Inhalt VCS Leonardo, 02/Nr.6:

Rückzieher der St. Galler Regierung:
Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung: Es harzt


Umfahrung Herisau:
keine Schnellstrasse zum Säntis


Vor Eröffnung:
Einkaufszentren im Sarganserland


Seezugang gewahrt
Bahnunterführung in Schmerikon


Erfolgreich:
Exkursion Begegnungszonen im Rheintal


Rückzieher der St. Galler Regierung

Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung: Es harzt

Die St. Galler Regierung hat ihren Vorschlag zur Parkraumbewirtschaftung bei grösseren Freizeit- und Einkaufszentren, als Massnahme zur Stabilisierung der Luftqualität konzipiert, zurückgezogen. Zwar schätzt sie das Anliegen weiterhin als sachlich richtig ein, doch ver-mochte sie der lauten Kritik einiger Parlamentarier und des TCS offenbar nicht standzuhalten. Bemerkenswert ist der Einsatz des Arena-Disco-Betreibers in Thal. Er sammelte unter seiner Kundschaft 6000 Unterschriften gegen die Bewirtschaftungspflicht – wohl in der Hoffnung, seine unbewilligten 600 Parkplätze fernab jeglichen öffentlichen Verkehrs noch etwas länger gratis anbieten zu dürfen. Taktisch geschickt setzt er zu diesem Zweck auch sein Projekt für ein zusätzliches Multiplexkino ein.

10 Prozent weniger Einkaufs-Kilometer mit 2 Franken pro Stunde. Wir werden uns auch in Zukunft für die flächendeckende Bewirtschaftungspflicht stark machen. Unsere positive Stellungnahme gründete sich u.a. auf eine kürzlich veröffentlichte Forschungsarbeit zum Thema. Sie belegt, dass die Parkplatzbewirtschaftung eine wirkungsvolle Massnahme zur Verringerung von Luftschadstoffen und zur Reduktion des motorisierten Einkaufsverkehrs ist. Bei einer Gebühr von Fr. 2.– / Stunde ist zu erwarten, dass ca. 10 Prozent weniger Kilometer gefahren werden. Die befragten KundInnen gaben an, dass sie in diesem Fall vermehrt ein näher liegendes Einkaufsangebot nutzen oder die Einkaufsfahrten bündeln würden.

Nachweislich würden dank einer flächendeckenden Bewirtschaftung erheblich weniger Schadstoffe emittiert. Die Einführung der Gebührenpflicht in unserem Kanton hätte zu fairen Wettbewerbsbedingungen für den Handel in den Innenstädten und Ortszentren geführt. Einem zu Recht knappen und teuren Parkplatzangebot in den Ortszentren stehen grosse Gratispark-plätze auf der grünen Wiese gegenüber. Dies zieht eine Wettbewerbsverzerrung und den Ruf nach mehr Parkplätzen in der Innenstadt nach sich. Es kann aber nicht der Weg in eine nach-haltige Zukunft sein, die Chancengleichheit mit immer mehr Parkplätzen erreichen zu wollen.

Margot Benz


Umfahrung Herisau:

keine Schnellstrasse zum Säntis

Die Projektorganisation ist beispielhaft, das Informationskonzept hervorragend. Doch trotz guter Vorzeichen ist das, was der VCS als Interessenvertreter in Herisau während Jahren in einer Begleitgruppe «begleitet» hat, zu einer monströsen Sache geworden.

Hiessen die Ziele des Gesamtprojektes vor vier Jahren unter anderem noch: «Ver-besserung der Wohn- und Lebensqualität», «Reduktion des hausgemachten Verkehrs» oder «Attraktivitätssteigerung möglichst gering halten», so stand an der Me-dienkonferenz vom 1. September 2002 die Leistungssteigerung des Verkehrsträgers Strasse und die Anbindung an die A1 im Vordergrund.

Die neue Strasseninfrastruktur soll Appenzell vorwärts bringen. Appenzeller Bundesparlamentarier machen in Bern Druck dafür, dass die geplante Umfahrungsstrasse Herisau ins Nationalstrassennetz aufgenommen wird. Dann kostete sie den Kanton nämlich wenig bis gar nichts. Die Stadt Gossau rechnet sich Chancen aus, auf diesem Wege zu einem weiteren Autobahnanschluss in ihrem Industriegebiet zu kommen. Mit dem Projekt Nationalstrasse würde auch eine Volksabstimmung überflüssig, die politische Auseinandersetzung auf die Bundesebene abgeschoben.

Die tatsächlich existierenden Herisauer Verkehrsprobleme rechtfertigen eine 336 Millionen Franken teure Schnellstrasse unserer Ansicht nach nicht. Was sachlich nicht notwendig ist, wird staatspolitisch begründet. Die überdimensioniert ausgebaute Strasse verschandelt die Landschaft. Weil Velos, Mofas und landwirtschaftliche Fahrzeuge diese nicht benutzen dürfen, müssen gleichzeitig weitere Strassen ausgebaut werden. Die verschiedenen Auf- und Abfahrten führen zur Wertverminderung von Liegenschaften. Neue Lärmprobleme müssen mit aufwändigen Schutzmassnahmen angegangen werden. Der öffentliche Verkehr, auch der Ausflugsverkehr, wird konkurrenziert. Kurz und gut: Das erklärte Ziel, die Attraktivitätssteigerung für den motorisierten Individualverkehr möglichst gering zu halten, wird ins Gegenteil verkehrt.

Die unmissverständliche Richtungsänderung in der Herisauer Verkehrsplanung bedeutet, dass mit dem Bau der Umfahrung noch lange nicht begonnen werden kann. In der Zwischenzeit werden Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz geprüft. Das ist an und für sich begrüssenswert, aber in diesem Zusammenhang der falsche Weg.

Wir fordern den Verzicht auf die Schnellstrasse und die Rückbesinnung auf das Siegerprojekt Yntegral aus dem Wettbewerb Y!

Margot Benz

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Einkaufszentren im Sarganserland

Am 24. Oktober öffnet das neue Coop-Supercenter im Mels-Riet seine Türen. Gleichzeitig nehmen zur besseren Erschliessung der im Riet angesiedelten Einkaufszentren drei neue Postautolinien den Betrieb auf. Während den Öffnungszeiten werden die Zentren jede halbe Stunde angefahren. Dies ist unter anderem auch dem Einsatz des VCS zu verdanken.

Nun müssen die Angebote genutzt werden! Denn in zwei Jahren ist Kassensturz, das heisst, das Angebot wird überprüft. Tadellos sind die Einführungskampagne und die Öffentlichkeitsarbeit, um die SarganserländerInnen für die Option Postauto zu begeistern. Trotz diesen Errungenschaften: Der Standort Riet bleibt ein nicht-integrierter Standort und bedroht die Einkaufsangebote in den umliegenden Ortschaften massiv.

Margot Benz


Bahnunterführung in Schmerikon

Der VCS hat gegen die Aufhebung zweier Bahnübergänge für FussgängerInnen durch die SBB Einsprache erhoben. Die ersatzlose Schliessung der Bahnübergänge würde den Zugang zum See vom Dorf her massiv beeinträchtigen. Nun wurde in den Einspracheverhandlungen durch die SBB zugesichert, dass als Ersatz eine Bahnunterführung gebaut werde, sofern eine Mitfinanzierung durch die Gemeinde Schmerikon und den Kanton St. Gallen gewährleistet ist. Wenn nicht alle Stricke reissen, bleiben dem Fussverkehr also die drohenden unattraktiven Umwege erspart und wird das Dorf vom See nicht noch weiter abgeschnitten.

Andreas Bernhardsgrütter

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Exkursion Begegnungszonen im Rheintal

Auch in der Ostschweiz besteht offensichtlich ein reges Interesse an der Einrichtung von Begegnungszonen. Eine von unserer Sektion organisierte Exkursion zu diesem Thema verzeichnete nicht weniger als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wobei nicht einmal alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten. Die angereisten Behördenmitglieder, ParlamentarierInnen und Fachleute sind wichtige MeinungsträgerInnen. Wir erhoffen uns von der gelungenen Exkursion grosse Breitenwirkung – so dass die Begegnungszonen in unserem Sektionsgebiet nur so aus dem Boden spriessen.

Andreas Bernhardsgrütter

Infos Begegnungszonen

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