Inhalt VCS Leonardo, 03/Nr. 4:

Einkaufszentrum und Stadion St. Gallen / Winkeln:
Unergiebige Verhandlungen mit den Stadionpromotoren


Resolution an der Mitgliederversammlung:
Gegen Kahlschlag beom ÖV-Angebot


Aus dem Vorstand:
Zum Rücktritt von Peter Jans


Verkehrsplanung:
Begegnungszone in Wattwil geplant


Einkaufszentrum und Stadion St. Gallen / Winkeln

Unergiebige Verhandlungen mit den Stadionpromotoren

Mit der Zustellung der Botschaft zum Überbauungsplan Stadion St. Gallen an die Gemeinderäte der Stadt beginnen die politischen Mühlen zu mahlen. Die vorangegangenen Verhandlungen im Zusammenhang mit unserer Einsprache waren leider unergiebig.

Im Zuge der Auflage des Überbauungsplans hat die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell Einsprache erhoben. Konkret geht es uns um folgende Punkte:

Die inzwischen erfolgten Verhandlungen verliefen leider unbefriedigend. Zwar war man freundlich miteinander, konkrete Verbesserungen im Überbauungsplan resul-tierten aber nur wenige.

Der VCS ist enttäuscht über das Verhandlungsergebnisse. Die anstehenden Ver-kehrsprobleme können mit dem vorliegenden Überbauungsplan nicht gelöst werden. Es drohen alltägliche Staus auf der Stadtautobahn und im Quartier Winkeln, mit unabsehbaren Folgen für die ganze Stadt und Region. Der VCS hat deshalb den Gemeinderat aufgefordert, im Rahmen der Behandlung dieser Vorlage die dringend notwendigen Nachbesserungen einzubauen.

Insgesamt 44'100 m2 Nutzfläche umfasst das Einkaufs- und Freizeitzentrum, das mit dem Bau des Stadions verknüpft ist, rund doppelt so viel wie der Rheinpark in St. Margrethen oder dreimal so viel wie der Säntispark in Abtwil. Dieser Bau wird ge-mäss Verkehrsprognosen täglich 16’000 Fahrten auslösen, was in etwa der Ver-kehrsbelastung auf der stark frequentierten Zürcherstrasse entspricht.
Der Vorstand wird über das weitere Vorgehen entscheiden, wenn der Entscheid des Gemeinderates sowie der begründete Einspracheentscheid vorliegen.


(Fotolegende:)Ein zentraler Stadion-Bushof – wie hier beim Gallusmarkt – würde einiges erleichtern. Bislang ist im Überbauungsplan vorgesehen, dass Passagiere in Richtung Stadt St. Gallen zuerst die sechsspurige Zürcherstrasse und dann nochmals eine zweispurige Strasse queren müssen, um die Bushaltestelle zu erreichen.

nach oben


Resolution an der Hauptversammlung

Gegen Kahlschlag beim ÖV-Angebot

Jeder achte Zug oder Bus im Kanton St. Gallen droht auf der Strecke zu bleiben! Die ordent-liche Mitgliederversammlung 2003 der VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell hat einstimmig eine Resolution verabschiedet, die den Sparplänen des «Runden Tisches» beim öffentlichen Verkehr eine deutliche Absage erteilt. Die Sparpläne hätten eine massive Kürzung der Bun-desbeiträge zur Folge, womit ein krasser Leistungsabbau unumgänglich würde.

Ein politisch heisses Eisen kam an der gut besuchten Mitgliederversammlung vom 9. Mai in St. Gallen auch unter dem Traktandum Tätigkeitsbericht zum letzten Vereinsjahr zur Sprache: das Einkaufszentrum mit Stadion beziehungsweise die entsprechende VCS-Einsprache. Die Politik des Vorstandes – Präsidentin Doris Königer legte dar, dass der VCS die vorhandenen Rechtsmittel zurückhaltend und nur in gut begründeten Fällen einsetzt – wurde aber von keiner Seite in Frage gestellt.

Die übrigen ordentlichen Traktanden gaben wenig zu reden. Bei den Wahlen musste die Mit-gliederversammlung den Rücktritt von Peter Jans und Jules Gut aus dem Sektionsvorstand zur Kenntnis nehmen. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden in ihrem Amt bestätigt.

Aktives Vereinsjahr

Die VCS hat ein aktives Vereinsjahr hinter sich – und sich im neuen Vereinsjahr wieder viel vorgenommen. Wer über den Tätigkeitsbericht, das Jahresprogramm oder unsere Finanzen Genaueres wissen möchte, kann die entsprechenden Informationen auf unserer Homepage abrufen:
MV 03

Andreas Bernhardsgrütter


Die Resolution im Wortlaut:

Der Runde Tisch hat ein faules Ei ausgebrütet: Um 2,5 Millionen soll der Staatshaushalt des Kantons St. Gallen beim öffentlichen Verkehr jährlich entlastet werden. Da die Betriebsbei-träge des Kantons mit Beiträgen von Bund und Gemeinden verknüpft sind, gehen mit einem solchen Schritt dem ÖV im Kanton St. Gallen insgesamt rund 11 Millionen verloren. Sparen würde durch diesen Vorschlag vor allem der Bund, welcher dadurch rund 6,4 Mio. Franken weniger an den öffentlichen Verkehr im Kanton St. Gallen beizutragen hätte. Die anderen Kantone würden die freien Mittel gerne entgegennehmen.

Bei jährlichen ungedeckten Betriebsaufwendungen von rund 92 Mio. Franken bedeuten die vorgeschlagenen Sparmassnahmen einen Leistungsabbau von rund einem Achtel aller Züge und Busse. Dies hätte empfindliche Einbussen bei der Grundversorgung in ländlichen Regio-nen wie auch beim ÖV-Angebot der Agglomerationen zur Folge. Etliche Buslinien müssten ganz gestrichen, das Angebot etwa am Abend drastisch eingeschränkt werden.

Dieser Vorschlag widerspricht den Vorgaben des durch den Kantonsrat erst kürzlich ein-stimmig verabschiedeten Strategieplanes zum öffentlichen Verkehr wie auch dem Wirt-schaftsleitbild, welche dem öffentlichen Verkehr eine zentrale Rolle bei der Standortgunst attestieren. Ausserdem steht dieser Vorschlag im krassen Gegensatz zu den Bemühungen der Ostschweiz, welche vom Bund zu Recht vermehrte Investitionen für einen Ausbau des ÖV-Angebotes in der Ostschweiz verlangt.

Die Mitgliederversammlung des VCS fordert die Mitglieder des Kantonsrates auf, diesen unüberlegten Vorschlag des Runden Tisches zurückzuweisen und kein Eigentor zu schiessen.

nach oben


Aus dem Vorstand

Zum Rücktritt von Peter Jans

Mit dem Rücktritt von Peter Jans müssen wir im Vorstand ein «VCS-Urgestein» ziehen lassen; er hat die Verkehrspolitik in der Stadt wie im Kanton St. Gallen stark mitgeprägt. Peter Jans war praktisch seit Gründung unserer Sektion an vorderster Stelle dabei, sei es als Aktiv-mitglied in der Ortsgruppe St. Gallen, als langjähriger VCS-Sekretär, als Vizepräsident oder juristischer Berater. Sein Sachverstand und seine ruhige, überlegte Art werden uns in den Sit-zungen fehlen, ebenso auch seine ausgeprägte Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte verständ-lich zusammenzufassen. Peter Jans hat während seiner Zeit als VCS-Sekretär an der HSG Jura studiert und führt seit einigen Jahren ein Anwaltsbüro mit einer Partnerin und einem Partner. Wir wünschen ihm, dass er die nun beim VCS eingesparte Zeit tatsächlich als Freizeit nutzen kann und freuen uns, wenn wir fallweise weiterhin auf seine Unterstützung zählen können.

nach oben


Verkehrsplanung:

Neue Begegnungszone in Wattwil

Die Gemeinde Wattwil hat ihre Verkehrsplanung in die Vernehmlassung gegeben. Konkret soll das Ortszentrum mit Bahnhof- und Poststrasse vom Verkehr entlastet und durch eine Begegnungszone aufgewertet werden, damit es in Zukunft zum Flanieren einlädt – auch zu Gunsten des Einkaufsstandorts Wattwil. Als Voraussetzung dafür muss der Durchgangsverkehr auf die Ebnaterstrasse gelenkt werden, die entsprechend mit Mehrverkehr belastet sein wird. Um die entsprechenden Auswirkungen zu begrenzen, sind auch auf diesem Strassenabschnitt Massnahmen für den Fuss- und Radverkehr geplant.

nach oben