Inhalt VCS Leonardo, 01 / Nr.1:
Kinozenter Abtwil
Ein Multiplexkino nimmt Form an
Der Sieger im St. Galler Multiplexkino-Rennen scheint bestimmt: Das Projekt von F. A. Brüni, Eigentümer fast aller Stadtkinos, hat sowohl von der Gemeinde Gaiserwald als auch von St. Gallen grünes Licht erhalten. Einen Tag nach dem Entscheid wurde das Projekt Arena in Thal auf Eis gelegt.
Viele Zeichen deuten darauf hin, dass in St. Gallen-West an der Grenze zu Abtwil demnächst ein Multiplexkino mit 10 verschieden grossen Kinosälen, Restaurants und weiteren Unterhaltungsbereichen entstehen wird. Unsere Sektion, die in beiden Fällen Einsprache erhoben hatte, erwirkte beim Projekt der Cinesca AG in zahlreichen Gesprächen den Abschluss einer Vereinbarung zwischen dem Betreiber und den beteiligten Gemeinden: Die maximal 336 Parkplätze müssen bewirtschaftet werden, mit einer kleinen Ausnahme tagsüber, 60 % der Parkgebühren oder mindestens Fr. 70'000. sind jährlich an die Kosten der verbesserten Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr zu leisten. Das Konzept dazu wird in einer Begleitgruppe erarbeitet. Heute ist das Gebiet durch die Linie 7 der städtischen Verkehrsbetriebe erschlossen. In erster Priorität auszubauen sind nicht nur die Verbindungen nach St. Gallen, sondern auch Richtung Herisau, Gossau und Abtwil.
Trotz dieser guten Vereinbarung ist die Sektion über den Standort nicht begeistert. Ein Teil der Innenstadt-Kinos wird schliessen müssen, der Weg für Kinobegeisterte wird umständlich und länger. Doch weil sich F.A. Brüni mit dem Multiplexkino selber konkurrenziert, besteht Hoffnung, dass ein Qualitätsangebot in der Innenstadt erhalten bleibt.
Noch steht das Kino nicht. Denn auch fürs geplante Fussballstadion St. Gallen-West liebäugelt man mit einem Grosskino. Zwei werden es wohl nicht werden. Zieht Brüni letztendlich mit seinem Kino ins Stadion? Vielleicht wissen wir schon beim Erscheinen dieser Zeitung mehr.
Margot Benz

Umfahrung Herisau:
eine klassische Fehlplanung
Die Würfel sind gefallen: Die Regierung des Kantons Appenzell Ausserrhoden möchte eine Strasse bauen, die Herisau grossräumig umgeht. Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell wird gegen dieses Grossprojekt antreten, mit dem in altbekannter Manier versucht wird, die Verkehrsprobleme in die offene Landschaft zu verlagern.
Der VCS sieht in der Umfahrung Herisau, für welche die Ausserrhoder Regierung dem Kantonsrat einen Projektierungskredit beantragt, keine zukunftsfähige Lösung. Die Erfahrung lehrt, dass das Verkehrswachstum mit neuen Angeboten, wie sie die Umfahrung Herisau darstellt, zusätzlich angeheizt wird. Leidtragende wären, neben der verbetonierten Landschaft, die BewohnerInnen entlang den Zugangsachsen; sie hätten spürbar mehr Verkehr zu ertragen. Die vom Regierungsrat angestrebte bauliche Entwicklung würde auch der Anonymisierung des Lebens in den betroffenen Ortschaften und der Landschaftszersiedelung Vorschub leisten: Arbeiten in der Stadt, Wohnen auf dem «Schlafdorf», dazwischen die Schnellstrasse. Wie bei vielen anderen Umfahrungslösungen ist zu erwarten, dass der induzierte Mehrverkehr die Entlastungswirkung zunichte machen würde. Die Umfahrung bringt dem Ortszent-rum von Herisau keine nachhaltige Linderung, da der dortige Verkehr vornehmlich Ziel-, Quell- und Binnenverkehr ist.
Grosse Bedenken hegt der VCS gegenüber der vorgesehenen Mitfinanzierung des Projekts mit den Erträgen aus der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe. Diese sollen laut Bundesgesetz die ungedeckten Kosten des Güterverkehrs decken. Der Thurgau zum Beispiel setzt die Hälfte der LSVA-Gelder für den öffentlichen Verkehr ein. Der Kanton St. Gallen möchte einen erheblichen Teil dieser Mittel den Gemeinden zufliessen lassen, die sie für den Unterhalt des Gemeindestrassennetzes und zur Entlastung ihres Finanzhaushaltes nutzen können. Ausserrhoden aber schickt sich an, die gesamten LSVA-Gelder in eine Umfahrung zu buttern. Neben den Projektierungs- und Baukosten fallen auch Betrieb und Unterhalt ins Gewicht; die geplanten Tunnels verursachen erhebliche Folgekosten.
Sofortmassnahmen statt Umfahrungsillusionen. Bis zur Eröffnung einer Umfahrung würde es mindestens zehn Jahre dauern und vielleicht kommt sie gar nicht: beispielsweise wenn der Bund eine Aufnahme ins Nationalstrassennetz ablehnt. Der VCS fordert daher die Umsetzung von Sofortmassnahmen, wie sie das Gewinnerprojekt des durchgeführten Ideenwettbewerbs vorschlägt. Innert ein bis zwei Jahren könnte so die Bevölkerung in Herisau, Hundwil und anderen verkehrsgeplagten Ortschaften von einer spürbaren Reduktion der Trennwirkung der Strasse sowie der Lärm- und Luftbelastung profitieren.
Andreas Bernhardsgrütter
Jetzt aktiv werden!
Der Einsatz gegen die Umfahrung Heri_sau wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern. Bei solchen Strassenprojekten liegt die Federführung beim VCS, auch wenn natürlich möglichst breite Koalitionen gesucht werden. Der Vorstand der Sektion sucht dazu die Unterstützung von Mitgliedern. Um bei einer allfälligen späteren Volksabstimmung Erfolg zu haben, ist eine Verankerung der Opposition im direkt betroffenen Raum notwendig.
Wer sich an der Aufbauarbeit beteiligen möchte, melde sich bitte bei unserem Sekretariat, Tel. 071 222 26 32.

Regionalgruppe See & Gaster
«Strahlen beim Pedalen» ein Erfolg
Seit letztem November sind in Rapperswil und Jona mehr VelofahrerInnen gut beleuchtet, wenn sie bei Dunkelheit herumkurven. Fast 190 SchülerInnen und Erwachsene nutzten die Aktion unserer Regionalgruppe und brachten zu vergünstigtem Preis ihr Velo-licht in Ordnung. Finanziell ermöglicht haben den Erfolg die lokalen Velofachgeschäfte, die Stadt Rapperswil, die Gemeinde Jona und die Schulgemeinden.
Während der dreiwöchigen Aktion belohnten wir morgens SchülerInnen und abends Erwachsene, die auf korrekt beleuchteten Velos unterwegs waren, mit einem kleinen Geschenk. Wer lichtlos angetroffen wurde, erhielt einen Gutschein, um seine Velobeleuchtung vergünstigt reparieren lassen oder eine neue erstehen zu können. Bei den SchülerInnen war der Anteil korrekt beleuchteter Velos viel höher als bei den Erwachsenen. Letztere wagten sich rund zur Hälfte ohne jegliches oder mit mangelhaftem Licht auf die Strasse.
Die Aktion wird heuer in gleicher oder ähnlicher Form eine Neuauflage erleben.
