Umfahrung Bazenheid:
Start der Bauarbeiten im Juni 2002

Wie das Tiefbauamt des Kantons St. Gallen meldete, soll im Juni 2002 mit dem Bau der 134 Millionen Franken teuren Umfahrung Bazenheid begonnen werden. Damit wird im Kanton St. Gallen neben der Umfahrung Wagen-Eschenbach-Schmerikon eine zweite Grossbaustelle für Umfahrungen eröffnet. Dem Bau der Umfahrung Bazenheid ging eine langjährige Planung voraus. Auch der VCS hat sich mit diesem Dossier stark befasst und erreichte wirkungsvolle flankierende Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz. Das Referendum lag in der Luft, wurde dann dank diesen Verbesserungen aber nicht ergriffen.

Von Andreas Bernhardsgrütter

Durchgehende Autostrasse durchs Toggenburg befürchtet

Seit den 70-er Jahren bestehen Pläne für eine Umfahrung Bazenheid. Bereits 1972 wurde das generelle Projekt samt Baulinien vom "Stelz" bis "Brääggfeld" erstellt. Die Hochkonjunktur und Strassenbaueuphorie dieser Zeit hat aber nicht nur Bazenheid kühne Pläne beschert: Auch in Ebnat-Kappel, Liechtensteig, Wattwil, Dietfurt und Bütschwil sind entsprechende Planungen vorangetrieben und seither teilweise auch realisiert worden. Der VCS befürchtete, dass mit den aneinandergereiten Projekten eine durchgehende Autostrasse durchs Toggenburg realisiert werden soll, welche zu einem Korridor im grossräumigen Nord-Süd-Verkehr werden könnte. Der VCS hat deshalb diese Pläne zusammen mit den lokalen Grupierungen Loscht (Leben ohne Schnellstrasse im Toggenburg), VETO (Verein gegen Toggenburgstrasse) und "SOS am Ricken" immer kritisch beobachtet und auch in die Diskussion eingegriffen.

Kompromiss mit der Gemeinde und Kanton

Nach verschiedenen Überarbeitungen des Projektes wurde schliesslich 1996 das Genehmigungsprojekt von der Gemeinde in der Vernehmlassung gutgeheissen. Gegen den entsprechenden Beschluss des Gemeinderates wurde kein Referendum ergriffen. In der anschliessenden Behandlung im Grossen Rat des Kantons St. Gallen im Frühling 1997 hat sich dann der VCS kritisch zum Projekt geäussert und eine kürzere Linienführung sowie flankierende Massnahmen vorgeschlagen, andernfalls werde das Referendum gegen das gesamte Projekt ergriffen. Mit der Gemeinde Kilchberg wurden dann konstruktive Verhandlungen aufgenommen und wirkungsvolle flankierende Massnahmen vereinbart. So soll nach dem Bau der Umfahrung die Durchfahrt durch Bazenheid in Richtung Lütisburg nicht mehr möglich sein. Ein Teilstück der bisherigen Staatsstrasse wird zurückgebaut und dann nur noch als Verbindung für den Veloverkehr und für landwirtschaftliche Fahrzeuge zu benutzen sein. Dieser Vorschlag wurde auch vom Baudepartement mitgetragen.

Vorberatende Kommission stellte sich gegen den Kompromiss

Die vorberatende Kommission des Grossen Rates hatte anderes im Sinn und wollte entgegen diesem Kompromiss die Durchfahrt zumindest in einer Richtung zulassen. Dieser Vorschlag machte aus verkehrsplanerischer Sicht keinerlei Sinn und hätte eine massgebliche Verteuerung des Projektes zur Folge gehabt. Der VCS wiederholte daraufhin seine Referendumsdrohung und bereitete sich ernsthaft auf einen langjährigen Abstimmungskampf vor. Dies führte dann in einer denkwürdigen Sitzung in der Umweltgruppe des Grossen Rates dazu, dass der Kommissionspräsident Hans Frei, Jona per Zirklularbeschluss seiner Kommission eine "Präzisierung" dieses Beschlusses abverlangte, welche die vorberatende Kommission auf die Linie der Vereinbarung zwischen Gemeinde Kilchberg und VCS brachte. In den anschliessenden Beratungen im Grossen Rat wurde dieser Kompromiss gutgeheissen. Ein langjähriger und teurer Abstimmungskampf blieb dem VCS wie auch den Strassenbefürwortern erspart. Der Sektionsvorstand hat sich mit diesem Kompromiss nicht leicht getan. Um aber einen solchen Abstimmungskampf erfolgreich zu führen, hätte es einer breiten lokalen Unterstützung bedürft, welche sich in diesem Fall nicht abzeichnete.

Schnellstrasse im Toggenburg – wie weiter?

Die Befürchtungen des VCS bezüglich einem schleichendem Ausbau der Toggenburgverbindung zu einer durchgehenden Autostrasse sind nach wie vor latent. Auch wenn jetzt ein weiteres Teilstück einer solchen Verbindung gebaut wird, so stellt sich die Problematik nicht mehr in gleicher Dringlichkeit. Aus der Sicht des Grossen Rates und wohl auch des Baudepartementes rückte mit dem Tunnel Rapperswil ein Vorhaben in den Vordergrund, welche die Strassenbaugelder des Kantons über Jahrzehnte absorbieren dürfte. Die entsprechenden Projekte in Wattwil, Dietfurt und Bütschwil werden wohl eher auf die lange Bank geschoben, auch wenn pro Forma noch weitergeplant wird. Die Beratungen des Strassenbauprogrammes 2003 – 2007 werden hier näheres zeigen.

Bazenheid:

Auch nach der Umfahrung mit beachtlichem Verkehr

Bazenheid wird derzeitig täglich von ca. 14'000 Fahrzeugen durchquert. Dies ist eine beachtliche Verkehrsbelastung, wird aber noch von etlichen Strassen in St. Gallen, Wil, Rapperswil, Jona oder Gossau übertroffen. Der Bau der Umfahrung wird wohl eine spürbare Entlastung bringen, doch wird Bazenheid auch nach dem Bau der Umfahrung gemäss Botschaft zum Grossratsbeschluss immer noch über 11'000 Fahrzeuge zu verkraften haben.

Es steht zu hoffen, dass Bazenheid dank den flankierenden Massnahmen die Erfahrungen von Jona, Wattwil oder Steinach und vieler anderer Ortschaften erspart bleiben: Auch nach dem Bau der entsprechenden Umfahrung (Nordumfahrung Rapperswil/Jona, Umfahrung Wattwil – 1. Etappe, Autostrasse Arbon / Meggenhus) weisen diese Ortschaften kaum merkliche Verkehrsentlastungen auf. Während beispielsweise in Wattwil auf der Umfahrung knapp 5‘000 bis 6'000 Fahrzeuge zirkulieren, wird Wattwil selber noch mit 12‘000 Fahrzeugen belastet. Trügerische Hoffnungen auch in Bazenheid? – man wird sehen

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Link: TBA St. Gallen