VCS Sektion St. Gallen/Appenzell
zum Stadtentwicklungskonzept Gossau
Auf ausgetretenen Pfaden
1998 hat die Gossauer Bevölkerung mit satten 85 Prozent ein Projekt
für einen Kerntunnel beerdigt. Nun werden im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes
erneut Pläne für Umfahrungen und neue Strassen gewälzt.
Wie bereits im Abstimmungskampf zum Kerntunnel lehnt der VCS neue Durchfahrtsachsen
ab und fordert im Rahmen seiner Vernehmlassung zum Stadtentwicklungskonzept
Gossau stattdessen Sofortmassnahmen auf dem bestehenden Strassennetz.
Hingegen begrüsst der VCS die geplante Verbesserung beim öffentlichen
Verkehr (ÖV) sowie beim Staumanagement und hofft auf zusätzliche
Massnahmen zugunsten des Langsamverkehrs.
Die angestrebte Aufwertung des Dorfkerns zwischen Gröbliplatz und
Coop mit Koexistenz aller Verkehrsarten, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität
und Verkehrssicherheit durch Reduktion der Fahrbahnbreiten ist bestimmt
die richtige Antwort. Beispiele im In- und Ausland zeigen die Wirksamkeit
dieser Massnahmen. Gossau hat aber zwischen Mettendorf, Niderdorf, Fennhof
und Eichen rund 5 km Kantonsstrassenachsen, die es – mit Umgestaltungen
auf grösseren Abschnitten im Sinne der Koexistenz – ebenfalls
aufzuwerten gilt.
Neue Achsen sind kontraproduktiv
Die im Konzept vorgesehenen neuen Achsen vermögen nicht zu überzeugen.
Sie verlagern den Verkehr an Orte, wo er nicht weniger stört, und
rufen – zu Ende gedacht – nach weiteren Strassen. Das Ansinnen,
Busbahnhof, Velofahrer- und Fussgängerstrom beim Bahnhof durch eine
neue Strasse abzuschneiden, ist vollumfänglich abzulehnen. Doch auch
die Variante a: Poststrasse-Quellenhofstrasse führt zu Konflikten
in Wohngebiet, bei den Querungen des Langsamverkehrs, dem Knoten Ringstrasse/Herisauerstrasse
und wird zudem eine zusätzliche Trennwirkung entfalten. Die grossräumige
Umfahrung entlang der Bahnlinie (Kernprojekt 3) schliesslich ist mit immensen
Kosten bei fraglichem Nutzen verbunden; sie vermöchte die Problematik
des hausgemachten Verkehrs auch nicht annähernd zu lösen.
15-Minuten-Takt, massiv mehr Passagiere
Begeistert ist der VCS darüber, dass das Stadtentwicklungskonzept
auf einen Viertelstundentakt im öffentlichen Verkehr hinzielt. Zusätzlich
zu einem attraktiven Fahrplan schlagen wir weitere Massnahmen vor, um
die ÖV-Akzeptanz und das Umsteigen zu fördern. Als Zielgrösse
soll eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2010 gelten.
Vom vorgeschlagenen Verkehrs- und Staumanagement sind keine Wunder zu
erwarten. Da es sich in Gossau grösstenteils um «hausgemachten»
Binnenverkehr handelt, werden Dosier- und Pförtnersysteme nur beschränkte
Wirkung entfalten können. Gossau besitzt mit der A1 eine Umfahrungsmöglichkeit,
Ziel eines Verkehrsmanagementsystems muss die Verlagerung von möglichst
viel motorisiertem Durchgangsverkehr auf diese Achse sein. Zwingend sind
deshalb flankierende Massnahmen, die das Ausweichen des Autoverkehrs durch
Quartiere verhindern, den ÖV an allen Dosierstellen klar priorisieren
und den Velofahrenden mittels Radstreifen die Vorfahrt entlang der Autokolonnen
ermöglichen.
Andreas Bernhardsgrütter
Langsamverkehr Gossau
Unterschätzter Langsamverkehr
Eine durch die Gossauer Fachgeschäfte in Auftrag gegebene
Umfrage aus dem Jahre 1999 zeigt, dass rund 60 Prozent der Einwohnerschaft
für die Einkäufe in Gossau zu Fuss, mit dem Velo oder
dem Bus unterwegs sind – und nur 38 Prozent mit dem Auto.
Der VCS hofft, dass die grosse Bedeutung des Langsamverkehrs für
die Stadtentwicklung erkannt und in ein Kernprojekt zur Förderung
des Velo- und Fussverkehrs münden wird. |
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