Neugestaltung Marktplatz

Geplante Parkgarage am Marktplatz St.Gallen

Fragwürdige Quersubventionierung privater Parkplätze

Bild: Neugestaltung Marktplatz: Auch ohne neue Tiefgarage möglich

St. Gallen, 25. Januar 2008. In der vom Gemeinderat beschlossenen Vorlage zur Neugestaltung des Marktplatzes wurde auch die Finanzierung der Tiefgarage aufgezeigt. Die privaten Parkplätze werden durch Millionen der Stadt kräftig subventioniert. Ein fragwürdiges Vorgehen.

Die Projektanden der Tiefgarage haben ein Problem: Die Garage mit 270 Plätzen kostet nach Abzug von 800'000.- für das öffentliche WC rund 24 Millionen Franken oder fast 90'000.- Franken pro Platz. Das ist sehr teuer und offenbar wirtschaftlich nicht tragbar, deshalb soll die Stadt eine Fehlinvestition mit namhaften Millionenbeiträgen subventionieren.

Die finanzielle Beteiligung der Stadt wird unterschiedlich begründet:

  • mit sogenannten "ohnehin-Kosten" für eine Sanierung des Taubenloch-Garage der Stadt von 3 Millionen Franken

  • einem ideellen Beitrag an die angeblich nur so zu erreichende Aufwertung des Platzes von 3.5 Millionen Franken, wobei die Stadt rund 2 Millionen tragen soll.

Beide Begründungen sind in dieser Form nicht haltbar:

Finanzielle "Vernichtung" von 3 Millionen Franken und 21 Parkplätzen

Für die Erhaltung der Taubenlochgarage werden 3 Millionen Franken eingesetzt. (150'000.- / Platz viel zu hoch), welche dazu zu verwenden wären, den Wert der städtischen Liegenschaft zu erhalten. Die 21 Parkplätze werden aber gerade nicht erhalten, sondern abgebrochen. Die Stadt verliert sämtliche Plätze und muss sich obendrein in der neuen Parkgarage wieder für zehn Plätze einkaufen und andernorts einmieten, weil es unter dem Marktplatz zu teuer ist.
Mit anderen Worten: Die Stadt bezahlt den Verlust von 21 eigenen Parkplätzen an bester Lage mit 3 Millionen Franken. Sie muss obendrein nochmals 660'000.- Franken bezahlen, um wenigstens die Hälfte der bisherigen Plätze halten zu können.

Finanzierung eines "ideellen Mehrwertes"

Ebenso fragwürdig sind die 3,5 Millionen Franken, für die "ideelle Aufwertung" des Marktplatzes, an der sich auch die privaten Anstösser beteiligen sollen. Der eingesetzte Beitrag ist reine Willkür. Eine Aufwertung im beschriebenen Sinn kann finanziell nicht beziffert werden. Die Stadt hat mit der noch notwendigen Gestaltung des Platzes einen grossen Beitrag zu leisten, der alleine wegen der Grösse der Fläche ins Gewicht fallen wird; sicher ein namhafter zweistelliger Millionenbetrag.

Ihren Beitrag leistet die Stadt zudem mit der Saldierung der 106 oberirdischen Parkplätze, welche zu Einnahmenausfällen der Stadt in der Grössenordnung von rund 300'000.- bis 500'000.- Franken jährlich zu Buche schlagen. Kapitalisiert ist das ein Beitrag von rund 4 bis 7 Millionen Franken.

Verzicht auf Baurechtszins

Die privaten Investoren sollen trotz erheblichen städtischen Zuschüssen während zehn Jahren auf den üblichen Baurechtszins verzichten. Auch dies eine unzulässige wettbewerbsverzerrende Quersubventionierung.

Fazit:

Diese Vorlage ist ein gehöriger Bschiss an den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Eine Fehlinvestition wird auf biegen und brechen durchgestiert. Es ist unredlich, weil in der Argumentation des Stadtrates der tatsächliche Sachverhalt einer Quersubventionierung von privaten Parkplätzen verschleiert wird.

Andreas Bernhardsgrütter

weitere Infos:

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