Abstimmung vom 9. Februar 2003:

Deutliches Nein zur Grünaustrasse Wil

 

10. März 2003: Am 9. Februar hat der Wiler Souverän ein deutliches Zeichen gesetzt: mit 57 zu 43 Prozent lehnte er nach einer engagierten Debatte den Bau der Grünaustrasse in Wil ab. Für diesen Erfolg war eine breite Gegnerschaft mit Vertretern aus allen Parteien verantwortlich; die VCS Ortsgruppe Wil und Sektion St. Gallen / Appenzell hat diesen Abstimmungskampf fachlich und finanziell unterstützt.

Gute Gründe für die Ablehnung:

Die Ablehnung der Grünaustrasse hatte verschiedene Gründe: Neben finanziellen Überlegungen und der Beeinträchtigung eines stadtnahen Naherholungsgebietes, überzeugte das Projekt auch aus verkehrsplanerischer Sicht nicht. Die Verkehrsentlastung im Zentrum Wil's wäre minim gewesen. Die eigentlichen Verkehrsprobleme etwa am Schwanenplatz hätten nicht gelöst werden können. Zudem hätten verschiedene Quartiere mit erheblichem Mehrverkehr rechnen müssen.

Wie weiter?

Die Gegner der Vorlage regten nach dem Abstimmungssonntag einen Neubeginn der Verkehrsplanung Wil an. An einem runden Tisch sollen konsensfähige Lösungen gefunden werden. Ein erster Schritt dazu könnten die vorgesehenen Verkehrszählungen sein, welche die Diskussion auf eine sachlichere Ebene führen könnten. Von den Stadtbehörden wurde immerhin angekündigt, die veraltete Verkehrsplanung aus dem Jahr 1980 zu überarbeiten. Weitere verkehrspolitische Grabenkämpfe sind aber in Wil auch in Zukunft nicht ausgeschlossen: zwei weitere Strassenplanungen, der A1-Westanschluss und die Regionalverbindungsstrasse, befinden sich weiterhin in den Plänen der Behörden.

Andreas Bernhardsgrütter

Umfahrungen scheitern vor dem Volk

Neue Strassen lösen unsere Verkehrsprobleme nicht, diese Formel findet offenbar eine immer breitere Zustimmung. Nachdem bereits den letzten Jahren in Uznach, Näfels und Gossau ent-sprechende Abstimmungen für den Bau von Umfahrungsstrassen vom Volk abgelehnt wurden, hat nun auch Wil mit 3250 Nein zu 2475 Ja Nein den Bau einer neuen Strasse in einem wichtigen Naherholungsgebiet abgelehnt. Die hohe Stimmbeteiligung von 55 Prozent zeigte, wie stark diese Vorlage die Bevölkerung bewegt hat.