reduktion der Stickoxide wurde vorgeschlagen, die Anzahl Parkplätze auf Stadtgebiet zu plafonieren, im Wissen darum, dass eben jeder Parkplatz Verkehr produziert. Der Kanton, der für die Einhaltung der Luftreinhalteverordnung zuständig ist, hat dann festgelegt, dass die Stadt nur die Parkplätze auf öffentlichem Grund stabilisieren soll, bei den privaten gebe es Probleme mit der Eigentumsgarantie. Offenbar erzeugen Autos, die einen öffentlichen Parkplatz in einer privaten Garage (z.B. Raiffeisen) anfahren, keine schädlichen Abgase. Kurz ein Blick auf die geplanten, und zum Teil bereits bewilligten, öffentlich zugängliche Parkplätze in der Innenstadt:
- Raiffeisen: 103 P, bereits in Betrieb
- Bleicheli Nord: 68 P, im Bau
- Webersbleiche: 270 P, bewilligt,
(heute ca. 90 Plätze)
- Vadianstrasse: 100 P, bewilligt
- Bahnhof Nordwest: ca. 290 P, geplant
- Garage Unt. Graben: ca. 200 P, geplant
- In der weiteren Umgebung der Innenstadt sind nochmals ca. 600 Parkplätze entweder bereits entstanden (OLMA) oder geplant (Kantonsspital, Polysportives Zentrum Ostschweiz).
Nur schon diese kurze, nicht vollständige Liste zeigt, dass das Thema «saubere Luft» gestorben ist. Der Stadtrat ist nicht bereit, Massnahmen zur Verbesserung unserer Luft durchzusetzen, ja er nimmt sogar eine wesentliche Verschlechterung in den nächsten Jahren in Kauf.
Auch die Lärmsituation wird sich mit der riesigen Menge neuer Parkplätze markant verschlechtern. Heute wohnen bereits ca. 15000 St.GallerInnen an Orten (v.a. Hauptstrassen), an denen die Grenzwerte überschritten sind. Der markante Mehrverkehr, der durch die Zunahme an Parkplätzen entsteht, wird sich auch in mehr Lärm bemerkbar machen, zum Schaden der städtischen Wohnquartiere.
Fussballstadion St.Gallen West kann dank Investor bald realisiert werden.
Zu gewährleisten ist:
«Gute Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln»
Von Peter Jans
Mit dem Einstieg der Jelmoli-Gruppe als Investor für die kommerziellen Nutzungen auf dem Gelände des zukünftigen Fussballstadions St.Gallen West ist der Bau des grössten in St.Gallen je realisierten Baukomplexes finanziell gesichert. Aufgrund dessen, was bisher öffentlich bekannt wurde, erscheint es dringend notwendig, dass der VCS sich für eine möglichst gute Anbindung dieser Anlage an das öffentliche Verkehrsnetz einsetzt.
Auf dem Grundstück zwischen der Autobahn und der Zürcherstrasse sollen im wesentlichen folgende Bauten erstellt werden:
- Einkaufszentrum mit rund 30000m2 Detailhandelsfläche
- Fachmarkt mit rund 23000m2 Bruttogeschossfläche
- Unterhaltungs- und Freizeitbereich mit rund 3000m2 Fläche
- Fussballstadion mit 16000 bis 18000 Sitzplätzen
- Ausreichendes Angebot an Parkplätzen (Anzahl noch nicht festgelegt).
Zum Vergleich, welche gigantische Dimensionen dieses Bauprojekt hat, können die Flächenangaben einiger weiterer Projekte dienen: So hat das kürzlich eröffnete Westcenter eine Bruttogeschossfläche von ca. 7200 m2, der Säntispark umfasst eine Verkaufsfläche von ca. 9000 m2.
Obwohl es aus meiner Sicht völlig verfehlt ist, an dieser Stadtrandlage ein derart riesiges Zusatzangebot von Verkaufsflächen zu schaffen, muss der Entscheid der St.Galler Stimmbevölkerung respektiert werden, welche der Umzonung im Wissen um die mit dem Fussballstadion verbundenen kommerziellen Nutzungen zugestimmt hat. Aus Sicht des VCS wird es somit darum gehen, eine ausreichende Erschliessung der ganzen Anlage mit öffentlichen Verkehrsmitteln sicherzustellen. Ich gebe mich in dieser Beziehung allerdings keinen Illusionen hin: Dieses Projekt wird so oder so eine enorme Menge an zusätzlichem Autoverkehr in ein bereits heute stark belastetes Gebiet bringen. In diesem Sinn handelt es sich wohl eher um Schadensbegrenzung.
Die rechtlichen Anforderungen sind im Grundsatz klar. Es sind emissionsbegrenzende Massnahmen zu treffen, welche die Luft- und Lärmbelastung auf das Unumgängliche beschränken. Es ist eine «gute Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln» zu gewährleisten. Welche konkreten Massnahmen diese Ziele erfüllen können, wird sich im Rahmen der Erarbeitung des Umweltverträglichkeitsberichts herausstellen.
Der VCS hat bereits frühzeitig mit den Promotoren dieses Projekts Kontakt aufgenommen. Beide Seiten sind sich dabei einig, dass eine konstruktive Zusammenarbeit in dieser Situation mehr bringt als eine Konfrontation. Der VCS wird deshalb in nächster Zeit in engem Kontakt mit der Bauherrschaft stehen. Ob die Ansichten über die notwendigen Massnahmen im Bereich des öffentlichen Verkehrs einigermassen zur Übereinstimmung gebracht werden können, wird entscheidend dafür sein, wie sich der VCS bei der öffentlichen Auflage des Projekts verhalten wird. Was bis heute zur Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr bekannt geworden ist, vermag allerdings in keiner Weise den Anforderungen zu genügen. Zwar wird von allen Beteiligten, insbesondere auch den Behördevertretern, auf die grosse Bedeutung des öffentlichen Verkehrs hingewiesen. Die Entlastung des Strassennetzes durch den Ausbau des Autobahnanschlusses müsse hauptsächlich dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung gestellt werden. Der öffentliche Verkehr müsse eine wichtige Rolle übernehmen, sonst käme der Verkehr in diesem Gebiet zum Erliegen. Die Ausbeute an konkreten Massnahmen ist allerdings mehr als mager: Kurzfristig sollen heutige Buslinien verdichtet werden (welche Buslinien? Die Linie 1 nach Winkeln fährt nicht am Baugelände vorbei. Die Linie der Autobus Gossau AG verkehrt nur von Gossau bis St. Gallen-Bruggen und kann in dieser Form selbst mit einer Fahrplanverdichtung nicht als attraktiv bezeichnet werden). Mittelfristig wird von einer Verbindung von Herisau nach Abtwil gesprochen und langfristig werde über eine Verbesserung des schienen-gebundenen Verkehrs nachgedacht, wobei hier eine Eisenbahnlinie vom Bahnhof Winkeln nach Abtwil im Vordergrund steht. Für den VCS ist klar, dass mit diesen mageren, vagen und in zeitlicher Hinsicht unbestimmten Massnahmen das Projekt nicht bewilligungsfähig wäre. Es besteht folglich ein grosser Handlungsbedarf, und dies alles in dem von den Initianten selber sehr ehrg!
eizig angesetzten Zeitplan.
Die Velostadt Trondheim
Von Susanne Schmid
Trondheim mit seinen 140000 EinwohnerInnen ist die nördlichste Grossstadt Norwegens. Zwar kann man hier im Juni keine Mittsommernacht erleben, aber ganz dunkel wird es trotzdem nicht. Trondheim ist eine alte und junge Stadt zugleich. Alt, weil hier bereits vor dem Jahr 1000 ein Königssitz war und auch heute noch im prächtigen Nidarosdom Norwegens Könige gesalbt werden. Jung, weil Trondheim eine blühende Handels-, Industrie- und Universtätsstadt ist. Die Stadt wird von Jahr zu Jahr moderner und grosszügiger, denn immer mehr junge Menschen lassen sich hier nieder.
Das pulsierende Leben zeigt sich auch im Verkehrsbereich. Täglich rollt eine riesige Verkehrslawine ins Zentrum der Stadt, dabei unternimmt die Stadt einiges, um diesen Verkehr zu reduzieren. Im reichen Land Norwegen, das über eigenes Öl verfügt, kostet ein Liter Benzin mehr als bei uns, ca. Fr. 2.00. Ganz selbstverständlich wird auch eine Maut-Gebür von ca. Fr. 2.50 verlangt, damit man überhaupt mit dem Auto in die Stadt hineinfahren darf. Die Parkgebühren in der Innenstadt sind hoch, progressiv und die Parkplätze rar: Eine Stunde kostet ca. Fr. 2.50, zwei bereits ca. Fr. 6.00, drei ca. Fr. 10 und so weiter. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb blüht das Gewerbe in der Innenstadt.
Als Alternative zum Auto benützen viele Trondheimer das Velo. Im Winter werden dann zusätzlich Spikes montiert, da die Strassen häufig mit Schnee und Eis bedeckt sind. Überall gibt es Velospuren. Für alle, die kein eigenes Velo in der Stadt haben, bietet Trondheim einen Gratis-Veloverleihservice an. Das sieht folgendermassen aus: Die Leihvelos sind an verschiedenen Stationen im Stadtgebiet an einen Ständer gekettet, ähnlich den Migros-Wägeli bei uns. Mit einer 10-Kronen Münze als Depot kann man das Velo lösen und an einer nächsten Station wieder anketten. Die Velos sind mit einem Korb ausgerüstet und auffällig bemalt, so dass sie sofort erkannt werden können. Auch ein Stadtplan mit allen Rückgabestationen fehlt nicht. Dieses Angebot wird rege benutzt, immer wieder begegnet man in der Stadt Personen auf City-Bikes. Auch Touristen profitieren natürlich von diesem Angebot.
In Trondheim gibt es verschiedene Hügel, die das Stadtzentrum überragen und die Velofreuden etwas dämpfen. Für eine besonders steile Strasse haben sich die Veloförderer etwas Besonderes ausgedacht: Einen Velo-Schräglift, der entlang dem Trottoir läuft, kaum Platz beansprucht und mit etwas Übung den Velofahrer / die Velofahrerin mühelos den Hügel hinaufstösst. Der eine Fuss stützt sich dabei auf einer Art Metall-Absatz ab, der einer Schiene entlang hochgezogen wird. Mit dem andern Fuss hält man das Velo. Mittels einer einfachen Entwertungskarte kann die Anlage in Betrieb genommen werden.
Marktgasse St.Gallen:
Kinder und Erwachsene malen am «längsten Verkehrsbild der Welt»
Längstes Verkehrsbild der Welt
Von Doris Königer
Der VCS Schweiz eröffnete seine Abstimmungskampagne für die Tempo 30 Initiative «Strassen für alle» mit einer rekordverdächtigen Aktion: Der Verband lud Erwachsene und Kinder ein, auf öffentlichen Plätzen ihre Vision eines menschlichen und sicheren Verkehrswesens auf Leinwand zu malen. In der Ostschweiz startete die Malaktion am 27. September in der Marktgasse in St.Gallen.
Alle waren eingeladen an dieser Aktion teilzunehmen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Malutensilien und Schonkleider, sowie Getränke für durstige MalerInnen wurden vom VCS bereitgestellt. Bei schlechter Witterung wäre die Malaktion im Kirchgemeindehaus St.Mangen durchgeführt worden.
Die Staffeleien wurden am Vormittag aufgestellt, die Farben gemischt, der übergrosse Eyecatcher aufgeblasen und mit Kabeln befestigt. Am Nachmittag kamen die Kinder, zogen ihre Überkleider an und malten mit viel Freude an den 10 Meter langen weissen Stoffbahnen. Auch einige Erwachsene konnten dem Drang nicht widerstehen, packten den groben Pinsel und malten mit. 70 Meter wurden an diesem Nachmittag in St.Gallen fertiggestellt.
Nach einem Überraschungsevent in Bern geht das «längste Verkehrsbild der Welt» voraussichtlich Ende Januar auf Schweizer Tournee und wird in den grösseren Schweizer Städten, natürlich auch in St.Gallen, mit einem kleineren oder grösseren Fest vorgestellt.
Lasst euch überraschen!
Wanted: VerteilerInnen
Der VCS hat wenig Geld, dafür aber viele aktive, und vielleicht noch einige möchte-gern-aktive Mitglieder. Eine Verteilung von Abstimmungsunterlagen in der Stadt St.Gallen in alle Haushaltungen kostet zwischen drei- und fünftausend Franken. In der Vergangenheit konnte dieses Geld oft für anderes, z.B. Inserate, ausgegeben werden, weil die Ortsgruppe dank einem dichten VerteilerInnen-Netz in der Lage war, alle Haushaltungen selber zu bedienen. Das Netz besteht aus VerteilerInnen, die ein festes Gebiet betreuen, aus gelegentlichen VerteilerInnen, die von Fall zu Fall mitmachen und aus SpringerInnen, die freigebliebene Quartiere bearbeiten.
Wir sind am Punkt angelangt, wo die Löcher im Netz grösser sind als das Netz selber. Weil wir aber überzeugt sind, dass in jedem Quartier mindestens eine VCS-Seele wohnt, die einen halben Tag pro Jahr für wichtige Abstimmungsvorlagen einsetzen kann und will, nehmen wir einen grossen Anlauf und organisieren unsere Verteilliste neu.
Auf der folgenden Seite aufgeführt sind alle Gebiete der Stadt, denen keine feste
Verteilerin, kein fester Verteiler zugeteilt ist. Ein guter Geist hat uns den Verteilplan neu, grösser und übersichtlicher gestaltet, sodass die Suche nach den Strassen ein Kinderspiel sein wird.
Jetzt also einen Stift in die Hand nehmen, Liste aufmerksam durchlesen, Wohn- oder Arbeitsquartier markieren, die Augen schliessen,
über den eigenen Alltag nachdenken und wenn Sie darin ein paar leere Stunden finden, einen Funken Freude, Neugierde auf Ihre Nachbarschaft, eine Spur kämpferisches Naturell dann fassen Sie sich ein Herz, füllen mit einem Seufzer den Talon aus und schicken ihn an die VCS-Ortsgruppe.
