Inhalt VCS Leonardo, 04/Nr. 5:

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Der VCS zur Richtplanung des Kt. St. Gallen
Genug Standorte für Einkaufszentren


29.8.04:
slowUp euregioBodensee


22.10.04:
Exkursion Strassenraumgestaltung


Einsatz fürs neue Tourismuskonzept


Genug Standorte für Einkaufszentren

Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell hat sich im Rahmen der Vernehmlassung mit den geplanten Richtplan-Anpassungen '04 beschäftigt. In den vorgesehenen Änderungen im Bereich Einkaufs- und Freizeitzentren sieht der VCS einen bösen raumplanerischen Fehlgriff. Nicht von ungefähr!

Im Sinne der Rechtssicherheit verlangt der VCS, auf die geplanten Änderungen des erst zweijährigen Richtplans im Bereich von Einkaufs- und Freizeitzentren zu verzichten. Im Detail sehen die Änderungen mit Wil, Buriet und Widnau drei neue kantonale Standorte vor, wo neue Einkaufs- und Freizeitzentren errichtet werden könnten. Der VCS wehrt sich dagegen, dass sich bald einmal an jede Autobahnausfahrt ein Shoppingcenter oder Fachmarkt anschliessen kann. Die drei neu aufgenommenen Standorte entsprechen keiner raumplanerischer Gesamtsicht, sondern sind das Ergebnis entsprechender Wünsche der betroffenen Gemeinden beziehungsweise der interessierten Investoren.
Neue Standorte sollten nur an bereits gut mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) erschlossenen Lagen in Frage kommen. Es ist unsinnig, die jetzt schon knappen Mittel für den Ausbau des ÖV für eine nachträgliche Erschliessung autogerechter Standorte einzusetzen. An Autobahnausfahrten und generell an peripheren Lagen hat der ÖV von Beginn weg schlechte Karten und kann selbst bei hohen Investitionen keinen angemessenen Anteil erreichen. Und überhaupt ist das ganze Kantonsgebiet ausreichend mit Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen versorgt, so dass grundsätzlich kein Bedarf für eine Aufweichung der heutigen Richtplanbestimmungen besteht.

Eine unheilvolle Entwicklung ist im Gang – denn die erreichten Umweltstandards werden mehr und mehr mit kleineren Läden unterlaufen. In Altenrhein hat Aldi eine Bewilligung für den Bau eines Supermarktes in einer Gewerbezone erhalten. Mit 700 m2 braucht der Laden keine Umweltverträglichkeitsprüfung – der VCS konnte deshalb nicht mittels Verbandsbeschwerde auf die Einhaltung der Umweltstandards pochen. Zum Laden gehört ein Parkplatz mit rund 170 Plätzen, was vergleichsweise sehr viel ist. Damit ist eine neue Entwicklung im Detailhandel eingeleitet, die wichtige raumplanerische Ziele und Errungenschaften untergräbt.

Aldi, Lidl und Denner fahren alle die gleiche Strategie: Irgendwo in einer Gewerbezone werden billige Blechkisten hingestellt und darum herum grosse Parkplätze gebaut. Dieses Konzept hat offenbar in den Nachbarländern Erfolg. Die Folgen kann man in Frankreich, Italien oder Deutschland landauf, landab beobachten: Die ursprünglich kleingewerblichen Einkaufstrukturen – die Läden um die Ecke – gingen verloren. In den Dörfern und in Stadtzentren kann man kaum noch ein Brot kaufen. Der «Supermercato» befindet sich irgendwo weitab von den Wohngebieten und ist eigentlich nur noch per Auto erreichbar. Wer keines besitzt, bleibt auf der Strecke, sind diese Supermärkte doch kaum je mit einem Bus erschlossen. Jetzt soll es, wenn es nach den Plänen der Discounter geht, auch in der Schweiz so weit kommen.

Die bestehenden raumplanerischen und umweltrechtlichen Instrumente greifen hier nicht. Diese sind auf grössere Fachmärkte und Einkaufszentren ausgelegt. Das erlaubt diesen neuen Läden, die Umweltstandards, wie sie vor allem auch dank dem Verbandsbeschwerderecht erreicht wurden, zu unterlaufen.

Es liegt an den kantonalen und kommunalen Behörden, Instrumente zu entwickeln, die der Tendenz zu immer mehr «motorisierten Einkaufswägeli» entgegenwirken. Notwendig wäre etwa ein Verbot, in abseits gelegenen Gewerbe- und Industriezonen publikumsintensive Anlagen sowie Einkaufsangebote mit Gütern des täglichen Bedarfs einzurichten. Zudem gilt es, geltende Umweltstandards wie die Bewirtschaftung von Parkplätzen sowie die zwingende Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch auf kleinere Läden auszudehnen, wenn diese fern von Orts- und Quartierzentren erstellt werden sollen. Im Weiteren ist die zulässige Parkplatzzahl in den Baureglementen der Gemeinden nach oben zu begrenzen.


29.8.04: slowUp euregioBodensee

Am Sonntag, den 29. August ist es wieder so weit: Das schweizerische Bodenseeufer wird – wenigstens für einen Tag – autofrei. Geniessen Sie die Fortbewegung aus eigener Muskelkraft, die besonders Spass macht, wenn rundherum keine Motoren röhren.

Bereits zum dritten Mal wird der SlowUp in der Bodenseeregion durchgeführt. Die Gegend zwischen Romanshorn und Horn wird zu einer grossen Festhütte. Für dieses Jahr wurde das autofreie Gebiet bis nach Amriswil vergrössert. Es ist immer wieder erstaunlich, dass wohl Tausende auf den Strecken unterwegs sind und doch nur ein leises Rauschen von Rollen und Rädern zu hören ist. Da wird einem so richtig bewusst, an welchen Umgebungslärm wir uns an den 364 anderen Tagen bereits gewöhnt haben.

Weitere Informationen für einen heiteren Ausflug auf: www.slowup.ch

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22.10.04: Exkursion Strassenraumgestaltung

Bereits zum vierten Mal organisiert die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell eine Exkursion zum Thema Strassenraumgestaltung. Am kommenden 22. Oktober werden wir beispielhafte neue Projekte in Grenchen, Biel und Köniz besichtigen. Angesprochen sind insbesondere Behörden, Gemeinderätinnen und Parlamentarier, aber auch Fachpersonen und interessierte Laien. Die Ausschreibung erfolgt nach den Sommerferien. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage: www.vcs-sgap.ch

Andreas Bernhardsgrütter

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Einsatz fürs neue Tourismuskonzept

Der Kanton St. Gallen ist auf gutem Weg zu einem neuen Tourismus-Konzept. Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell hat sich sowohl an der Konzepterarbeitung wie auch an der Vernehmlassung beteiligt. Viele Kritikpunkte konnten im Laufe der geführten Diskussionen bereits bereinigt werden. Das Konzept wurde im Rahmen des Wirtschaftsleitbildes initiiert und entstand in drei Arbeitsgruppen mit einer grossen Zahl von Beteiligten.

Auf die Einbindung der folgenden zwei Leitsätze haben wir besonders Wert gelegt. Diesen werden jeweils die konkreten Handlungsanforderungen an den Kanton und zukünftige Schlüsselprojekte zugeordnet. Verantwortlichkeiten, Terminierung, Kostenverteilung und vorgesehene Massnahmen wurden in einem ersten Schritt in diesem Konzept festgehalten.

Leitsatz 8: Öffentlicher Verkehr

Tourismusschwerpunktgebiete und Tourismusattraktionen sollen gut durch den öffentlichen Verkehr (ÖV) erschlossen sein. Insbesondere sollen Schwerpunktgebiete und Attraktionen gezielt zu integrierten, kundenorientierten Angeboten vernetzt und durch ein exzellentes öffentliches Liniennetz miteinander verbunden und erschlossen werden.
Mögliche Schlüsselprojekte:

  • Integraler Tarifverbund Ostwind (2007)
  • Aufnahme ÖV-Tageskarte in Bodensee-Erlebniskarte (Projekt)
  • Aufbau einer Congresscard/Gästekarte mit lokaler ÖV-Benützung (Projekt)
  • Anschluss des Kantons St. Gallen ans deutsche Eisenbahn-Hochleistungsnetz (2007)
  • Verlängerung S2 des Zürcher Verkehrsverbundes Zürich–Ziegelbrücke nach Unterterzen (2005)
  • Verbesserung ÖV-Erschliessung (direkte Verbindungen, Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit des ÖV) im obersten Toggenburg (laufende Planung)
  • Einführen Städtenetz Bodanrail (2007)
  • Neue Lösungen für Velo- und Gepäcktransport (laufende Planung)
  • Verbesserte Orts- und Sportbussysteme in den Schwerpunktgebieten (in den Winter- und Sommermonaten) (Projekt)
  • Ausarbeitung neuer Tourismusprodukte im Bereich «Urlaub ohne Auto»(Projekt)

Leitsatz 9: Profilierungsmerkmal Langsamverkehr.

Der Langsamverkehr ist ein Rückgrat des Tourismus und ist für den Kanton ein wichtiges Profilierungsinstrument. Er ist entsprechend auszubauen. Grenzüberschreitende Projekte sind geplant und sollen die Attraktivität der Gegend steigern.
Mögliche Schlüsselprojekte:

  • Weiterentwicklung des HPM-Streckennetzes (Skateland Ostschweiz) (2005)
  • Unterstützung des Nationalen Projektes Schweiz-Mobil (laufende Planung)
  • Entwickeln und Umsetzen von Ostschweiz-Mobil
  • Mobilcenterplanung (Projekt)
  • Ostschweizer Mountain-Bike-Highlight (Projekt)
  • Informationssystem o Neue Lösungen für Velo- und Gepäcktransport (Projekt)

Doris Königer

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