St. Gallen, 20. Februar 2007. Als Ersatz
für die beiden veralteten Anlagen in Bad Ragaz und Wangs sollen zwei
neue, moderne Zubringerbahnen auf den Pizol erstellt werden. Statt einem
Berg mit zwei Gesellschaften und zwei Bahnen solle es nur noch eine Gesellschaft
für den gemeinsamen Berg geben. Sind zwei Zubringerbahnen aber nicht
doch eine zuviel? Mit welchen verkehrlichen Auswirkungen ist zu rechnen?
Und was sagt der Berg?
Den VCS überzeugt die Strategie nicht, innerhalb einer Entfernung
von gerade mal zwei Kilometern gleich zwei Zubringerbahnen zu erstellen.
Ein kostendeckender Betrieb – das räumt selbst das Konzept
PIZOL 2010 ein – setzt in erster Linie einen erfolgreichen Winterbetrieb
voraus. Zubringerbahnen sind gemäss Konzept per se nicht rentabel
zu betreiben. Bei zwei Bahnen fallen Betriebskosten gerade im verkehrsarmen
Sommerhalbjahr doppelt an. Die Eigenwirtschaftlichkeit und damit die Finanzierung
weiterer notwendiger Infrastrukturbauten – unter anderem Beschneiungsanlagen
– ist nicht gewährleistet. Da die mangelnde Schneesicherheit
wohl zunehmend für das ganze Berggebiet zum Problem wird, ist mit
steigenden Kosten für Energie und Wasser zu rechnen.
Die Wirtschaftlichkeit ist kein primäres Anliegen des VCS. Die
Erschliessung von zwei Talstationen durch den öffentlichen Verkehr
aber ist kostenmässig aufwändiger, was zu Lasten der Erschliessungsqualität
gehen könnte. Ein qualitativ guter öffentlicher Verkehr ist
zwingend. Die Bewilligungsinstanzen von Gemeinde und Kanton sind dazu
verpflichtet, dessen Qualität und Finanzierbarkeit zu überprüfen.
Der VCS zählt darauf, dass die Behörden dieser Verpflichtung
nachkommen.
Die Standorte der beiden geplanten Talstationen liegen nicht direkt
an einer Hauptstrasse, eine optimale Linienführung ist darum nicht
möglich. Andererseits ist auch die Lage der bisherigen Talstation
in Wangs-Pizol unbefriedigend: Der motorisierte und der öffentliche
Verkehr muss den ganzen Dorfkern durchqueren. Auch in Bad Ragaz rückt
die projektierte Talstation weiter vom Siedlungsgebiet weg, was ebenfalls
zu einer Verkehrsberuhigung im Ortskern führen dürfte. Gemäss
vorliegendem Umweltverträglichkeitsbericht wird die neue Bad Ragazer
Talstation 1800 Fahrten und damit rund einen Drittel mehr motorisierten
Verkehr verursachen. Dies ist aus VCS-Sicht sicher nicht willkommen, im
Vergleich zum grossen Verkehrszuwachs der letzten Jahre aufgrund neuer
Fachmärkte zwischen Sargans und Landquart aber weniger schwerwiegend.
Allein beim Pizolpark Mels beträgt das tägliche Verkehrsvolumen
nach Fertigstellung des Aus- und Umbaus 28'000 Fahrten.
Im Konzept PIZOL 2010 bezeichnen die Promotoren ihr Projekt mit den
beiden neuen Zubringeranlagen auf den Pizol als «ideale Ergänzung»
zum Angebot der Konkurrenzbahn auf die Flumserberge. Während die
Flumserberge wenige Schritte von einem S-Bahnhof entfernt lägen und
damit primär Benützer des öffentlichen Verkehr ansprechen,
würden sich die Zubringerbahnen auf den Pizol auf den Individualverkehr
ausrichten. Die unterschiedlichen Erschliessungskonzepte seien «geradezu
komplementär». Eine Haltung, die nicht auf viel Engagement
für den öffentlichen Verkehr hoffen lässt.

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Fehlende Gesamtsicht:
Die Finanzierung der Zubringerbahn ab Vilters-Wangs ist offen. Aus VCS-Sicht
müsste bei einer Realisierung beider Anlagen das Bewilligungsverfahren
für die Gesamtanlage verlaufen. PIZOL 2010 versteht sich als Gesamtkonzept,
und als solches hat es auch gemeinsame Auswirkungen auf das Strassennetz,
die Belastung der Luft und die Erschliessung durch den öffentlichen
Verkehr. Der jetzt vorliegende Umweltbericht beschränkt sich einzig
auf die projektierte Talstation und die Parkierungsanlage in Bad Ragaz.
Aus umwelt- und verkehrspolitischer Sicht ermöglicht dies kein aussagekräftiges
Gesamtbild. Im Rahmen der Klimadiskussion ruft der Berg jedenfalls sicher
nicht zwingend nach zwei Erschliessungsbahnen.
Quelle Bild: Planausschnitt Talstation aus www.pizol.com
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