Inhalt VCS Leonardo, 03/Nr. 5:

Ein Jahr nach Baubeginn:
Testfall Umfahrung Bazenheid


Am 31. August 2003:
SlowUp am Bodensee!


Umfahrung Herisau:
Erste Y-Massnahmen und Schmuggelvorwürfe


Sparrunde im Kantonsrat
ÖV verschont, Strassenbau gebremst!


Einkaufszentrum / Stadion Winkeln
Einsprache weitergezogen


Interessanter Vortrag:
Prof. Knoflacher in Schaan


ein Jahr nach Baubeginn

Testfall Umfahrung Bazenheid

Im Strassenbau sind die Zeiträume gewaltig. Vom Anfang eines Projekts bis zur Eröffnung der Strasse vergehen oft Jahrzehnte. Sechs Jahre ist es her, da haben wir erreicht, dass der Grosse Rat die 125 Mio. Franken teure Umfahrung Bazenheid zwar guthiess, aber mit einem bemerkenswerten Zusatz ergänzte: Ein Teil der den Ort umgehenden Strecke soll zum Flur-weg zurückgebaut werden. In einer Vereinbarung mit der Gemeinde Kirchberg wurden zur Verkehrsberuhigung zudem Sofort- und flankierende Massnahmen auf der Ortsdurchfahrt beschlossen.

Eine gute Vereinbarung zu erwirken ist das eine, deren Umsetzung ein anderes. Der VCS musste seither wegen teilweise nicht umgesetzter Sofortmassnahmen zweimal intervenieren. Unser Vertreter musste sich bei einem Augenschein sogar eine Massregelung gefallen las-sen, obwohl er nur vertrat, was ein Planer im Auftrag der Gemeinde vorgeschlagen hatte. Und mit einer vorsorglichen Einsprache mussten wir sicherstellen, dass das Rückbauprojekt zusammen mit dem Projekt der Umfahrungsstrasse rechtskräftig wurde.

Nach einem jähen Stopp aus Spargründen gab der Bund doch noch grünes Licht und so ist die Umfahrungsstrasse seit einem Jahr im Bau. Traurig sieht es in der Thurschlaufe nun aus. Die satten Wiesen sind aufgerissen. Baumaschinen und Barackendörfer prägen das Bild. Durch die Enteignungen sind einzelne Landwirte in ihrer Existenz bedroht. Die ökologische Baubegleitung tröstet: Bei der Eröffnung wird alles wieder grün sein, ökologische Aus-gleichsflächen werten die Landschaft auf, die Strasse wird so eingebettet, dass sie beinahe unsichtbar sein wird. Die Naturschutzorganisationen sehen die «Aufwertung» weniger rosig. In ihren Augen muss auch nicht über alles sofort Gras gewachsen sein. Stattdessen sollten mehr von den wichtigen Pionierflächen für Pflanzen und Tiere entstehen.
Ein Jahr nach Baubeginn hat die Gemeinde Kirchberg den Prozess zur Umsetzung der flan-kierenden Massnahmen eingeleitet. Zum Mitmachen ist auch der VCS eingeladen. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Umfahrungsstrasse im Jahre 2006 wollen wir auf der neuen alten Ortsdurchfahrt feiern können. Wir bleiben dran.

Margot Benz

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am 31.August 2003

SlowUp am Bodensee!

Und schon wartet die nächste Gelegenheit, um hautnah zu erleben, was mit den autofreien Sonntagen alles verpasst wurde: Am 31. August findet der 2. SlowUp am Bodensee statt. Zwischen 10 und 17 Uhr sind die Strassen zwischen Arbon und Horn für den motorisierten Verkehr gesperrt und gehören den Velofahrern, Skaterinnen und Trottinettlern. Nichts wie hin!

Artikel: Regionale autofreie Erlebnistage

Link: www.SlowUp.ch

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Umfahrung Herisau

Erste Y-Massnahmen und Schmuggelvorwürfe

Herisau hat vor den Sommerferien die ersten Massnahmen zur Umsetzung der so genannten «Y-Massnahmen» auf dem bestehenden Strassennetz angepackt. So wurden auf der Alpstein-, der Gossauer- und der Durchgangsstrasse Kernfahrbah-nen eingerichtet: Die Markierung zweier Radstreifen, unter Entfernung der Mittelmarkierung, erhöht die Verkehrssicherheit insbesondere für den Radverkehr.

Derweil wurde gegen den vom Kantonsrat gesprochenen Planungskredit für die Umfahrung eine Stimmrechtsbeschwerde beim Bundesgericht eingereicht – das Projekt dürfe nicht am Volk vorbeigeschmuggelt werden. Die Regierung ist der An-sicht, eine Nationalstrasse müsse kantonal nicht durch das Volk beschlossen wer-den, und hat ein Gesuch um Aufnahme des 336 Mio. Franken teuren Projekts ins Nationalstrassennetz eingereicht. Nun liegt es auf einem grossen Haufen ähnlicher Gesuche aus anderen Kantonen – und dürfte dort noch eine Weile liegen bleiben, da das Geld zur Erfüllung der kantonalen Wünsche fehlt.

Eine Gruppe von Einsprechenden ist der Meinung, dass der Bau einer Umfahrung von Herisau ein Grundsatzentscheid ist, der laut Verfassung einer Volksabstimmung zu unterbreiten sei – deshalb die Stimmrechtsbeschwerde. Zu ihrem Forderungskatalog gehören eine Aussetzung des strittigen Projektierungskredites, eine Einstellung der Projektierungsarbeiten, eine Grundsatzabstimmung über die Umfahrung Herisau sowie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.

Link: www.kernfahrbahnen.ch

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Sparrunde im Kantonsrat

ÖV verschont, Strassenbau gebremst!

Der St. Galler Kantonsrat hat getagt und ganz in unserem Sinne entschieden: Entgegen den Vorschlägen des «runden Tisches» gehen dem öffentlichen Verkehr nicht 11 Mio. Franken pro Jahr verloren. Wohl setzt der Kanton nun jährlich 1,5 Millionen weniger für den ÖV ein, doch wird das Loch durch eine Änderung des Verteilschlüssels von den Gemeinden gestopft. Der VCS hatte gegen die ursprünglichen Sparpläne heftig opponiert und die Kantonsratsmitglieder entsprechend dokumentiert.

Für einmal war die Strassenbau-Lobby weniger erfolgreich: Die Kürzungsanträge bei den Strassenbaubudgets kamen durch, womit jährliche Ausfälle von 11,5 Mio. Franken zu verzeichnen sind. So soll nun der Unterhalt der Staatsstrassen ganz über zweckgebundene Mittel aus Treibstoffzollgeldern und Motorfahrzeugsteuern bestritten werden – ein Beitrag zur Kostenwahrheit im Verkehr. Die jährlichen Kürzungen beim Strassenbau entsprechen in etwa dem Betrag, den der Kanton für Grossprojekte wie Umfahrungsstrassen ausgibt.

So dürfte die Umfahrung Bazenheid für einige Zeit das letzte grössere Umfahrungsprojekt im Kanton St. Gallen bleiben. Die zahlreichen weiteren laufenden Planungen dürften in den Schubladen verstauben. Die Gemeinden sind gefordert, finanzierbare Alternativen zu sondieren. So läuft derzeit in der Stadt St. Gallen ein Studienauftrag, mit dem aufgezeigt werden soll, wie sich die Verhältnisse auf der stark belasteten Zürcherstrasse im Quartier Lachen durch eine Umgestaltung des Strassenraumes verbessern liessen. Ähnliche Bemühungen sind auch in Uznach, Oberriet und Wattwil im Gang.

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Einkaufszentrum und Stadion Winkeln:

Einsprache weitergezogen

Vor lauter Fussballstadion wird in St. Gallen gerne über die mit dem Einkaufszentrum verbundenen Probleme hinweggesehen. Auch der Gemeinderat hat die Vorlage anstandslos gutgeheissen, ohne auf die Verbesserungsvorschläge des VCS einzugehen. Der Sektionsvorstand hat deshalb beschlossen, seine Einsprache an das Baudepartement weiterzuziehen. Derweil findet in der Stadt ein Kesseltreiben statt gegen alle, die es wagen, sich den Plänen der Promotoren zu widersetzen. In diesem vergifteten politischen Klima werden sie als Totengräber der Ostschweiz und des FC St. Gallen (drohender Auszug nach Vaduz!) dargestellt. Der VCS wird trotzdem für die Einhaltung der gesetzlichen und planerischen Vorgaben einstehen.

Weitere Infos: dossier Winkeln

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interessanter Vortrag

Prof. Knoflacher in Schaan

Öffentlicher Vortrag zum Thema «Die Alpen: Barrieren gegen den Verkehrswahn, Geburtshelfer zu ökonomisch sinnvoller Entwicklung»

Montag, 18. August, 19.30 Uhr, in Schaan, Rest. Central (neben Post)

Hermann Knoflacher, Ordinarius für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Wien, weiss als Referent ebenso zu begeistern wie als Buchautor!

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