Inhalt VCS Leonardo, 04/Nr. 6:

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VCS zum Gossauer Stadtentwicklungskonzept:
Nur eins passt nicht ins Konzept


Einsprachen gegen Einkaufszentrum Webersbleiche und OBI- / M-Parc Abtwil:
Verbessern, nicht verhindern


Ortsbus für Agglomeration Rorschach


Exkursion Strassenraumgestaltung


VCS St. Gallen/Appenzell zum Gossauer Stadtentwicklungskonzept

Nur eins passt nicht ins Konzept

Grundsätzlich begrüsst der VCS St. Gallen/Appenzell das Gossauer Stadtentwicklungskonzept. Doch statt mit einer neuen Südverbindung andere Stadtquartiere zu belasten, würde man viel besser die St. Gallerstrasse durch gestalterische Massnahmen aufwerten.

Als Grundlage für die Entwicklung Gossaus dient der Leitsatz, wonach das Stadtzentrum für Einkaufen, Verweilen, Wohnen und Arbeiten sowie für vielfältige kulturelle und Freizeitaktivitäten attraktiv werden soll. Die grösste Knacknuss ist dabei die Verkehrssituation. Doch Gossau hat hier alle Karten in der Hand: 85 Prozent des motorisierten Verkehrs sind hausgemacht. Spürbare Verbesserungen sind daher nur durch ein anderes Mobilitätsverhalten von Gossauerinnen und Gossauern zu erreichen. Wie der VCS in seiner offiziellen Stellungnahme schrieb, unterstützt er die daraus abgeleitete Strategie des Konzeptes in dreieinhalb von vier Punkten:

  • Die Strassenräume insbesondere im Stadtkern sind gestalterisch aufzuwerten.
  • Ein besseres Busangebot und sichere, direkte Fuss- und Velowege motivieren zum Umsteigen.
  • Mit dem Dosierungskonzept wird der Stau an Stellen verlagert, wo er siedlungsverträglich ist und den Bus nicht behindert.
  • Bei der Südverbindung können wir nur die Westspange (Verbindung Wilerstrasse– Flawilerstrasse) unterstützen. Die Südverbindung lehnt der VCS klar ab.

Denn zusätzliche Strassen verursachen Mehrverkehr. Eine Südverbindung als Parallelachse zur St. Gallerstrasse widerspricht dem Ziel, den hausgemachten motorisierten Verkehr durch Verhaltensänderungen zu reduzieren. Eine Südverbindung würde Verkehr auf andere sensible Stadtquartiere verlagern. Es macht keinen Sinn, neue Quartiere mit Mehrverkehr zu belasten und so Lärm und Gestank gleichmässiger zu verteilen. Zudem würde der Bahnhof – und je nach Variante das attraktive Stadtentwicklungsgebiet Butterzentrale – durch die Südverbindung vom heutigen Zentrum abgetrennt.

Der Verkehr muss dort, wo er heute ist, verträglicher gestaltet und vermindert werden. Genau das erreichen wir mit Strassenraumgestaltung, Dosierungssystem und attraktiven Alternativangeboten.

Ruedi Blumer


Verpasste Riesenchance

Die Ortsdurchfahrt Gossau ist seit einiger Zeit eine Baustelle. Anlass für die Umbauten sind Werkleitungsarbeiten. Damit sind auch Sanierungsarbeiten an der Oberfläche verbunden. Wenn schon in diesem Stil grossflächig umgepflügt wird, hätte man im gleichen Zug auch die Strassenfläche ohne grosse Mehrkosten gestalterisch aufwerten können. Anstatt diese Chance zu packen und das Mögliche innert nützlicher Frist umzusetzen, bastelt Gossau an wolkigen Umfahrungsstrasse-Projekten. Jahrzehntelange politische Zänkereien sind programmiert.


Einsprachen gegen Einkaufszentrum Webersbleiche und OBI- / M-Parc Abtwil

Verbessern, nicht verhindern

Erneut sah sich der VCS veranlasst, gegen zwei grössere Bau-vorhaben Einsprache zu erheben. Im Fall Webersbleiche bestehen nur Unsicherheiten beim Nach-weis der unbehinderten Fahrt für den öffentlichen Verkehr. Beim Obi-Fachmarkt hingegen geht es um grundsätzliche, raumplanerische Fragen.

Der VCS ist sich bewusst, dass diese Einsprachen nicht eitel Freude auslösen. Es geht aber in beiden Fällen einzig um das nötige Verbessern und nicht um das Verhindern der Bauprojekte. Was heute in oder um St. Gallen gebaut wird, hat auf Jahrzehnte hinaus Bestand. Es lohnt sich daher, verkehrsintensive Grossprojekte genau zu prüfen, um Fehlentwicklungen im Bereich der Raum- und Verkehrsplanung vorzubeugen. Gerne würde der VCS diese undankbare Aufgabe den dafür eigentlich zuständigen Bewilligungsbehörden überlassen. Grund zur Hoffnung besteht in dieser Beziehung aber weniger denn je: Der Mitte September bekannt gewordene Stellenabbau im kantonalen Baudepartement lässt nichts Gutes erahnen.

Eine Bebauung der Webersbleiche und damit die geplante inner-städtische Verdichtung und Nutzungserweiterung ist grundsätzlich zu begrüssen. Solches macht raumplanerisch Sinn, im Gegensatz zum weiteren Ausbau von Verkaufsflächen am Stadtrand. Der Gestaltungsplan enthält aber Mängel. Der VCS verlangt, dass Massnahmen vorzusehen sind, um den generierten zusätzlichen Verkehr zu reduzieren. Unser klares Ziel: Die Buslinien, die Trogener Bahn und die zahlreichen Postautolinien dürfen auch zu Spitzenzeiten nicht behindert werden. Weiter fordert der VCS witterungsgeschützte und mit einer Abschliessvorrichtung versehene Veloparkplätze beim Haupteingang des geplanten Gebäudes.

Beim Obi-Markt hingegen, in unmittelbarer Nähe des Säntisparks geplant, gibt es grundsätzliche Einwände: Das Bauvorhaben bringt dem schon heute stark belasteten Gebiet erheblichen Mehrverkehr. Die gesetzlichen Anforderungen für eine ausreichende Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr sind nicht erfüllt. Die Anzahl Parkplätze – und das damit verbundene Verkehrsaufkommen – ist zu hoch, die Beurteilung der Entwicklung der Luftqualität zu optimistisch. Und es fehlen die zum heutigen Zeitpunkt als verhältnismässig zu betrachtenden Massnahmen für den Fall einer Überschreitung der vorausgesagten Fahrtenzahlen.

Thomas Schwager


Ortsbus für Agglomeration Rorschach

Im Innerortsverkehr in der Agglomeration Rorschach spielt der öffentliche Verkehr heute nur eine untergeordnete Rolle. Das soll sich ändern: Der VCS macht Vorschläge für einen Ortsbus für die Gemeinden Rorschach, Rorschacherberg und Goldach.

Rorschach, Rorschacherberg und Goldach bilden ein zusammengewachsenes Siedlungsband: Die Voraussetzungen für einen attraktiven öffentlichen Verkehr (ÖV) sind damit eigentlich gegeben. Doch spielt der ÖV heute im Verkehr innerhalb und zwischen diesen Gemeinden eher eine Nebenrolle. Die bestehenden Postautolinien funktionieren vor allem als Verbindungen in die Region. Es fehlen innerörtliche Direktverbindungen, zudem sind wichtige Siedlungsteile nur ungenügend mit öffentlichen Verkehrsmitteln abgedeckt. Der Hauptbahnhof Rorschach ist nicht an den Bus angebunden. Man ist deshalb – anders als etwa im benachbarten St. Gallen – für kürzere Strecken kaum je mit dem Bus unterwegs. Das wird sich ändern, wenn es nach den Vorstellungen des VCS geht. Er hat in einem Arbeitspapier verschiedene Vorschläge entwickelt, wie in der Agglomeration Rorschach ein Ortsbussystem aussehen könnte.

Der VCS schlägt drei Durchmesserlinien von Goldach über Rorschach zum Bahnhof Rorschach resp. nach Rorschacherberg vor, die im Viertelstundentakt betrieben werden. In der vorgelegten Ideenskizze wird mit Kosten von ca. 1,1 Mio. Franken pro Jahr gerechnet. Da der bestehende Ringbus Rorschach–Rorschacherberg in das System integrierbar ist, liegen die effektiven Gesamtkosten für die drei beteiligten Gemeinden deutlich unter einer Million. Zudem ist mit kantonalen Beiträgen zu rechnen.
Die Verlängerung der Postautolinien von/nach dem Hauptbahnhof würde – bei geringen Mehrkosten – eine Verdichtung des Busangebotes in der Kernzone bewirken und Anschlüsse für die Postautoreisenden am Hauptbahnhof ermöglichen. Mit der geplanten Einführung des integralen Tarifverbundes wird das Billett für Postautos und Stadtbusse gültig sein.

Der VCS ist überzeugt, dass die Mehrkosten für die drei Gemeinden tragbar sind und eine Verbesserung des ÖV einen wesentlichen Beitrag zur Linderung der Verkehrsprobleme in der Agglomeration bilden könnte. Die Ortsbussysteme etwa von Wil oder Frauenfeld mit ihren ähnlich grossen Agglomerationen zeigt es: Einmal eingeführt, ist ein solches Angebot innert kurzem nicht mehr wegzudenken.

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Exkursion Strassenraumgestaltung

Wie bereits in der letzten Leonardo-Ausgabe berichtet, führt die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell am kommenden 22. Oktober eine Exkursion durch zum Thema «Begegnungszonen und Plätze im Mischverkehr». Begegnungszonen sind insbesondere in Ortskernen der Schlüssel zu einem verträglichen Miteinander zwischen Fuss- und Veloverkehr einerseits und dem motorisierten Verkehr andererseits. In Wohngebieten lösen die mit wenig baulichem Aufwand realisierbaren Begegnungszonen die früheren Wohnstrassen ab.

Die Exkursion führt nach Biel, Grenchen und Köniz. Zielpublikum sind Behördenmitglieder, Fachleute, Gemeinderätinnen, Parlamentarier und weitere Interessierte.

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