Inhalt VCS Leonardo, 01/Nr.6:
Schmerikon: Einsprache gegen Aufhebung oberirdischer Bahnübergänge eingereicht
Swiss Marina: Umweltverbände geschlossen gegen Gigantismus am Bodensee
Regionalgruppen: Unsere regionalgruppe leisten wertvolle Arbeit"
Autobahnausfahrt St.Gallen Winkeln: VCS hat Bedenken
Bahnhof Schmerikon
Einsprache gegen Aufhebung oberirdischer Bahnübergänge eingereicht
Im Zuge der Erneuerung der Gleisanlagen, Stellwerke und Bahnhöfe auf der Strecke zwischen Schmerikon und Lichtensteig will die SBB zwei bisher durch Barrieren gesicherte Fussgängerübergänge beim Bahnhof Schmerikon ersatzlos aufheben. Diese beiden Übergänge bilden wichtige Fusswegverbindungen zwischen dem Seeufer und dem Dorf. Wenn sie wegfallen, besteht auf einer Strecke von 500 m keine Verbindung mehr zu der für Schmerikon als Erholungsort wichtigen Seeanlage. Die VCS Sektion St. Gallen / Appenzell hat deshalb gemeinsam mit Fussverkehr Schweiz Einsprache gegen dieses Vorhaben eingelegt und verlangt, dass die bestehenden Fussgängerübergänge belassen oder zumindest gleichwertig ersetzt werden.

Swiss Marina, Rorschach:
Umweltverbände geschlossen gegen Gigantismus am Bodensee
Die Ostschweizer Umweltorganisationen VCS, Heimatschutz, Pro Natura und WWF werden sich mit ihren zur Verfügung stehenden politischen und rechtlichen Mitteln geschlossen gegen die Pläne von Swiss Marina bei Rorschach wehren. Das Projekt sprengt mit der geplanten Hochhäuser und der Hafenanlagen - welche an eine künstliche Ferienwelt am Mittelmeer etwa in Djerba erinnert - alle hier üblichen Massstäbe und wirkt in seinen Dimensionen im landschaftlich heiklen Bodenseeraum fremd. Für die Realisierung dieses Vorhabens müssten ziemlich alle gesetzlichen Vorschriften mit Ausnahme der Bundesverfassung ausser Kraft gesetzt werden. Die Auswirkungen auf Natur und Umwelt und nicht zuletzt das erzeugte Verkehrswachstum in Rorschach wären immens.
Inwieweit es bei diesen Plänen um ein Fantasiegespinst ohne Realisierungschancen handelt, darüber lässt sich spekulieren. Die Behörden täten jedenfalls gut daran, den Promotoren endlich eine klare Absage zu erteilen, anstatt gute Miene zum bösen Spiel zu machen - hinter der Hand scheint niemand wirklich an dieses Projekt zu glauben. Es ist zu befürchten, dass mit solchen Hirngespinsten beim Bahnhof Rorschach eine erwünschte Entwicklung dieser Industriebrache auf absehbare Zeit verbaut wird. Gefordert wären an diesem mit dem ÖV gut erschlossenem Ort direkt am Seeufer eine Planung, welche die hiesigen Verhältnisse berücksichtigt.
Andreas Bernhardsgrütter

VCS-Präsenz in der Fläche
Unsere Regionalgruppen leisten wertvolle Arbeit
Aktive Mitglieder der VCS Regionalgruppen organisieren Velobörsen, unterstützen die Poltik des VCS Schweiz und der Sektion bei Abstimmungskämpfen und Unterschriftensammlungen, führen Veranstaltungen durch, bieten Flexi-Cards an, und engagieren sich bei Ortsplanungen oder lokalen Abstimmungen. Sie sorgen dadurch für die verbandspolitisch entscheidende "Präsenz in der Fläche", indem sie zusätzliche Dienst-leistungen anbieten und oft durch ihre Aktionen in der Lokalpresse erscheinen. Für unsere Sektion ist die Arbeit der Regionalgruppen vor Ort äusserst wichtig, zumal es für den Sektionsvor-stand nicht möglich ist, alle verkehrspolitisch relevanten Vorgänge in jedem Dorf mitverfolgen und rechtzeitig reagieren zu können.
Besonders aktive Regionalgruppen bestehen in unserem Sektionsgebiet in der Stadt St.Gallen und im Linthgebiet. Die starke Präsenz dieser beiden Gruppen hängt einerseits von einem soliden Stamm und andererseits von gewissen festen Strukturen ab. Monatliche Treffs gehö-ren ebenso dazu, wie halt das unvermeidliche Protokoll und die Kassa-Führung. Von daher unterscheiden sich VCS-Regionalgruppen nicht stark von anderen Vereinen. Trotzdem bleibt das Verhältnis innerhalb der Gruppe locker: Gewählte Vorstände und Präsidenten gibt es in der Regel nicht. Es wird das angepackt, wozu die aktiven Mitglieder Zeit und Mühe aufbringen können. Andere Regionalgruppen treffen sich, wenn ein Thema aktuell wird und entsprechend Handlungsbedarf besteht. So ist etwa die Regionalgruppe Werdenberg insbesondere bei ihren Eingaben zu den Fahrplänen aktiv.
Wenige aktive Mitglieder
Obwohl unsere Sektion 8´000 Mitglieder zählt, sind Regionalgruppentreffen recht spärlich besucht. Der Anteil der aktiven VCS-Mitglieder ist gemessen am Mitgliederstamm bescheiden. Die wenigen Aktiven sind oft auch anderweitig engagiert und dadurch zusätzlich belastet. In einigen Regionen, wie zum Beispiel im Kanton Appenzell Innerhoden und im Toggenburg fehlen Regionalgruppen gänzlich. Solche Regionen müssen dann vom Vorstand abgedeckt werden, welcher über Hinweise von VCS-Mitglieder aus der Region dankbar ist.
Unterstützung durch die Sektion
VCS Regionalgruppen werden durch die Sektion einerseits durch einen finanziellen Beitrag, aber auch beratend unterstützt. Einspracheverfahren werden in der Regel durch die Sektion geführt. Die Sektion bemüht sich, auch einzelnen Mitgliedern, die in ihrer Region keine Regionalgruppe vorfinden, bei Problemen zu helfen. Dazu unterhält sie eine Verkehrsberatungsstelle, welche auch durch Gemeinden oder beispielsweise von Eltern-vereinigungen bei Schulwegproblemen oder von Quartiervereinen bei Forderungen nach Tempo-30 Zonen in Anspruch genommen werden kann.
Andreas Bernhardsgrütter

Probleme auf die Stadtautobahn verlagern?
VCS hat Bedenken zum Ausbau Autobahnausfahrt St. Gallen Winkeln
Mit dem vorgesehenen Ausbau des Einkaufs- und Vergnügungszentrums Winkeln mit Fussballstadion und weiteren Vorhaben wie Multiplex-Kino und Migros-Säntispark-Erweiterung werden sich die berüchtigten lokalen Stauprobleme verschärfen. Das Gegenrezept der Kantonsbehörden ist eine Scheinlösung, die erst noch auf wackligen Füssen steht.
Die St. Galler Regierung hat das Ausbauprojekt für die Autobahnausfahrt St. Gallen Winkeln/Abtwil genehmigt und zur Prüfung und Freigabe an das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) geschickt. Ziel ist eine Kapazitätssteigerung. Der Ausbau zu einem Vollanschluss kostet satte 54 Millionen Franken, wovon der Bund 84 Prozent und der Kanton die restlichen 8,7 Millionen übernehmen soll.
Brüskes Wendemanöver.
Noch während der Beratung des Strassenbauprogramms 19992003 im Kantonsrat anno 1998 verneinten die Kantonsbehörden die Notwendigkeit des Ausbaus auch unter Hinweis darauf, vom Bund sei keine Unterstützung zu erwarten. Mit den Plänen für ein neues Fussballstadion und entsprechende «Nebennutzungen» änderten sie ihre Meinung schlagartig. Obwohl nicht im Strassenbauprogramm enthalten, wurde die Planung für den Autobahnvollanschluss erstaunlich rasch vorangetrieben.
Für den VCS stellen sich in diesem Zusammenhang verschiedene kritische Fragen: Mit dem Ausbau der Strassenkapazität wird die Ballung von Einkaufs- und Vergnügungstempeln im Raum Winkeln weiter begünstigt. Vorwiegend auf automobile Kundschaft ausgerichtet, konkurrenzieren sie die Kernstädte St. Gallen, Herisau und Gossau. Zudem wird das Problem von der Autobahnausfahrt auf die Autobahn selber verlagert: Mit dem im Raum Winkeln erzeugten Verkehrswachstum wird die Kapazitätsgrenze der Autobahn im Rosenbergtunnel erreicht und zeitweilig überschritten. Zusätzliche Staus auf der Stadtautobahn und eine Verlagerung des Verkehrs auf das städtische Hauptstrassennetz sind zu erwarten. Die Funktion der Stadtautobahn als übergeordneter Verkehrsträger wird beeinträchtigt.
Der VCS stellt zudem fest, dass die Pläne für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs in diesem Raum bei weitem nicht so konkret wie die Strassenpläne sind und dass kein fertiges Projekt, geschweige denn eine Finanzierungsbasis vorhanden ist. Der ins Auge gefasste Ausbau des Busangebots wird nie und nimmer dazu führen, dass ein wesentlicher Besucheranteil mit dem öV anreist. So dauert die Reise vom St. Galler Quartier Rotmonten nach Winkeln (mit Umsteigen) im Bus drei viertel Stunden, per Auto aber nur knapp 10 bis 15 Minuten.
Grünes Licht aus Bern?
Gegenüber Wünschen nach neuen Autobahnausfahrten war der Bund bisher äusserst zurückhaltend. Im Fall der geplanten Autobahnausfahrt Wil West winkte das UVEK ab, auch wenn der Thurgau selber dafür aufgekommen wäre. Nur wenige Kilometer westlich des Anschlusses Winkeln möchte der Kanton Appenzell Ausserrhoden mit dem Anschluss der Umfahrung Herisau via Rechbergtunnel eine weitere neue Autobahnausfahrt erstellen, die in direkter «Konkurrenz» zu Winkeln steht. Ob der Bund Ja sagt, steht deshalb in den Sternen. Die Folgen eines abschlägigen Bescheids wären beträchtlich.
Andreas Bernhardsgrütter
