Inhalt VCS Leonardo, 01 / Nr. 3:
Verlegung des Wiener-Walzers
ZürichWien via St. Gallen
In vier Jahren sollen die EC-Züge zwischen Wien und Zürich statt via BuchsSargans neu über BregenzSt. Gallen geführt werden. Die Routenänderung birgt Chancen, hat aber auch Nachteile. Das St. Galler Oberland braucht einen Ersatz für die wegfallenden EC-Verbindungen.
Im Herbst 1999 sickerte die Neuigkeit durch, im Sommer 2000 folgten die Bestätigung und Angaben zum Zeithorizont: Ab Dezember 2005 sollen Neigezüge aus der TEE-Allianz Wien und Zürich miteinander verbinden. Mit der Neigetechnik soll die deutlich längere Fahrzeit (ca. 1 Stunde) aufgefangen werden. Anlass zur Routenänderung gab vor allem das grosse Interesse aus Vorarlberg an mehr direkten Verbindungen zum Flughafen Zürich-Kloten. Es wurden aus diesem Raum 5500 tägliche Bewegungen nach Zürich ermittelt. Davon entfallen heute nur 4 bis 5 % auf die Bahn. Die Verbindung ZürichWien ist im 2-Stunden-Takt geplant. Zeitlich um eine Stunde versetzt wird ein Zug ZürichMünchen geführt, womit sich stündliche Verbindungen ZürichBregenz ergeben. Ein Mehrangebot, das die SBB in Bezug auf die Infrastruktur vor Probleme stellt: Es ist nicht einfach, zusätzliche Züge mit kürzerer Fahrzeit im dichten Netz zwischen St. Margrethen und Zürich, insbesondere im Raum Flughafen, zuverlässig und attraktiv unterzubringen.
Ein Fall für die 2. Etappe von Bahn 2000. Im ursprünglichen Projekt Bahn 2000 sollten von St. Gallen aus die Fahrzeiten nach Zürich und Sargans unter eine Stunde gesenkt werden. Davon ist man heute weit entfernt. Der Leidensdruck wird durch die zusätzlichen internationalen Züge vielleicht so gross, dass die Strecke St. GallenZürich in der zweiten Etappe von Bahn 2000 ausgebaut wird. Das Resultat wäre eine deutliche Verbesserung der Reisegeschwindigkeit, die heute für die 84 km im Durchschnitt 70 km/h beträgt. Nebst den direkten Verbindungen nach Bregenz, Wien und München ein Vorteil mehr für St. Gallen.
Eine klare Verschlechterung des ÖV-Angebots erfahren hingegen das Werdenberg, das Fürstentum Liechtenstein und das Sarganserland durch den Wegfall der direkten und schnellen Züge. Die Fahrzeit beträgt mit dem direkten EC von Buchs nach Zürich 72 Minuten, mit den Inlandverbindungen 97 Minuten. Anstatt klingenden Namen wie Wiener Walzer, Transalpin oder Maria Theresia nachzutrauern, wird indes grenzüberschreitend für gute Alternativen gekämpft. Ein Projekt sieht vor, FeldkirchSargans mit stündlichen Pendelzügen und schlanken Anschlüssen zu verbinden.
Aufwind für die S-Bahn Ostwind? Interessant wäre auch die Anbindung des St. Galler Oberlandes an die stündlichen ECs in St. Margrethen mit Hilfe einer verlängerten S-Bahn Ostwind. Aber auch hier liegt das Problem in der fehlenden Infrastruktur, zumal 47 km Einspurstrecke ein Mehrangebot kaum zulassen. Vom Bau von Doppelspurinseln auf der Rheintallinie spricht man zwar seit Jahrzehnten. Die Realität ist anders: Im Zuge der schlanken Infrastruktur wurden in den letzten Jahren in Bahnhöfen Schienen und Weichen demontiert und damit die Streckenkapazität weiter geschwächt. Wenn Ausbauten der Rheintallinie in der zweiten Etappe der Bahn 2000 keine Aufnahme finden, dann werden Fahrplanverbesserungen in Form von Verdichtungen und Reisezeitverkürzungen auf lange Zeit chancenlos bleiben und das Umsteigen auf die Bahn blosses Wunschdenken.
Werner Wolgensinger, Sevelen

Vernehmlassung
Bewirtschaftungspflicht für Grossparkplätze
Sämtliche öffentlich zugänglichen Parkplatzanlagen ab 150 Plätzen von Einkaufs- und Freizeitanlagen sollen in Zukunft bewirtschaftet werden. Die erste Stunde kostet mindestens Fr. 2., die zweite Fr. 1.50. Den VCS freut diese St. Galler Pioniertat. Einzige Schwachstelle: die vorgesehene Verwendung der Parkgebühren.
Mit dem Vorschlag des kantonalen Baudepartements soll eine entsprechende Regelung im Massnahmenplan Lufthygiene endlich umgesetzt werden. St. Gallen übernähme insofern landesweit eine Vorreiterrolle, als die Bewirtschaftungspflicht nicht nur neue Anlagen, sondern auch bestehende bisherige Gratisparkplätze erfasst. Neuere Einkaufs-zentren können seit dem Bundesgerichtsentscheid zu einem Einkaufszentrum in Belp schon seit einiger Zeit zur Bewirtschaftung ihrer Parkplätze verpflichtet werden. Das Vorhaben stösst jedoch nicht nur auf offene Ohren. Der TCS sähe es gerne, wenn die Massnahme ersatzlos aus dem Massnahmenplan gekippt würde.
Ein wichtiger Standortvorteil weniger. Die Bewirtschaftung von Parkplätzen ist eine wirkungsvolle verkehrslenkende Massnahme. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass dadurch ein Teil des Verkehrs reduziert oder auf andere Verkehrsträger den Bus, die eigenen Füsse oder das Velo verlagert werden kann. Vor allem aber büssen Einkaufszentren auf der grünen Wiese ei-nen wichtigen Standortvorteil ein, die bisher mit ihren Hunderten von Gratisparkplätzen werben, während in den Stadtzentren die Parkplätze kosten.
Unzufrieden ist der VCS mit der Verwendung der eingenommenen Mittel. Im Massnahmenplan Luftreinhaltung ist vorgesehen, dass die Erträge zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs verwendet werden. In den letzten Jahren hat denn der VCS verschiedentlich auch erreicht, dass Einkaufszentren namhafte Beiträge an die Finanzierung des notwendigen ÖV-Angebots leisten müssen. Davon möchte die Regierung nun Abstand nehmen. Die Einnahmen aus der Parkplatzbewirtschaftung gehen vollumfänglich an die Betreiber. Immerhin dürfen sie die Parkgebühren nicht in Form von Jetons den AutofahrerInnen zurückerstatten. Damit entfällt die ungerechte Quersubventionierung von Gratisparkplätzen durch Nicht-Autokundschaft.
Andreas Bernhardsgrütter

Umzug
Der VCS ist nun Altstadtbewohner
Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell hat im Mai neue Räumlichkeiten an zentralster Lage bezogen, an der Marktgasse 14 im Herzen der St. Galler Altstadt.
Für BesucherInnen gut erreichbar, kommt unsere Geschäftsleiterin so auch zu besseren Arbeitsbedingungen; bisher war im Winter Frieren und im Sommer Kampf gegen die Hitze angesagt. Gästen gegenüber brauchen wir uns nicht mehr für den «Charme» von nicht mehr unterhaltenen Räumlichkeiten in einer dem Abbruch geweihten Liegenschaft zu entschuldigen.
Mit dem Umzug geht eine Ära zu Ende, hat doch der VCS als Untermieter des Claro-Ladens mehr als ein Jahrzehnt lang von der Waisenhausstrasse 1 aus wirkungsvolle Verkehrspolitik für unsere Region betrieben.
Unser Büro an der Marktgasse 14 ist wie folgt besetzt:
- Montag: 08.3011.30 und 14.0017.00 Uhr
- Mittwochnachmittag: 14.0017.00 Uhr
- Freitag: 08.3011.30 und 14.0017.00 Uhr
Diese Angaben erfolgen ohne vollständige Gewähr, da während diesen Zeiten auch auswärts Sitzungen stattfinden. Ein Telefonbeantworter ermöglicht zu allen Zeiten die Kontaktaufnahme.
Andreas Bernhardsgrütter

Freiwilliger Mitgliederbeitrag
Herzlichen Dank!
Liebes VCS-Mitglied, Sie haben vor Ostern einen Brief erhalten mit der Bitte um einen freiwilligen Mitgliederbeitrag. Viele von Ihnen haben wiederum vom Einzahlungsschein Gebrauch gemacht. Über diese Unterstützung freuen wir uns sehr, hilft Ihre Spende doch mit, dass wir mit Margot Benz eine Geschäftsleiterin zu 50 Prozent anstellen und mit dem Verkehrsplaner Markus Hartmann Dienstleistungen bei der Lösung konkreter Verkehrsprobleme in den Quartieren anbieten können.
Die ehrenamtliche Arbeit der Vorstandsmitglieder stösst da an Grenzen, wo gegenüber Öffentlichkeit, Behörden und Verhandlungspartnern dauerhafte Präsenz erforderlich ist. Die Anerkennung für unsere professionelle Arbeit zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Der Vorstand
