Inhalt VCS Leonardo, 02/Nr.4:

Mitgliederversammlung vom 24 Mai 2002: Ressolution für flächendeckende Parkplatzbewirtschaftung

Kurznachrichten: Von Sargans, Wattwil und dem Linthgebiet

VCS Sektion Thurgau: Fortgesetzter Kampf gegen überflüssige T13


Mitgliederversammlung mit verkehrspolitischer Substanz

Eine flächendeckende Bewirtschaftung von öffentlich zugänglichen Parkplätzen: Diese Forderung erhob die Mitgliederversammlung der VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell vom 24. Mai 2002 in Winkeln in einer Resolution. Der Versammlung folgte ein Podiumsgespräch zur finanziell immer noch völlig unklaren Situation des öffentlichen Verkehrs in St. Gallen West.

Neue Untersuchungen kommen zum Schluss, dass sich mit einer Gebühr von Fr. 2.–/Std. der Verkehr, der von publikumsintensiven Anlagen wie Einkaufs- und Freizeitzentren ausgeht, um 9 bis 13 Prozent reduzieren lässt. Zudem kommt so auch bei den Parkplatzkosten das Verursacherprinzip zum Zug und die Wettbewerbsverzerrung gegenüber Städten und Zentren mit ihren kostenpflichtigen Parkplätzen entfällt. Der VCS fordert die Regierungen der beiden Appenzell und des Kantons St. Gallen auf, endlich entsprechend zu handeln – genau so, wie es auch in den Massnahmenplänen zur Luftreinhaltung seit längerer Zeit vorgesehen ist.

Auf ein Jahr voller Aktivitäten konnte Sektionspräsidentin Doris Königer in ihrer Bilanz zurückblicken. Wenig erfolgreich war das Engagement in den Ostschweizer Kantonen für die VCS-Initiative "Strassen für alle" (Ja-Anteile zwischen 10 und 20 Prozent). Gleichwohl vermittelte die Initiative wichtige Impulse, ist doch inzwischen auf Bundesebene die Schaffung von Tempo-30-Zonen stark vereinfacht und neu eine Begegnungszone eingeführt worden. Doris Königer gab sich überzeugt, dass die neue Verordnung neuen Tempo-30-Zonen Auftrieb geben wird.
Rundum erfolgreich waren dafür die Bemühungen in der Stadt St. Gallen für Umgestaltungs- und Verkehrsberuhigungsmassnahmen auf Hauptstrassen. Die vom VCS mitgetragene Initiative "Strassen zum Leben" wurde im Gemeindeparlament von allen Parteien gut aufgenommen und hat dazu geführt, dass nun entsprechende Pläne vorangetrieben werden sollen.
Weitere Aktivitäten entfaltete der VCS im Zusammenhang mit Swiss Marina, dem Flugfeld Altenrhein, der Richtplanung St. Gallen, dem Tunnel Rapperswil, dem Bahnhof Nord in St. Gallen, der Beibehaltung des Stationshaltermodells beim Bahnhof Schänis sowie zur Sonntagsinitiative. Bei rund zehn Projekten wurden Einsprachen vorbereitet oder eingereicht, wobei diese in den meisten Fällen gesprächsweise bereinigt werden konnten.

Der Mitgliederbestand der Sektion blieb bei einer Marke von 8'200 stabil. Bei Einnahmen von Fr. 136'000.– wurde ein Gewinn von Fr. 12'000.– erwirtschaftet. Das Vereinsvermögen stieg damit auf Fr. 140'000.–. Im Vorstand gab es erfreulicherweise keine Rücktritte. Neben den bisherigen Vorstandsmitgliedern Doris Königer, St. Gallen (Präsidentin), Peter Jans, St. Gallen (Vizepräsident), Esther Büchel, Buchen b. Thal (Kassierin), Andreas Bernhardsgrütter, St. Gallen, Daniel Schöbi, St. Gallen, Guido Wick, Wil, und Martin Stamm, St. Gallen, wurden Ruedi Blumer, Gossau, sowie Jules Gut in den Vorstand gewählt.

Ein prominent besetztes Podium zur Situation des öffentlichen Verkehrs in St. Gallen West beschloss die MV 2002. Hier wurde klar, dass wohl Vorstellungen für eine Angebotsverbesserung vorhanden sind, so z.B. in Form direkter Busverbindungen Gossau–EKZ/Stadion–St. Gallen Bahnhof und Herisau–EKZ/Stadion–Abtwil. Zudem sollen die bestehenden städtischen Buslinien verdichtet werden. Noch völlig offen ist aber, wer für dieses Angebot künftig aufkommen soll. Dass bis zur Auflage des Überbauungsplanes die Finanzierung gesichert werden kann, ist sehr unwahrscheinlich. Einfacher gehts bei den Strassenplänen: Der auf 84 Mio. Franken veranschlagte Autobahnausbau Winkeln wird zu einem grossen Teil vom Bund finanziert, und für die zusätzlich notwendigen Ausbauten des Staatsstrassen, die ebenfalls zweistellige Millionenbeträge kosten, stehen entsprechende Strassenfonds zur Verfügung.

Andreas Bernhardsgrütter

Sektionspräsidentin Doris Königer konnte in ihrem Jahresrückblick an der Mitgliederversammlung aus dem Vollen schöpfen.

(Fotos: Margot Benz)

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Kurznachrichten

Umfahrung Wagen–Schmerikon: Gegen Treu und Glauben.

Der VCS St. Gallen/Appenzell ist unzufrieden mit den bisherigen Plänen für flankierende Massnahmen zur Autostrasse Wagen–Schmerikon. Ohne einschneidende Massnahmen auf den bestehenden Strassen ist die erhoffte Entlastungswirkung langfristig nicht zu sichern. Die Gemeinden sprechen davon, im Sommer und Herbst entsprechende Pläne bearbeiten zu wollen. Aus dem kantonalen Tiefbauamt verlautete, wohl sei mit dem VCS ein Wettbewerb zu solchen Massnahmen vereinbart worden, nicht aber deren Umsetzung; für den VCS ist dies ein krasser Verstoss gegen Treu und Glauben.

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Sargans: IC-Halte dank Petition.

Die 40'000 Unterschriften haben die Chefetage der SBB beeindruckt: SBB-Generaldirektor Benedikt Weibel kündigte an, dass der IC Chur–Zürich ab 2005 in Sargans halten werde. Damit erhalten Sargans und die angebundenen Regionen – Werdenberg, Rheintal, Fürstentum Liechtenstein und Teile Vorarlbergs – halbstündliche Verbindungen nach Zürich. Dieser Schritt macht aber nur dann Sinn, wenn auch die übrigen Anschlüsse auf diesen IC-Halt ausgerichtet werden. Angezeigt sind kürzere Fahrzeiten und ein Halbstundentakt des REX sowie ein Ausbau des grenzüberschreitenden Verkehrs.

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Wattwil: Anlauf zur Umgestaltung des Ortskerns.

Vor gut einem Jahr wurde der VCS beim Wattwiler Gemeinderat vorstellig und präsentierte ihm eine durch den VCS erstellte Studie zur Umgestaltung der Strassenräume im Ortskern. Dies hat nun gemäss Pressemitteilung des Gemeinderates neben weiteren Gründen dazu geführt, dass Planungen betreffend Verkehrsführung und Ortskerngestaltung angepackt werden sollen.

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Andreas Bernhardsgrütter


VCS Sektion Thurgau

Fortgesetzter Kampf gegen überflüssige T13

Der Alptraum einer Hochleistungsstrasse zwischen Kreuzlingen und Arbon wird glücklicherweise nicht wahr werden. Ausgestanden ist die Sache aber längst noch nicht: Ersatzweise wird an "modularen Ergänzungen" des Strassennetzes gewerkelt.

Die geplante T13 ist die Fortsetzung der A13 vom Rheintal zum Anschluss ans südwestdeutsche Autobahnnetz in Konstanz. Von einer zu bauenden Südumfahrung Kreuzlingens bis nach Arbon würde sie durch eine der schönsten Landschaften am Bodensee führen, mitten durch wertvolles Kulturland, oberhalb der Dörfer am See den Waldrändern entlang und sogar mitten durch den prächtigen Romanshorner Wald! Die Thurgauer Kantonsregierung träumt von dieser Hochleistungsstrasse schon mehr als 40 Jahre, die VCS-Sektion bekämpft die Pläne seit ihrer Gründung vor gut 20 Jahren. Alle unsere Aktionen haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem WWF Bodensee/Thurgau, der ProNatura Thurgau und schon seit längerem auch mit dem schlagkräftigen "Komitee zum Schutz des Seerückens – T13-Nein" durchgeführt.
Da unsere Einsprache gegen das erste Stück der Kreuzlinger Umfahrung vom Thurgauer Verwaltungsgericht abwiesen wurde, mussten wir weitere rechtliche Schritte erwägen. Der WWF hat den Fall – leider im Alleingang – an das Bundesgericht weitergezogen.

Gute Erschliessung amtlich bestätigt. Der Kanton hat vor kurzem die Resultate der von ihm bei unabhängigen Verkehrsplanern in Auftrag gegebenen Studien über die Verkehrserschliessung des Oberthurgaus publiziert. Alle Studien führen zum Schluss, dass der Oberthurgau strassenseitig heute gut erschlossen ist – und zwar dem Bodensee entlang wie auch vom Thurtal her. Im Bericht steht zudem klipp und klar geschrieben, dass eine (noch) bessere Verkehrserschliessung die wirtschaftliche Entwicklung des Oberthurgaus nicht entscheidend beeinflussen würde. So weit sehr gut.

Hingegen schlägt die Studie eine "modulare Ergänzung" des Strassennetzes mittels Umfahrungen von Kreuzlingen und Amriswil vor, wie auch einen Ausbau der Strecke Scherzingen–Amriswil. Das ist ein schlechter Vorschlag. Umfahrungen haben die Zentren fast überall nur kurzfristig entlastet. Auch ist eine Verdoppelung des Verkehrs auf der Strecke Langrickenbach-Amriswil nicht akzeptabel.

Also aufgepasst: Der Kampf ist noch nicht vorbei. Insbesondere muss jetzt die T13 aus dem kantonalen Richtplan gestrichen werden. Anderseits unterstützen wir wärmstens die vorgeschlagenen Massnahmen zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs: Halbstundentakt im Fernverkehr auf der Thurtalachse Romanshorn–Zürich mit Halt in Sulgen, Vernetzung mit der Region St. Gallen durch Verstärkung der Linie über Bischofszell, besseres Busangebot in und um Kreuzlingen und anderes mehr. Wir werden uns zudem weiterhin für die Förderung einer umweltfreundlichen Mobilität einsetzen – mehr Veloverkehr, mehr volle Autos, Parkplatzbewirtschaftung, mehr Sammeltransporte, usw.

Urs Gessner

Link: www.t13nein.ch

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