Inhalt VCS Lokal, Mai 00/Nr. 50:
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
Nach einem arbeitsintensiven Wahlherbst und Winter erliegen wir nun den Frühlingsgefühlen, voll motiviert und mit neuen Ideen. Unsere
Ziitigs-Umfrage im Herbst 99 hat uns viele neue Mithelfer (leider nur männlich) beschert und die letzte Ortsgruppensitzung konnte mit 11 Teilnehmenden abgehaltenen werden. Ja, ihr habt richtig gehört, wir haben uns fast verdoppelt. Neu zu uns gestossen sind: Hugo Wehrli, der neue Ziitigs-Mann, Robert Wick, unser neuer Kassier, Markus Zehender, unser Aktuar, Adrian Hostettler und Andreas Rorschach. So macht es wieder richtig Spass in der Ortsgruppe tätig zu sein. Man/Frau kann die anfallenden Arbeiten besser verteilen und es müssen nicht immer dieselben an Sitzungen mit Velobeauftragten, Bauwilligen und Stadtverwaltung teilnehmen.
Nach einem arbeitsintensiven Wahlherbst und Winter erliegen wir nun den Frühlingsgefühlen, voll motiviert und mit neuen Ideen. Unsere
Ziitigs-Umfrage im Herbst 99 hat uns viele neue Mithelfer (leider nur männlich) beschert und die letzte Ortsgruppensitzung konnte mit 11 Teilnehmenden abgehaltenen werden. Ja, ihr habt richtig gehört, wir haben uns fast verdoppelt. Neu zu uns gestossen sind: Hugo Wehrli, der neue Ziitigs-Mann, Robert Wick, unser neuer Kassier, Markus Zehender, unser Aktuar, Adrian Hostettler und Andreas Rorschach. So macht es wieder richtig Spass in der Ortsgruppe tätig zu sein. Man/Frau kann die anfallenden Arbeiten besser verteilen und es müssen nicht immer dieselben an Sitzungen mit Velobeauftragten, Bauwilligen und Stadtverwaltung teilnehmen.
Im Sommer 2000 werden wir die SP-Initiative «Strassenraumgestaltung», eine Art Veloinitiative für innerstädtische Hauptstrassen (5 Millionenkredit), unterstützen. Den Bauwilligen im Stadion West und dem Tiefbauamt des Kantons mit seinen Autobahnausbauplänen im Raume Winkeln werden wir kritisch über die Schulter schauen und uns für eine gute, umweltgerechte Lösung stark machen.
Doris Königer

Ausbau Autobahnausfahrt St.Gallen Winkeln
Skepsis des VCS
Der Kanton St.Gallen plant einen Ausbau der Autobahnausfahrt St.Gallen Winkeln. Die Kapazitäten des Knotens können damit markant erhöht werden. So erhoffen sich die Verkehrsplaner im Tiefbauamt eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Raum Winkeln, wo sich die Autokolonnen täglich stauen. Wohl können mit dem Vorschlag auch die Zürcher- und Gaiserwaldstrasse entlastet und separate Busspuren erstellt werden, gleichwohl ist der VCS diesen Ausbauplänen kritisch eingestellt.
Noch mehr Verkehr angezogen
Mit einem Vollausbau der Autobahnausfahrt wird das Gebiet am Stadtrand für potentielle Investoren von Fachmärkten, Einkaufstempeln und Vergnügungsstätten noch attraktiver. Mit Multiplex-Kino und Fussballstadion mit «Nebennutzungen» (Einkaufszentern) sind bereits zwei weitere Grossprojekte in der Leitung, welche den Verkehrsdruck weiter erhöhen und die bisherigen Zentren St.Gallen, Herisau und Gossau konkurrenzieren werden.
Mit dem Ausbau des Strassennetzes werden die Verkehrsprobleme im Raum Winkeln nur vorübergehend gelöst. Selbst der Stadtrat verweist in einer Stellungnahme zur Verkehrsproblematik im Raum Winkeln darauf, dass Kapazitätserhöhungen für den Verkehr erfahrungsgemäss rasch kompensiert werden durch den folgenden Verkehrszuwachs.
Kein Geld für Planung des ÖV
Während die Strassenplaner bereits über fertige Konzepte sprechen und einen Realisierungshorizont von wenigen Jahren mit gesicherter Finanzierung vor sich haben, tut sich beim öffentlichen Verkehr herzlich wenig. Die 20 Millionen geschätzte Kosten für den Ausbau des Anschlusses, sind dank eigenem Strassenkässeli offenbar leicht aufzubringen. Daran ändert nichts, dass das Vorhaben nicht im Strassenbauprogramm enthalten ist. Beim öffentlichen Verkehr ist hingegen nicht mal klar, wer jetzt überhaupt einen Ausbau planen soll. Hier sind verschiedene Gemeinden und Kantone involviert. Bei den schwindenden Mitteln beim Bus- und Bahnverkehr ist ein Ausbau kaum umzusetzen. Selbst für die Planung des Angebots im Raum St.Gallen West fehlt es am notwendigen Budget. Diese Diskrepanzen zeigen auf eindrückliche Weise, wo die Politik ihren Schwerpunkt setzt. Der VCS wird sich zumindest solange gegen einen Ausbau des Strassennetzes einsetzen, bis für den öffentlichen Verkehr gleichwertige Verbesserungen geschaffen werden können.
Andreas Bernhardsgrütter

Entscheid für eine autofreie Altstadt
Die ganze Altstadt von St.Gallen soll zu einer Fussgängerzone werden. Dieser Entscheid fällte der Gemeinderat (Parlament) mit einer hauchdünnen Mehrheit von 32 zu 31 bei der Behandlung des Postulatsberichtes zur weiteren Verkehrsberuhigung der Altstadt. Die VCS Ortsgruppe St.Gallen begrüsst diesen Entscheid und hat im Vorfeld der Beratungen die Mitglieder des Gemeinderates über ihre Argumente für eine Fussgängerzone in der Altstadt informiert.
Gewinn für alle
Durch eine Vergrösserung der Fussgängerzone kann die Altstadt als urbaner Raum für Einkaufen, Arbeiten, Wohnen und Schule gegenüber den Monokulturen am Stadtrand mit ihren Einkaufs- und Vergnügungszentern gestärkt werden. Die Engen Gassen insbesondere der nördlichen Altstadt werden von Parkfeldern und entsprechendem Suchverkehr befreit und für Fussgänger und Velofahrer plötzlich breit. Ebenso kann der störende Schleichverkehr im Klosterbezirk endlich unterbunden werden. Die VCS Ortsgruppe ist überzeugt, dass dieser Entscheid für alle einen Gewinn darstellt auch für das Gewerbe, deren Vertretung sich gegen eine solche Lösung ausspricht. Die Geschäfte in der Altstadt profitieren von der einmaligen Atmosphäre der Gassen, welche zum Verweilen und Einkaufsbummel einladen.
Ewige Parkplatzdiskussion ist für Standort negativ
Die Altstadt ist hervorragend mit dem öffentlichen Verkehr, aber auch durch die am Rand angeordneten Parkhäuser für den Individualverkehr erschlossen. Durch die zentrale Lage ist sie für Fussgänger und Velofahrerinnen gut erreichbar. Die kurze Distanzen zwischen den Geschäften und das abwechslungsreiche Ambiente der Gassen, Strassencafes und Plätze macht den Aufenthalt attraktiv. Der Ruf des Gewerbes nach mehr Parkplätzen ist auf die Dauer kontraproduktiv. Die immer wiederholte Botschaft heisst: Kommt ja nicht in die Innenstadt hier hat es eh keine Parkplätze. Diese negativ-Botschaft der Pro Stadt ist keine gute Werbung für die Geschäfte in der Innenstadt. Vielmehr wäre es nötig, die eigenen Stärken hervorzuheben und auf die besonderen Qualitäten der Innenstadt als Einkaufsort hinzuweisen.
Plätze gestalterisch aufwerten
Die Gestaltung der Plätze und Gassen kann mit der Verlagerung des Autoverkehrs nach und nach verbessert werden. Die breite Strassenschneise beim Marktplatz mit der vierspurigen Fahrbahn zwischen der nördlichen und südlichen Altstadt trennt die beiden Stadtteile für Fussgänger. Hier wäre eine Reparatur dringend angebracht. So wäre es etwa möglich, vor der Gebäudezeile der nördlichen Altstadt auf der heutigen Fahrbahn Platz für Strassencafes zu gewinnen.
Dazu bedarf es eines Gestaltungskonzeptes der Stadt, welches insbesondere im Rahmen des Unterhaltes sukzessive umgesetz werden soll.
Rasche Realisierung ist gewünscht
Die Einführung der Fussgängerzone in der nördlichen und südlichen Altstadt wird noch eine Weile dauern. Der VCS hofft aber, dass zumindest die von allen Seiten unbestrittene Schliessung des Bohls für den motorisierten Verkehr rasch angegangen wird, was bereits kurzfristig eine Verbesserung der Situation an diesem heiklen Knoten für Bus, Postauto und Trogenerbahn bringen würde. Im übrigen freuen wir uns wieder einmal über einen Erfolg, wie er nicht alle Tage verbucht werden kann.
Andreas Bernhardsgrütter

Mai-Aktionen 2000
10. Mai Wir und die Kamele
13. Mai Wir (AktivistInnen) sind der VCS
25. Mai Ökomarkt St.Gallen mit Kugellabyrinth
Im Wonnemonat Mai hat sich der VCS Schweiz einiges vorgenommen. Mit verschiedenen Veranstaltungen in Schweizer Zoos zum Thema «Langsamkeit und Sicherheit» möchte unser Verein Familien mit Kindern ansprechen. In der Woche vor dem Muttertag werden in vielen Schweizer Gemeinden und Städten Gratiszooeintritte für Kinder, bzw. Preisreduktionen für Erwachsene verteilt. Es soll eine lustvolle und sympathische Aktion werden.
Auch St.Gallen hat sich etwas einfallen lassen. Am Mittwoch, 10. Mai, sind wir an der Marktgasse, zusammen mit zwei Kamelen aus dem Walter-Zoo. Da ich schlecht alleine mit den Kamelen durch St.Gallen laufen kann, um Gutscheine zu verschenken, hoffe ich auf viele AktivistInnen, die Lust haben, mit und ohne Kinder an diesem Nachmittag teilzunehmen. Ich denke an Kinder, Schulklassen, Erwachsene?!, die als Tiere verkleidet gehen, oder T-Shirts mit aufgenähten Kuscheltieren tragen, vielleicht auch Tiermasken einfach alles, was einem beim Thema «Zoo» so einfällt. Die Kamele werden uns von 15.00 bis 18.00 Uhr begleiten. Unsere Präsenz beginnt aber schon um 13.00 Uhr. Fühlt ihr euch angesprochen, so meldet euch so schnell wie möglich bei uns im VCS-Büro (Tel: 2222632 oder per Mail: vcs.sg@bluewin.ch), damit ich eventuell noch Accessoirs und Sonstiges organisieren kann.
Der zweite Termin ist der 13. Mai, an dem wir wiederum einen Stand an der Marktgasse haben. Diesmal leider ohne Kamele. Auch da verschenken wir unsere Gutscheine. An diesen beiden Tagen möchten wir uns als VCS in der Stadt bekannt machen, ohne irgendwelche Unterschriften zu sammeln oder die Leute von unseren Anliegen zu überzeugen. Es scheint mir wichtig, dass auch an diesem Tag von 10.00 bis 17.00 Uhr viele alte und neue AktivistInnen dabeisein können, damit die
Aktion nicht in den Einkaufsbummel-Strömen untergeht.
Ich hoffe, dass ihr euch stürmisch bei mir meldet und wir mit diesen Aktionen dem VCS in der Öffentlichkeit einen positiven und dynamischen Touch geben!
Am 25. Mai ist in St.Gallen wieder Ökomarkt und der VCS ist wie jedes Jahr dabei. Wir verkaufen dort die neuen, ausgetüftelten, sehr bequemen Velohelme in allen möglichen Farben, Velovignetten, Velokarten, Ausflugtipps und Hotelführer für Familien und Velobegeisterte. Ausserdem haben wir noch ein Verkehrsspiel nach St.Gallen bestellt. Damit dieses gut betreut wird, suchen wir noch einige Freiwillige, die uns am Stand unterstützen. Wir freuen uns über jedes neue oder altbekannte Gesicht, das uns mindestens eine Stunde am Stand begleitet, oder mindestens bei uns vorbeischaut. Bei schönem Wetter ist die Stimmung am Ökomarkt wunderbar!
Doris Königer

Greencity München
Kennen Sie München? Ich war noch nie dort, obwohl es doch einen Direktzug St.Gallen München gibt. Nun zieht es mich hin. Es findet sich dort eine grosse Gruppe vorwiegend junger Leute, die treffen sich jede Woche, diskutieren, entwickeln originelle Ideen, setzen diese lustvoll um mit dem Ziel, die Stadt München grüner zu machen. Greencity eben, heisst die aktive Umweltschutzorganisation. 1990 gegründet aus der Betroffenheit heraus, den negativen Folgen des Verkehrs etwas positives entgegenzusetzen. Neben einer umweltfreundlichen Mobilität wird eine ökologische Stadtgestaltung, eine erweiterte BürgerInnenbeteiligung und die Umsetzung der Ziele der Agenda 21 angestrebt.
Innovative Ideen
Es waren diese Münchner, die zur Unterstützung der UmverkehR-Initiative nach St.Gallen gekommen waren und einen Hauch von pulsierender Umweltarbeit mitgebracht hatten. Und weil gute Ideen beflügelnd wirken, möchte ich ein paar Projekte näher beschreiben. Mit einer Wanderbaumallee, die in aufsehenerregenden Aktionen (Sie müssen sich etwa 20 fünf Meter hohe Bäume in grossen Kübeln auf Rollbrettern vorstellen) ihrem Namen gemäss ihren Standort wechselt, geben sie der Forderung nach Fussgängerzonen und verkehrsberuhigten Bereichen Ausdruck. Für die Bäume können Patenschaften übernommen werden. Sind die Bäume für eine Strasse erst mal finanziert, kann die Stadt nur noch schwerlich die restliche Umgestaltung von sich weisen. Dem Einbezug der AnwohnerInnen und der Geschäfte wird viel Gewicht beigemessen.
Kampagne «Move!»
Unter dem swingenden Namen Move! lanciert Greencity eine Kampagne, die zu einem neuen Verkehrsverhalten führen soll. Nachhaltig und urban soll er sein. Zwei für St.Galler Verhältnisse noch neue Ideen tragen dazu bei. Die Blade-Night: Eine Nacht lang im Sommer durch die Innenstadt skaten, die Musik dazu wird auf Veloanhängern transportiert. Und Call a bike: überall wo es Telefonkabinen hat, hat es auch Velos, abgesichert mit einem Elektronikschloss, benützbar mit einem persönlichen Code. Sie sind so überall verfüg- und entsorgbar. Diese Dienstleistung, die sich kommerziell lohnen soll, ist ideal für PendlerInnen aus dem Münchner Umland, wenn Freunde ohne Velo zu Besuch sind oder als park-and-bike für AutofahrerInnen, die in die Innenstadt müssen, aber keine teuren Parkgebühren bezahlen möchten.
Die Öffentlichkeitsarbeit von Green City fährt auf den drei Schienen: «Green City News», monatliche Radiosendung und www.greencity.de. Die Werbung kommt fröhlich daher: «300 Mitglieder bis übermorgen oder wir rennen alle in lila Latzhosen 17-mal ums Rathaus». Ein mitreissender Wind weht in München. Höchste Zeit, dass ich mir das mal aus der Nähe anschaue.
Margot Benz

Tempo 30-Zonen Tempo 30 innerorts
Was ist da der Unterschied ?
Seit mehr als einem Jahrzehnt werden in St.Gallen Tempo 30-Zonen eingerichtet. Sie stossen nicht immer auf Gegenliebe, da die Einführung der ersten Zonen mit übertriebenen baulichen Massnahmen daherkamen. Man sprach nur noch von den Schikanen und den Betonklötzen mitten in der Strasse. Nicht nur die AutofahrerInnen fühlten sich gestört in ihrem unbegrenzten Freiheitsdrang, nein auch die Anwohnerinnen und Anwohner störten sich an den ästhetischen Auswüchsen. Es fehlte nicht viel und der Heimatschutz hätte die Einführung von einzelnen Tempo 30-Zonen wegen der unmöglichen Strassenraumgestaltung bekämpft.
Realisierte Tempo 30-Zonen / Einführungstermin
Grossacker / Krontal Sommer 1992
Paradies / St.Leonard Sommer 1994
Bruggwald Herbst 1995
Langgasse /Heiligkreuz Herbst 1995
Bernegg Wintert 1997
Felsenstr. / Harfenberg Frühling 1997
Linsebüel Frühling 1997
Birnbäumen Frühling 1997
Halden / Wilen Winter 1997
Stephanshorn / Zil Winter 1997
Zil / Remishueb Winter 1997
Hof Herbst 1998
Buech Frühling 1999
Sömmerli Herbst 1999
Tempo 30-Zonen in Planung / voraussichtlicher Einführungstermin
Hochwacht / Oberhofstetten
ab Frühjahr 1999 (wegen einer Einsprache verzögert)
St.Georgen ab Frühjahr 1999 (wegen einer Einsprache verzögert)
Leimat Sommer 2000
Brüel Sommer 2000
Rosenberg (unterer Rosenberg)
Herbst 2000
Lehn / Hinterberg Winter 2000
Burgweiher / Lachen Winter 2000
St. Fiden / Harzbüchel Winter 2000
Kantonspital Winter 2000
Winkeln Frühjahr 2001
Russen Frühjahr 2001
Tigerberg Frühjahr 2001
Vonwil Frühjahr 2001
Ruhsitz Herbst 2001
Boppartshof Frühjahr 200
Tempo 30-Zonen abgelehnt
Rosenberg (oberer Rosenberg)
Rotmonten
Sonnenhalden
Bezeichnend ist, dass die von der Bevölkerung, oder besser durch Einsprachen Einzelner abgelehnten Zonen sich nicht im Stadtzentrum an verkehrsorientierten Strassen befinden. Nein, es sind genau die Gebiete mit überdurchschnittlichen Einfamilienhäusern und HausbesitzerInnen. Vor allem dort wären verkehrsberuhigte Strassen sinnvoll.
St.Galler Mühlen mahlen langsam
Damit man/frau sich den weiten Weg bis zur entgültigen Einführung einer Tempo 30-Zone vorstellen kann, möchte ich ihn hier kurz aufzeigen. Meist beginnt alles mit einer Petition von Wenigen, die sich für eine Verkehrsberuhigung einsetzen. Danach werden Quartierumfragen gestartet, denen meist deutlich zugestimmt wird (Tigerberg 65%; Kantonsspital 97%). Bei einer positiv verlaufenen Umfrage spricht der Stadtrat einen Projektierungskredit und die Polizei führt eine Vorerhebung durch. Diese gibt Auskunft über Anzahl Fahrzeuge pro Tag, bzw. deren Geschwindigkeit. Massnahmen und Gutachten werden erarbeitet und noch einmal mit den Quartier- und AnwohnerInnenvereinigungen, den «Wohnlichen», besprochen. Danach beschliesst der Stadtrat die Massnahmen und den Baukredit. Die baulichen Massnahmen werden anschliessend öffentlich 4 Wochen aufgelegt und die Einsprachen behandelt. Gleichzeitig werden auch die polizeilichen Massnahmen für 2 Wochen aufgelegt. Sind alle Einsprachen erledigt, erfolgt ein Subventionsgesuch an den Kanton und den Bund. Sind die Subventionszusicherung und das Rechtsmittelverfahren abgeschlossen, beginnt die Realisierungsphase. Insgesamt dauert das Verfahren gut und gerne 3 Jahre. Die Unsicherheit und das Einsprechen von Einzelpersonen noch kurz vor der Realisierung, lässt die Beteiligten bis zum letzten Moment im Ungewissen.
Diese mühsame und zeitraubende Abwicklung ist unbefriedigend. Der VCS möchte in kurzer Zeit ein angenehmes Verkehrsklima aufbauen, bei dem das Miteinander wichtiger ist als das Gegeneinander, Gelassenheit anstelle von Aggressionen tritt und unsere Kinder, ältere oder behinderte MitbewohnerInnen sich wieder auf die Strasse wagen. Deshalb wollen wir ein flächendeckendes Konzept «Tempo 30 innerorts» durchsetzen, eine einheitliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf allen Strassen, mit Ausnahme der Einfallsachsen. Auf diesen ausgebauten Strassen ohne angrenzende Wohnquartiere oder Schulen könnte die Stadt St.Gallen weiterhin Tempo 50 signalisieren. Dies beträffe z.B. ein Teil der Zürcherstrasse, ausgenommen die Gebiete Zentrum Bruggen und Zentrum Lachen, oder die Rorschacherstrasse mit den Ausnahmen Neudorf, St.Fiden, Kantonsspital bzw. Bürgerspital und Kantonsschule/Musikschule. Mit dieser Umkehrung der Rechtsgrundlage braucht es keine Rechtsmittelverfahren mehr um Tempo 30 einzuführen, sondern die Abschnitte in denen schneller gefahren werden darf, werden von Planungsbüros, Tiefbauamt und Stadtregierung beurteilt und abgesegnet.
Die Meinung, der öffentliche Verkehr würde sich mit der Einführung von Tempo 30 verlangsamen, hat sich in deutschen und österreichischen Städten als falsch erwiesen. Der Zeitverlust ist minim, dafür ist der Verkehr ruhiger und flüssiger, sehr zum Wohl von Bus-Chauffeuren und Passagieren.
Unser Geschwindigkeitsempfinden ist relativ. Auch die beste Autotechnik kann die Physik nicht aus der Welt schaffen: Bei einer Notbremsung braucht ein Auto bei Tempo 30 einen Anhalteweg von 13 Metern, bei Tempo 50 das Doppelte (Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg). Das Verletzungsrisiko steigt, umso schneller die Aufprallgeschwindigkeit ist. Bei 50 km/h liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Zusammenprall tödliche Folgen hat bei 50%, bei 60 km/h steigt sie bereits auf 80%. Wird ein Kind mit Tempo 30 angefahren, kommt es meist mit einem Schrecken und sekundären Blessuren davon.
Deshalb unser Ziel:
Tempo 30 innerorts damit die Strassen wieder allen gehören und wir sicher unsere Umwelt geniessen können. Oder einfach:
«Mehr Leben mit Tempo 30».
Doris Königer
Kontaktperson «Strassen für alle»

Velotour für die ganze Familie zum Walter Zoo
Es ist wieder warm und es lockt eine Fahrt ins Grüne. Warum zur Abwechslung nicht einmal mit dem Velo? Dieser Vorschlag ist geeignet für Familien mit Kindern, die noch nicht so sicher auf dem Velo sind; es werden kaum Hauptstrassen benutzt, es braucht aber bereits etwas Ausdauer.
Vom Hauptbahnhof fahren wir gegen Westen, vorbei an der Reithalle, entlang der Kreuzbleiche. Beim Restaurant Kastanienhof rechts abbiegen, den Autobahnzubringer überqueren, dann links zur Kreuzung Stahl fahren. Weiter geht es Richtung Engelburg, das ist die zweite Strasse nach rechts. Achtung: Dieses kurze Stück ist für Kinder eher gefährlich! Um nach Abtwil zu gelangen, benutzen wir im folgenden den Veloweg, der unter der Autobahn über die Sitter führt. Ca. 1km vor dem Interio biegen wir rechts ab, in Richtung Abtwil. Vorbei an der Kirche mit dem wunderschönen Dach überqueren wir die Hauptstrasse zur Spisegg. Nun beginnt der strengere Teil der Tour: Bis zum Sonnenberg gilt es doch einige Höhenmeter zu überwinden. Die Strasse schlängelt sich durch ein Einfamilienhausquartier hoch. Mit Kindern lohnt es sich, den Fussweg Velo-stossend zu benutzen. Auch etwas zum Trinken hilft mit, diese kleine Strapaze problemlos zu überwinden.
Ca. 100m hinter dem Restaurant Sonnenberg biegen wir links ab und gelangen auf einer kleinen Nebenstrasse, die meist leicht abwärts führt, direkt zum Walter Zoo.
Der Rückweg führt uns zuerst wieder einige 100 m zurück. Dann biegen wir rechts ab in den Wald und folgen der neuen Strasse bis unter das Schloss Oberberg.
Weiter unten geht es unter der Autobahn durch, wir überqueren kurz später die Hauptstrasse nach Gossau und zuletzt fahren wir auch noch unter der SBB durch, immer mehr oder weniger geradeaus. Gleich nach der Unterführung wenden wir uns nach links, in Richtung Winkeln. Eine kleine Nebenstrasse, parallel zum Geleise, führt uns zum Bahnhof Winkeln. Bei der Unterführung fahren wir nach rechts ins Dorf hinein, vorbei an der Kirche. Ca. 200 m weiter können wir unter der Hauptstrasse nach Herisau durchfahren und befinden uns wieder auf einer kleinen Nebenstrasse, die zum Gübsensee führt. Dann geht es auf der linken Seite des Stausees noch etwas weiter, wir biegen dann aber rasch links ab bis zum Bahngeleise der SBB. Der Weg führt uns über die SBB-Brücke (bitte absteigen!), Lehnstrasse, Bahnhof Haggen, Oberstrasse zurück zum Ausgangspunkt.
Alternativen: Mit Bus und Velo bis Abtwil oder ab Winkeln mit Bus oder Zug zurück.
Susanne Schmied
