St. Gallen, 10. Juni 2007. Der VCS Sektion
St.Gallen / Appenzell ist enttäuscht über das unausgegorene
Agglomerationsprogramm für die Region St.Gallen / Arbon Rorschach.
Es fehlen vom Bund nachvollziehbare, quantifizierbare Ziele sowohl zum
Gesamtverkehrsaufkommen als auch zum angestrebten Verhältnis zwischen
dem motorisierten Privatverkehr und dem öffentlichen Verkehr (Modalsplit).
Der VCS lehnt Investitionen in den Strassenbau ab, der parallel zum Ausbau
des öffentlichen Verkehrs erfolgen soll. Doppelinvestitionen sind
volkswirtschaftlich unsinnig und zeugen nicht vom notwendigen Mut für
eine wirksame Verlagerungspolitik.
Völlig zu kurz kommt im Entwurf des Agglomerationsprogramms der
Langsamverkehr, wo konkrete Angaben zu neuen Projekten gänzlich fehlen.
Dabei kommt gerade im Agglomerationsbereich dem Fuss- und Radverkehr eine
zentrale Rolle zu. Ein entsprechender Hinweis auf den Leitsatz der Richtplanung
der Stadt St.Gallen fehlt, wonach das künftige Verkehrswachstum mit
öffentlichen Verkehrsmitteln sowie mit Fuss- und Radverkehr zu bewältigen
ist. Der Anteil des Autoverkehrs im städtischen Raum wird häufig
überschätzt, während jener des Fuss- und Veloverkehrs als
vernachlässigbar wahrgenommen wird. Die als vorrangig genannten Ziele
«Wege verkürzen» und «Umlagern auf öV»
kommen bei den Mass-nahmen viel zu kurz. Massnahmen, die Strassenkapazitäten
erhöhen, widersprechen der Zielsetzung. Dies gilt insbesondere für
das Projekt einer zusätzlichen Ost-West-Strassenverbindung (Südspange).
Als positiv und dringlich bewertet der VCS hingegen die Bus-Eigentrassierung
als ersten Schritt hin zu einer modernen Stadtbahn Nord in Form einer
Durchmesserlinie Winkeln-Hauptbahnhof-Kronbühl - vielleicht mit einer
späteren Weiterführung nach Gossau bzw. Arbon. Diese Massnahme
verfügt über das grösste Potential zur Stärkung der
Verkehrserschliessung in der Agglomeration - und wäre im Vergleich
zum Ausbau des Strassennetzes deutlich kostengünstiger zu haben.
Die Beurteilung der Massnahmen nach Zielerreichung und Wirksamkeit fehlt
im Agglomerationsprogramm vollständig. Sie müsste durch den
Kanton auf der Basis von Fakten (Kosten, Nutzen, Wirksamkeit) erfolgen.
Es ist falsch, die Beurteilung der Massnahmen an politisch gefärbten
Wertungen aus in einer Vernehmlassung auszurichten. Die Fakten zeigen,
dass Investitionen in den Fuss- und Radverkehr sowie in den öffentlichen
Verkehr erstens kostengünstiger sind als ein weiterer Ausbau des
Strassennetzes, zweitens für die ganze Agglomeration sowie die Umwelt
mehr bringen, und drittens der Zielsetzung der Bundesvorgaben entsprechen.
Zu berücksichtigen ist auch, dass die Mittel des Infrastrukturfonds
beschränkt sind. Das Agglomerationsprogramm St.Gallen / Arbon-Rorschach
täte gut daran, sich an diesen Punkten zu orientieren. |
Infos:
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Verkehrsverbände fordern Nachbesserungen für den Fuss-
und Radverkehr |
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VCS Stellungnahme (pdf) |
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VCS ÖV-Offensive Agglo St.Gallen |
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Agglomerationsprogramme Kanton St.Gallen |
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Agglomerationspolitik des Bundes |
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