Inhalt VCS Leonardo, 01 / Nr. 4:
Unverständlich
Strassen zum Leben für den Kanton kein Thema
Rund 10'000 Menschen wohnen in der Stadt St.Gallen an übermässig lärmbelasteten Hauptverkehrsstrassen. Der Kanton stellt sich den Sanierungsbemühungen gegenüber auf beiden Ohren taub.
Um die Wohn- und Lebensqualität in den betroffenen Quartieren spürbar zu verbessern und damit der sozialen Entmischung entgegenzuwirken, reichte die SP zusammen mit weiteren Parteien, Umweltverbänden und dem VCS eine Initiative ein. Obwohl deren Inhalt grundsätzlich den Stadt-ratszielen entspricht, empfiehlt dieser das Begehren unter Hinweis auf die negative Haltung des Kantons zur Ablehnung.
Der Stadtrat anerkennt, dass die Umgestaltung von Strassenräumen mit der Vergrösserung der Flächen besonders für die schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen ein wirksames und bewährtes Mittel zur Wiederherstellung der «Verträglichkeit» des Verkehrs ist. Eine unnötige Beeinträchtigung des Individualverkehrs sei damit nicht verbunden. Vielmehr würden sich ein ruhigerer und stetiger Verkehrsfluss sowie Vorteile in Bezug auf die Erreichbarkeit der Wohn- und Gewerbeliegenschaften ergeben.
Auf eine Anfrage der Vorsteherin der städtischen Bauverwaltung zu den Forderungen der Initiative «Strassen zum Leben» erteilte nun aber der Kanton eine durchwegs negative Antwort. Längst widerlegte Vorurteile werden aus der Mottenkiste geholt. So wird entgegen messbaren Erfahrungswerten behauptet, es seien keine namhaften emissionsvermindernden Auswirkungen zu erwarten. Das Geld des Kantons brauche man für die geplanten Ortsumfahrungen. Fast schon zynisch wird im Antwortschreiben bemerkt, der Grosse Rat werde «sicher mit Interesse die gestalterischen Projekte der Stadt auf den Strassen in ihrem Zuständigkeitsbereich verfolgen». Im Klartext: Vom Kanton hat die Stadt rein gar nichts zu erwarten.
Umfahrungsstrassen auf dem Buckel der StadtbewohnerInnen? Bei der Vorberatung des laufenden kantonalen Strassenbauprogramms wurde zugesichert, die Anliegen der Stadt würden von Fall zu Fall geprüft. Im Gegensatz zu den damaligen Signalen schlägt den Stadtbehörden heute ein schroffes und selbstherrliches Nein entgegen, das keinen Funken Verständnis für die beabsichtigte Steigerung der Lebensqualität entlang der Hauptverkehrsachsen erkennen lässt. Die Regierung muss daran erinnert werden, dass die kantonale Verkehrspolitik im Dienste des Allgemeininteresses zu stehen hat. Es geht nicht an, dass die Stadt mit ihren für die Bevölkerung wichtigen Projekten im Regen stehen gelassen wird und von den verfügbaren 495 Millionen keinen einzigen Franken zu sehen bekommen soll.
Peter Jans

Unerwünscht:
Bevölkerung von Thal lehnt Konzessionierung des Flugfeldes ab
Die Frage einer Konzessionierung des Regionalflugplatzes Altenrhein steht weiterhin im Raum. Was sagen der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL), der Vernehmlassungsentwurf Richtplan Kanton St.Gallen, die Umfrage der Uni St.Gallen bei der Thaler Bevölkerung und der VCS zur Thematik? Ein Überblick.
Die im vergangenen Winter vom Thaler Gemeinderat in Auftrag gegebene Vollumfrage kommt zum Schluss, dass eine starke, vorläufig knapp mehrheitsfähige Opposition gegen die Konzessionierung besteht. Je mehr Interesse die Befragten am Thema Flugplatz zeigten, desto kritischer die Einstellung. Professor E.Walter-Busch sieht namentlich auch kräftige Polarisierungstendenzen zwischen engagierten Befürworter- und KritikerInnen.
Im Weiteren konstatiert die Studie ein «prekäres Vertrauen in die politische Führung der Gemeinde Thal, insbesondere hervorgerufen durch die Salamitaktik».
Entwurf Richtplan Kanton St.Gallen. Wiewohl der Kanton St.Gallen einen nachhaltigen, in die Gesamtverkehrspolitik eingebetteten Luftverkehr unterstützt und die Rolle des UNIQUE-Flughafens Zürich als Tor zur Welt auch für St.Gallen anerkennt, wird eine «massvolle Entwicklung von St. Gallen-Altenrhein» befürwortet. Herausgestrichen wird dabei die besondere Bedeutung für den Wirtschaftsstandort St.Gallen/Bodensee. Gemäss Koordinationsblatt VI 41 begrüsst der Kanton die Einstufung als Regionalflugplatz mit Linienverkehr. Die Vernehmlassung dauert bis Ende August 2001.
Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL). Am 18.Oktober 2000 hat der Bundesrat den allgemeinen Teil des SIL genehmigt. Das umfassende konzeptionelle Werk zeigt die Entwicklung der Luftfahrt insgesamt und der einzelnen Anlagen mit erheblichen Auswirkungen auf Raum und Umwelt. In Koordinationsgesprächen werden Ziele und Vorgaben für die einzelnen Anlagen erarbeitet, als Grundlage für die Erstellung der Objektblätter im SIL. Einige wichtige Auszüge:
- Gemäss Prognosen wird das Passagiervolumen des Linienverkehrs auf Regionalflugplätzen von 2000 bis 2010 durchschnittlich um rund 70% steigen.
- Ein Regionalflugplatz wird gestützt auf eine Konzession betrieben, die ihm gegenüber dem Flugfeld eine stärkere Rechtsstellung verleiht, z.B. durch die Möglichkeit, mit Linienverkehr Erleichterungen bezüglich der Einhaltung der Immissionsgrenzwerte zu erlangen.
- Der noch nicht konzessionierte Flugplatz St. Gallen-Altenrhein wird, falls sich der Linienverkehr hier weiterentwickelt, konzessioniert.

Brennpunkt Regionalflugplatz Altenrhein
Die Haltung des VCS. Im Zusammenhang mit der befürchteten Entwicklung und allfälligen Konzessionierung des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein fanden in den vergangenen Monaten Gespräche zwischen dem Flugplatzbetreiber, dem Volkswirtschaftsdepartement des Kantons und den Umwelt-organisationen statt. Obwohl beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vonseiten Airport Altenrhein kein Konzessionsgesuch eingereicht ist, ist zu befürchten, dass der Kanton zusammen mit dem Flugplatzbetreiber einen weiteren Ausbau vorantreibt. An erster Stelle steht dabei eine Westanbindung nach Basel, was fürs Erste einen zusätzlichen Frühmorgenstart und eine Spätabendlandung bedeuten würde. Mit der Erklärung zu Altenrhein hat der VCS zusammen mit WWF und Pro Natura seine Anliegen formuliert. Im Zielkonflikt zwischen Wirtschaft und Ökologie wollen wir zusammen mit der betroffenen Bevölkerung die ökologischen Interessen vertreten und verlangen eine Gesamtsicht. Wir sind der Meinung, dass dem Schweizer Luftverkehr, der gemäss NFP 41 bereits heute zu rund einem Viertel für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, nicht weiter Tür und Tor geöffnet werden darf. Auf die Anliegen der betroffenen AnwohnerInnen, insbesondere in der Lärmfrage, ist Rücksicht zu nehmen. Zudem liegt der Kanton St.Gallen unweit des Flughafens Zürich, und eine Westanbindung an Basel führt weder zu einer Angebotsverbesserung noch zu einem merklichen Zeitgewinn. Wenig glaubwürdig und wirkungsvoll bleibt auch der Einsatz des Kantons für bessere schienengebundene Fernverkehrsverbindungen, wenn gleichzeitig der Luftverkehr gefördert wird.
Daniel Schöbi
«Von Sinnen»
Führung im Naturmuseum St.Gallen: Jetzt anmelden!
Auf Wunsch von TeilnehmerInnen der Führung durch die Ausstellung «Alles in Bewegung» organisieren wir für den zweiten Teil der Trilogie im Naturmuseum
erneut eine exklusive VCS-Führung. Die Sonderausstellung «Von Sinnen» stellt anhand ausgewählter Beispiele Sinne, Sinnesorgane und Sinnesleistungen bei Mensch und Tier vor und vergleicht sie mit menschengemachten High-Tech-Sensoren. Dabei wird deutlich, dass viele Tiere unsere Sinnesleistungen bei weitem übertreffen und sogar über zusätzliche Sinne, etwa für die Wahrnehmung von elektromagnetischen Feldern, verfügen.
Diesmal führt uns Dr. Jonas Barandun durch die Ausstellung, und zwar am
- Samstag, 1. September 2001,
von 10.15 11.15 Uhr
Naturmuseum St. Gallen,
Museumsstrasse 32
Wir laden Sie herzlich zu diesem spannenden Rundgang ein. Die Kosten übernimmt der VCS.
Um die Teilnehmerzahl abschätzen zu können, bitten wir Sie um Anmeldung bis Montag, 27. August, an den VCS, Margot Benz, Marktgasse 14, 9004 St. Gallen, Telefon 071 222 26 32, E-Mail: vcs.sg@bluewin.ch

Bahn 2000 2. Etappe
«schneller häufiger direkter»
Die Ostschweizer Regierungen haben gemeinsam ihre Angebotsvorstellungen für die zweite Etappe Bahn 2000 und den Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz konkretisiert. Die entsprechende Broschüre kann bezogen werden bei: Kanton St.Gallen, Amt für öffentlichen Verkehr, 9001 St. Gallen, Telefon 071 229 34 88, E-Mail: info@vd-avt.sg.ch.
Die Ostschweizer VCS-Sektionen begrüssen den Plan, ein Städtenetz Bodensee aufzubauen und dabei die Idee der Knotenpunkte wieder aufzunehmen, verspricht dies für den ÖV im Dreieck BodenseeGraubündenZürich doch eine deutliche Attraktivitätssteigerung.