St. Gallen, 8. Februar 2007. Die VCS Sektion St.Gallen / Appenzell hat
sich eingehend mit dem geplanten Ausbau der Stadtautobahn beschäftigt
und sich trotz Vorbehalten gegen eine Einsprache entschieden. Auch wenn
die Projektauflage von einer «Verlängerung» der Autobahnein-
bzw. -Ausfahrten die Rede ist, handelt es sich faktisch um den Bau einer
dritten Spur. Der VCS sieht seine Bedenken gegen immer neue und
grössere Einkaufszentren am Stadtrand bestätigt und fordert
statt neuen Spuren einen Spurwechsel in der städtischen Verkehrspolitik.
In einer Aussprache zwischen VCS und dem kantonalen Tiefbauamt wurde
das Bauprojekt mit Sicherheitsüberlegungen begründet. Der Verkehr
könne sich auf der neu geschaffenen dritten Spur von und nach St.Gallen-Winkeln
einfacher aufstellen. Gefährliche Rückstausituationen sollen
beim Schorentunnel und der Ausfahrt Richtung Abtwil mit Einkaufszentren
und Stadion vermieden werden.
Teil des Projekts ist zudem die Installation eines neuen Verkehrsleitsystems.
Mit Inbetriebnahme des Verkehrleitsystems wird die Höchstgeschwindigkeit
auf dem gesamten Autobahnabschnitt je nach Verkehrsaufkommen variabel
geregelt, aber auf die heute schon geltenden maximal 100 km/h begrenzt
bleiben. Ab 2600 Fahrzeugen pro Stunde wird auf Tempo 80 reduziert. Gemäss
Umweltbericht reduziert dies die Luftbelastung leicht. Auch der Lärm
soll aufgrund der tieferen Geschwindigkeiten weniger werden. Seit Eröffnung
der Stadtautobahn hat sich der Verkehr auf über 65'000 Fahrzeuge
pro Tag verdoppelt. Allein das Einkaufszentrum/Stadion wird zusätzlichen
Mehrverkehr von 16'000 Bewegungen bringen. Weitere Aus- und Neubauten
von Fachmärkten sind geplant. Der Verkehr auf der Stadtautobahn ist
zu rund 85% innerstädtisch - der Durchgangsverkehr nimmt somit nur
einen kleinen Teil der Verkehrskapazität in Anspruch. Das zeigt sich
auch daran, dass St.Gallen beim Modalsplit - dem Verhältnis zwischen
öffentlichem zum motorisierten Privatverkehr - im Vergleich mit anderen
Schweizer Städten schlecht abschneidet. Nach wie vor viel zu hoch
bleibt die Luftbelastung, die zu einem nicht unerheblichen Teil durch
den motorisierten Verkehr
verursacht wird. Dicke Luft herrschte gemäss Jahresbericht von OSTLUFT
gerade auch im letzten Jahr, wo die Messwerte
Mehrjahreshöchstwerte erreicht haben. Im Sommer sind es die zu hohen
Ozonwerte, im Winter Stickstoffdioxide und Feinstaub (PM10), die sich
negativ auf die Umwelt und die Gesundheit gerade von empfindlichen Bevölkerungsgruppen
auswirken.
Eine dritte Spur mag etwas mehr Verkehrssicherheit auf der
Stadtautobahn bringen. Eine grundsätzliche Lösung hausgemachter
Verkehrsprobleme und der zu hohen Luftbelastung ist es nicht. Auch im
Hinblick auf den sich immer deutlicher anbahnenden Klimawandel braucht
es nicht mehr Spuren, sondern einen Spurwechsel hin zu mehr
öffentlichem Verkehr. Ein prüfenswertes Konzept wäre eine
durchgehende leistungsfähige Strassenbahn zwischen Gossau und Rorschach.

|
Weiterführende
Informationen:
 |
www.bafu.admin.ch |
 |
www.ostluft.ch |
 |
www.pm10.ch
|
Zur Effizienz der Verkehrsmittel
Eine grobe Abschätzung des Finanzierungsbedarfs verschiedener Verkehrsinfrastrukturprojekte
für die Stadt St.Gallen ergibt folgendes Bild:
-
Vollausbau der Stadtautobahn auf sechs Spuren Auf einer Länge
von 15 bis 20 km inklusive dritter Tunnelröhre mit Anschlüssen
und Brückenbau für 150 bis 200 Mio. Franken pro Kilometer:
Total 2,5 bis 4 Milliarden Franken.
Kapazität: 3'000 Personen / Std.
-
Neubau einer Südumfahrung auf einer Länge von ca. drei
Kilometern Ab Teufenerstrasse (Höhe Geltenwilerstrasse) bis Rorschacherstrasse
(Höhe Splügenstrasse) mit mindestens drei Anschlussbauwerken:
Total
500 bis 800 Mio. Franken
Kapazität: 3'000 Personen / Std.
-
Tram zwischen Gossau und Rorschach Rund 22 Kilometern, inklusive
Anpassungen am Strassennetz. Total 310 bis 620 Mio. Franken
Kapazität: 5'000 Personen / Std.
Vergleichszahlen:
-
Ausbau des Baregg-Tunnels mit 5. und 6. Spur mit dritter Tunnelröhre:
386,4 Mio. Franken pro Kilometer;
-
Projekt Seetunnel Rapperswil mit niveaufreien Knoten: 250 Mio. Franken
pro Kilometer
-
Die VBZ Zürich rechnet je nach
Strassenverhältnissen mit 14 bis 28 Mio. Franken pro Kilometer.
-
Beim Neubau des Trams in Mühlhausen kostete ein Tramkilometer
26.5 Mio. Franken.
|