Inhalt VCS Leonardo, 04/Nr. 7:

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Gütliche Einigung beim Pizolpark Mels


Dokumentation Strassenraumgestaltung:
Zur Nachahmung empfohlen


Die A53 ist eine Todesstrecke


Gütliche Einigung beim Pizolpark Mels

Die Entwicklung beim Autobahnkreuz Mels verursacht erhebliche Verkehrsprobleme im Umfeld, konkurrenziert den örtlichen Detailhandel und gefährdet damit die Versorgungsstruktur in den Dörfern. Die ansässigen Einkaufszentren rechnen mit einem weiträumigen Einzugsgebiet und sind einseitig auf Autokundschaft ausgerichtet. Deshalb hat der VCS beim geplanten Ausbau des Pizolparks in Mels Einsprache erhoben. In den zwischenzeitlich erfolgten Einspracheverhandlungen konnten wichtige Verbesserungen und eine Einigung mit der Migros erreicht werden:

  • Alle Besucherparkplätze werden nach Abschluss der Bauarbeiten durch eine Schrankenanlage bewirtschaftet (mind. Fr. 1.– ab der ersten Stunde). Eine flächendeckende Parkplatzbewirtschaftung fürs Gebiet Riet/Rietbühl, gültig auch für die übrigen Einkaufszentren, wird nun endlich durch die Gemeinde Mels ab Abschluss der Umbauarbeiten in Kraft gesetzt.
  • Neu wird sich die Migros auch an der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (ÖV) beteiligen, gemeinsam mit dem benachbarten Coop sowie Möbel Pfister. Dank Installation einer elektronischen Fahrgastinformation werden Einkaufende über das ÖV-Angebot im Bild sein.
  • Die Velo fahrende Kundschaft kommt neu in den Genuss von 120 gedeckten und mit Schliessvorrichtung versehenen Abstellplätzen, die bedarfsgerecht weiter auszubauen sind.

Der VCS prüfte auch, ob anlässlich der Renovation des über 30-jährigen Einkaufszentrums und des damit einhergehenden Ausbaus der Verkaufsfläche um 30% die Bestimmungen des Richtplans anzuwenden seien – die an diesem Standort grundversorgungs- und zentrumsrelevante Verkaufsflächen ausschliessen würden. In diesem Punkt konnte sich der VCS nicht durchsetzen. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Richtplanung wenig Handhabe bietet, um einem weiteren Ausbau publikumsintensiver Anlagen und damit zusätzlichem Mehrverkehr zu begegnen. Leidtragende werden die Fachgeschäfte und Detaillisten der Region sein.

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Dokumentation Strassenraumgestaltung:

Zur Nachahmung empfohlen

Mit guten Beispielen Möglichkeiten aufzeigen und so zum Nachahmen anregen: Dies war das Ziel der Exkursion, welche die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell am 22. Oktober zum Thema Strassenraumgestaltung durchführte. Einige ausgezeichnete Vorbilder für ein gelebtes Miteinander zwischen Autofahrern und Fussgängerinnen, Velofahrern und ÖV-Kundschaft haben wir für Sie in einer Dokumentation zusammengefasst.

Es ist möglich, dass auf einer Kantonsstrasse mit täglich über 10000 Autos und 1000 Bussen Fussgängervortritt herrscht – so gesehen am Zentralplatz in Biel. Man kann auch mit günstigen und provisorischen Massnahmen einen städtischen Platz sehr ansprechend gestalten (s. Illustration). Diese und weitere gelungene Gestaltungen von Strassen und Plätzen im Mischverkehr sind in der neuen Broschüre des VCS St. Gallen/Appenzell dokumentiert. Sie enthält insgesamt elf Beispiele vorwiegend aus dem Raum Espace Mittelland und kann für Fr. 25.– (für Mitglieder) resp. Fr. 30.– bei unserem Sekretariat bezogen werden. Weiterhin erhältlich sind auch die Exkursionsunterlagen aus dem Jahr 2002 zum Thema Begegnungszonen im Raum Ostschweiz (Fr. 20.–/25.–) sowie die Dokumentation 2001 zum Thema Umgestaltung Hauptstrassen/Berner Modell (Fr. 15.–/20.–).

Viele der Beispiele sind zudem auf der Homepage der Sektion (www.vcs-sgap.ch) in der Rubrik «Dossier» dokumentiert.

Andreas Bernhardsgrütter

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Die A53 ist eine Todesstrecke

Mit dem Bau der Autostrasse Wagen–Schmerikon werde die Verkehrssicherheit erhöht, hiess es. Heute wissen wir es besser: Auf 6 Todesopfer und 25 Verletzte beläuft sich die traurige Bilanz nach knapp neunmonatigem Betrieb. Das wirft auch neue Schatten auf den geplanten Rapperswiler Tunnel.

Im Vorfeld der Abstimmung über die A53 wurde heftig gestritten: über die Entlastungswirkung in den Dörfern, die Menge des Mehrverkehrs und die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Erste Verkehrszählungen haben gezeigt, dass die versprochene Entlastungswirkung für die Dörfer deutlich verfehlt wurde und das Linthgebiet insgesamt eine hohe Verkehrszunahme zu verzeichnen hat. Vor allem aber ist die neue Strasse – zusammen mit der seit Eröffnung der A53 mit 40 Prozent Mehrverkehr belasteten Nordumfahrung Rapperswil/Jona – zur eigentlichen Todesfalle geworden. Die schlimmsten Befürchtungen der Gegnerinnen und Gegner sind übertroffen worden. Diese gingen in der Studie «T8/A8» von weniger, dafür aber schwereren Verkehrsunfällen aus und prognostizierten im Gegensatz zu den offiziellen Voraussagen eine deutliche Erhöhung der Zahl von Verletzten und Toten.

Auch hinsichtlich des geplanten Tunnels Rapperswil werfen die leidvollen A53-Erfahrungen neue Fragen auf. Geplant ist eine zwei- bis dreispurige, 4,5 km lange Röhre mit Gegenverkehr. Dazu sind zwei unterirdische Anschlusswerke geplant. Der Tunnel dürfte nach offiziellen Prognosen täglich von rund 25000 Fahrzeugen befahren werden: also rund 50 Prozent mehr als im Tunnel Balmenrain oder ein Drittel mehr als am Gotthard. Ob ein zweispuriger Tunnel mit Gegenverkehr angesichts dieser Verkehrsbelastung und entsprechender Gefährdungen – etwa bei Lastwagenunfällen mit gefährlichen Gütern – den Sicherheitsanforderungen für neue Bauwerke entspricht, muss bezweifelt werden. Der Bau von zwei separaten Röhren würde das Projekt aber vollends unbezahlbar machen. Statt der veranschlagten stattlichen 750 Mio. Franken wäre ein Milliardenbetrag fällig.

Natürlich möchte der VCS keinesfalls einer vierspurigen Variante das Wort reden. Dies entspräche einem starken Kapazitätsausbau und hätte auf dem zuführenden Strassennetz – etwa auf der neuen Jonastrasse – eine hohe Verkehrszunahme zur Folge. Vielmehr hält der VCS die derzeitige Planung insgesamt für verfehlt. Das Beispiel der A53 zeigt einmal mehr, dass bei solchen Projekten die Entlastungsprognosen regelmässig Lügen gestraft, die negativen Auswirkungen negiert und die Versprechungen zu den flankierenden Massnahmen gebrochen werden. Der VCS plädiert darum für Sofortmassnahmen auf dem bestehenden Strassennetz, mit denen sich die negativen Auswirkungen auf das Umfeld innert nützlicher Frist reduzieren lassen.

Urs Bernhardsgrütter

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