Inhalt VCS Leonardo, 02/Nr.2:

Ein VCS-Motor mit ganz schön viel PS: Wertvolle Freiwilligenarbeit der Regionalgruppen
Mitgliederversammlung der Sektion SG/App.: mit spannender Podiumsveranstaltung
Umfahrung Bazenheid: vor Baubeginn
Stopp Transit A13: Velotour von Bregenz nach Bellinzona



Wertvolle Freiwilligenarbeit zum Beispiel der VCS Ortsgruppe St. Gallen

Ein VCS-Motor mit ganz schön viel PS

Das UNO-Jahr der Freiwilligenarbeit ist passé, der idealistische Einsatz geht weiter. Die VCS-Leute in St. Gallen bleiben selbst dann am Ball, wenn sie, wie im Politmatch ums neue FCSG-Stadion, bösen Fouls ausgesetzt sind.

Ausgangspunkt ihres Engagements war die Betroffenheit als verkehrsgeplagte Quartierbewohnerin und als Mutter einer heute 12-jährigen Tochter, deren Schule direkt an der Autobahnausfahrt lag. Seit acht Jahren Mitglied der VCS-Ortsgruppe St. Gallen, ist Doris Königer, beruflich als selbstständige Architektin tätig, inzwischen auch Präsidentin der VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell. "Durch die vielen Themen, die wir in Ortsgruppe und Sektionsvorstand bearbeiteten, fühlte ich mich immer mehr als Fachfrau, die den Verband auch gegen aussen vertreten kann. Projektarbeit, Teamarbeit, Facharbeit, das sind drei Dinge, die ich hier gelernt habe." Für Doris Königer waren sie auch das Sprungbrett in die Politik. Freiwilligenarbeit macht kompetent.
Wenn nun demnächst in St. Gallen eine der stark befahrenen Verkehrsachsen im Sinne eines Pilotprojekts umgestaltet wird, damit Fussgängerinnen und Velofahrer besser vorwärts kommen und der Autoverkehr ruhiger rollt, haben damit wesentlich die SP-Gemeinderätinnen Doris Königer und Susanne Schmid zu tun, "die zwei Power-Frauen, von deren Engagement die Ortsgruppe massgeblich lebt", wie Mitkämpfer Andreas Bernhardsgrütter sagt. Geschickt zogen sie die Fäden, als es ums Schicksal der vom VCS mitgetragenen Volksinitiative "Strassen zum Leben" ging. Nachdem das Stadtparlament trotz anfänglicher Skepsis ihre Anliegen fast unisono in geeigneter Form aufgenommen hatte, wurde sie zurückgezogen. Den Durchbruch brachte eine Exkursion, auf der rund 30 Leute aus Politik und Verwaltung auf Einladung des VCS Anschauungsunterricht genossen und sich vom "Berner Modell" am konkreten Objekt überzeugen liessen.

Lebensqualität in die Stadt zurückbringen. Sechs bis zehn Leute treffen sich zu den monatlichen Sitzungen, weitere Aktive sind von Fall zu Fall dabei, wenn es gilt, den Veloflohmarkt oder andere Aktionen zu organisieren. Auch über ein eigenes Sprachrohr verfügt die Ortsgruppe: Das viermal jährlich erscheinende "VCS lokal", ein Bindeglied zwischen Aktiven und solchen, die es werden könnten, beleuchtet die städtische verkehrspolitische Aktualität und dient auch als Transportmittel für neue Ideen. Wo immer der Verkehr den St. GallerInnen unter den Nägeln brennt, ist die Ortsgruppe nicht weit. Das macht, wie Doris Königer meint, ihre Stärke aus und führt ihr regelmässig neue AktivistInnen zu.
"Im Schnitt arbeite ich 10 bis 20, eher 20 Prozent als Freiwillige für den VCS. Ein- bis zweistündige Montagnachmittagsitzungen im Sekretariat, Vorbereitung und Leitung von Vorstands- und Ortsgruppensitzungen – Letztere gemeinsam mit Susanne –, Einspracheverfahren, Vertretung des VCS an Pressekonferenzen und Podien, Kontakte mit dem VCS Schweiz, Vernehmlassungen, Briefe..." Im gleichen Atemzug erwähnt Doris Königer die "vielen aktiven Frauen und Männer", die am VCS-Karren mitziehen. Seit dem UNO-Jahr achte sie vermehrt darauf, Lob auszusprechen "und nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen". Die Sektion ist dazu übergegangen, ausserordentliche Arbeitsleistungen – in bescheidenem Masse – materiell abzugelten. Es gibt Grenzen der Freiwilligenarbeit, die zu respektieren sind, damit sie nicht (selbst-)ausbeuterisch wird.

Mit dem Shoppingcenter- und Fussballstadion-Projekt in St. Gallen/Winkeln steht der grösste je auf St. Galler Boden realisierte Baukomplex ante portas. Während der Projektierung hat sich die Verkaufsfläche nahezu verdoppelt – entgegen allen Versprechungen vor dem Entscheid über die nötige Zonenplanänderung. Einmal mehr besteht die undankbare Rolle des VCS darin, in Verhandlungen zu retten, was zu retten ist, damit verkehrsmässig nicht alle Dämme brechen. Obwohl die Promotoren auf Geheiss von Stadt und Kanton sowieso nochmals über die Bücher müssen und das Mega-Projekt noch längst nicht so weit ist, dass sich die Frage einer Einsprache stellt, wird der VCS nun auf Vorrat zum Verzögerer gestempelt. Der FCSG- und TCS-Präsident verfiel auf die Idee, mit der Veröffentlichung der Namen allfälliger Einsprecher zu drohen, und in der Presse lief, plump orchestriert von der Agentur Farner, eine Leserbrief-Schmutzkampagne gegen den VCS an.
Doris Königer lässt sich darob nicht entmutigen. Den gelegentlichen Balanceakt zwischen umweltpolitisch Notwendigem und Imagepflege sieht sie so: "Wir machen Einsprachen nur dort, wo es nicht anders geht, und sind als faire Gesprächspartner immer bereit zu Vereinbarungen, die für den Bauherrn und für die Umwelt tragbar sind."

URS GEISER


Mitgliederversammlung mit Podiumsveranstaltung

Mitgliederversammlung

der VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell

am Freitag, 24. Mai 2002
im Rest. Kreuz beim Bahnhof Winkeln (St. Gallen).
Anreise via Hauptbahnhof St. Gallen, Bus Nr. 1 Richtung Winkeln bis Station Winkeln Bahnhof.

  1. Teil, 18.00 Uhr: Verbandsgeschäfte, anschliessend Apéro
  2. öffentlicher Teil, 20.00 Uhr:

Der Vorstand lädt Sie herzlich zu dieser Veranstaltung ein.

Link: Weitere Informationen zur Veranstaltung


Umfahrung Bazenheid: vor Baubeginn

Die zweite Umfahrungsstrassen-Grossbaustelle des Kantons St. Gallen nach jener für Wagen–Eschenbach–Schmerikon ist in Sicht: Wie das kantonale Tiefbauamt meldete, sollen im Juni 2002 in Bazenheid die Bagger auffahren. In die vorausgegangene langjährige Planung hat sich der VCS kräftig eingemischt – und so wirkungsvolle flankierende Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz erreicht. Eine Zeit lang lag gar das Referendum in der Luft.

Bereits seit den 70er-Jahren bestehen Pläne für eine Umfahrung Bazenheid; 1972 wurde das generelle Projekt samt Baulinien vom "Stelz" bis "Brääggfeld" erstellt. Hochkonjunktur und Strassenbaueuphorie dieser Zeit bescherten aber nicht nur Bazenheid kühne Pläne: Auch in Ebnat-Kappel, Lichtensteig, Wattwil, Dietfurt und Bütschwil wurden entsprechende Planungen vorangetrieben und seither teilweise auch realisiert.
Der VCS befürchtete, dass aus den aneinander gereihten Projekten eine durchgehende Autostrasse durchs Toggenburg entstehen könnte – und damit ein Korridor im grossräumigen Nord-Süd-Verkehr. Er hat deshalb diese Pläne zusammen mit den lokalen Gruppierungen Loscht (Leben ohne Schnellstrasse im Toggenburg), VETO (Verein gegen Toggenburgstrasse) und "SOS am Ricken" immer kritisch beobachtet und entsprechend in die Diskussion eingegriffen.

Kompromiss mit Gemeinde und Kanton. Nach verschiedenen Überarbeitungen der Pläne wurde schliesslich 1996 das Genehmigungsprojekt von der Gemeinde in der Vernehmlassung gutgeheissen. Gegen den entsprechenden Beschluss des Gemeinderates wurde kein Referendum ergriffen. In der anschliessenden Behandlung im Grossen Rat des Kantons St. Gallen im Frühling 1997 äusserten sich die VCS-VertreterInnen kritisch zum Projekt und schlugen eine kürzere Linienführung sowie flankierende Massnahmen vor. Mit der Gemeinde Kilchberg wurden sodann konstruktive Verhandlungen aufgenommen und wirkungsvolle flankierende Massnahmen vereinbart. So soll nach dem Bau der Umfahrung die Durchfahrt durch Bazenheid in Richtung Lütisburg nicht mehr möglich sein. Ein Teilstück der bisherigen Staatsstrasse wird zurückgebaut, so dass es nur noch als Verbindung für den Veloverkehr und für landwirtschaftliche Fahrzeuge zu benutzen sein wird. Dieser Vorschlag wurde auch vom Baudepartement mitgetragen und schliesslich – nach einer Referendumsdrohung durch den VCS – auch vom Grossen Rat zum Beschluss erhoben.

Ist die Schnellstrasse damit vom Tisch?
Die Befürchtungen des VCS bezüglich eines schleichenden Ausbaus der Toggenburgroute zu einer durchgehenden Autostrasse sind nach wie vor nicht vollständig zerstreut. Doch immerhin stellt sich die Problematik, auch wenn jetzt ein weiteres Teilstück einer solchen Verbindung gebaut wird, nicht mehr mit der gleichen Dringlichkeit. Aus der Sicht des Grossen Rates und wohl auch des Baudepartementes ist mit dem Tunnel Rapperswil ein Vorhaben in den Vordergrund gerückt, das die Strassenbaugelder des Kantons über Jahrzehnte absorbieren dürfte. Die entsprechenden Projekte in Wattwil, Dietfurt und Bütschwil werden wohl eher auf die lange Bank geschoben, auch wenn die Planung pro forma weiterläuft. Die Beratungen des Strassenbauprogramms 2003–2007 werden hier nähere Aufschlüsse geben.

Trügerische Entlastungs-Hoffnungen?

Bazenheid wird derzeit täglich von ca. 14'000 Fahrzeugen durchquert. Das ist viel, aber doch weniger, als etliche Strassen in St. Gallen, Wil, Rapperswil, Jona oder Gossau schlucken müssen. Der Bau der Umfahrung dürfte eine spürbare Entlastung bringen, doch wird Bazenheid gemäss Botschaft zum Grossratsbeschluss auch danach immer noch über 11'000 Fahrzeuge zu verkraften haben. Es ist zu hoffen, dass Bazenheid dank den flankierenden Massnahmen die Erfahrung von Jona, Wattwil oder Steinach und vielen anderen Ortschaften erspart bleibt: Nach dem Bau ihrer Umfahrungen (Nordumfahrung Rapperswil/Jona, Umfahrung Wattwil - 1. Etappe, Autostrasse Arbon/Meggenhus) weisen diese Ortschaften kaum merkliche Verkehrsentlastungen auf. Während beispielsweise in Wattwil auf der Umfahrungstrasse knapp 5000 bis 6000 Fahrzeuge zirkulieren, wälzen sich weiterhin 12‘000 Fahrzeuge durchs Ortsinnere.

Andreas Bernhardsgrütter




"Stopp Transit A13"

Willkommen zur Velotour des Komitees

Die aktuelle Belastung der San-Bernardino-Route ruft nach geeigneten Massnahmen, die den Schwerverkehr auf der A13 mittelfristig plafonieren und langfristig reduzieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist der Verzicht auf den Bau einer zweiten Röhre am Pfänder bei Bregenz – ein Magnet für zusätzlichen alpenquerenden Güterverkehr. Die Bevölkerung dem Alpenrhein entlang und im Misox ist sich noch zu wenig bewusst, dass diese nationale Strasse – die A13 – zugleich die Europäische Achse E43 ist. Diese Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen von Würzburg (D) nach Bellinzona darf nicht zur attraktiven Transitachse werden. 36 BürgerInnenbewegungen und Umweltorganisationen aus den Regionen entlang der A13 unterstützen deshalb das Komitee "Stopp Transit A13", das sich gegen eine solche Entwicklung wehrt.
Zu den Hauptforderungen des Komitees gehören einerseits griffige Dosierungsmassnahmen auf der A13 respektive E43: Den San-Bernardino-Tunnel dürfen keine Sattelschlepper und Anhängerzüge passieren und es müssen vermehrt konsequente Verkehrskontrollen durchgeführt werden. Andererseits darf kein Ausbau der Vorarlberger Schleusen stattfinden: keine zweite Röhre am Pfänder, keine S18-Autobahnspange von der A14 zur A13, kein Letzetunnel bei Feldkirch! Um diese Forderungen in der betroffenen Bevölkerung breiter zu verankern, treten wir vom 10. bis 15. Juni von Bregenz bis nach Bellinzona der A13 entlang kräftig in die Pedale und laden unterwegs die Medien zu verschiedenen Lokalterminen ein (s. Programm unten). Sind Sie auf der einen oder andern Etappe mit dabei?

Stefan Grass


Biciclettata Bregenz – Bellinzona



Infos und Anmeldungen
(auch tage-/nachtweise) bis 15. Mai 2002 bei Annatina Badrutt: 081 284 70 60 / info@vcs-gr.ch
Das Neueste auf: http://www.vcs-gr.ch/netzwerka13/an13.html

Preise: 5 Übernachtungen mit Frühstück und Abendessen pauschal SFR 450.–/300 Euro, einzelne Übernachtungen auf Anfrage (max. SFR 70.–/50 Euro)


Verpasste Chance in Liechtenstein. Liechtensteins StimmbürgerInnen haben am 10. März 2002 die Verfassungsinitiative Verkehr mit 54.5 % Nein bei einer Stimmbeteiligung von 64.6 % abgelehnt. Das interregionale Komitee "Stopp Transit A13" bedauert dies sehr. Ein klares Votum gegenüber den Infrastrukturplänen in Vorarlberg wäre sehr wertvoll gewesen. Für das Komitee sind die 45.5 % Jastimmen eine Verpflichtung, sich gegen den überbordenden Transitverkehr und für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen einzusetzen, besonders auf der Achse der A13.