Ein aussergewöhnlich bewegtes Jahr
Die VCS-Sektion St.Gallen/Appenzell hat am vergangenen 8.Mai in Heiden ihre 24. Mitgliederversammlung durchgeführt und dabei eine Resolution zu Gunsten des Agglomerationsverkehrs verabschiedet.
Präsidentin Doris Königer konnte in Heiden auf ein Vereinsjahr zurückblicken, das dem VCS sehr viel Arbeit und Medienpräsenz bescherte.Die bewährte Vorstandscrew wird den eingeschlagenen Kurs halten.
Die Mitgliederversammlung (MV) ist immer wieder der geeignete Anlass,kritisch auf das Vergangene zurückzuschauen und sich gleichzeitig neue Ziele zu setzen. Die am 8.Mai gezogene Bilanz kann sich sehen lassen, hat unsere Sektion innert Jahresfrist doch einiges geleistet: Neben dem Abstimmungskampf zur Avanti-Initiative,der Studie «Richtig Verkehrt » mit ihren wegweisenden Vorschlägen für die Agglomeration St.Gallen,der Verkehrsberatungsarbeit für Anwohnergruppierungen und Behörden sowie der Mitarbeit in verschiedenen Kommissionen bildeten auch verschiedene Rechtsverfahren Schwerpunkte der VCS-Tätigkeit. Kein Wunder also,war der VCS aussergewöhnlich oft in den Medien präsent.
Im laufenden Jahr nun sollen insbesondere die Bemühungen für einen Ausbau des öffentlichen Agglomerationsverkehrs verstärkt und die Informationsarbeit zum Thema Strassenraumgestaltung und Begegnungszonen weitergeführt werden. Der Abschluss der Rechnung ergab bei Einnahmen von 125 000 und Ausgaben von 127 000 Franken ein kleines Defizit. Das Vereinsvermögen beträgt rund 140 000 Franken.Bis auf die zurückgetretene Kassierin Ester Büchel,Buchen,konnte der Sektionsvorstand im Amt bestätigt werden. Seine Zusammensetzung fürs neue Vereinsjahr: Doris Königer, St.Gallen, Präsidentin; Martin Stamm, St.Gallen, Vizepräsident; Andreas Bernhardsgrütter, St.Gallen; Ruedi Blumer, Gossau; Daniel Schöbi, St.Gallen;Guido Wick,Wil.
Die Unterlagen zur MV sind auf der Homepage vcs-sgap.ch in der Rubrik «über uns,Jahresbericht »dokumentiert.
Andreas Bernhardsgrütter
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ÖV-Resolution: Hausaufgaben machen!
Ein grösseres Engagement von Kantonen, Regionen,Städten und Gemeinden für den öffentlichen Verkehr in den Ostschweizer Agglomerationen: Diese Forderung erhebt die von der Mitgliederversammlung in Heiden verabschiedete Resolution. Es kommt nicht von ungefähr,dass die Ostschweizer Kantone verlangen, der Bund solle dem öffentlichen Verkehr in der Ostschweiz endlich mehr Beachtung schenken. Jammern allein genügt aber nicht: Die Ostschweiz hat es auch selber in der Hand, im öffentlichen Personennahverkehr in den Agglomerationen mehr zu leisten. Der Nachholbedarf ist ausgewiesen: Die Ostschweiz verfügt im landesweiten Vergleich über die tiefsten Anteile der öffentlichen Transportmittel am Gesamtverkehr dafür aber über die höchsten Werte, was die gefahrenen Autokilometer pro Person betrifft.
Dass dies wiederum kein Zufall ist, zeigt ein Blick auf das Rating von Umverkehr Schweiz zum Angebot an öffentlichem Personennahverkehr in 44 Schweizer Agglomerationen. Die Nordostschweiz schneidet dabei schlecht ab: Zwar rangiert die Stadt St.Gallen unter den 44 Geprüften mit dem 17. Platz im Mittelfeld. Aus dem Vergleich der acht grössten Schweizer Städte aber geht sie als ÖV-Schlusslicht hervor. Mit ungenügenden Gesamtnoten landeten auch Rapperswil/Jona (37.), Rheintal (39.) und Gossau-Herisau (40.) auf den hintersten Rängen.
Es gibt also einiges aufzuholen. Der VCS fordert deshalb die Ostschweizer Kantone, Regionen und Gemeinden auf, das Angebot des öffentlichen Verkehrs in den Agglomerationen markant auszubauen.
Hier ist u.a.anzusetzen:
- Rasche Einführung eines integralen Tarifverbundes
- Vorbereitungen für einen Verkehrsverbund zwecks gemeinsamer Ange-
botsplanung im Regional-und Agglomerationsverkehr
- Stärkere Zusammenarbeit zwischenden Transportunternehmen (Zusammenlegungen und Kooperationen)
- Betrieb einer St.Galler S-Bahn,die ihren Namen verdient:mit (mindestens)Halbstundentakt auf dem gesamten Netz,einheitlichem Auftritt, zusätzlichen Haltestellen
- Gemeindegrenzen-übergreifenden Ausdehnung des St.Galler Stadtbussystems und Verknüpfung mit den S-Bahn-Stationen
- Ortsbussystem für die Agglomeration Rorschach/Goldach/Rorschacherberg
- Starker Angebotsausbau in den Regionen Rapperswil /Jona sowie Herisau-Gossau
- Bessere Ausrichtung des Ortsbussystems in Wil auf die Anschlüsse in
Richtung St.Gallen;Ausbau des Randstundenangebots im Zentrum.
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Einkaufszentrum / Fusballstadion St. Gallen West
Rekurs trotz Bedenken zurückgezogen
Mit der Unterschrift unter eine Vereinbarung zum Überbauungsplan Stadion Winkeln hat der VCS seinen Rekurs zurückgezogen. Die grundsätzlichen Bedenken gegen das
gigantische Einkaufszentrum sind nicht ausgeräumt,doch haben die intensiven Verhandlungen Früchte getragen.
Die Einsprache und der Rekurs des VCS richteten sich nie gegen das neue Fussballstadion, sondern gegen das zugehörige Einkaufs- und Vergnügungszentrum, das die jetzt schon hohe Umweltbelastung im betroffenen Raum noch bedeutend verschärft. Es wird doppelt so gross wie der Rheinpark St. Margrethen, der bisher grösste Einkaufstempel der Ostschweiz. Das 280-Millionen-Projekt wird einerseits täglich über 16'000 Fahrten auslösen, andererseits aber auch Kaufkraft aus St.Gallen,Gossau oder auch Herisau abziehen und die dortigen Versorgungsstrukturen gefährden.
Nun ist das Verbandsbeschwerderecht aber kein Instrument, um grundsätzliche «Standortpolitik »zu betreiben. Vielmehr ging es ganz einfach darum, die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.Die Bemühungen des VCS zielten daher auf eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr, eine Beschränkung der zulässigen Fahrtenzahl und auf Schutzmassnahmen im anliegenden Wohnquartier Winkeln ab. Wichtig war dem VCS, dass den von der Bauherrschaft abgegebenen Versprechen auch wirklich Taten folgen müssen: also deren rechtsverbindliche Festlegung. Und das wurde erreicht:
Öffentlicher Verkehr: Die bereits vorher zugesicherten Busverbindungen nach Abtwil, St.Gallen, Gossau und Herisau wurden als Standortvoraussetzung für das Bauvorhaben in die Vorschriften aufgenommen. Eine allfällige spätere Aufhebung einzelner Linien oder eine Verdünnung des Angebotes ist dadurch nicht mehr möglich. Ein Ziel des VCS war auch die Errichtung eines Bushofes auf dem Stadionareal analog der Lösung von Säntispark und Gallusmarkt. Hier drangen wir mit unseren Vorstellungen nicht durch. Mit einer gedeckten Passerelle,Rolltreppen und elektronischer Fahrplananzeige wird die künftige Situation für die Buspassagiere gegenüber der ursprünglichen Planung jedoch verbessert.
Beschränkung der Fahrtenzahl: Dem Einkaufszentrum werden täglich 16'000 Fahrten bzw. die Hälfte der noch vorhandenen Kapazitäten auf der Stadtautobahn zugestanden. Die Einhaltung des Kontingents wird überwacht. Im Falle von Überschreitungen müssen verschiedene Massnahmen ergriffen werden. Vorgesehen ist beispielsweise eine laufende Erhöhung der Parkgebühren nach jedem Semester, bis die Fahrtenzahl wieder im festgesetzten Rahmen liegt.
Schutzmassnahmen im Quartier: Ein ganzes Massnahmenbündel soll dem anliegenden Quartier Schutz vor Park- und Suchverkehr bieten. So werden einzelne Zufahrten gesperrt und der Pendlerverkehr mit einer blauen Zone vom Quartier fern gehalten. Diese Massnahmen ohne sie kein Baubeginn! sind im Quartier selber nicht unumstritten, dürften aber die einzige Möglichkeit sein, die negativen Auswirkungen auf das Wohnquartier zu begrenzen.
Von den Behörden und der Bauherrschaft wurde dem VCS eine zwar hartnäckige, aber doch konstruktive Verhandlungsführung attestiert. Die vereinbarten Rahmenbedingungen führen zu einer wesentlichen Verbesserung des Projekts.
Andreas Bernhardsgrütter
Der genaue Inhalt der Vereinbarung ist auf unserer Homepage www.vcs-sgap.ch im Dossier «St.Gallen West /Stadion» einsehbar.
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