Inhalt VCS Leonardo, 02/Nr.5:

Trojanisches Pferd vor Rapperswils Toren: Tunnel Rapperswil löst Verkehrsprobleme nicht.

Heikle Entwicklung in Altstätten: mit zu grosser Kelle angerichtet

Initiative auf Kurs: 12 autofreie Sonntage im Appenzell Ausserhoden

Exkursion Strassenraumgestaltung: am 27. September zu potentiellen Begegnungszonen im Rheintal.


REGIONALGRUPPE SEE UND GASTER

Trojanisches Pferd vor Rapperswils Toren

Nachdem letzthin die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung Rapperswil/Jona veröffentlicht wurden, stellt sich die Grundfrage in neuer Schärfe: Sollen wirklich 500 bis 600 Millionen Franken für den Rapperswiler Tunnel ausgegeben werden, um dann mit grösster Wahrscheinlichkeit feststellen zu müssen, dass sich so die weitgehend hausgemachten Verkehrsprobleme nicht lösen lassen?

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. 87 Prozent aller Fahrten in Rapperswil/Jona gehören demnach zum Ziel-, Quell- oder Binnenverkehr, und die ansässige Bevölkerung benutzt das Auto überdurchschnittlich viel. Zudem wurde aufgezeigt, dass die Achse St. Gallerstrasse–Neue Jonastrasse durch den Tunnel keine Verkehrsentlastung erfährt. Es steht im Gegenteil zu befürchten, dass die Ortsdurchfahrt-Kapazitätsausweitung, wie vom VCS immer vorhergesagt, zu einem starken Verkehrswachstum in der gesamten Agglomeration führen wird.

Seit zehn Jahren liegen die Verkehrszahlen auf dem Seedamm stabil bei ca. 23'000 Fahrzeugen täglich. Auch am höchstbelasteten Tag fahren mit 115 Prozent des Durchschnittsverkehrs nur wenig mehr Autos und Lastwagen als gewöhnlich über den Seedamm. Dies deutet darauf hin, dass die Verkehrskapazitäten ausgeschöpft sind und das Strassennetz – zum grossen Glück für Rapperswil und Jona – schlicht nicht mehr Verkehr bewältigt. Denn die Nachfrage wäre auf Grund der geografischen Lage Rapperswils, des allgemeinen Verkehrswachstums und der starken baulichen Entwicklung in der Region sicher da. Hätte der Seedamm eine Kapazität von 40'000 Fahrzeugen, würden dort heute wohl auch 40'000 Fahrzeuge fahren! Das Schlamassel in den Ortschaften wäre jedenfalls noch um einiges grösser.

Verlierer im grossen Strassenpoker. Mit dem geplanten Bau des Tunnels nach Autostrassenstandards und mit niveaugetrennten Anschlüssen nähme die Kapazität des lokalen Verkehrsnetzes stark zu. Voraussichtlich würden diese zusätzlichen Kapazitäten umgehend genutzt – mit fatalen Folgen insbesondere an den Zugangsachsen. Gerade die Neue Jonastrasse und die St. Gallerstrasse würden nicht nur – wie von den Planern eingeräumt – nicht entlastet, sondern hätten wesentliche Verkehrszunahmen zu verkraften. Und nicht nur das Ortszentrum von Jona, auch das östliche Gemeindegebiet Rapperswils und zahlreiche Wohnliegenschaften wären betroffen.

Die Gemeinden stellen nun richtigerweise fest, dass vermehrte Anstrengungen für einen leistungsfähigeren öffentlichen Verkehr und einen attraktiven Fuss- und Radverkehr unternommen werden müssen, um einen höheren Anteil auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzulenken. Selbstverständlich begrüsst der VCS diese Absicht. Der Modalsplit lässt sich aber nur dann wesentlich verändern, wenn im Sinne einer Push-and-pull-Strategie auch einschränkende Massnahmen beim motorisierten Individualverkehr vorgesehen werden. Dazu gehören beispielsweise eine Begrenzung und flächendeckende Bewirtschaftung des Parkplatzangebotes sowie klare Prioritäten für den öffentlichen wie für den Fuss- und Radverkehr im Strassenraum. Die weitere Planung sollte sich nicht mehr auf den teuren Tunnel konzentrieren, sondern ein Massnahmenpaket für eine Umlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsarten schnüren.

Andreas Bernhardsgrütter

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Heikle Entwicklung in Altstätten

Die Verantwortlichen haben das Verkehrskonzept Altstätten mit seinen zwei Umfahrungsstrassen, drei bis vier Bahnunterführungen und einer Strassenverbreiterung schon fast über die politische Bühne gebracht. An der BürgerInnenversammlung vom 8. April 2002 wurden die entsprechenden Projektierungskredite gesprochen. Durch die rege Beteiligung der Bevölkerung ist aus einem gemässigten, schrittweisen Vorgehen ein «Jekami» geworden.

Am Anfang steht die Sanierung des Bahnhofs Altstätten. Die Verlängerung der Perrons erfordert die Schliessung des Bahnübergangs Alte Landstrasse. Das Nicht-in-Frage-Stellen dieses SBB-Projekts führt zu einer nicht enden wollenden Kettenreaktion mit Umfahrungsstrasse hier, Unterführung dort, Verkehrsverlagerung, Mehrbelastung, weiteren «Problemlösungsstrassen» usw.

Das Ziehen am SBB-Faden verursacht heikle Knoten im heutigen Verkehrs-Fadengeflecht. Es herrschen zwar auch jetzt keine paradiesischen Zustände. Schon oft ist der Versuch gemacht worden, Alternativen zur stark belasteten Kreuzung Trogenerstrasse/Churerstrasse zu finden. Die verfolgten Projekte bringen aber genau hier keine grosse Entlastung: Der stadteigene Verkehr ist eben sehr hoch (bis zu 85 Prozent!). Sieben Zufahrtsstrassen verdeutlichen die Zentrumsfunktion der Stadt. Im Vergleich mit anderen Ortschaften sind die Belastungen durch den Strassenverkehr aber nicht derart hoch, dass Entlastungsstrassen quer durch fruchtbares Gebiet als adäquate Alternativen gelten dürften.
Kommt dazu, dass sich Altstätten im Finanzausgleich befindet und also das Geld nicht mit vollen Händen ausgeben sollte. Der VCS fordert, dass Mass gehalten wird und dass wo immer möglich Niveau-Übergänge erhalten bleiben. Denn diese sind, wenn auch manchmal mit Wartezeiten verbunden, velo- und fussgängerfreundlicher.

Margot Benz

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APPENZELL AUSSERRHODEN

Initiative für 12 autofreie Sonntage auf Kurs

Die erfrischend daherkommende kantonale Volksinitiative wurde im Frühling 2001 lanciert. Kurz vor den soeben vergangenen Sommerferien konnte sie der Ausserrhoder Regierungsrat für zustande gekommen erklären: Mit 428 gültigen Unterschriften – erforderlich sind deren 300 – hat sie die erste Hürde des Wettlaufs um die Volksgunst locker genommen.
«Wenn schon nicht in der ganzen Schweiz, so doch im Kanton Appenzell Ausserrhoden», muss sich nach zwei traurig bachab gegangenen Verkehrs-Initiativen (Verkehrshalbierung und Tempo 30) das Dutzend querdenkerischer BürgerInnen gesagt haben. Denn auf diesem besonderen Boden gedeihen neue verkehrspolitische Ideen besser als im umliegenden Land.

VCS-Rückenwind. Die Väter und Mütter der Initiative fanden heraus, dass bereits im 15. Jahrhundert bei speziellen Gelegenheiten der Verkehr eingeschränkt wurde. Die Ansichten darüber, welches denn heute die speziellen Gelegenheiten sein könnten, gingen zwar auseinander, schreiben die InitiantInnen auf ihrer humorvollen Homepage; zwei motorfreie Tage seien gut, doch wirklich erfreulich wären zwölf. Nach dem Start der Unterschriftensammlung hat der VCS mit einem Brief an alle Mitglieder für die Idee geworben und so mitgeholfen, die nötige Anzahl Unterschriften weit zu übertreffen.
Nach Auskunft der Staatskanzlei ist mit einer Abstimmung im Jahr 2003 zu rechnen. Die Federführung liegt beim Baudepartement, das nun als Nächstes Bericht und Antrag an den Regierungsrat stellen wird. Danach kommt das Geschäft in den Kantonsrat. Möglicherweise wird bereits in der Septembersitzung eine parlamentarische Kommission dazu eingesetzt.

Margot Benz

www.pke.net/autofrei/

www.apug.ch/d/apug/aktionsplan_0_1.php

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am 27. September zu potentiellen Begegnungszonen im Rheintal

Exkursion Strassenraumgestaltung:

Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell führt bereits seit mehreren Jahren Exkursionen durch, um verkehrspolitisch-planerisch innovative Lösungen bekannt zu machen. Thema der diesjährigen Exkursion sind Begegnungszonen und Plätze mit Mischverkehr.

Begegnungszonen sind seit Anfang dieses Jahres offiziell zugelassen. Dank ihnen kann insbesondere in Ortskernen ein verträgliches Miteinander von Fuss- und Veloverkehr einerseits und dem motorisierten Verkehr andererseits gefunden werden. In Wohngebieten lösen sie die früheren Wohnstrassen ab: Hier kann nun mit weniger baulichem Aufwand, als er für eine Wohnstrasse gefordert war, eine Begegnungszone eingerichtet werden.

Die Exkursion findet am Freitag, 27. September 2002, statt und führt nach Buchs, Altstätten und Lustenau. Zielpublikum sind Behördenmitglieder, Fachleute und weitere Interessierte. Für Mitglieder von Gemeinderäten und ParlamentarierInnen ist der Studienausflug kostenlos.

Andreas Bernhardsgrütter

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